Tag-Archiv für 'griechenland'

Kann mir das mal jemand erklären?

»regierung stürzen« ruft zu einer Demo nach Hamburg anlässlich der Vorfälle in Griechenland auf (PDF). Da bleiben doch wenigstens 2 Fragen offen:
1. Seit wann ist Aufstand denn bitte ein Argument? Aufstand ist eine Aktionsform, aber ein Argument, prüft doch mal!
2. Die Abschaffung des Patriarchats zu fordern ist eine lobenswerte Sache, anhand der Vorfälle in Griechenland ließe sich gar vortrefflich analysieren, dass auch die Linke dort alles andere frei von solchen Mustern ist. Sind doch auf den Bildern (wie üblich) beinahe nur vermummte Männer zu sehen, die sich mit den gepanzerten Männern der Staatsgewalt Straßenschlachten mit Tränengas, Mollis, Steinen und allem anderen liefern. Nun wollt ihr das »Patriarchat versenken« und die emanzipative Gesellschaft ist »auch antipatriarchal[en]«. In euerm ganzen Text sagt ihr aber nichts über das Patriarchat, sondern über fliegende Steine, Aufstand und eine davon ausgehende Aufbruchstimmung. Patriarchat abschaffen scheint mehr so eine nette Nebenforderung zu sein, ein linker Standart der anscheinend alleine durch Nennung schon abgehandelt ist. Glaubt ihr tatsächlich, dass das einer Analyse Genüge tut?

♥Tekknoatze

cutted- pasted V

Es geht schon wieder los. Magdeburg again.
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rockstar hatte ja auch schon versucht die K-Frage mit Inhalt zu füllen, das deutsche Atomforum will der Interventionistischen Linken in keinem Fall nachstehen und beantwortet die undefinierte Frage nach dem K mit Klimaschutz.
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Magdeburg 2: Original vs. »wir wollten auch nen Header, hatten aber keine eigenen Ideen und haben mal nebenan geguckt«
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Aus der taz vom 05.12.08:

Homophobie ist im deutschen Herren-Fußball verbreiteter denn je. Sanktionen muss dabei nur fürchten, wer sich als schwul outet. Lobbyisten fordern deshalb harte Strafen für feindliche Parolen. Homosexuelle im Fußball- Die schwule Nebensache

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Aus der Jungle World vom 04.12.08:
Unterm Klebeband- Ein Plädoyer für einen Feminismus in der antideutschen Gesellschaftskritik. vom Antifaschistischen Frauenblock Leipzig.
Die Jungle World hat als momentanes Thema übrigens »Could we? Die amerikanische Linke und ihr neuer Präsident«. Mit Artikeln von Rob Augman, Bernd Volkert, Malte Meyer, sowie einem Interview mit einem der Herausgeber des New Yorker Magazins n+1 Mark Greif. Ich weiß nichtssagend Wendy, aber nichtdestsotrotz lesenswert (ein weitergehendes Urteil erspar ich mir erstmal, weil ich nicht alle Artikel ganz gelesen hab).
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tears and anger greece berichtet von neuen Schüssen seitens der Polizei in Griechenland. tears and anger ist sowieso eine meiner Empfehlungen für die Leute, die über die Situation in Griechenland aktuell informiert sein wollen.
ponyhof hingegen hat aus irgendwelchen Gründen die Illusion gehegt, dass »wir von den Bullen etwas anderes zu erwarten haben als Repression, Gewalt und Tod.«
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Ein wenig Musik, erstens sei gesagt, dass es noch vor Weihnachten einen zumindest mit winterlichem Motiv (nein, nicht der brennende Weihanchtsbaum) ausgestatten Sampler geben wird. Zweitens bin ich bei You can call me Pelski über einen Rex The Dog Remix vom Sounds Song Tony The Beat gestolpert, den ich euch nicht vorenthalten möchte:

Aus der Rohmasse zum Sampler stammt auch dieser feine Track, der zwar schon ein paar Tage auf dem Buckel hat deswegen aber nicht weniger wahr wird: Supershirt- Punk ist was du draus machst:

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Während ich diese Zeilen verfassen leert sich die Flasche Alkohol neben mir rapide. Da find ich es super, dass es staatliche Aufklärungskampagnen gibt. Jetzt weiß ich nämlich, dass 25% aller Straftaten unter Alkoholeinfluss begangen werden, was wiederum bedeutet 75% ohne Alkhol, was wiederum bedeutet: Ein Mensch der nicht getrunken hat ist 3 mal gefährdeter Straftaten zu begehen als ein Mensch, der getrunken hat. Deswegen wird auch der Rest OverSeas Zinfandel Rosé (Edeka, 2,99€ lohnt sich!) noch meine Kehle hinunterfließen und ich werde danach mitunter legalistisch (sagt die Statistik).
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Bald ist Tag der Menschenrechte. Das ist klasse denkt sich Angela Merkel und stottert in ihrem Podcast einige Worte an die Nation (was mir heute wieder aufgefallen ist: rhetorisch ist die Dame eine Null und sollte sich dringend 3-4 Scheiben bei Ursula von der Leyen abschneiden, die kann wenigstens gut reden), in denen sie erklärt was für ein toller Ort Deutschland doch sei, jetzt wo die DDR endlich wieder demokratisch ist und mit den Rechten der Menschen hierzulande alles im Lot.

Zynisch mag das für die Opfer rassistischer Polizeigewalt sein, ein Thema, dass durch das Prozessende im (für mich immer noch) Mordfall Oury Jalloh wieder ein wenig mehr mediale Aufmerksamkeit erfahren hat. Einen unbedingt lesenswerten Artikel dazu bietet die Frankfurter Rundschau. Nebenbei schon der zweite Artikel in diesem Gepaste, bei dem der gute Medium mir mit dem Bloggen zuvor kam.
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Ich will auch langsam zum Ende kommen. Vorher noch mein Lacher des Tages. Als ich vorhin den Quo vadis Græcia? Artikel verfasst habe waren die einschlägigen Nachrichtenportale voll mit der Nachricht, dass die Pendlerpauschale wieder zurück sei. Zumindest Spiegel Online mahnt aber mittlerweile zur Zurückhaltung:

Die Verfassungsrichter haben die bisherige Regelung im Prinzip nur deshalb gekippt, weil sie schlecht begründet war. Denn das Gesetz wurde geändert, um den Haushalt zu konsolidieren – das „kann für sich genommen die Neuregelung nicht rechtfertigen“, sagte Andreas Voßkuhle, der Vizepräsident des Gerichts.

Lacher Nummer 2 übrigens der Gouverneur des US-Staates Illinois Rod Blagojevich, der Obamas Senatssitz auf korrupte Art und Weise neu besetzen wollte. Props und meine volle Solidarität dafür, wenn noch jemand einen Senatssitz, Bundestagsmandat oder sonstwas hat, immer her damit.
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Eine ganz gehörige Schelte hat sich die »Antifaschistische Aktion Rostock« nach eigenem, Bekunden eine VVN-BdA nahe Gruppe (was dann noch das Gewehr in eurem Header soll ist die Frage) für das Sampling von diesem Text verdient.
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In vino veritas (heute ist Lateintag bei EinBlog)
♥Tekknoatze

Quo vadis Græcia?

Nachrichten aus Griechenland haben, Blogger_innen (mich eingeschloßen), nicht Bloger_innen, Antifa-Gruppen, Krawalltourist_innen, nun eigentlich den Meisten, allerhand Spaß gemacht. Gezündelt wurde, Advent mit einer riesigen Kerze mitten in der Stadt begangen und dabei in gemütlicher Weihnachtsatmosphäre »Oh Tannenbaum« gesungen.
Nachdem Griechenland in den letzten Tagen dann auch die Medien von Springer bis junge Welt beschäftigte, ebbte die Welle der Begeisterung heute ab, Pendlerpauschale, das Urteil gegen den »Kofferbomber«, der sich nebenbei ganz stilecht mit gestrecktem Mittelfinger aus dem Prozessaal verabschiedet, und die Wirtschaftskrise sowieso sind wieder in aller Munde.
Der Spaß, bloß zynisch werden, für die griechischen Aktivist_innen, die den Staat zeitweise an die Grenze seiner Gewalt brachten, wird aber jetzt erst beginnen. Die griechische Regierung muss jetzt Handlungsfähigkeit beweisen, will sie nicht schneller weg vom Fenster sein als ihrerzeit die Popstars-Looser Nu Pagadi. Die griechische Regierung wird auch handeln. »Wir müssen die Menschenrechte achten und den Chaoten das Handwerk legen. Das ist nicht so leicht.« so der griechische Innenminister Prokopis Pavlopoulos.
Leitzitat für den Kurs der Regierung gegen die unliebsamen Störer_innen wird das werden, auch Kostas Karamanlis, seines Zeichens Ministerpräsident will »die Chaoten isolieren und verurteilen. Das ist unsere Pflicht«.
Exarchia und die gesamte linksradikale Szene Griechenlands wird eine riesige Repressionswelle bevorstehen. »Keine Gnade« so Karamanlis will man den Randalierer_innen entgegen bringen, keine Gnade will Karamangis nebenbei auch für den Mörder in Polizeiuniform gelten lassen, alle gemeinsam gegen Werteverfall und für die Demokratie, für den Rechtsstaat, denn das der Vorfall an diesem gekratzt habe wurde schon Sonntag in den ersten Reaktionen deutlich.
Alle gemeinsam muss man nicht zweimal sagen, auch der Chef der sozialistischen Partei Griechenlands, immerhin Mitveranstalterin der andauernden Proteste und Mahnveranstaltungen, Giorgos Papandreou wendet sich gegen die »häßlichen Bilder«, bemängelt, dass das »Land nicht über eine Regierung [verfügt], die den Bürger schützen kann« und erkennt »Wir alle müssen uns gegen die Gewalt wenden, egal wo sie herstammt.«
Das Kern des Problems und den Grund für die seit Jahren andauernden immer wieder aufschwellenden Unruhen in Griechenland, die systemische Gewalt steht da natürlich nicht zur Debatte, wozu denn auch, die Bürger_innen gehören ja schließlich geschützt.
Man kann also davon ausgehen, die Revolution ist ausgeblieben, das es weitergehen wird, auch nächsten Monat wird »der blinde Hass auf [den] Kapitalismus« (Spiegel Online) noch bestehen, gar nicht so blind sein und sich wieder regelmäßig an Banken, Polizist_innen und multinationalen Unternehmen manifestieren. Griechische Zustände halt, Zustände, die auch im Normalvollzug die absolute Katastrophe sein mögen, Zustände aber immerhin an denen die Gewalt nicht nur vom Staate ausgeht sonder, hin und wieder, auch auf diesen gezielt ist.
Ein Ende der Gewalt, ein Ende der griechischen Zustände wird es sobald nicht geben, denn Repression und Vergeltung seitens des sich beleidgt fühlenden Staates haben noch nie Reformen gebracht.
Eine Perspektive jenseits des Staates, das sollte die Linke auch erkennen, hat sich aus den Protestens aber auch nicht ergeben. Sozialer Kampf vielleicht, aber letzlich nur eine für die bessere Verteilung des Reichtums, für Reformen nicht für die Revolution. Vielleicht aber sozialer Kampf, der ein paar hundert Leuten klar gemacht hat, dass mit Staat und Gewalt keine Freude zu haben ist, es letzlich nur eine Frage der Zeit ist bis wieder ein Mensch tot auf dem Boden liegt. Dann wird aber kein Aufschrei durch die Massen gehen, denn der nächste Mensch, der vom System ermordet wird ist höchstwahrscheinlich ein_e Verhungerte_r oder Erfrorene_r, keine_r, der öffentlichtskeitswirksam mit einer Kugel aus einer Polizeipistole auf der Straße liegen bleiben wird.

♥Tekknoatze

Edit: »Gänsehaut.« (Keta Minelli)

gefunden bei toasty

Found

Wer griechische Anarchisten (oder andere ihrer organisierten linksradikalen Landsleute) einmal bei der Arbeit zugesehen hat, wird nicht umhinkommen, ihnen Know-how und Professionalität zu attestieren – selbst wenn linksradikale Politpuristen sich ab und an über den „Militanzfetisch“ beschweren. Aber ein Automechaniker muss sich nicht mit dem Pessimismus bei Schopenhauer beschäftigen, und dem Philosophen kann der Unterschied zwischen Kupplung und Bremspedal egal sein. Arbeitsteilung ist, wenn ein jeder seinen Job erledigt.

»blinder Hass auf Kapitalismus«

Gestern versuchte Spiegel Online die Interessen der Autonomen, die Griechenland anzündeten zu entpolitisieren:

Eine politische Idee ist hinter den Zerstörungstrips, zu denen die Vermummten mit ihren Rucksäcken voller Steine und Molotowcocktails von hier aus alle paar Monate aufbrechen, nicht zu erkennen – außer dem blinden Hass auf Kapitalismus, Globalisierung, Banken und Großkonzerne.

Angesichts der Tatsache der Besetung des girechischen Konsulats in Berlin wird heute schon moderater berichtet, die Bestzer haben Flyer mit dem Symbol der Hausbesetzer aus den Fensterns geworfen, eine politische Meinung, die anscheinend auch SpON nicht so weiteres übersehen kann.
Den Bullen in Griechenland ist nebenbei das Tränengas ausgegangen, in der puren Not werfen Bullen halt auch mal mit Steinen.

Aber neben all dem Riot-Porn, der sowieso auf allen Kanälen läuft:
Die beiden Polizisten, die wegen des Todes von Oury Jalloh angeklagt waren wurden heute freigesprochen. Wie ein an Händen und Füßen gefesselter Mensch sich selbst anzünden kann bleibt wohl der Phantasie des Richters überlassen. Hintergründe zum bisherigen Verlauf des Protests bietet Indymedia.

♥Tekknoatze