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Verwirrung stiften

Die Antifa Jugend Bochum schießt den Vogel ab. In ihrem neuesten Indymediastreich rechnen sie sich ganz frech antinationalen Bewegungen zu. Wenn sie sich mal länger als 20 Sekunden darüber Gedanken gemacht hätten, wären sie auf den selben Schluß gekommen wie ich: Eigentor.

Das Gegenteil von Gut…

wird in einer Stellungnahme der Antifa Jugend Bochum Bochum bezüglich der „Kritik ist eine Waffe“ Demo am Samstag mal wieder deutlich.

So heißt es dort:

Die Antifaschistische Jugend Bochum (AJB) und das Bochumer Polit-Cafè Azzoncao werden die antideutsche Demonstration am 1.März 2008 in Bochum weder unterstützen, noch an ihr teilnehmen.

So weit so falsch. Die Demonstration ist keineswegs eine Antideutsche, sondern eine, die einen (nötigen) Gegenpol vor Allem (natürlich nicht nur) zur Doof bleibt doof da helfen keine Pillen Demo der RAD/D stellt.
Zu keinem Zeitpunkt wird (und das machen Antideutsche ja pausenlos und ununterbrochen diese identitären Spinner) von der Nötigkeit Israels geredet, sondern es geht um den Kapitalismus.

Die „Kritik“ geht dann erst los:

Unsere Gruppen stehen der positiven Bezugnahme auf Nationen und Nationalismus, der in diesem Aufruf zu Tage tritt, mehr als ablehnend gegenüber. Wir billigen in keiner Weise die diffuse Grundannahme dieser Gruppen, welche „die JüdInnen“, die AmerikanerInnen, „die Deutschen“, etc. zu einem Kollektiv zusammenschrauben will. Dass man sich hier bei der völkischen Ideologie bedient, die man abzulehnen vorgibt, ist mehr als offensichtlich.

Zu aller erst der Aufruf kann auf der Mobilisierungsseite gelesen werden, hier um genau zu sein.
Um 17.49 am 26.02.2008 ist in dem ganzen Aufruf kein einziger positiver Bezug auf eine Nation zu lesen. Welche Nationen genau soll natürlich nicht vorenthalten werden:

Besonders die Staaten Frankreich und die U.S.A., die hier explizit als positive nationalistische Bezugspunkte gesetzt werden, haben in ihrer Vergangenheit (Kolonialismus, Sklaverei, Assimilationspolitik, etc. pp.), eindrucksvoll bewiesen, dass auch ohne explizit völkisch-deutsche Ideologie Genozide, Rassismus und Unterdrückung von Minderheiten bzw. vermeintlich minderwertiger Menschen möglich sind. D.h. natürlich nicht, dass die Singularität der Shoah hier in Frage gestellt wird.

Was auch zu keinem Zeitpunkt angezweifelt wird. Sowohl Frankreich als auch die USA werden tatsächlich explizit erwähnt, allerdings dahingehend, dass die deutsche Nation sich von diesen Staaten (und anderen Staaten generell) unterscheidet. Heißt also Frankreich und die USA werden zum Zeitpunkt der Analyse des Bestehenden als Vergleich zu Deutschland gesetzt.
Diese Analyse ist nebenbei auch dringend nötig. Deutschland mit anderen Nationen komplett gleichsetzen zu wollen kann durchaus als Form des Geschichtsrevisionismus definiert werden.
Niemand innerhalb linker Zusammenhänge wird außer Frage stellen, dass sowohl Frankreich als auch die USA rassistische und chauvinistische Politik betrieben haben und dies verteidigen.
Das Thema ist aber nicht Thema des Bochumer Aufrufes folglich vergleicht die AJB, um sich einer Redensart zu bedienen, hier Äpfel mit Birnen.

Das sog „3. Reich“ und die völkische Ideologie allein auf ein „fehlenden positiven Bezugspunkt“ der „Deutschen“ zur Nation zurückzuführen ist plump und unwissenschaftlich. Die Entstehung der faschistischen und insb. der völkischen Ideologie auf ein geschichtliches Datum in der Entstehungsgeschichte des Deutschen Kaiserreiches festzuschreiben ist nicht nur fahrlässig, sondern einfach historisch falsch und unterschlägt ganze Bereiche der Geschichtswissenschaft.

Nun gut, Danke für das Herausposaunen einer solchen Meinung, leider fehlen hier komplett die Argumente. Das angebliche Falsche wird als falsch abgetan und damit hat sich das. Diesen Absatz damit zu widerlegen fällt somit unglaublich schwer aus, weil wo kein Argument da kein Gegenargument.
Der Absatz im Aufruf, in dem das Wort Bezugspunkt auftaucht liest sich so:

Anders in Deutschland, hier gab es keine erfolgreiche bürgerliche Revolution. Der Nationalstaat wurde ‘von oben’ gegründet. Dementsprechend fehlt auch ein positiver Bezugspunkt für das Nationalverständnis.

Was so im Kontext des vorher geschilderten ursprünglichen (nicht heutigen) Bezuges auf den Begriff in Frankreich auch richtig ist. In Frankreich war das Bekenntnis zur Nation ein Bekenntnis zur Revolution, in Deutschland hingegen fehlt diese Revolution. Somit können sich revolutionäre Kräfte auch nicht auf jene beziehen. Das Zitat ist nebenbei immer noch aus dem Absatz über die Spezifik der deutschen Nation, und die von oben gegründete deutsche Nation. Zu keinem Zeitpunkt wird hier behauptet alleine diese Besonderheit in der Gründung Deutschlands sei der einzige Grund für das dritte Reich, völkischer und faschistischer Ideologien.
Das Wort Grund kommt alleinestehend nichtmal im Aufruf vor.

Auch positive Bezüge zum Militär und Militarismus, wie sie im Aufruf zutage treten, liegen uns fern.

Auch das ist wieder eine Meinung, in Zukunft wäre es vielleicht angebracht die betreffenden Stellen des Aufrufs offenzulegen, oder besser noch den ganzen Aufruf, den man gelesen haben will.
Zumindest in dem Aufruf, den ich gelesen habe wird sich nicht positiv auf einen Krieg bezogen oder gar Militär verteidigt. Die Passagen, in denen das Wort Krieg im Aufruf erscheint lesen sich so:
1.:

Durch die Erschließung neuer Absatzmärkte oder die Vernichtung von Wert, was sowohl harmlos in Form von Firmenpleiten etc., als auch gewalttätig in Form von Krieg geschehen kann, schafft der Kapitalismus es jedoch aus eigener Kraft diese zu überwinden.

2.:

Ähnlich definieren sich die USA über den Unabhängigkeitskrieg und noch heute bekommt jede/r, der/die auf dem US-Territorium geboren wird, die Staatsbürgerschaft.

3.:

Zwar wurde der Volksstaat von den Alliierten zerschlagen, aber die Entnazifizierung wurde, angesichts des Kalten Krieges, nie konsequent durchgeführt.

Hmm okay, der Sieg der Allierten über Deutschland, der hier erwähnt wird wurde natürlich in anderen Zusammenhänegn schonmal positiv gedeutet, das scheint zu reichen.
4.:

Ganz davon zu schweigen, dass das so genannte Wirtschaftswunder keines war, sondern auf dem durch Vernichtungskrieg und Zwangsarbeit akkumulierten Kapital beruhte.

5.:

Nicht zufällig war es eine Regierung aus Ex-Linken der 68er-Generation, die den dritten deutschen Angriffskrieg gegen Serbien in einem Jahrhundert führte und die Anfang der Neunziger begonnene Neuordnung Jugoslawiens nach deutschen Interessen und völkischen Prinzipien vollendete.

Nachdem Krieg also keineswegs positiv dargestellt wurde gehts nun weiter:

Wir sehen in der hier dargebotenen antideutschen Kritik an linker bundesdeutscher Politik der letzten 40 Jahre keine Relevanz, da sie kaum mehr ist, als eine pseudowissenschaftliche Vereinfachung und Verzerrung. Ihr einziger Sinn ist die identitäre Selbstinszenierung einer selbsterklärten Elite, die in oberlehrerhafter Pose anklagt und belehrt.

Erstens einmal ist linke bundesdeutsche Politik der letzten 40 Jahre keineswegs vorbehaltlos zu betrachten und zweitens haben es die zu der Demo aufrufenden Gruppen immerhin geschafft eine sachlich und logische Argumentation an den Tag zu legen und nicht versuchen alles von vorneherein mit einem Schlagwortn von Seiten der AJB dann „antideutsch“, in Verruf zu ziehen.
Das was von Seiten der boykottierenden Gruppen alles kritisiert und vollkommen argumentlos niedergemacht wird erinnert mich viel eher an „oberlehrerhafte Posen“, dass antifaschistische Zusammenhänge im Ruhrpott einiges zu lernen haben sollte kein Geheimnis sein, und sie könnten ja was lernen, wenn sie es mal für nötig hielten vorbehaltlos einen Sachverhalt, wie diesen Aufruf zu analysieren und nicht alles auf den Aspekt „antideutsch“ zu reduzieren.
Wir nähern uns dem Ende aber eine entschiedene Ablehnung darf natürlich nicht unbekräftigt formuliert werden deswegen:

Eine realitätsferne Gesellschaftskritik, die in der oben beschriebenen Weise daherkommt, und das Patriachat, den Rassismus, die Ausbeutung natürlicher Ressourcen und den Wirtschaftchauvinismus der so genannten 1.Welt gegenüber der so genannten 3.Welt relativiert bzw. völlig ausklammert, ist nicht die Unsrige.

Hier wird dann also die Analyse der Kapitalverhältnisse seitens des Demobündniss mit einem weiteren Schlagwort belegt „realitätsfern“ (eins fehlt noch das kommt gleich). Der Kapitalismus wird hier wieder auf einzelne Scheußlichkeiten innerhalb des Systems reduziert die da natürlich wären, die böse „1. Welt“, die aus reiner Boshaftigkeit die „3. Welt“ ausbeutet.
In der Tat aber wird der Gegensatz zwischen arm und reich bzw. der ProletarierIn und KapitalistIn durchaus erwähnt. Dieser Gegensatz ist letztendlich auch das Herrschaftsverhältnis, das von Seiten der industrialisierten 1. Welt gegenüber der nicht so industrialisierten 3. Welt Anwendung findet: Die KapitalistInnen beuten die ArbeiterInnen aus, dies geschieht aber keineswegs nur von der 1. in die 3. Welt sondern genauso innerhalb der dritten Welt selber. Die Forderung also explizit eine Ausbeutung der 1. gegenüber der 3. Welt zu kritisieren vernachlässigt, dass nicht nur die multinationalen Konzerne ausbeuten und verkürzt so die Kritik am Ganzen des Kapitalismuses, die von Seiten des Bochumer Demobündnis gefordert wird.
Sicherlich wird in dem Demoaufruf nicht noch explizit ein „Gegen Rassismus, Sexismus, und [beliebige Herrschaftsform einfügen]“ drangehängt was angesichts des Mottos der Demo aber auch weder Thema noch explizit nötig ist, wenn zum Schluß die Emanzipation aller Menschen gefordert wird. Das beinhaltet auch eine Emanzipation von Rassismus, Sexismus etc.
Der Schenkelklopfer zum Schluß darf natürlich nicht fehlen:

Ein wirklich emanzipatorisches Potential können wir dieser Demonstration beim besten Willen nicht abgewinnen. Sie ist vielmehr Ausdruck spätpubertärer Kriegs- und Machtphantasien einiger junger Deutscher.

Hmm na gut. Dann solltet ihr vielleicht jetzt nochmal über euren text nachdenken, dann unvoreingenommen den Aufruf lesen und eure Definition von „emanzipativ“ überdenken.
Denn auch hier werden Sachverhalte in den Aufruf der Demo projeziert, und somit benutzt um die zu der Demo aufrufenden Gruppen zu diskreditieren, die so ganz einfach nicht gegeben sind. Zu keinem Punkt des Aufrufes werden Kriegs- und oder Machtphantasien ausgelebt geschweige denn geäußert.
Das die aufrufenden Gruppen aus Deutschland kommen ist wohl so, tut die AJB aber genauso, und das die Menschen innerhalb der Gruppe ausnahmslose „junge Deutsche“ seien beweist einmal mehr die seltsamen Gedankengänge der unterzeichnenden Gruppen nur um es euch mal kurz vor Augen zu halten:
1. Die AJB definiert sich als „Jugendantifa“. Eine Frage, was sind Jugendliche bitte sonst als junge Menschen? Was ist das also für eine Kritik an einem Bündnis, Menschen als „jung“ negativ zu beurteilen, wenn man selbst jung ist?
2. Die Menschen dort sind also „Deutsche“? Um euch mal kurz ein Zitat eures Pamphlets vorzuhalten:

Wir billigen in keiner Weise die diffuse Grundannahme dieser Gruppen, welche „die JüdInnen“, die AmerikanerInnen, „die Deutschen“, etc. zu einem Kollektiv zusammenschrauben will.

Wer schraubt hier wen zu was zusammen?

Drüber gestolpert bei nokrauts.
Text der AJB und des Azzoncaoplenums (?) hier.

♥Tekknoatze