Tag-Archiv für 'religion'

Kurz verlinkt 2010-02-02

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Ich weiß was ich nächsten Sonntag mache.

Die Kriche wird immer symphatischer, der Christian Science Sentinel stellt die Frage was Moses ohne Google gemacht hätte kommt kreuz und quer auf eine noch genialere Idee, und das nicht wie alle anderen gesellschaftlich wichtigen Ereignisse in Berlin oder dem Vatikan, nein hier, direkt in Hannover. Ich bin voller Freude:

Sonntag, 13. September 2009
»Geschenkte Gaben«

Mit einer ungewöhnlichen Aktion meldet sich das KREUZundQUER-Team zurück aus der Sommerpause. 5 Euro für Dich! Was machst Du daraus? So lautet die spannende Frage.

Rund 1000 Euro hat sich die Gemeinde diese Aktion kosten lassen. Geld, das natürlich auch sinnvoll für andere Dinge ausgegeben werden könnte. Die Gemeinde ist trotzdem zuversichtlich, das sich diese Investition lohnt. Das bei solchen Aktionen häufig aufkeimende Medieninteresse ist allerdings nur Nebenzweck. Letztendlich geht es – wie im entsprechenden Gleichnis über die anvertrauten Pfunde (Lukas 19,11-27)(Matt. 25,14-30) – um das Nachdenken über die eigenen gottgegebenen Talente und Fähigkeiten und die Ermutigung zum verantwortungsbewussten, selbstbestimmten Handeln.

Quelle
Wer kommt mit? Ihr seid alle hezlichst eingeladen. Und ich bitte euch: Geld von Gott der Gemeinde kann man doch wohl kaum ausschlagen, schon gar nicht weil sonst damit Sachen angestellt werden, die Christ_innen für sinnvoll erachten, zum Beispiel ein neues Dach für das gastgebende Gotteshaus, Bibelstunden oder Bücher über Gott. Und das kann man ja nun wirklich nicht wollen.
Also bis Sonntag in der Lutherkirche, Genoss_innen.

P.S. Ich bitte darum bis zur Auszahlung andächtige Stille walten zu lassen, sonst muss das noch abgebrochen werden.

Die Kritik der Kirchen?

Für Deutschland ist die Kritik der Religion im wesentlichen beendigt, und die Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik.

Die profane Existenz des Irrtums ist kompromittiert, nachdem seine himmlische oratio pro aris et focis |Gebet für Altar und Haushalt| widerlegt ist. Der Mensch, der in der phantastischen Wirklichkeit des Himmels, wo er einen Übermenschen suchte, nur den Widerschein seiner selbst gefunden hat, wird nicht mehr geneigt sein, nur den Schein seiner selbst, nur den Unmenschen zu finden, wo er seine Wirklichkeit sucht und suchen muß.

Karl Marx, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung

Bei der autonomen Antifa [F] sieht das schon anders aus. In einem Redebeitrag äußern sich die wackeren Antifaschist_innen1 zur Säkularisierung.
Viel revolutionäres scheint der Frankfurter Verein zu diesem Gegenstand nicht beitragen zu wollen. Um eine Kritik des Opiums für das Volk geht es schon lange nicht mehr man begnügt sich damit festzuhalten, dass »Religionsfreiheit [..] daher zu aller erst gleiche Rechte für alle« heißt. Damit aber nicht genug, für die Antifa »als Linke« heißt das vor allem sich »maßgeblich für das Recht auf Freiheit von der Religion für alle einsetzen.« Denn »Religion ist Privatsache und das soll sie auch wieder werden.«
Die Hauptsache so scheint es sei endlich das Paradies vom Jenseits auf die Erde zu holen und »Kirchen zu Trinkhallen, Moscheen zu Tanzschuppen« umzudesignen, »langfristig« natürlich. Wenn dann auch die letzte Moschee ein Berghainabklatsch und die letzte Kirche ein gut laufendes Oktoberfestzelt ist, herrscht endlich der Geist von Sherry statt Sharia und alle sind glücklich. Nur das mit den gesellschaftlichen Grundlagen von denen am Anfang geredet wurde, das hat immer noch niemand verstanden, in diesem Paradies voller säkularer Staaten, die, ganz ohne dass ihr Herrschafspersonal dazu auf die Bibel schwört, das vermeintliche Paradies Tag für Tag durch Lohnarbeit, Bullenknüppel und Drogengesetze zur Hölle machen. Da nutzt dann auch der beste Moscheeklub und die tollste Kirchenkneipe nichts, selbst die in Synagogen geparkten Cocktailbars können das Frankfurter Paradies nur im zynischen Rausch zum Paradies machen.

  1. Antifa ist bei denen nämlich alles oder auch der »Kampf gegen die gesellschaftlichen Grundlagen aus denen heraus Menschen die Bereitschaft entwickeln, reaktionäre Denk- und Verhaltensmuster anzunehmen.« Dabei wusste auch ums Ganze schonmal, dass der Gesellschaft »als Ganzes antifaschistisch eben nicht beizukommen ist.« [zurück]