Tag-Archiv für 'capitalism'

Werbeunterbrechung.

Kurz mal aus dem Grab gebuddelt, damit ein wenig Werbung für die Revolution gemacht werden kann:
Es wird demonstriert, am 30 April in Frankfurt am Main mit …ums Ganze! und dem Frankfurter Krisenbündnis. Mehr Informationen da so. Den Aufruf einiger …ums Ganze!-Gruppen kann man natürlich auch mal lesen.
Auch am 30. April ist eine FrauenLesbenTrans-Demo in Oldenburg. Alles Weitere da so.
Und am 1. Mai ist Demo in Hannover (ohne Nazis aber dafür mit noch mehr Revolution). Ab 9.30 Uhr am Freizeitheim Linden. Mit antikapitalistischem Block organisiert von der Antifaschistischen Aktion Hannover. Vor dem antikapitalistischen Block gibt es einen feministischen FrauenLesbenTrans-Block. Unter anderem ruft Fast Forward Hannover zum antikapitalistischen Block auf und zwar mit diesem Aufruf
Dazu gibt es noch einen Haufen Veranstaltungen. Die erste heute mit der Autonomen Antifa [f] zur Kritik der Lohnarbeit. Alle Weiteren können unter dem Mobiblog Heraus zum revolutionären Mai eingesehen werden.

Hayek und Keynes rappen.

Die Seite econstories.tv hat ein Video produziert in dem Hayek und Keynes mit und gegeneinander über Krise und Boom rappen. Das ist inhaltlich zwar Bullshit aber nett gemacht:

P.S. Wie ich gerade sehe hat ihdl das Lied schon am Wochenende gebloggt.

Bildungsstreik die xte.

Die AI hat nicht nur eine Veranstaltung mir Freerk Huisken organisiert sondern heute auch noch einen Text mit dem schönen Titel »Die Bildung klauen lassen« veröffentlicht. Lest mal rein, es lohnt sich.

Terminupdate.

1. Dekonstruieren und wenn ja was?

Das Autonome Feministische Kollektiv an der Uni Hannover veranstaltet am 09. Dezember die letzte Veranstaltung der Reihe Feminism Weeks:

Dekonstruieren? Und wenn ja, was?
Zu einer Kritik an der ‚Kritik der Zweigeschlechtlichkeit‘

Der Vortrag soll zunächst die theoretischen Grundlagen einer dekonstruktivistischen Auffassung von Gender vermitteln und dabei einen Einblick in die Entstehung des Konzepts von Gender und Dekonstruktivismus geben. Aus welchen Theorietraditionen kommen sie? Was meint eigentlich Dekonstruktion und ist es das, was wir meinen, wenn wir ‚gender‘ sagen? Daran anschliessend stellt Tove Soiland die Frage, ob die Fortschrittserzählung – es waren einmal Frauen und dann kam die Dekonstruktion – so haltbar ist und erläutert dabei die theoretischen Gründe für ihre Kritik am Konzept Gender und dessen dekonstruktivistischer Ausrichtung.

Mit Tove Soiland, 09.12.2009, 20 Uhr, Im Moore 21, Raum A416

2. Zum Bildungsstreik 2009

Die Antinationale Initiative kündigt eine Veranstaltung mit Freerk Huisken an:

Zum Bildungsstreik 2009:
* Durch den Bologna-Prozess will der Staat den Dienst der Hochschulen an der Standortkonkurrenz steigern.
* Der Bildungsstreik bestätigt den Politiker_innen, dass ihre Reform Effizienzmängel aufweist.
* Studierende als Testpersonal der Politik: Soll es das gewesen sein, was der studentische Widerstand erreichen will?

Mit Pflichtstoff vollgestopfte Studienzeiten, Leistungsdruck, Prüfungsstress, Selektion, Geldnöte: darüber beschweren sich derzeit Studierende. Und warum ist das alles so?
*
Die Protestierenden haben Antworten: Der Staat reformiere die Hochschulen in einem Sinne, der überhaupt nicht ihren Vorstellungen von Wissenschaft und Ausbildung entspreche. Das mag schon sein. Aber nach welchen Zielen und Maßstäben organisieren und reformieren der Staat und seine Rektoren_innen denn Wissenschaft und Ausbildung stattdessen? Sie werden doch ihre eigenen Ziele und Anliegen damit verfolgen.
*
Die Bildungspolitiker/innen halten ihre Absichten ja gar nicht geheim: »Wachstum« und »Konkurrenzfähigkeit« des »Standorts Deutschland« sollen mit dem Bologna-Prozess durch Forschung und studierte Berufsanwärter_innen vorangebracht werden; und dafür sei vor allem die Ausbildung zu zeitaufwendig, zu teuer, zu ineffektiv. Was ist das eigentlich für ein Programm? Vielleicht ist es zu leichtfertig abgetan, wenn manche Streitschriften zum Bildungsstreik vermerken, das sei der unheilvolle Einfluss der »Verwertungslogik«, der sich jetzt gegen die Bildungsziele im staatlichen Hochschulbereich durchsetze. Was ist, wenn es genau um so etwas auch dem Staat geht, der die »Marktwirtschaft« organisiert und doch nicht zufällig Milliarden in die Rettung des Finanzsystems steckt. Vielleicht trifft die Vorstellung gar nicht zu, dass die »Wirtschaftlobby« die staatliche Bildungspolitik davon ablenkt, was »eigentlich« ihre Aufgabe sei. Vielleicht ist es nur eine Erfindung von Studierenden, die sich viel von der Staatsmacht erwarten und weniger von der Geldmacht halten.
*
Studierende, die gerade die Erfahrung machen, wie unangenehm es ist, als Ressource einer kapitalistischen Nation verplant und sortiert zu werden, klagen bei der Bildungspolitik nichts anderes ein als mehr Berücksichtigung ihrer Konkurrenzinteressen: Mehr Geld für Bildung, für Personal und Räume, für Bücher und Labore, damit sie besser können, was sie sollen, nämlich ihr Studium zu Ende bringen. Diese Kritik an den Bologna-Prinzipien stößt auch auf Zustimmung. Kein Wunder, denn sie greift kaum etwas anderes an, als was der Bildungspolitik inzwischen selbst als »Übertreibung« bei der Durchsetzung ihrer Reform aufstößt. So werden die Protestler als »nützliche Idioten« der jüngst ausgerufenen Reform der Bologna-Reform vereinnahmt. Sollte das alles gewesen sein, was der studentische Widerstand erreichen will?
*
Um Wissenschaft und Bildung als Ressource für Staat und Kapital soll es gehen auf der Diskussionsveranstaltung. Die Vorstellungen der Protestierenden stehen dabei auch auf dem Prüfstand.

Am 15.12.2009 um 19.30 Uhr in Raum B302, der ist im Hauptgebäude.
Die [AI] hat darüber hinaus einige Texte gesammelt, die sich kritisch mit der Protestbewegung und der Rolle von Bildung im Kapitalismus auseinandersetzen.

9. November.

Eine Portion Hass für all die deutschen Nationalist_innen, die heute 20 Jahre »Wir sind ein Volk!« und den Zusammenbruch der Mauer feiern, oder auch den »glücklichsten Tag der jüngeren deutschen Geschichte« (Merkel). Eine Portion Hass für all die deutschen Nationalist_innen, die im Taumel der Demokratisierung Ostdeutschlands und -europas vergessen was ihre Opis und Omis vor 71 Jahren so getrieben haben. Eine Portion Hass für all die deutschen Nationalist_innen, die feiern, dass Opi und Omi es vor 71 Jahren den Juden mal so richtig gezeigt haben.


Währenddessen scheint es so als würde der Ausschluß der paar Jahre von 1933 bis 1945 aus dem erzählenswerten Teil der deutschen Geschichte wesentlich effektiver funktionieren während man dazu Auschwitzmahnmale baut und der deutschen Schuld einmal, vielleicht zweimal wenn wieder was runden Jahrestag hat, gedenkt. Denn während ich mittlerweile weiß, dass Angela Merkel nicht nur »Jeans einer bestimmten Marke« (Rede vor dem US-Kongress am 03.09.), sondern auch »Füller einer bestimmten Marke« (Interview in der heutigen BILD, Seite 2) aus Hamburg gekriegt hat, dass Sarkozy vielleicht an der Mauer war um rumzuhacken, vielleicht aber auch nicht und Stefan Beinlich, skandalöserweise, verpennt hat, muss die deutsche Journaille der Reichskristallnacht kein einz‘ges Wort widmen. Das bißchen Antisemitismus interessiert ja schließlich auch nicht wenn man noch ein paar tolle Geschichten über den Abriss der Mauer erzählen kann.1 Zum Beispiel, man hat es mit Humor versucht und ist trotzdem gescheitert, wenn in der ZEIT darüber nachgedacht wird, dass der Fall der Mauer ja kein Fall war.
Für richtige Anmerkungen zum Mauerfall oder dessen ideologischen Nachbeben hat man schon woanders zu suchen, bei der New York Times beispielsweise, die heute einen Artikel von Slavoy Žižek veröffentlichte, in dem dieser sich vor allem Gedanken zu einem heute erneuerten Antikommunismus macht, man könnte auch beim GegenStandpunkt lesen was es mit der »Politischen Ökonomie der Wiedervereinigung« auf sich hat. Und in der jungle World wurde seit Ausgabe 39 drüber gestritten, was denn die Linke dazu sagen sollte, dass der antifaschistische Schutzwall das Zeitliche gesegnet hat.2
Konkludierend bleibt zu sagen, dass dem Umgang mit des Deutschen nie entwöhnten Menschen dringend abzuraten ist und ihre Wunschbilder mit dem harten Hammer der Erkenntnis zerschlagen gehören, auf dass sie erkennen, dass es nicht an Form oder Tracht liegt, sondern dass Deutschland immer scheiße ist, war und bleibt.

  1. Anm: Ich hatte den Artikel ewig offen, um 17.59 Uhr ist die tagesschau so gnädig einen Aufruf von Knobloch die Reichspogromnacht nicht zu vergessen zu erhöhren und in einen Artikel zu packen. Köhler macht aus dem geforderten Gedenken direkt ein großes demokratisches Lehrstück. Weil »Deutsche die nötigen Lehren aus unserer Geschichte zwischen 1933 und 1945 gezogen haben«, (was die wohl, kurz angemerkt, sind, keine Jüdinnen_Juden mehr vergasen?) hatte die Welt 1989 Vertrauen in Deutschland. Das verstehe wer will. Die Prognose aber, dass die Wiedervereinigung keineswegs passiert ist, weil die ganze Welt wieder Deutschland mochte und es deswegen ganz knorke fand, wenn man sich nur einen Staatennamen merken muss, sondern eher weil ein handfestes ökonomisches Interesse an dem Ende der Sowjetunion plus Satelittenstaaten bestand. Das waren nämlich unerschloßene Absatzmärkte und qua falschem System auch noch erbitterte politische Konkurrenten. Und so wurde hart gearbeitet, neben der USA auch und stetig von westdeutschen Politker_innen. »Denn dieser Berufsstand, wenn auch sonst niemand, hat es wirklich: das Bedürfnis, ein größeres Deutschland zu regieren.« (MSZ 1987 Ausgabe 9)[zurück]
  2. Ich hab die Diskussion nur auszugsweise verfolgt, spare mir deswegen einen Kommentar zu einzelnen Artikeln, damit sollte auch klar sein, dass ich vermutlich längst nicht alles dort für richtig halte.[zurück]

taz 2005.

Ja, logisch. Schon durch die Mitwirkung auf Compilations wie »I can‘t relax in Deutschland« vom Leipziger Conne Island ist klar, dass wir keine Berührungsängste mit Bewegungen haben, die man gemeinhin als antideutsch rezipiert. Als antinationalistisch zu gelten macht uns kein Kopfzerbrechen, das ist doch klar, dass man als Band wie als Privatperson antinationalistisch ist.

Tocotronic im Interview mit Jörg Sundermeier

Von der Performance her unerreicht war immer die Marxistische Gruppe (MG). Die Jungs mit Münchner Akzent und schicken Lederjacken wussten immer alles besser. Immer. Legendär ihre Auftritte in philosophischen Seminaren, in denen sie die einzigen waren, die Hegel gelesen hatten. Marxistische Gruppe, dass bedeutete: keine Kompromisse. Mit der Arbeiterbewegung hatten sie nichts am Hut, mit freien Wahlen und dem ganzen Demokratiescheiß auch nicht. Die MG stand für die reine, knallharte Kapitalismuskritik. Traurig: 1991 gab sie ihre Selbstauflösung bekannt. Übrig geblieben ist lediglich die Zeitschrift GegenStandpunkt. »Wichtig an einer Wahl ist also zuerst und vor allem das, was nicht zur Wahl steht, mit der Wahl aber stillschweigend abgehakt wird. Das ist nämlich nichts Geringeres als die gesamte politische Herrschaft«, steht in der aktuellen Ausgabe. Der Kampf geht weiter.

Über die Marxistische Gruppe

Mein Kleingedrucktes der Woche.

Wir weisen darauf hin, dass Adressdaten für viele Firmen von großer wirtschaftlicher Bedeutung sind und nicht immer für Zwecke verwendet werden, die mit der JOBBÖRSE in Verbindung stehen. Für eine solche missbräuchliche Verwendung übernimmt die Bundesagentur keine Haftung.

Ergo, wer seine Bewerbungschancen verbessern will, indem sie die persönlichen Daten komplett veröffentlicht (und das sind wirklich alle Daten) die ist selbst dran schuld, wenn Firmen das Internetangebot der Bundesagentur für Arbeit auslesen und einen danach mit Tonnen an Werbung überschütten.
Praktisch für die Firmen dabei: Die müssen die Daten noch nichtmal zusammenkaufen, sondern kriegen sie gratis hinterhergeschmissen. Wer kann bei diesem Angebot schon Nein sagen?
Auf ’ne Art amüsant sind aber auch die anderen Fragen, die das JobCenter einem im Fragebogen so abervlangt, etwa ob man international pendeln möchte, weltweit einen Job sucht oder mal eben kurz bereit ist sich einen Kraftfahrzeug anzuschaffen. Das liegt sicherlich im Rahmen der Portokasse der normalen Kundin.

ARGE, du Arsch.

Die Agentur für sozial gerechte Ausbeutung hat sich in den Sinn gesetzt, dass ich mich mal wieder bei ihnen melden soll. Ich weiß zwar nicht wieso, das gilt es noch herauszufinden, aber brave Staatsbürgerin, die ich nunmal bin, da beißt die Maus keinen Faden ab, werde ich das natürlich tun.
Andernfalls kriege ich wieder einen Brief indem sie mir irgendwelche Leistungen kürzen wollen, die ich sowieso nicht erhalte und ich bin dafür verantwortlich, dass irgendwo der Urwald abgeholzt wird, Kinder sterben und Thailand von einem Monsun getroffen wird. Seit Tokio Hotels musikalischer Umsetzung dieses Thema wissen wir alle, wie gräßlich das sein kann und deswegen kann ich das auch niemanden zumuten. Von toten Bäumen und abgeholzten Kindern mal ganz zu schweigen.
Als ich mir die Nummer raussuchte (von meiner ersten Odysse, die geneigte Leserin erinnert sich vielleicht noch, habe ich zwar einen Zettel, irgendwo, vorbildliche Studentin, die ich aber bin ist der irgendwo in einem Stapel verschollen) stolperte ich aber über eine kleine Zeile unter der Telefonnummer dort heißt es: »Festnetzpreis 3,9 ct/min«.
Jetzt mal ehrlich, liebe Agentur, der einzige Sinn und Zweck deiner Existenz, deine Lebensberechtigung, dein Herz und deine Nieren, sind die Armen dieser Gesellschaft, die die Konkurrenz in die Reservearmee verfrachtet hat, der Bodensatz quasi. Du sollst denen dann helfen, dass was früher mal Armut genannt wurde so zu verwalten, dass das noch sozial gerecht zugeht, und auch diese armen Pauper vom Meckern abgehalten werden.
Nun willst du denen auch noch ihr Geld abknöpfen, wenn die sich bei dir melden wollen? 4 cent pro Minute? Bei der durchschnittlichen Dauer eines Telefonates mit deinen unterqualifizierten Wahrsagern, und das auch mehrmals pro Monat wenns schlecht läuft (und dass es allzugut läuft behaupten auch nur Sozialpolitiker_innen) gehen da schon mal einige Tagessätze drauf. Und nun, gibs zu: Das alles machst du nur um die Hürden für eine Kontaktaufnahme so hoch zu legen, von der sozialen Stigmatisierung ganz abgesehen, dass sich die Leute lieber einen Job suchen als in deinen versifften Gängen zu landen. Hab ich recht, oder hab ich recht?
Ziemlich clever allerdings.
Für die Leute, die trotz aller Widrigkeiten zum Amt müssen, und in Berlin wohnen, gibt es dieses Angebot von Keine/r muss allein zum Amt: Morgen zwischen 9-13 Uhr am Jobcenter Mitte. Daumen hoch dafür.
Ich werd da jetzt mal anrufen, vielleicht wollen sie mir ja nur viel Glück bei meiner weiteren Karriere wünschen.

Diesen Staat zerstören.

Während ich diese Zeilen schreibe passiert auf der Welt einiges, was einer Berichterstattung bedarf und dem kritischen Blick deutscher Blogger_innen erst recht. Um das soll es mir aber nicht gehen, das Elend gibt es überall und dass es zurückgeschlagen wird darum kümmern sich Tocotronic. Ich könnte mich also um die Sonnenseite kümmern, und das noch nichtmal metaphorisch, denn pünktlich zum Event des zweiten Halbjahres hier in Hannover, nein nicht die CDU-Wahlkampfveranstaltung gestern, der Naziaufmarsch morgen hat die sich blicken lassen und meine Illusionen eines nahenden Herbstes, der die Endorphin gesteuerten Hackfressen endlich wieder in ihre Wohnungen treibt und ihnen noch dazu das Endorphin entzieht, zerstört. Das ist schade, aber nur ein bißchen. Beruhigt kann ich ohnehin sein, die Jahreszeiten in ihrem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf, das ist wahr, das schwör ich. Und gegen ein wenig Sonne kann man auch nichts haben. Wenn nur mein Magen nicht so zerstört wäre. Aber zurück zum Naziaufmarsch. Da wird die Volksfront für ein besseres Deutschland (und bevor sich wieder irgendsoein_e Linke_r über meinen Titulierungen beschwert: Damit meine ich nicht die Antifa-Gruppen, die auf einer Antifa-Demo einen Antifa-Block bilden. Das wiederum finde ich aber sehr erheiternd.) sich wieder einmal zeigen und ihre Fahnen gegen Nazis schwingen, ein bißchen Nazis raus krakehlen, die Frage nach dem Wohin nicht beantworten (können wollen) und sich bei Bratwurst und Bier den Tag vertreiben. Letzteres find ich eigentlich lobenswert, aber ich erwähnte es: Mein Magen.
Was wollte ich nochmal sagen? Ach nichts. Aber weiterschreiben kann ich trotzdem. Das ist das schöne am Internet, man kann nichts sagen und trotzdem auf Veröffentlichen klicken. Danach interessiert es niemanden und vergessen wird es auch nicht. Wenn das nichtmal genial ist.
Aber zurück zu der großen Bude der Lokalpolitik: Gehen wir das chronologisch an: Als ich mich gestern auf den Weg durch Hannover machte um Popstars zu gucken kreuzte mein Weg die Innenstaft und dort das Steintor, wie es das Schicksal so will (ich bin mir sicher, dass es das Schicksal war, weil das es normalerweise nicht gut mit mir meint) hatte sich die CDU samt Kanzlerin zu einer kleinen Party eingefunden. Auf dem Weg dorthin begenete ich Menschen mit attac-Fahnen, dort hatte sich dann alles mögliche und noch viel mehr versammelt. Neben zwei Hundertschaften Bullen, die einfach überall standen und einen grimmig anguckten, war der Rest von Deutschland auch da. Ökos mit Plakaten für die Anti-Atom-Demo in Berlin letzte Woche (die, die voll riesig war und so ein mega-mächtiges Zeichen für die Gutmenschlichkeit gesetzt hat), Piraten, die ihre Fahnen geschickt im Publikum platziert hatten, Nazis, die von den Bullen am Rand gehalten wurde, Linke, die Nazis gucken wollten. Pünktlich zu meinem Erscheinen, und als letzter Beweis, dass es das Schicksal auf mich abgesehen hat, bedankte sich der Moderator bei irgendeinem Zuckertyp (nicht die Zeitung) mit den Worten »Niedersachsen ist ein Zuckerland« und leitete über zu der Verabschiedung: »Und jetzt möchte ich euch bitten, wie es bei CDU-Veranstltungen üblich ist nach vorne zu kommen und die deutsche Nationalhymne zu singen.« Umgehend setzt die Musik ein, eine Bewegung nach vorne war nicht zu erkennen (ich vermute ja, dass einfach keine CDU-Wähler unter den »7000 Menschen« [Moderator] waren) und mitsingen tat auch niemand. Wenn doch wurde es von den Boxen überschallt. Wenigstens etwas. Den Gipfel des Abschaums erreichte die Partei von Angie als gleichnamiges Lied von den Rolling Stones gespielt wurde. »Ich bin mir sicher, dass Mick Jagger sich dabei was gedacht hatte.« Ich auch, aber nicht das was ihr draus machtet.
Als Jan Delay (guter Sprung, oder?) noch ein wenig klarer im Kopf war und sich das mit der Nation nicht ganz so zu Herzen nahm, also die Zeit in der er gute Musik machte, da htte er ein Elektro-Projekt namens La Boom und dieses hatte ein Lied, das nennt sich Burn Engholm, und das rettete mir gestern abend auch das Leben. »Das ist ein Angriff gegen den Staat, gegen die Demokratie in Form der Stadt-Guerilla.«

La Boom- Burn Engholm

Und dann sind wir auch bei heute und morgen, denn es heißt gegen die Nation und ihre Fans, also vor allem gegen die ganz rechts. Aber irgendwo muss man ja anfangen, sagt die Bewegung und da ist es viel einfacher einfach gegen die zu sein, gegen die sowieso alle was haben (Um unterstellenden Kommentaren vorzubeugen²: Ja, ich habe den Aufruf gelesen, Nein er hat micht nicht davon überzeugt, dass ihr ein allzu großes Problem mit der bürgerlichen Gesellschaft habt). Um nochmal auf das Demo-Konzept zurückzukommen, das versteh ich nämlich immer noch nicht. Es gibt Samstag eine antifaschistische Demo, im Antifa-Jargon DGB-Demo genannt, und auf dieser Antifa-Demo gibt es einen Antifa-Block für Antifas. Ok. Macht irgendwie Sinn wenn man Antifa ist, aber warum macht man am Abend vorher noch eine Antifa-Demo!? Da sind doch nur Bullen da, man trifft ein paar Demokrat_innen. Muss man vielleicht ja aber auch nicht verstehen. Ich werde auf jeden Fall gleich tanzen gehen. Das ist nämlich viel sinnvoller. Und dann zur Vorabenddemo gehen, einen nützlichen Zweck muss es ja haben, dass ich sämtliche Stufe 7 Beleidigungen aus dem Pott auswendig gelernt habe.
Sonntag wird dann hier übrigens gegen Boehringer demonstriert, weil die Schweine töten, die Schalker. Was für ein Wochenende. Zum Abschluß aber noch ein wenig Musik:

Wie geil das ist, ein Musik-Video wo an nem Bus rumgewerkelt wird. Extraklasse.

Politik makes me lulz aka Found

Es gab aber auch einen bitteren Beigeschmack: Am Kaiserplatz, rund um den Frankfurter Hof und die Commerzbank sind die Straßen mit Farbe beschmiert, die selbst dem Regen trotzt. Der Brunnen am Kaiserplatz ist mit Waschpulver aufgeschäumt. Und wer macht den Dreck weg?

»Das war eine andere Kundgebung vom IG Metall Bezirk Frankfurt«, so Eric Leiderer. Nachfrage dort: »Das ist Sprühkreide, keine Farbe. Die wäscht sich beim richtigen Regen weg. Wir betreiben doch keine Sachbeschädigung«, verspricht Claudia Büchling

Und in Hannover wurde gestern übrigens eine Sau durchs Dorf getrieben.

Demokratische Meinungsbildung, du alte Scheiße!

Es ist Wahlkampf, das sollten mittlerweile eigentlich alle mitbekommen haben, und weil die armen kleinen Deutschen schon vier Jahre nicht gefragt wurden, wer auf Bundesebene im Parlament sitzen darf wird es auch allerhöchste Zeit dafür.
Analyst_innen des Wahlkampfs sind sich einhehlig einig, dass das dieses Jahr aber irgendwie nicht so klappt. Schuld haben die Parteien, die sich irgendwie auf nichts festlegen wollen außer gewählt zu werden, und natürlich, dass es mit Deutschland vorangeht. In den Punkten sind sich die Konkurrent_innen aber sowas von einig, dass eigentlich schon alles gesagt scheint. Die CDU sagt das mit Wir über Deutschlandfahne, die SPD hat einen anpackenden Steinmeier gefunden, der dem hart arbeitenden Mann in der Fabrik nur an den Arm packen muss um seine Arbeit zu respektieren.
Über Inhalte muss man so ganz bewusst nicht streiten, sind ja keine da. Fast schon erfrischend wirkt da Hape Kerkeling, der seine Kunstfigur Horst Schlämmer all die demokratischen Leerplätze überzeichnen lässt, und sie so ohne irgendwas auf die Bürger_innen loslässt, dabei denen zu verklickern, dass er jetzt Bundeskanzler werden möchte. Und er hätte keine schlechten Chancen, 18 Prozent des Staatsvolkes würden ihm seine Stimme geben, das reicht um eigentlich alle Parteien zu überflügeln, bis auf die CDU vielleicht. Schlämmers Film ist aber gleichzeitig noch was anderes, dank Gästen, die ihre bodenlose Selbstverachtung wohl schon immer mal im Kino sehen wollten, wird er auch er zum Zeugnis dafür was es mit Wahlen in der Demokratie auf sich hat. Es geht nicht darum irgendwas zu diskutieren, sondern nur um die bessere Verwaltung des demokratischen Staates. Es geht um Label, sozial, liberal, korrupt, national usw. und die am dämlichsten grinsende Fratze auf den Wahlplakaten in der Republik (zugegeben manchmal auch um Brüste oder Ärsche). Wer es schafft sein Label möglichst hegemonial zu besetzen und den kleinen Schäfchen, die wählen gehen mit »Authenzität«, »Ehrlickeit« und auch immer einem guten Stück »Volksnähe«, so die beste demokratische Show bietet der gewinnt.
Für große Parteien und kleine (SPD, FDP etc.), die ins Parlament einziehen möchten stellt sich das halbwegs einfach dar. Die haben ihre_n Merkel, Steinmeier, Westerwelle und die sind woweit auch bekannt, lustig wird das Ganze aber erst so richtig bei den kleinsten Parteien (Piraten, MLPD, NPD usw.), die sind nämlich auf dem Marsch durch die Institutionen, vielleicht ins demokratische Mittelfeld. Und eine Entwicklung, die sich beim Politik machen immer entdecken lässt werden auch diese Parteien hinter sich bringen (demokratischen Erfolg vorausgesetzt, für wen sich niemand interessiert der wird seine Staatsidealismen behalten dürfen): Mit hehren Zielen antreten um wenige Jahre nach Einzug in die Parlamente Bomben auf Jugoslawien zu werfen. Na gut, Die.Linke oder die Piraten werden keine Bomben auf Jugoslawien werfen, schließlich ist da gerade kein Quasi-Hitler zu haben, aber die Richtig ist klar, angetreten als Partei der kleinen Leute, werden sie ggf. dem demokratischen Zirkus fügen müssen, dieser Zirkus mit Koalitionen, Regierungserklärungen, Finanzplänen und all den anderen Hindernissen auf dem Weg zum Erfolg, nur wenn man dann erfolgreich ist sind die ersten Fundamentalist_innen schon wieder bitter enttäuscht. Sind doch all die hehren Ziele enttäuscht wurden, stehen doch immer noch Atomkraftwerke in Deutschland, und auch Linke Ministerpräsidenten werden am Problem der Ausbeutung nichts ändern und Deutschlands Freiheit wird wohl noch ein wenig weiter am Hindukusch verteidigt.
Um sich als Akteur_in dieser Meinungsbildungs zu überweisen braucht man schon »die Würde und Selbstachtung eines… Politikers« (Wendy), um sich bei diesem Verfahren als Wähler_in anzuschließen die Standhaftigkeit und den Durchblick eines aufrechten Citoyens. Zum Glück ist bald wieder Ruhe und die Poltiker_innen machen weiter im Namen des Volkes, das Volk wird sich das alles gefallen lassen, schließlich hat man sie ja legitimiert und wenn dann doch mal jemand über die Stränge schlägt (zum Beispiel mit einem Dienstwagen in den Urlaub fährt) kann man sich sicher sein, dass Posten rollen werden und der ganze Skandal mit mindestens 3 Titelseiten beim Sprachrohr des Volkes, der BILD-Zeitung dem BILD-Magazin für Trivia und andere Langweiligkeiten aufgeklärt wird. Sie läuft die Demokratie, unerbittlich. Und alle machen sie mit.

Große demokratische Worthülsen II

»Ich wurde nicht als Kanzlerin geboren«

Angela Merkel im CDU-Spot zur Wahl. Was aber, glaubt man Angie, nicht daran liegt, dass man Kanzler_in 1. durch eine Wahl wird nachdem man sich 2. dazu entschieden hat, sondern daran, dass die Wende erst nach ihrer Geburt zustande kam. Folglich werden also Tag für Tag ganz viele Kanzler_innen geboren. Denen nun zu erklären, dass sie aber trotzdem nicht gewählt werden, das ist eine Aufgabe, die ich Angela sehr gerne selber überlasse.

Fußnotenunsinn.

derivat hat mir bei meta.copyriot Beispiel Eins schon vorweggenommen, weil die Linke aber mehr als ein Buch geschrieben hat finden sich auch mehr Beispiele für Unsinn in Fußnoten. Neben ums Ganze und ihrer Grundsatzbroschüre Teil 1 werden noch Michael Heinrich mit seiner Fußnote zum Geschlecht in Kritik der politischen Ökonomie – Eine Einführung sowie Peter Decker und Konrad Hecker mit ihrer Fußnote in Das Proletariat behandelt.


1. ums Ganze; Staat, Weltmarkt und die Herrschaft der falschen Freiheit

Dieser Text verwendet bei Gattungsbegriffen das grammatische Maskulin. Wir sind uns der Diskussion um die sprachliche Repräsentation anderer geschlechtlicher Identitäten bewusst, vertreten dazu aber keine einheitliche Position.

Es reicht ja auch sich irgendeines Problems bewusst zu sein, das gibt man dann noch an ist stolz drauf und die Sache hat sich gegessen, oder wie derivat sagte: … und finden das auch nicht so wichtig und benutzen deswegen halt weiter die hegemonialen heteronormativen Kategorien.


2. Peter Decker und Konrad Hecker; Das Proletariat

Um das vorab klarzustellen: Wir glauben nicht, dass den Frauen im Kapitalismus ausgerechnet das »/sie« hinter jedem männlichen Personalpronomen und das »/in« hinter jeder Endung auf »-er« zu ihrem Glück fehlt, und sparen uns deswegen diese sprachliche Albernheit.

Während ums Ganze sich »immerhin« eines Problems bei der sprachlichen Repräsentation bewusst zu sein scheint dringt der Hauptwiderspruch, der so nicht mehr genannt wird, bei diesem Werk wieder ganz in den Vordergrund. »Albern« sei es sich um die Probleme durch eine männlich hegemonierte Sprache zu sorgen. Und warum? Weil frau damit nicht das Glück im Kapitalismus erreiche. Ja, prima. Da haben sie sogar recht. Vor allem weil das mit dem Glück in einem System, dass auf der Ausbeutung der Arbeitskraft beruht sowieso immer so eine Sache ist, der zwar überzeugte bürgerliche Individuen nachgeiern, die aber spätestens bei der nächsten Entlassung sich wieder als Wunschtraum rausstellt. Deswegen fehlt das »den Frauen« auch keineswegs zu ihrem Glück im Kapitalismus, nur geht das auch am Gegenstand vorbei.


3. Michael Heinrich – Kritik der politischen Ökonome – Eine Einführung

Eine Anmerkung zu geschlechtsspezifischen Schreibweisen: Es ist mir bewusst, dass die deutsche
Sprache Frauen ignoriert, indem die männlichen Formen zugleich geschlechtsübergreifend benutzt
werden. Als Reaktion wurde das große »I« eingeführt. Dessen konsequente Anwendung würde gerade
beim vorliegenden Thema aber zu einer neuen Ignoranz führen: während es bei »ArbeiterInnen« seine
Berechtigung hat, verdeckt es bei »KapitalistInnen« oder »PolitikerInnen«, dass Frauen nur recht selten
Kapitalistinnen oder Politikerinnen sind. Ich habe deshalb auf das große »I« verzichtet, spreche aber
häufig von »Arbeitern und Arbeiterinnen« etc.

Als einziger ist sich Heinrich des Problems offenkundig bewusst und nimmt dies auch ernst ohne es doof abzutun. Meiner Meinung nach geht aber auch diese Form der Lösung an einer vernünftigen Lösung vorbei. Es ist zwar offenkundig richtig, dass Frauen gegenüber Männern im Bereich der Herrschaftspositionen in Wirtschaft und Politik unterrepräsentiert sind, aber gerade denen, die trotzdem in diesen Positionen arbeiten wird das Weglassen nicht gerecht. Denn durch die alleinige Rede von Kapitalisten wird dann doch mehr verschleiert als erklärt. Desweiteren bleibt Heinrich auch beim Binnen-I stehen und somit in der zweigeschlechtlichen Matrix verfangen. Ziel des Unterstriches ist ja aber gerade diese Formen aufzubrechen und Menschen, die sich nicht in der Matrix verorten wollen, die sich nicht als Mann oder Frau sehen einen Raum zu geben.

Aber es geht auch anders. Deswegen hier noch 3 Gegenbeispiele:


Bini Adamczak


Bini geht in ihren Texten quasi auf Gegenposition und verwendet konsequent die weibliche Form. So entstehen zwar allerlei utopische Formen zum Beispiel Ritterinnen etc. das Problem der männlich hegemonierten Sprache wird aber radikal zur Schau gestellt, eben dadurch, dass die die eigentlich immer abräumen konsequent links liegen gelassen werden.

Georg Klauda; Die Vetreibung aus dem Serail


Klauda verwendet in seinem Buch den Unterstrich und schreibt dazu:

Ich benutze den Unterstrich zur Erzeugung eines geschlechtsneutralen Plurals. Im Unterschied zum großen I verweist der Unterstrich darauf, dass die Kategorien »männlich« und »weiblich« eine sprachliche Leerstelle hinterlassen, da sich nicht alle Menschen in diesem binären System eindeutig verorten können. Vgl. s_he »Performing the Gap«


Fast Forward Hannover


Und schlußendlich FFH, die zum Thema in ihren Texten schreiben:

Wir verwenden in unseren Texten, wenn es um Geschlechtlichkeit geht, den Unterstrich, wie z.B. bei »Scheisspolizist_innen«, um die herrschende Zweigeschlechtlichkeit der deutschen Sprache aufzubrechen. So eröffnet der Unterstrich einen Raum für alle, die sich nicht den beiden Polen hegemonialer Geschlechtlichkeit unterordnen wollen. siehe dazu: A.G. Gender-Killer