Tag-Archiv für 'bildungsstreik'

Merkbefreit.

Es gibt da so ein Original, wie sie in jeder linken Bewegung von Zeit zu Zeit mal auftauchen und meistens viel zu lange bleiben. Das Original um das es mir geht heißt Ferhat Ataman, Freund des Capslock und seiner Sonnenbrille. Der hat schon vor ca. 2 Wochen Hausverbot in der Hannoveraner Besetzung gekriegt, u.a. weil er ein Sicherheitsrisiko darstellt und wegen eines sexistischen Übergriffs. Jetzt ist er anscheinend in Berlin aufgekreuzt.
Er, der »revolutionär von Geburt an« sei und nicht wie die »Pest dieser Gesellschaft« »erst seit Gestern«1 glaubt sich dabei immer noch in revolutionärer Mission. Das beste 9 Sekunden Video, welches ich seit sehr sehr langer Zeit gesehen habe:

BILDUNGSSTREIK

B I L D U N G S S T R E I K | MySpace Video

Übrigens: Da weitermachen wo er aufgehört hat kann er sehr gut, dem Vize-Präsidenten der HU Berlin soll er Prügel angedroht haben, in Hannover tat er das auch schon gerne.

  1. Alle 3 Zitate aus diesem liebenswürdigen Kommentar [zurück]

Bildungsstreik die xte.

Die AI hat nicht nur eine Veranstaltung mir Freerk Huisken organisiert sondern heute auch noch einen Text mit dem schönen Titel »Die Bildung klauen lassen« veröffentlicht. Lest mal rein, es lohnt sich.

Terminupdate.

1. Dekonstruieren und wenn ja was?

Das Autonome Feministische Kollektiv an der Uni Hannover veranstaltet am 09. Dezember die letzte Veranstaltung der Reihe Feminism Weeks:

Dekonstruieren? Und wenn ja, was?
Zu einer Kritik an der ‚Kritik der Zweigeschlechtlichkeit‘

Der Vortrag soll zunächst die theoretischen Grundlagen einer dekonstruktivistischen Auffassung von Gender vermitteln und dabei einen Einblick in die Entstehung des Konzepts von Gender und Dekonstruktivismus geben. Aus welchen Theorietraditionen kommen sie? Was meint eigentlich Dekonstruktion und ist es das, was wir meinen, wenn wir ‚gender‘ sagen? Daran anschliessend stellt Tove Soiland die Frage, ob die Fortschrittserzählung – es waren einmal Frauen und dann kam die Dekonstruktion – so haltbar ist und erläutert dabei die theoretischen Gründe für ihre Kritik am Konzept Gender und dessen dekonstruktivistischer Ausrichtung.

Mit Tove Soiland, 09.12.2009, 20 Uhr, Im Moore 21, Raum A416

2. Zum Bildungsstreik 2009

Die Antinationale Initiative kündigt eine Veranstaltung mit Freerk Huisken an:

Zum Bildungsstreik 2009:
* Durch den Bologna-Prozess will der Staat den Dienst der Hochschulen an der Standortkonkurrenz steigern.
* Der Bildungsstreik bestätigt den Politiker_innen, dass ihre Reform Effizienzmängel aufweist.
* Studierende als Testpersonal der Politik: Soll es das gewesen sein, was der studentische Widerstand erreichen will?

Mit Pflichtstoff vollgestopfte Studienzeiten, Leistungsdruck, Prüfungsstress, Selektion, Geldnöte: darüber beschweren sich derzeit Studierende. Und warum ist das alles so?
*
Die Protestierenden haben Antworten: Der Staat reformiere die Hochschulen in einem Sinne, der überhaupt nicht ihren Vorstellungen von Wissenschaft und Ausbildung entspreche. Das mag schon sein. Aber nach welchen Zielen und Maßstäben organisieren und reformieren der Staat und seine Rektoren_innen denn Wissenschaft und Ausbildung stattdessen? Sie werden doch ihre eigenen Ziele und Anliegen damit verfolgen.
*
Die Bildungspolitiker/innen halten ihre Absichten ja gar nicht geheim: »Wachstum« und »Konkurrenzfähigkeit« des »Standorts Deutschland« sollen mit dem Bologna-Prozess durch Forschung und studierte Berufsanwärter_innen vorangebracht werden; und dafür sei vor allem die Ausbildung zu zeitaufwendig, zu teuer, zu ineffektiv. Was ist das eigentlich für ein Programm? Vielleicht ist es zu leichtfertig abgetan, wenn manche Streitschriften zum Bildungsstreik vermerken, das sei der unheilvolle Einfluss der »Verwertungslogik«, der sich jetzt gegen die Bildungsziele im staatlichen Hochschulbereich durchsetze. Was ist, wenn es genau um so etwas auch dem Staat geht, der die »Marktwirtschaft« organisiert und doch nicht zufällig Milliarden in die Rettung des Finanzsystems steckt. Vielleicht trifft die Vorstellung gar nicht zu, dass die »Wirtschaftlobby« die staatliche Bildungspolitik davon ablenkt, was »eigentlich« ihre Aufgabe sei. Vielleicht ist es nur eine Erfindung von Studierenden, die sich viel von der Staatsmacht erwarten und weniger von der Geldmacht halten.
*
Studierende, die gerade die Erfahrung machen, wie unangenehm es ist, als Ressource einer kapitalistischen Nation verplant und sortiert zu werden, klagen bei der Bildungspolitik nichts anderes ein als mehr Berücksichtigung ihrer Konkurrenzinteressen: Mehr Geld für Bildung, für Personal und Räume, für Bücher und Labore, damit sie besser können, was sie sollen, nämlich ihr Studium zu Ende bringen. Diese Kritik an den Bologna-Prinzipien stößt auch auf Zustimmung. Kein Wunder, denn sie greift kaum etwas anderes an, als was der Bildungspolitik inzwischen selbst als »Übertreibung« bei der Durchsetzung ihrer Reform aufstößt. So werden die Protestler als »nützliche Idioten« der jüngst ausgerufenen Reform der Bologna-Reform vereinnahmt. Sollte das alles gewesen sein, was der studentische Widerstand erreichen will?
*
Um Wissenschaft und Bildung als Ressource für Staat und Kapital soll es gehen auf der Diskussionsveranstaltung. Die Vorstellungen der Protestierenden stehen dabei auch auf dem Prüfstand.

Am 15.12.2009 um 19.30 Uhr in Raum B302, der ist im Hauptgebäude.
Die [AI] hat darüber hinaus einige Texte gesammelt, die sich kritisch mit der Protestbewegung und der Rolle von Bildung im Kapitalismus auseinandersetzen.

Denn sie wissen nicht was sie tun.

Der Ring christlich demokratischer Studenten (RCDS) hat ein Problem. Dieses Problem nennt sich Bildungsstreik und grassiert gerade in deutschen und österreichischen Hochschulen.
Aber kein Ding, da verfasst man mal eben eine Pressemitteilung oder auch zwei und macht deutslich, dass man das alles ganz doof findet. Theoretisch. Der RCDS schreibt eine Pressemitteilung und man weiß hinterher eben nicht mehr was sie jetzt alles ganz doof finden.
Keine konkreten Verbesserungsvorschläge haben die Streikenden wenn man Gottfried Ludewig, seines Zeichens Bundesvorsitzender des Karnevalvereins, glauben schenken mag. Nachdem er selber Änderungsvorschläge aufgezählt hat. Dabei fordern sich die Streikenden doch noch zu Tode, als Beispiel taugt diese Aufzählung, die heute in Hannover beschloßen wurde.
Aber wenn man RCDS-Vorsitzender ist kann man klar noch mehr Weisheiten in die Welt posaunen. Und so hieß es am 13. November:

Abgesehen davon scheinen die Protestierer sich ohnehin nicht mit den aktuellen Inhalten beschäftigt zu haben. Denn viele der nun in den Streiks und Demonstrationen erhobenen Forderungen werden durch die Koalitionsvereinbarung zwischen CDU/CSU und FDP obsolet

Schade nur, dass diese Forderungen »schlicht von vorgestern sind.« Oder nur die, die CDU/CSU und FDP nicht umgesetzt haben? Man könnte sagen »das ist für angehende Akademiker doch ein bisschen wenig«. Aber ich hege ja keinen Studierendenidealismus und halte es eher mit: Das war von einem Christdemokraten durchaus zu erwarten.

Hingehhinweise.

1. Ein Kongress zur Revolucion in Frankfurt am Main

Vom 27.– 29. November 2009 wird im Institut für Vergleichende Irrelevanz und anderen Orten in Frankfurt am Main der Kongress »Indeterminate! Revolution« stattfinden.
»Wir brauchen eine neue Revolution!« heißt es gegenwärtig in einem TV-Werbespot eines großen Automobilherstellers. Die Firma Dacia lässt Marx, Che und Fidel auftreten, die sich aber nicht für die Enteignung der Bourgeoisie, sondern für mehr Fahrkomfort einsetzen. Man kann das als Zeichen für vieles sehen – Ent- oder Repolitisierung, Ausverkauf oder neue Kreativität, vor allem zeigt der Spot aber, dass der Begriff der Revolution von seiner Faszinationskraft auch nach mehr als 200 Jahren nach dem Sturm auf die Bastille nichts eingebüßt hat. Kaum ein anderer Begriff hat die Geistesgeschichte in den letzten beiden Jahrhunderten so stark geprägt wie der Begriff der Revolution: Es gibt soziale und politische, künstlerische und wissenschaftliche, industrielle und technische, modische und sexuelle Revolutionen. Die Möglichkeit der Revolution garantiert die Möglichkeit der Freiheit und der Emanzipation: Das Vorgefundene ist nicht gottgegeben oder natürlich, sondern kann verändert werden. Auf der anderen Seite haben revolutionäre Umwälzungen, insofern sie das soziale Leben betrafen, immer wieder Exzesse der Gewalt und der Zerstörung, des Terrors und des Leids mit sich gebracht. Wenn aber die Welt dennoch nicht einfach so akzeptiert werden soll, wie sie ist, dann stellt sich die Frage, auf welche Weise die Gesellschaft insgesamt verändert werden kann, ohne die Fehler traditioneller Konzepte von Revolution zu wiederholen. Dafür muss nicht nur über die Form des Neuen nachgedacht werden, sondern auch darüber, wie dahin zu gelangen ist.

2. Eine Veranstaltung zum Grundgesetz

Zum 60. Geburtstags des Grundgesetzes sind objektive Bilanzen von Kosten und Nutzen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung Mangelware. Die Veranstaltung will diese Lücke schließen, indem sie die Leistungen eines politischen Gemeinwesens prüft, das Freiheit, Gleichheit, Eigentum, Demokratie, Menschenwürde und Sozialstaat auf seine Fahnen geschrieben hat. Die Antworten auf die Frage nach dem Gebrauchswert der staatlichen Ordnung fallen freilich ein wenig anders aus als in den üblichen Festtagsreden.

Die Antworten liefert Dr. Albert Krölls, der für dieses mit Ressentiments nur so überschüttetem politischen Vierteljahrmagazin schreibt. Das findet schon heute statt, und zwar um 19.30 Uhr im Raum F128 des Hauptgebäudes der Leibniz Uni Hannover.
Wer vorher nichts zu tun hat, die kann schon um 15.00 Uhr in den Audimax kommen (das ist dieser häßliche Kasten, der am Schloß dranhängt), da wird nämlich dann über den Bildungsstreik pleniert und zum Schluß sauber und demokratisch abgestimmt ob man den Audimax nicht besetzen sollte.
Da scheinen Argumente fast nebensächlich, wer aber trotzdem was sagen möchte, was sich nicht auf die Empörung darüber beschränkt, dass die da oben uns unsere Bildung klauen, die findet z.B. mit diesem Flugblatt einen Anfang.

Konkurrenz und Dummheit.

Freerk Huisken im Interview mit telepolis, erschienen schon während des Bildungsstreiks, anschließend an die beiden Texte, die Huisken veröffentlicht hatte.: »Deutsche Schulen: »Vorsortierung, Sachzwänge, deutsche Leitkultur««