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Postnazistische Zustände.

Der »Wer hat die beste Persiflage auf Wertmüllers Namen parat«-Contest. Richtig geil.


Es ist langsam mal an der Zeit dafür. Wenn es um den Justus Nachname Wertmüller, seines Zeichens hauptberuflich Idiot und nebenbei sogenannter Redakteur bei der Hetzpostille Bahamas, geht werden die Geister kreativ. Jede_r hat mindestens eine Verballhornung parat und jede_r hat sich schon mal gefragt: »Wo ist eigentlich das non plus ultra, der Gipfel vor dem tendenziellen Fall der Humorrate?« Nicht mehr, aber auch ganz sicher nicht weniger werden wir jetzt rausfinden. Im »Wer hat die beste Persiflage auf Wertmüllers Namen parat«-Contest. Richtig geil. Gefragt seid ihr und eure Kreativität, die Kreativität eurer Freund_innen, die Kreativität von allem. Die_der Sieger_in werden in 2 Wochen gekürt. Natürlich wiederum von euch. Kein guter Boulevardjournalismus ohne die fleißigen Helfer_innen, die lesen, konsumieren, mitgestalten.

P.S. Entdinglichung fragt was Elsässer in 5 Jahren macht. Auch ne gute Fragestellung.

Das Bundesverfassungsgericht, die Menschenwürde und Hartz IV.

Die Bluthunde des sich sozialistisch oder wahrhaft demokratisch schimpfenden Kapitalismus, aggregiert in der Stümperpartei die LINKE und ihrem Umfeld, fletschen sich die Zähne ob der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts Hartz IV als »nicht verfassungskonform« zu verurteilen. Noch nichtmal das. Im Grunde genommen hat das Bundesverfassungsgericht eins beschloßen: heiße Luft. Aber davon eine solche Menge, dass der anhaltende Sauerstoffmangel den sich sozial generierenden Politikhoschis das Gehirn vollkommen ausgeschaltet zu haben scheint. Nicht Hartz IV ist verfassungswidrig, die Berechnung, aber das auch nur teilweise oder so, nichtsdestsoweniger: Hartz IV verfassungswidrig, yay! ist die Devise des Tages, man ergeht sich in Träumereien über das supidupi Sozialwunderland, das Deutschland vielleicht irgendwann mal sein könnte, wenn noch so ca. 80 Millionen Geißböcke die LINKE wählen würden. Die Frage was das eigentlich bedeutet als Hartz IV Empfänger_in gebrandmarkt zu sein und unter den Auswirkungen der fehlenden Arbeit, hin und wieder auch Armut genannt, zu leiden stellt sich niemand. Immerhin! Höchstrichterlich verfügt kriegt man in manchen Fällen, weil der Staat sich mal wieder um die Sicherung eines menschenwürdigen Existenzminimums scheren muss, ein wenig mehr Geld. Wenn schon keinen Zugang zu den Fleischtöpfen, denn schon menschenwürdig dahin vegetieren, irgendwo zwischen Depressionen und sozialen Ausgrenzungsmechanismen. Immerhin! Keine 359 Euro Hartz IV mehr, vielleicht sogar 450€! Der ganz radikale Flügel könnte sich mit ganzen 500€ in Stellung bringen und der Farce Sozialstaat, die eben nie mehr als der verzweifelte Versuch die Reservearmeen der Kapitalist_innen wenn schon nicht in Lohn dann immerhin! in Toast zu halten ist, einen Hauch von Debatte verleihen. Bei Anne Will könnte sich ein_e Betroffene_r auf dem Sofa niederlassen und in betroffenen aber bloß nicht zu wütenden Worten ihrer Bestürzung Ausdruck verleihen und die Hoffnung, dass es jetzt besser werden könnte, vielleicht, unter Umständen, wenn alles gut geht, muss ja auch realistisch und finanzierbar sein, wie einen schwachen Glanz am Horizont 2011 aufgehen sehen.
The show must go on. Ich hasse euch dafür.

P.S. Zur Armut sei dieses Fragment bei nachtwach herzlichst empfohlen.

II

Blog-Gebrutstage stehen für Nonsens. Trotzdem ist der von EinBlog immer ein Freudentag. Heute ist es mal wieder soweit, Josef Ackermann und EinBlog feiern in trauter Runde in Atlantis Geburtstag. Es könnte nichts schöneres geben, nach einem weiteren Jahr stilistisch Irrelevantem und einem Haufen Bewegungsmangel, oder auch linkem Boulevardjournalismus.
289 Beiträge haben in dieser Zeit das Licht der Welt erblickt, gepaart mit 1151 Kommentaren, die sich auf 18 Kategorien aufteilen. Hier lässt sich insgesamt 523 mal ein einzelner Beitrag angucken und dazu 1.838 Kommentare, geschrieben in 730 Tagen von unzähligen Autor_innen.
Jetzt also mit vollster halber Kraft und einem verdreifachten Team auf ins Jahr Nummer III.
Ich möchte mich noch bedanken, für Diskussionen, Witzeleien und gemeinsames Rumgelulze, für Verlinkungen und Hasstiraden, ganz besonders allerdings für persönlichen Support in echter wie virtueller Welt, fürs Hass teilen und feiern, für Trost und Anregungen. Bleibt uns gewogen. Ach ja, ich hab letztes Jahr schonmal zum Geburtstag ein Geschenk für euch versprochen, ich glaube es ist damals dann 4 Monate später gekommen, ich mach das dieses Jahr wieder und wage fast zu prognostizieren, dass es schneller geht.

Happy Birthday, EinBlog, my real Teenager Gang:

Minilogue – My Teenager Gang

My ROFLCopter goes…

»Die objektive Verzweiflung durch den Hurra-Optimismus der unmittelbaren Aktion überschreien«

Lesen! Ohne Elke Heidenreich II

»Das Gerücht über die Muslime« ist en vogue wie eh und je wenn Deutsche und solche, die es werden wollen mal wieder einen vom Leder ziehen und in hunderten Schattenboxkämpfen ein nicht näher definierbares, scheinbar aber schon ewig so bestehendes, Konstrukt namens »Islam« zu ihrem Gegner erklären und in allen Gewichtsklassen anfangen loszuboxen, dass einer schwindelig wird. Umso besser tut es eine kritische Befassung mit Islam und Islamismus zu lesen, die sich nicht mit aller Leidenschaft dem Ressentiment hingibt. Das tut zum Beispiel Aziz Al-Azmeh in seinem Artikel »Der Islamismus und die Araber« in der KP-Broschüre »Islamismus – Kulturphänomen oder Krisenlösung« getan:

Es versteht sich von selbst, dass die gerade umrissene Position Teil einer, wie man es genannt hat, »kulturellen Entwicklungshilfe« ist; denn unter den widrigen Verhältnissen, wie sie die langwierigen sozialen und ökonomischen Krisen darstellen, von
denen der arabische Raum – in Einklang mit seiner »südlichen« Identität – heimgesucht wird, gilt der Liberalismus als Bedingung der Möglichkeit für ein System von haltbaren politischen Vereinbarungen, die »entweder weltweit Geltung haben oder … durch handgreifliche Aktionen verteidigt werden müssen«. Die Resonanz, die das bei Fukuyama und seinen Kreisen findet, ist keineswegs zufällig; sie sind in derselben historischen Situation der gegenwärtigen einpoligen Ausrichtung internationaler Beziehungen. Die Neigung zum Islamismus und die Parteinahme für ihn während der letzten Jahre im Westen ist eine Form von politischer Intervention seitens einer vom Erdöl bestimmten islamischen Ordnung (»Petro-Islam«), die nach dem Ende des Kalten Krieges auf ihre Verwirklichung dringt; der Kalte Krieg wurde in der arabischen Welt in Form eines Diskurses geführt, der im Namen islamistischer Authentizität das Feindbild »importierter Ideologien« entwarf, womit ursprünglich der Sozialismus in allen seinen Spielarten, insbesondere in seiner nasseristischen Ausprägung, gemeint war und heute der Liberalismus.
Der islamistische Revanchismus in der arabischen Welt ist keine »Rückkehr« zu einem urtümlichen Utopia, auch wenn er sich selbst auf diese Weise präsentiert. Wie sein Pendant in der westlichen Literatur besteht er in einem Diskurs über Authentizität, dessen erkenntnistheoretisches Hauptinstrument darin besteht, Differenz wahrzunehmen und zu registrieren; die Sakralisierung des Politischen in diesem Diskurs wird nicht als Maskierung, sondern als Offenlegung betrachtet. Das ist der Grund, warum es zum Beispiel Kepel rundherum ablehnt, die politische Ausdrucksform des Islamismus als etwas Ideologisches ins Auge zu fassen: ihm gilt der Islamismus weder als Verschleierung noch als Abschirmung, sondern als Offenbarung. Demselben Geist entspricht die ablehnende Haltung, mit der islamistische politische Organisationen auf Parteipolitik reagieren: Halb im Ernst und halb aus Berechnung haben sie schon immer behauptet, über den Parteien zu stehen und das authentische Zentrum des jeweiligen Gemeinwesens zur göttlichen Wahrheit und als Wiederherstellung seines Naturells und Lebensprinzips, als Bestätigung seines eigensten Seins interpretiert.
Der Begriff Islam tritt uns als eine außerordentlich vielgestaltige Kategorie entgegen. Unter anderem dient er dazu, unterschiedslos eine Geschichte zu benennen, eine Religion zu bezeichnen, eine Gemeinschaft ins Ghetto zu sperren, eine »Kultur« zu umschreiben, ein abstoßendes exotisches Phänomen zu erklären und ein ganzes politisches Programm zu definieren. Ich beabsichtige hier nicht, diese Kategorie in den hervorstechenden Formen zu sezieren, die sie in den Faltungen der sozialen Phantasie an deren verschiedenen diskursiven Orten annimmt; sie entfaltet sich dort im Rahmen eines polarisierten Systems binärer Klassifizierungen, für die der »Westen« die normative Metasprache liefert, aus der dann auf negativem Weg die Merkmale gewonnen werden, die zusammen den Charakter des »Islam« konstituieren: Fanatismus, irrationales Traditionsbewusstsein, mangelnder Zeitsinn und die vielen dazugehörigen stellvertretenden Ausdrücke, von denen jeder geläufige Bilder mit sich führt: Volksmassen, den Schleier, Gebetshaltungen und so weiter. Wohl hingegen habe ich in den folgenden Abschnitten vor, die Geschichte der Islamkategorie in Erinnerung zu rufen und die universalistischen Konvergenzen herauszuarbeiten, die der politische Diskurs des islamistischen Abkapselungsstrebens preisgibt. Der Diskurs des politischen Islamismus hat viele Gemeinsamkeiten mit der Vorstellung vom Islam, wie sie der erwähnten sozialen Phantasie des »Westens« geläufig ist; wir werden sehen, dass dies der Fall ist, weil die beiden kategorialen Formulierungen auf gemeinsame theoretische und kategoriale Entstehungsbedingungen zurückgehen.
Dreh- und Angelpunkt des politischen Islamismus ist sein Eintreten für eine politische Ordnung, die möglich machen soll, was als »Anwendung der Scharia« bezeichnet wird. Alternativ dazu ließe sich auch das Eintreten für diese politische Ordnung – nennen wir sie den islamischen Staat – in Begriffen beschreiben, die an der Schnittstelle zwischen eschatologischer Vollendung, einer Heilsgeschichte und Verwirklichung einer Utopie angesiedelt sind.

Aziz Al-Azmeh – Der Islamismus und die Araber in KP-Berlin (Hrsg.) – Islamismus Kulturphänomen oder Krisenlösung; Seite 12f.

Die ganze, sehr empfehlenswerte, Broschüre kann man unter folgendem Link speichern: PDF

Ein fliegender Stein, ist ein fliegender Stein, ist Faschismus.

In Greifswald wurde letztes Jahr ein Burschihaus scheinbar kreativ entwertet (kein Grund sich zu schämen, ich wusste es bis vor 20 Minuten auch nicht). Linke Chaot*innen aus ganz Norddeutschland sind dort wohl zu einem Happening angereist, welches darin gipfelte, einige Glasscheiben zu Bruch zu bringen und »Barrieren aus Bierkästen« zu errichten. Soweit so unspektakulär.
Die dazugehörige Diskussion in einem scheinbar mit dem AStA der Uni Greifswald verbandelten Blog bringt allerdings einige Perlen politischer Verwirrtheit zu Tage.
Hein Blöd z.B. (treffender Name) teilt uns mit, dass wir bei dem ganzen nochmal so richtig Glück gehabt haben:

Ein Lob an alle, die sich von Gewalt distanzieren. Man stelle sich nur vor, es wären Kinder bei der Veranstaltung gewesen und ein Stein hätte ein Kind erschlagen.

Nur gut, dass diesmal keine Tiere von diesen Krawalltouristen (männlich & weiblich) gefährdet wurden.
Der Justus-Wertmüller-Sonderpreis in der Kategorie »Wie bringe ich an unpassender Stelle den Holocaust ins Spiel« geht allerdings an Benjamin E. L.. Gratulation an dieser Stelle.

Vielleicht bin ich durch meine Herkunft und die Tatsache dass meine Familie während der Shoa getötet oder vertrieben wurde sehr sensibel, aber für mich stellen sich die Züge dieses Hassverbrechens wie die, die man aus der Zeit der frühen 30er Jahre kennt, dar. Eine Gruppe von Menschen kommt geplant zusammen, stachelt sich ein wenig auf (früher mit Trommeln und Märschen, heute mit Punkrock) und geht dann los um,wie würde es zu Zeitendes Nationalsozialismus heissen, den »Volkszorn« zu entladen.
Die Tat ist ein geplanter, politisch motivierter Gewaltexess wie er im dritten Reich vorgekommen ist.