Tag-Archiv für 'revolutionäre-aktion-stuttgart'

Ja, seid’s ihr deppert?

Ich kann nicht schlafen, anspruchsvolle Texte nicht mehr verstehen und bin sowieso neben der Spur, was kann es dann besseres geben als einen Blick auf Indymedia?
Frederik berichtet von der Demo gegen das neue Versammlungsgesetz in Stuttgart. Die Revolutionäre Aktion Stuttgart scheint dabei im antikapitalistischen Block das Sagen gehabt zu haben und nutzt diese Möglichkeit direkt nochmal ihre Idiotie unter Beweis zu stellen.

[…], im Vorfeld wurde bekannt gegeben das antideutsche und ähnliche Strömungen im Block nicht erwünscht sind und auch gegen Provokationen von dieser Seite vorgegangen wird… Das hat (wohl eher wegen der straighten Formulierung) zwar bei einigen für etwas befremden gesorgt (vermutlich weil man so was in der deutschen Linken nicht gewohnt ist), hat aber dazu geführt, dass es im Block keine Streitereien und eben auch keine allzu dämlichen Parolen gab!!!

Beispiele für solche »dämlichen Parolen« findet man dann übrigens in den Kommentaren, »Nie wieder Deutschland!« zählt dazu.

Ein weiterer Block, von Leuten die sich von Antideutschen u.ä. nicht so stark abgrenzen wollten und denen die diesen selber angehören. Ärgerlicherweise formierte sich dieser Block (ohne Vorankündigung) direkt hinter dem antikapitalistischen Block […]

Himmel hilf, die Antideutschen plus die Stimmen der Restvernunft wollten glatt noch im Demozug bleiben. Direkt ist nebenbei auch immer Definitionssache:

außerdem sollte eine formierung direkt hinter dem ersten block vermieden werden, damit es nicht zu auseinandersetzungen kommt. deshalb lief der zweite block auch hinter einer gruppe die sich afki (oder so ähnlich) nannte.

Kommentar von umsganze am 08.12.2008 – 00:03

♥Tekknoatze

Krieg bloed, NATO bloed, Demokratie gut

Das koennete man als ungefaehren Mitschnitt des Aufrufs zu den antikapitalistischen Blöcken auf den Demos am 20.09.08 in Berlin und Stuttgart angeben.
An keiner, wirklich keiner Stelle des Textes gelingt es der Revolutionären Perspektive Berlin und der Revolutionären Aktion Stuttgart ihre selbstgesetzten Ansprüche zu erfüllen.
Wo am Ende eine Parole „Für den Kommunismus“ wirbt steht vorher nichts als moralisierendes Friedensgeseier, dem man tatsächlicn gerne des Ausspruch Walter Sobchaks „Pazifismus ist nichts, wohinter man sich verstecken kann“ entgegenhält.
Denn eine tatsächliche Kritik am Kapitalismus kann oder will nicht geleistet werden, Gegen Krieg, so scheint es, scheint schon gegen Kapitalismus zu sein.
In all dem Schlechten, das die ganze Zeit angegeben und unter der Rubrik „boese“ abgeheftet wird sticht dann ein Absatz zu den vermeintlichen Opfern jenes Bösen heraus:

Die jetzigen angeblichen Hauptfeinde, die Taliban, wurden jahrelang unterstützt, finanziert und in ihre Vorgänger im Kampf gegen die Sowjetunion als »Freiheitskämpfer« gefeiert – erst als sie sich weigerten den westlichen Regierungen weiter entgegenzukommen wurden sie zu Terroristen erklärt und damit der Krieg begründet.

Eins ist klar: Terroristen werden die achso harmlosen Taliban nur genannnt, weil der Westen das als Kriegsrechtfertigung braucht. Davon, dass die Taliban islamistische Spinner sind kann zugunsten des eigenen Ziels aus dem Aufruf weggelassen werden um so eine Gruppe, die eben nicht bloß das harmlose Opfer ist zu ebenjenem zu stilisieren, vor diesem Kontext wirkt auch die Forderung nach „[…] Unterstützung der afghanischen Opposition gegen […] religiöse Fundamentalisten“ nur wie eine dahingesagte Formel um sich aus diesem Sachverhalt rauszuwinden.
Nächster Punkt, der „eines Kommunisten unwürdig ist“ (K. Held), der ätzende Demokratieidealismus der aufrufenden Gruppen:

Die »demokratischen« politischen Kräfte auf die sich die Besatzer stützen setzen sich aus Warlords, Drogenbaronen und korrupten Politikern zusammen. Diese halten an der Scharia als Gesetzgebung fest und gehen rigoros gegen soziale Proteste und oppositionelle Bewegungen vor.

Klar ist: das was die da machen ist überhaupt keine Demokratie, wie Demokratie nämlich geht wissen wir ja. Später nochmal eindrucksvoll belegt:

Die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland lehnt eine Kriegsbeteiligung der Bundeswehr ab, dennoch hat die Friedensbewegung in den letzten Jahren an Dynamik verloren. Mit den Demonstrationen und weiteren Aktivitäten soll nun auf die Eskalation des Krieges und die Ausweitung der Militäreinsätze reagiert werden.

Ebenso klar: die Mehrheitsgesellschaft hat Recht. Das Problem scheint ja jetzt nur, dass die Deutschen sich nicht bewegen wollen und lieber zu Hause auf dem Sofa und vor der BILD ihre Probleme bejammern wollen.
Aber das soll sich jetzt ändern! Deutsche kriegt euren Arsch hoch, so dir letztendliche Lesweise des Aufrufs, ein verzweifelter Versuch alá ALB die Menschen, „auf ihrem Standpunkt abholen“ zu wollen und damit schon fernab jener kommunistischen Begierde, die Gesellschaft aufzuruckeln und umzuschmeißen.
Ein weiteres Problem, dass die Gruppen knallhart recherchiert haben ist, dass aber die Demokratie nicht nur in Afghanistan nicht so funktioniert wie immer gewünscht, auch in Deutschland scheint die dem schönen Idealismus einen Strich durch die Rechnung zu machen:

Es gilt jedoch, sich nicht darauf zu verlassen, dass die bürgerlichen Parteien allein aufgrund von Massenprotesten von ihrem Kriegskurs Abstand nehmen.

Die Ursache dafür ist für unsere selbsternannten AntikapitalistInnen ürigens einfach gefunden, diese PolitikerInnen haben ja schließlich Macht sind deswegen, „Verwalter und Profiteure“ des Kapitalismus und können somit automatisch „nicht Teil einer Lösung sein, sondern sind Teil des Problems“.
Nur mit den ArbeiterInnen ist die Revolution zu machen! Alles klar.
Von einer Analyse der Funktionsweisen des Kapitalismus, die selbst bei oberflächlicher Betrachtung, schon zeigt, dass Otto Normal ebenso ein Teil des Systems ist wie Angela Merkel scheinen die IdealistInnen nicht viel zu halten.
Damit verstaerkt sich nur noch ein Eindruck: wie auch immer diese Personen sich nennen moegen: vom Kommunismus haben sie nicht die Bohne verstanden.

♥Tekknoatze