Tag-Archiv für 'gender'

GenderCamp 07. bis 09. Mai 2010.

Das GenderCamp wird als 3-tägiges Workshop-Event à la BarCamp mit Themen aus den Bereichen »Gender« und »Internet« sowie dessen Schnittmengen und Zwischenräumen vom 7. bis 9. Mai 2010 im ABC Bildungs- und Tagungszentrum in Hüll (bei Hamburg) stattfinden. Ein BarCamp ist eine »ad-hoc-Zusammenkunft«, die den Zweck hat, Menschen Raum zum Austausch und zum gemeinsamen Lernen zu bieten. Das GenderCamp ist ein offenes Event für Diskussionen, Workshops, Vorträge und andere Präsentations-, Lern- oder Arbeitsformen, die durch die Teilnehmenden aktiv gestaltet werden. Angestrebt wird, das jede_r aktive Teilnehmer_in ist und nicht bloß Zuhörer_in.

Die Anmeldung ist jetzt möglich. Also melden, melden, melden.

Fußnotenunsinn.

derivat hat mir bei meta.copyriot Beispiel Eins schon vorweggenommen, weil die Linke aber mehr als ein Buch geschrieben hat finden sich auch mehr Beispiele für Unsinn in Fußnoten. Neben ums Ganze und ihrer Grundsatzbroschüre Teil 1 werden noch Michael Heinrich mit seiner Fußnote zum Geschlecht in Kritik der politischen Ökonomie – Eine Einführung sowie Peter Decker und Konrad Hecker mit ihrer Fußnote in Das Proletariat behandelt.


1. ums Ganze; Staat, Weltmarkt und die Herrschaft der falschen Freiheit

Dieser Text verwendet bei Gattungsbegriffen das grammatische Maskulin. Wir sind uns der Diskussion um die sprachliche Repräsentation anderer geschlechtlicher Identitäten bewusst, vertreten dazu aber keine einheitliche Position.

Es reicht ja auch sich irgendeines Problems bewusst zu sein, das gibt man dann noch an ist stolz drauf und die Sache hat sich gegessen, oder wie derivat sagte: … und finden das auch nicht so wichtig und benutzen deswegen halt weiter die hegemonialen heteronormativen Kategorien.


2. Peter Decker und Konrad Hecker; Das Proletariat

Um das vorab klarzustellen: Wir glauben nicht, dass den Frauen im Kapitalismus ausgerechnet das »/sie« hinter jedem männlichen Personalpronomen und das »/in« hinter jeder Endung auf »-er« zu ihrem Glück fehlt, und sparen uns deswegen diese sprachliche Albernheit.

Während ums Ganze sich »immerhin« eines Problems bei der sprachlichen Repräsentation bewusst zu sein scheint dringt der Hauptwiderspruch, der so nicht mehr genannt wird, bei diesem Werk wieder ganz in den Vordergrund. »Albern« sei es sich um die Probleme durch eine männlich hegemonierte Sprache zu sorgen. Und warum? Weil frau damit nicht das Glück im Kapitalismus erreiche. Ja, prima. Da haben sie sogar recht. Vor allem weil das mit dem Glück in einem System, dass auf der Ausbeutung der Arbeitskraft beruht sowieso immer so eine Sache ist, der zwar überzeugte bürgerliche Individuen nachgeiern, die aber spätestens bei der nächsten Entlassung sich wieder als Wunschtraum rausstellt. Deswegen fehlt das »den Frauen« auch keineswegs zu ihrem Glück im Kapitalismus, nur geht das auch am Gegenstand vorbei.


3. Michael Heinrich – Kritik der politischen Ökonome – Eine Einführung

Eine Anmerkung zu geschlechtsspezifischen Schreibweisen: Es ist mir bewusst, dass die deutsche
Sprache Frauen ignoriert, indem die männlichen Formen zugleich geschlechtsübergreifend benutzt
werden. Als Reaktion wurde das große »I« eingeführt. Dessen konsequente Anwendung würde gerade
beim vorliegenden Thema aber zu einer neuen Ignoranz führen: während es bei »ArbeiterInnen« seine
Berechtigung hat, verdeckt es bei »KapitalistInnen« oder »PolitikerInnen«, dass Frauen nur recht selten
Kapitalistinnen oder Politikerinnen sind. Ich habe deshalb auf das große »I« verzichtet, spreche aber
häufig von »Arbeitern und Arbeiterinnen« etc.

Als einziger ist sich Heinrich des Problems offenkundig bewusst und nimmt dies auch ernst ohne es doof abzutun. Meiner Meinung nach geht aber auch diese Form der Lösung an einer vernünftigen Lösung vorbei. Es ist zwar offenkundig richtig, dass Frauen gegenüber Männern im Bereich der Herrschaftspositionen in Wirtschaft und Politik unterrepräsentiert sind, aber gerade denen, die trotzdem in diesen Positionen arbeiten wird das Weglassen nicht gerecht. Denn durch die alleinige Rede von Kapitalisten wird dann doch mehr verschleiert als erklärt. Desweiteren bleibt Heinrich auch beim Binnen-I stehen und somit in der zweigeschlechtlichen Matrix verfangen. Ziel des Unterstriches ist ja aber gerade diese Formen aufzubrechen und Menschen, die sich nicht in der Matrix verorten wollen, die sich nicht als Mann oder Frau sehen einen Raum zu geben.

Aber es geht auch anders. Deswegen hier noch 3 Gegenbeispiele:


Bini Adamczak


Bini geht in ihren Texten quasi auf Gegenposition und verwendet konsequent die weibliche Form. So entstehen zwar allerlei utopische Formen zum Beispiel Ritterinnen etc. das Problem der männlich hegemonierten Sprache wird aber radikal zur Schau gestellt, eben dadurch, dass die die eigentlich immer abräumen konsequent links liegen gelassen werden.

Georg Klauda; Die Vetreibung aus dem Serail


Klauda verwendet in seinem Buch den Unterstrich und schreibt dazu:

Ich benutze den Unterstrich zur Erzeugung eines geschlechtsneutralen Plurals. Im Unterschied zum großen I verweist der Unterstrich darauf, dass die Kategorien »männlich« und »weiblich« eine sprachliche Leerstelle hinterlassen, da sich nicht alle Menschen in diesem binären System eindeutig verorten können. Vgl. s_he »Performing the Gap«


Fast Forward Hannover


Und schlußendlich FFH, die zum Thema in ihren Texten schreiben:

Wir verwenden in unseren Texten, wenn es um Geschlechtlichkeit geht, den Unterstrich, wie z.B. bei »Scheisspolizist_innen«, um die herrschende Zweigeschlechtlichkeit der deutschen Sprache aufzubrechen. So eröffnet der Unterstrich einen Raum für alle, die sich nicht den beiden Polen hegemonialer Geschlechtlichkeit unterordnen wollen. siehe dazu: A.G. Gender-Killer

Unbehagen von Gewicht.

Lautet der Titel der neuen Phase2, also #32, die sich mit mit dem »kritischen Potential von Queer« beschäftigt. Eine sehr lesenswerte Einführung in die aktuellen Diskurse um queer, Heteronormativität, Patriarchat, sex, gender und desire.
Im letzten Artikel des Schwerpunkts, Prothetisierung und Sowjetmacht, setzt sich Oliver Jelinski mit der Revolutionierung der Geschlechterverhältnisse auseinander. Zitiert wird im Anschluß die Einführung in den Artikel, die sich, finde ich, sehr treffend mit marxistischen Vorurteilen und Problemen in puncto Geschlechterverhältnis auseinandersetzt:

Für TheoretikerInnen, deren Blick auf gegenwärtige Gesellschaften wesentlich durch die Marxsche Analyse des Kapitals strukturiert ist, ist der Umgang mit Geschlechterverhältnissen stets ein Problem. Während dem Kapitalverhältnis und den mit seinem Prozessieren notwendig einhergehenden Brutalitäten mit einem einfachen, fast realpolitischen ersten Schritt zu begegnen ist, nämlich mit der Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln und der Übergabe der Kontrolle über Produktion und Distribution an Räte, Sowjets, scheint erstens solch eine Umstrukturierung des Reproduktionszusammenhangs Geschlechterverhältnisse keinen Abbruch tun zu können. Zweitens ist auch kein anderer Ansatzpunkt in Sicht, von dem aus man den Geschlechterverhältnissen die Grundlage entziehen könnte. So etwas wie eine klare Grundlage der Geschlechterverhältnisse scheint es noch nicht einmal zu geben. In marxistischen Gruppen wird die queere oder nicht queere theoretische und praktische Arbeit gegen Geschlechterverhältnisse deshalb häufig milde belächelt oder, auch wenn das heute nicht mehr so heißt, als Nebenwiderspruch abgetan, eben, weil sie immer mit den Erscheinungen kämpft und nicht gegen das Wesen. Noch häufiger allerdings wird solche Arbeit freundlich abgenickt und höflich begrüßt, weil man ja nicht sexistisch wirken will. Selber würde so ein Marxist das aber nicht machen, jedenfalls nicht, solange es sich nicht direkt auf das Kapital beziehen lässt.
Und getrennt vom Kapital sind Geschlechterverhältnisse ja nicht. Tatsächlich änderte sich auch hier mit der Vergesellschaftung der Produktionsmittel im progressiven Sinne Entscheidendes: Ungleiche Bezahlung für Frauen und Männer erledigte sich mit der Abschaffung der Lohnarbeit von selbst; der Konkurrenz um Arbeitsplätze und in Statusfragen, die dankbar Geschlechterverhältnisse als Kampfmittel aufnehmen kann, würde zumindest ihre notwendige Vermittlung mit der individuellen Reproduktion genommen. Auch der vielfach als strukturelle Grundlage der Geschlechterverhältnisse beschworenen Sphärentrennung von produktiver und reproduktiver Arbeit dürfte ihre materielle Basis entzogen sein, wenn das, was heute als produktive Arbeit gilt, nicht mehr als etwas auftaucht das vom Kapital gewährt wird und wofür man dankbar zu sein hat, was also eine gesellschaftliche Auszeichnung darzustellen scheint, sondern als eine schlichte Notwendigkeit zur gesellschaftlichen Reproduktion.

Oliver Jelinski, Prothetisierung und Sowjetmacht- Über das Reale in queer, warum die Abschaffung des Kapitalverhältnisses noch keine Geschlechterverhältnisse revolutioniert und wie Sexualtechnologie dabei helfen könnte. in Phase2 #32, Seite 28

Anschließend daran passt der folgende Ausschnitt von geschlecht ist konstruiert auch sehr gut:

Geschlechtsspezifische Machtverhältnisse werden aber in der Linken wahlweise als Nebenwiderspruch (Wir haben jetzt aber echt wichtigeres zu tun) abgetan, empört verleugnet ( Wir sind doch keine Sexisten!) oder (auch ich fördere eine Frau) paternalistisch zugedeckt. Diesen Umgangsweisen gemein ist, das sie eine kugelsichere Distanz zu diesem Thema aufzeigen. Denn viele Männer leben mit der Gewissheit eben ein Guter – und damit kein Gesprächsthema zu sein. Dabei tragen sie die Grundnorm der hegemonialen Männlichkeit, die zugleich ihre eigene verinnerlichte und gelebte ist, unfähig sie als solche zu be- und schon gar nicht anzugreifen. Auch in unseren Zusammenhängen ist die gesellschaftlich-tradierte Norm der Männlichkeit unangefochten akzeptiert und wird –meist sogar zufrieden und durchaus stolz- von den Männern der Szene praktiziert. Gestützt vom platten Spruch »Wir sind die Guten«, der in Worte fasst, was die meisten Antifas tatsächlich für sich in Anspruch nehmen, ist zwar nett, suggeriert aber, damit im Machtverhältnis auf der guten Seite zu stehen, zumindest nicht Täter, Herrscher zu sein, jedes Hinterfragen ist somit nicht notwendig.
Dabei werden durch alltägliche Handlungen, Gesten, Äußerungen die gesellschaftlichen Geschlechtsverhältnisse aufs neue reproduziert, und der eigene aktive Anteil daran wird einfach schlichtweg naiv verkennt.

geschlecht ist konstruiert, Woher soll man wissen woher der wind weht wenn kein Wind weht

In derselben Phase2 findet sich neben dem Schwerpunkt in der Gender-Abteilung noch ein sehr lesenswerter Artikel von Andrea Trumann zum Understatement des Popfeminismus, sowie in der Literaturbeilage Kilby2 eine sehr positive Rezenssion von Geord Klaudas die Vertreibung aus dem Serail.
Dabei hör ich wie von skp empfohlen mal das Moderat Album und bin hellauf begeistert.

Moderat- Slow Match feat. Paul St. Hillaire

Brüll doch mal.

Wenn Sexismus an sich nicht mehr stört und es einfach nur niedergebrüllt werden soll:

paps.blogsport.de be louder than sexismus

Lustigerweise gepappt hinter einen Text von der A.G. Gender Killer, in dem es heißt:

Mit aggressiven Ton werden unliebsame Stimmen zum Schweigen gebracht und darüber hinaus Räume für diejenigen geschlossen, die nicht die Souveränität besitzen, dem selbstbewusst entgegen zu treten.

Genderwahn?

Der RFS fordert das Ende des »Genderwahns«. Frauen sollen statt einer Quotenlösung »erkennen, das sie, genauso wie ihre männlichen Konkurrenten auch, die Karriereleiter mit ihrer Kompetenz und nicht mir ihrer weiblichen Geschlechtsrolle hinaufkämpfen müssen«, heißt es in einem Flugblatt des RFS.

rfs
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