Tag-Archiv für 'bildung'

Das hat gefehlt.

Großbritannien, immer gut für Innovationen, wird wieder ganz innovativ. Folgendes Konzept: Es gab ’ne Krise, da konnte niemand mit Geld umgehen (munkelt man in Feuielletons und Politikspalten), was ein schlagender Beweis dafür ist, dass es nicht reicht manchen privelegierten an den Universitäten dieser Welt die Wissenschaft beizubringen wie man unter Umständen und unter Absehung gesellschaftlicher Zustände Krisen verhindern, wobei, hier an der Uni hat ein BWL-Professor gelehrt, dass das alles keine Krise sei, naja wie man halt die ganze Misere möglichst effektiv zum Funktionieren bringen kann. Da liegt die einzig logische Konsequenz nahe findet Ed Balls, der ist sowas wie Kristina Köhler, und sagt: Geld wird Pflichtfach von der ersten Klasse an. Genial, oder?
Dann lernt man in der ersten Klasse wie man Geld spart (es nicht ausgeben liebe Schulkinder, die aus Deutschland mitlesen) und wie verschiedenes Geld so aussieht. Der Stoff wird aber immer sinnvoller und, das sollte nicht vergessen werden, an die alternde Zielgruppe angepasst. Kontenführung, wie geht man eigentlich mit einer Kreditkarte um, Haushaltsgeld. Kernthemen des Überlebens in westlichen post- faschistischen, -industriellen, -whatever Gesellschaften. Und nachdem man dann als das lernte, inklusive Rechnungen begleichen(!), lernt man dann irgendwann auch den Umgang mit Schulden. Und: wie Geldprobleme das Leben der Menschen beeinträchtigen können, großartig. Zum Glück hat der Großteil der Menschen ja Probleme mit der mangelnden Verfügung über Geld und das ein ganzes Leben lang, da kann es eine_n doch richtig froh stimmen, wenn man dann zwischen 14 und 16 Jahren in der Schule nochmal drauf hingewiesen wird welche Probleme da so entstehen können. Ich würd mich direkt nochmal einschulen lassen, so eine perfekte Ausbildung zum volkswirtschaftlich geschulten Arbeitstier fehlt mir. Dann kann ich nämlcih auch so geniale Sachen feststellen wie die durchscnittlichen Schulden einer britischen Student_in, £15.812 nämlich, das als Skandal erkennen und festhalten: Hätten sie mal in der Schule gelernt mit Geld umzugehen. Schöne heile Welt.

Quelle: Telegraph; Five-year-olds to be given compulsory lessons on money, savings and debt

Bildungsstreik die xte.

Die AI hat nicht nur eine Veranstaltung mir Freerk Huisken organisiert sondern heute auch noch einen Text mit dem schönen Titel »Die Bildung klauen lassen« veröffentlicht. Lest mal rein, es lohnt sich.

Terminupdate.

1. Dekonstruieren und wenn ja was?

Das Autonome Feministische Kollektiv an der Uni Hannover veranstaltet am 09. Dezember die letzte Veranstaltung der Reihe Feminism Weeks:

Dekonstruieren? Und wenn ja, was?
Zu einer Kritik an der ‚Kritik der Zweigeschlechtlichkeit‘

Der Vortrag soll zunächst die theoretischen Grundlagen einer dekonstruktivistischen Auffassung von Gender vermitteln und dabei einen Einblick in die Entstehung des Konzepts von Gender und Dekonstruktivismus geben. Aus welchen Theorietraditionen kommen sie? Was meint eigentlich Dekonstruktion und ist es das, was wir meinen, wenn wir ‚gender‘ sagen? Daran anschliessend stellt Tove Soiland die Frage, ob die Fortschrittserzählung – es waren einmal Frauen und dann kam die Dekonstruktion – so haltbar ist und erläutert dabei die theoretischen Gründe für ihre Kritik am Konzept Gender und dessen dekonstruktivistischer Ausrichtung.

Mit Tove Soiland, 09.12.2009, 20 Uhr, Im Moore 21, Raum A416

2. Zum Bildungsstreik 2009

Die Antinationale Initiative kündigt eine Veranstaltung mit Freerk Huisken an:

Zum Bildungsstreik 2009:
* Durch den Bologna-Prozess will der Staat den Dienst der Hochschulen an der Standortkonkurrenz steigern.
* Der Bildungsstreik bestätigt den Politiker_innen, dass ihre Reform Effizienzmängel aufweist.
* Studierende als Testpersonal der Politik: Soll es das gewesen sein, was der studentische Widerstand erreichen will?

Mit Pflichtstoff vollgestopfte Studienzeiten, Leistungsdruck, Prüfungsstress, Selektion, Geldnöte: darüber beschweren sich derzeit Studierende. Und warum ist das alles so?
*
Die Protestierenden haben Antworten: Der Staat reformiere die Hochschulen in einem Sinne, der überhaupt nicht ihren Vorstellungen von Wissenschaft und Ausbildung entspreche. Das mag schon sein. Aber nach welchen Zielen und Maßstäben organisieren und reformieren der Staat und seine Rektoren_innen denn Wissenschaft und Ausbildung stattdessen? Sie werden doch ihre eigenen Ziele und Anliegen damit verfolgen.
*
Die Bildungspolitiker/innen halten ihre Absichten ja gar nicht geheim: »Wachstum« und »Konkurrenzfähigkeit« des »Standorts Deutschland« sollen mit dem Bologna-Prozess durch Forschung und studierte Berufsanwärter_innen vorangebracht werden; und dafür sei vor allem die Ausbildung zu zeitaufwendig, zu teuer, zu ineffektiv. Was ist das eigentlich für ein Programm? Vielleicht ist es zu leichtfertig abgetan, wenn manche Streitschriften zum Bildungsstreik vermerken, das sei der unheilvolle Einfluss der »Verwertungslogik«, der sich jetzt gegen die Bildungsziele im staatlichen Hochschulbereich durchsetze. Was ist, wenn es genau um so etwas auch dem Staat geht, der die »Marktwirtschaft« organisiert und doch nicht zufällig Milliarden in die Rettung des Finanzsystems steckt. Vielleicht trifft die Vorstellung gar nicht zu, dass die »Wirtschaftlobby« die staatliche Bildungspolitik davon ablenkt, was »eigentlich« ihre Aufgabe sei. Vielleicht ist es nur eine Erfindung von Studierenden, die sich viel von der Staatsmacht erwarten und weniger von der Geldmacht halten.
*
Studierende, die gerade die Erfahrung machen, wie unangenehm es ist, als Ressource einer kapitalistischen Nation verplant und sortiert zu werden, klagen bei der Bildungspolitik nichts anderes ein als mehr Berücksichtigung ihrer Konkurrenzinteressen: Mehr Geld für Bildung, für Personal und Räume, für Bücher und Labore, damit sie besser können, was sie sollen, nämlich ihr Studium zu Ende bringen. Diese Kritik an den Bologna-Prinzipien stößt auch auf Zustimmung. Kein Wunder, denn sie greift kaum etwas anderes an, als was der Bildungspolitik inzwischen selbst als »Übertreibung« bei der Durchsetzung ihrer Reform aufstößt. So werden die Protestler als »nützliche Idioten« der jüngst ausgerufenen Reform der Bologna-Reform vereinnahmt. Sollte das alles gewesen sein, was der studentische Widerstand erreichen will?
*
Um Wissenschaft und Bildung als Ressource für Staat und Kapital soll es gehen auf der Diskussionsveranstaltung. Die Vorstellungen der Protestierenden stehen dabei auch auf dem Prüfstand.

Am 15.12.2009 um 19.30 Uhr in Raum B302, der ist im Hauptgebäude.
Die [AI] hat darüber hinaus einige Texte gesammelt, die sich kritisch mit der Protestbewegung und der Rolle von Bildung im Kapitalismus auseinandersetzen.

Hitzefrei jetzt und immer.

Wo gerade so fleißig die Bildung bestreikt verbessert werden will passt es ganz gut wenn ich kritische Stimmen zu Wort melden und fragen was die Bildung eigentlich so mit den Menschen macht und wozu sie erzogen werden. Dies hat der AK »Hitzefrei bei jedem Wetter« der redical [M] getan und das Flugbuch »Deutschlands wichtigste Ressource- Wie Kinder in einem menschenverachtenden System erzogen werden.« veröffentlicht.
hitzefrei bei jedem wetter

Hingehhinweise.

1. Ein Kongress zur Revolucion in Frankfurt am Main

Vom 27.– 29. November 2009 wird im Institut für Vergleichende Irrelevanz und anderen Orten in Frankfurt am Main der Kongress »Indeterminate! Revolution« stattfinden.
»Wir brauchen eine neue Revolution!« heißt es gegenwärtig in einem TV-Werbespot eines großen Automobilherstellers. Die Firma Dacia lässt Marx, Che und Fidel auftreten, die sich aber nicht für die Enteignung der Bourgeoisie, sondern für mehr Fahrkomfort einsetzen. Man kann das als Zeichen für vieles sehen – Ent- oder Repolitisierung, Ausverkauf oder neue Kreativität, vor allem zeigt der Spot aber, dass der Begriff der Revolution von seiner Faszinationskraft auch nach mehr als 200 Jahren nach dem Sturm auf die Bastille nichts eingebüßt hat. Kaum ein anderer Begriff hat die Geistesgeschichte in den letzten beiden Jahrhunderten so stark geprägt wie der Begriff der Revolution: Es gibt soziale und politische, künstlerische und wissenschaftliche, industrielle und technische, modische und sexuelle Revolutionen. Die Möglichkeit der Revolution garantiert die Möglichkeit der Freiheit und der Emanzipation: Das Vorgefundene ist nicht gottgegeben oder natürlich, sondern kann verändert werden. Auf der anderen Seite haben revolutionäre Umwälzungen, insofern sie das soziale Leben betrafen, immer wieder Exzesse der Gewalt und der Zerstörung, des Terrors und des Leids mit sich gebracht. Wenn aber die Welt dennoch nicht einfach so akzeptiert werden soll, wie sie ist, dann stellt sich die Frage, auf welche Weise die Gesellschaft insgesamt verändert werden kann, ohne die Fehler traditioneller Konzepte von Revolution zu wiederholen. Dafür muss nicht nur über die Form des Neuen nachgedacht werden, sondern auch darüber, wie dahin zu gelangen ist.

2. Eine Veranstaltung zum Grundgesetz

Zum 60. Geburtstags des Grundgesetzes sind objektive Bilanzen von Kosten und Nutzen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung Mangelware. Die Veranstaltung will diese Lücke schließen, indem sie die Leistungen eines politischen Gemeinwesens prüft, das Freiheit, Gleichheit, Eigentum, Demokratie, Menschenwürde und Sozialstaat auf seine Fahnen geschrieben hat. Die Antworten auf die Frage nach dem Gebrauchswert der staatlichen Ordnung fallen freilich ein wenig anders aus als in den üblichen Festtagsreden.

Die Antworten liefert Dr. Albert Krölls, der für dieses mit Ressentiments nur so überschüttetem politischen Vierteljahrmagazin schreibt. Das findet schon heute statt, und zwar um 19.30 Uhr im Raum F128 des Hauptgebäudes der Leibniz Uni Hannover.
Wer vorher nichts zu tun hat, die kann schon um 15.00 Uhr in den Audimax kommen (das ist dieser häßliche Kasten, der am Schloß dranhängt), da wird nämlich dann über den Bildungsstreik pleniert und zum Schluß sauber und demokratisch abgestimmt ob man den Audimax nicht besetzen sollte.
Da scheinen Argumente fast nebensächlich, wer aber trotzdem was sagen möchte, was sich nicht auf die Empörung darüber beschränkt, dass die da oben uns unsere Bildung klauen, die findet z.B. mit diesem Flugblatt einen Anfang.

Konkurrenz und Dummheit.

Freerk Huisken im Interview mit telepolis, erschienen schon während des Bildungsstreiks, anschließend an die beiden Texte, die Huisken veröffentlicht hatte.: »Deutsche Schulen: »Vorsortierung, Sachzwänge, deutsche Leitkultur««

Politische Verwirrungen Part 57 aka SDAJ Nummer 2 Ausgabe 2

Das war erst der Anfang.
Das es Zeit ist zu Kämpfen wissen wir ja schon seit der Einleitung, dieses Mal kämpfen sie für das Recht auf Ausbildung und Studium.
Ausbildung und Studium so lernen wir ist ein Grundrecht, ungefähr so wie es Grundrecht ist demokratischen Trotteln wie euch voll eine in die Fresse zu zimmern, also gar nicht. Leider.
Wenn ihr es micht glaubt: im Grundgesetz Artikel Schulrechte. Und Artikel 8 Versammlungsfreiheit, in Artikel 7 steht viel über Privatschulen, nebenbei und in Artikel 8 etwas von friedlich, ohne Waffen versammeln, hätte so schön sein können.
Naja klar ist »es fehlen jedes Jahr hunderttausende AusbilDungsplätze und es werden jedes Jahr mehr.« Wer schuld ist ist ja nicht so die schwierige Frage, Zukunftskiller ick hör dir trapsen. Natürlich »vor allem in großen Konzernen wie Siemens, Allianz, Henkel, Bayer oder VW.«
Im Grunde aber sind die kleineren Betriebe nicht besser, denn wenn diese mal ausbilden »[bist] du als Azubi im Kleinebetrieb oft nur billige Arbeitskraft und der Willkür deines Chefs direkt ausgesetzt.« Und sonst so? »Aber auch in Großbetrieben greifen die Zukunftskiller die Qualität unserer AusbilDung an.« Puh, ich dachte schon die fetten Kapitalist_innen sind mal nicht schud.
Dann ganz lange nichts Neues, Staat und Kapital Hand in Hand, klar beibt wer schuld ist.
Um die AusbilDungsmisere zu belämpfen hat die SDAJ aber natürlich die derbsten Ratschläge zur Hand, warum die nicht auf Sachverständigenräten sitzen ist mir mehr und mehr ein Wunder. Das Ganze ist übrigens in der Form eines Gesetzes geregelt, nein soll in der Form eines Gesetzes geregelt werden.
»JedeR Jugendliche hat ein Recht (hoho, und nach der Revolution gleich zwei Rechte) auf einen betrieblichen AusbilDungsplatz m Berufsfeld seiner Wahl (Auszubildende als Bademeister_in: 0, Auszubildende als Manager_in Zukunftskiller_in: 50.000). eine Vergürung, die ein elternunabhängiges und menschenwürdiges Leben ermöglicht und eine unbefristete Übernahme im erlernten Beruf.«
Das sieht dann so aus, dass 60.000 Fachidiot_innen in der Firma ihrer Ausbildung rumhängen einen 2 Stunden-Tag knechten und die ausbildende Firma nach 2 Monaten wegen zu hoher Lohnkosten pleite ist, Idealismus ist schon was feines.
»Bei der AusbilDungsplatzvergabe gibt es keine Diskriminierung,« Und diese keine Diskriminierung ist wohlgemerkt gesetzlich festgeschrieben. »dafür eine Quote für Frauen, MigrantInnen und Behinderte!«´Genau, weil wo die Quote herhalten muss ist das ein untrügliches Zeichen für keine Diskriminierung.
Und zu schlechter Letzt: »Keine Verschlechterungen!« Ähm ja genau, weil status quo reicht, wenn es denn besser werden könnte.
Next: Studieren. Aus dem Studieren macht sich so mach eine_r schon einen ziemlichen Spaß, das sind dann die reichen Kinder auf den Privatunis, die ungestört vom Pöbel ihren Hobbys wie Lacrosse, Polo und Geld verbrennen nachgehen, während Arbeiter_innenkinder auf Unis fast nicht mehr zu sehen sind. Und die, die doch studieren und das nicht auf einer von den Eltern bezahlten Privatuni, die müssen sich mit Nebenjobs über Wasser halten. Das krasse, findet die SDAJ, an der ganzen Sache ist aber: »Nebenbei wirst du in solchen Billig-Jobs mächtig ausgebeutet
Arbeit im Kapitalismus hat natürlich nichts mit Ausbeutung der Arbeitskraft zu tun, wenn das so wäre wäre das Recht auf Arbeit zu erkämpfen ja voll schwachsinnig, danke SDAJ: alles was ich dachte über Arbeit zu wissen ist falsch.
»Die Zukunftskiller heben die Zugangsbeschränkungen Durch den Numerus Clausus (NC) an […]«
Der Numerus Clausus ist nämlich keinesfalls eine Zugangsbeschränkung zum Studium falls zu viele Leute ein Fach studieren wollen, sondern der böse Wille der Zukunftskiller.
Übrigens benutzt die SDAJ in ihrem ganzen Text einmal das Wort kapitalistisch und das, tschingrassabum, jetzt: »Der unter dem Schlagwort der »Hochschulautonomie« forcierte Wettbewerb der Hochschulen untereinander um Gelder aus der Wirtschaft verstärkt die allgemeine Ausbreitung kapitalistischer Konkurrenzverhältnisse.«
Ach was, der Kapitalismus breitet sich im Kapitalismus noch weiter aus. Und ich dachte Kaptalismus ist Kapitalismus ist Konkurrenz ist total. Denkste, noch ist nicht alles kapitalistisch und wenn wir SDAJ wählen dann kommt die RAD/D mit fetter Schützenhilfe an und die beiden schaffen den Kapitalismus ab ohne Geld, Wert und Tausch auch nur anzufassen.
»Wir haben ein Recht auf Studium!«, ja ne ist klar, das mit dem Recht und so muss man euch ja nicht erläutern auf eurem Weg zum Sozialismus. Und wieder fordere ich ein Recht auf Saalschlachten mit der SDAJ!
Um das Recht dann aber durchzusetzen haben sie wieder ein paar Forderungen aufgestellt. Wenn die Forderung nach einem guten Kapitalismus vielleicht schon arge Züge eines Oxymorons aufwies dann wird es jetzt erst richtig gut:
1. »Zulassung aller Bachelor AbsolventInnen zum Masterstudium!«
2. »Weg mit Bachelor- und Masterabschlüssen!«
Ha, da seid ihr baff, wa? Übrigens auch gefordert: » Keine Zulassungsbeschränkungen- Weg mit dem NC!« Ich freu mich schon auf Hörsääle für 100 Student_innen, die mit 500 restlos überfüllt sind. So manches macht halt schon irgendwie Sinn.

Das war es mit Teil 2, Teil 3 wird sich dann mit dem Recht auf Arbeit und dem tollen Teil Was tun? beschäftigen. Wenn ich mich dazu noch motivieren kann, mittlerweile ist mir das Amusement bei der Beschäftigung mit der SDAJ gründlich verflogen.

Politische Verwirrungen Part 56 aka SDAJ Nummer 2 Ausgabe 1

Vor etwas längerer Zeit hab ich eine Art Schüler_innenzeitung der SDAJ in die Hände gedrückt bekommen, die sich sehr intensiv mit »Zukunftskillern« beschäftigt. Eigentlich sind das 11 Seiten durchgehende Unterhaltung, und 11 Seiten voller mustergültiger Beispiele warum die SDAJ trotz anders lautenden Einwänden nichts in radikal Linken Bündnissen zu suchen hat, radikal sind die noch lange nicht, die Tatsache ist ja aber nicht so neu.
11 Seiten abzutippen und mich anschließend drüber lustig zu machen ist mir aber zugegebenermaßen viel zu langweilig deswegen einige Höhepunkte, während des Schreibens merkte ich, dass auch nur die Höhepunkte des ganzen Heftes zu lange für einen Beitrag wären, deswegen teile ich das mal ein. Heute geht es um die Einleitung bis zum Recht auf Bildung.
[Einleitung: Wer ist eigentlich schuld, bla…]

Wir sind der Meinung es sind die Zukunftskiller und sie haben Name und Adresse. Einige Namen sind bekannt […Merkel, Rüttgers…] Doch unter den Zukunftskillern gibt es auch einen Kreis von Menschen, deren Namen meistens ungenannt bleiben. Sie sind Großaktionäre bei Konzernen und Banken, in denen sich die wirtschaftliche Macht dieses Landes konzentriert.

Außerdem ist denen alles voll egal was so mit der Bevölkerung kritisiert, denn »für sie gibt es keinen Arbeitszwang. Für sie gibt es nur einen Zwang: Die Gewinne ihrer Unternehmen explodieren zu lassen.
Mann kann bei diesem verzweifelten Kampf gegen das Böse in den Chefetagen übrigens nur auf zwei »Seiten der Barrikade« stehen, entweder auf der der SDAJ oder auf der der Zukunftskiller. Ohne schwarz-weiß Denken würde Hetze ja aber auch keinen Spaß machen.
Vollkommen richtig erkennt die SDAJ: »Wir leben in einer widersinnigen Gesellschaft!« Warum? Ganz einfach, de ganzen netten Student_innen, die länger studieren müssen, weil sie wegen Studiengebühren nebenbei arbeiten müssen wollen sich nicht mehr als faul bezeichnen lassen, sie geben ja alles für den Standort. Wohlgemerkt: Student_innen, die sich vielleicht nicht dem Diktat des Standorts unterordnen wollen und deswegen die etwas langsamere Version des Studiums wählen können ruhig als faul tituliert werden.
Weil die Migrant_innen, die sich doch eigentlich zu guten Deutschen erziehen lassen wollen mit Einbürgerungstests und besonders schlechten Karten bei der Ausbildungsplatzsuche schikaniert werden. Wohlgemerkt: Zu Deutschen muss man sich schon integrieren lassen wollen wenn man gegen rassistische Schikanen protestieren will.
Zum Thema Feminismus haben die Zukunftsretter_innen der SDAJ aber natürlich auch was zu sagen: »Wir wollen als junge Frauen nicht ständig von Gleichberechtigung hören, sondern endlich ein Recht auf Arbeit mit einem Lohn, der uns nicht in die Abhängigkeit vom Lebenspartner treibt.« Jenseits der Mann-Frau Beziehung kann hier die ganze Zeit nicht gedacht werden und eigentlich ist es ja super-cool wenn man im Oben genug repräsentiert ist, da muss das Unten nicht mehr abgeschafft werden.
Warum all diese Widersinnigkeiten gegen die armen jungen für den Standort ihr Bestes gebenden Menschen? »Weil es in dieser Gesellschaft eine kleine Minderheit gibt, der Massenarbeitslosigkeit, Ausbildungsplatzmangel und Bildungsabbau nutzen: die Kapitalisten.« Außerdem natürlich wieder »die etablierten Parteien«, auch Systemparteien genannt, oh ne falsche Feldpostadresse, sowie Großaktionäre. Schockschwere Not, in einer auf Herrschaft basierenden Gesellschaft profitieren nachher noch Leute von der Herrschaft, ihgitt!
Für alle, die das noch nicht mitgeschnitten haben, was für eine »sozialistische Gesellschaft« in nächster Zeit am ehesten erkämpft werden muss: »das Recht auf BilDung, das Recht auf AusbilDung und das Recht auf Arbeit.«
Warum ausgerechnet Dung erkämpft werden muss um im Sozialismus anzukommen kann ich irgendwie nicht verstehen.
Im Moment lautet das Problem: »Der Zugang zu Bildung hängt einzig und allein von BilDungs- und Kontostand der Eltern ab. Das deutsche Bildungssystem ist darauf ausgerichtet, dass Jugendliche aus armen Familien arm bleiben.« Wäre ja auch irgendwie komisch wenn der Kapitalismus, der nun mal auf der Herrschaft weniger über viele basiert auf einmal dazu taugen sollte alle in die Chefetagen zu lassen. Und überhaupt was ist dann über Ausbeutung durch Waren- und Mehrwertproduktion gesagt wenn alle das Gleiche verdienen würden? Fragen wir mal Onkel Marx, der sich bei diesem Begriff von Sozialismus nebenbei bestimmt gehörig im Grabe dreht:

Ja selbst die Gleichheit der Salaire, wie sie Proudhon fordert, verwandelt nur das Verhältnis des jetzigen Arbeiters zu seiner Arbeit in das Verhältnis aller Menschen zur Arbeit. Die Gesellschaft wird dann als abstrakter Kapitalist gefaßt.
Arbeitslohn ist eine unmittelbare Folge der entfremdeten Arbeit, und die entfremdete Arbeit ist die unmittelbare Ursache des Privateigentums. Mit der einen muß daher auch die andere Seite fallen.

Marx, Ökonomisch-philosophische Manuskripte
Damit aber alle erstmal das Gleiche verdienen können, müssen Bildungsbarrieren der Zukunftskiller abgebaut werden. Das geht ganz leicht:
Erstmal mehr Geld damit:
»…alle Schulen verbindliche Ganztagsschulen mit Freizeitangeboten, kostenloser Verpflegung und Hausaufgabenhilfe mit qualifizierter pädagogischer Betreuung werden!«
Genau Freizeit und Spaß sind ja voll unnötig, da sitzt man lieber den ganzen Tag in der Schule und hört sich sozialpädagogische Scheiße. Qualifizierung ist halt nicht einfach.
»… jede Klasse zwei LehrerInnen in jeder Stunde hat und keine mehr als 20 SchülerInnen!«
Genau. Ein_e Lehrer_in reicht halt nicht um die Blagen zu kontrollieren da müssen schon zwei her um den Lehrstoff durchzupauken, der wurde aber natürlich mit voll viel Mitbestimmung seitens der Schüler_innen erstellt, denn wer Sachen noch nicht weiß weiß am Besten was man jetzt zu lernen hat.
Die selbstverständlich hoch qualifizierten Lehrkräfte fallen nebenbei vom Himmel, oder kommen aus ihren tief in der Erde verborgenen Löchern gekrochen.
Nebenbei sollen noch Privatschulen abgeschafft äh verboten werden und alle in eine Schule gehen. Der Notenzwang muss auch dringend gehen. Das stell ich mir super vor: Anstatt einer Zeugniskonferenz der Lehrer_innen am Ende eines Halbjahrs werden den Schüler_innen leere Zeugnisse ausgegeben, diese können dann je nach Gutdünken sich Einsen eintragen das Zeugnis wieder abgeben und kriegen es 2 Wochen später unterschrieben wieder.
Außerdem neu: »Die Rücknahme von so unsinnigen Verboten wie Handyverbot und völligem Rauchverbot auf Schulhöfen!«
Ich bin da auch für eine konsequentere Regelung. Statt nur auf dem Schulhof sollte auch in den Stunden telefoniert, geraucht und gekifft werden dürfen!

Nächstes Mal: Das Recht auf AsubilDung und Studium.

Ohne Bildung geh ich wählen.

In Hannover wurde protestiert. Mehrere Tausend (laut Medienangaben 4000, ich hatte ja das Gefühl das von denen ca. 2000 schon vor Beginn der Demo wieder verschwunden waren) Schüler_innen demonstrierten gegen alles was im Bilgungssystem gerade miserabel läuft, oder zumindest so eingeschätzt wird.
Während die Demo an sich, neben zahlreichem Hinsetzen wie auf Demos dieser Art in Hannover Usus, unspektakulär verlief änderte sich dies als die Menge, übrigens keineswegs angeführt von Mitgliedern des sog. »Schwarzen Blocks« sondern weitesgehend selbstbestimmt, sich entschloß mal dem Landtag einen Besuch abzustatten. Auf dem Weg hin zu diesem wurde dann die Scheibe eines Hintereingangs zerstört und die Bullen in regelrechte Konfusion getrieben.
Deren Konfusion äußerte sich dann neben dem Herankarren von allem was in Hannover an Streifenpolizist_innen gerade zur Verfügung stand vor allem im Pfefferspray und Schlagstockeinsatz »gezielt gegen gewaltbereite Teilnehmer«1, oder auch gegen alles was »sehr kooperativ und friedlich«2 vor dem Landtag stand.
Kein Tag ohne Festnahmen auch hier. Die Polizei nahm 2 Demonstranten fest und wirft ihnen Widerstand sowie Körperverletzung (»Au, mein einer Finger tut ein bißchen weh« O-Ton Polizist) fest.
Erste Kreise ziehen die Vorfälle bereits, eine Gruppe von Schüler_innen spricht im Einklang mit Medien und Polizei von »linksextremen Separatisten«, die mit »besonders großen, auffälligen Bannern« ausgebrochen seien3. Man selber will damit nichts zu tun haben und war bestimmt nicht vor dem Landtag. Währenddessen scheinen mehrere Einzerpersonen oder Initiativen Klagen gegen den Polizeieinsatz zu erwägen. Egal was die Zukunft bringt, man darf gespannt sein.
Einen Überblick über die Berichterstattung liefert szeneputzen.
Eskaliert ist die Situation auch in Berlin, irgendwo zwischen widerlich und kleinen dummen Kindern. Ziel der Demonstrant_innen war die Humboldt Universität, im Laufe der Aktion wurde eine Ausstellung zu jüdischen Unternehmen in der NS-Zeit beschädigt, sowie eine Vorlesung von Managern gestört, die über Patentschutz an Hochschulen diskutieren wollten, diese »haben versucht das Essen zu retten« im Laufe dieser anscheinend sehr wichtigen Operation aber einen Laptop sowie diverse Unterlagen verloren.

♥Tekknoatze

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