Archiv der Kategorie 'Irgendwie gelogen'

Haiti: Über Imperialismus und Elendsvoyeurismus

Wer die Nachrichten anmacht kann sich die nächsten Tage auf eines verlassen: Bilder aus dem zerstörten Haiti. Elendsgestalten, die um Nahrung, Wasser oder Medizin betteln, zwischendurch ein paar Weiße in heldenhafter Mission oder mit Kameras auf der Schulter oder Mikrofonen an der Hand um an der publizistischen Heimatfront das Bedürfnis der Bevölkerung nach ein wenig Spektakel und Elend zu befriedigen.
Sicherlich, die Leute in Haiti brauchen Hilfe. Sicher nicht: Die Leute brauchen keine Abgesandten des Westens, die sich vorher einen Scheiß für sie interessierten und das in 2 Wochen wieder tun werden. Der Nachrichtenwert solcher Ereignissee besitzt eine relativ kurze Halbwertszeit, um so kürzer je schneller sich ein neues Elend finden lässt, von der Top-Story irgendwo in die Mitte nach ganz hinten abgeschoben, irgendwann beinahe komplett vergessen, alle 3 Monate wird das Thema vielleicht nochmal aus der Konserve geholt, zum Jahrestag natürlich und ansonsten auf einer Stufe mit der Gehwegerneuerung in Oberammergau der multimedialen Aufmerksamkeit für unwürdig befunden.

Während die Einwohner_innen der westlichen Staaten dann Ruhe haben werden die Haitianer_innen noch weiter leiden, zwar werden keine kleinen Kinder mit aufgerissenen Augen, schlimmen Verletzungen und am besten unter vollen Namen mehr millionenfach verbreitet, das Land ist davon aber längst nicht aufgebaut, die Tausenden Soldat_innen, die sich nun aufmachen für das zu sorgen was mit Sicherheit umschrieben, mit imperialistischer Einflussnahme aber zutreffendsten benannt ist, sind nicht weg. Die westlichen Staaten, die sich selber den Namen Erste Welt verpasst haben, lassen sich von Kuba und Venezuela eines sicherlich nicht bieten: Dass die dort einfach so Ärzte und andere Hilfe hinschicken, wo das doch »unser Haiti« ist und »wir eine historische Verantwortung haben«. Und so werden die bisherige Taten um großzügige Flugzeugträger und Soldat_innen ergänzt. Schließlich, so die Logik, ist Haiti nun ja ganz kaputt und war eigentlich noch nie so wirklich in der Lage für die eigene innere Sicherheit zu sorgen, wie soll das denn nun werden mit bewaffneten Banden, die sich die bescheidenen letzten Reste Unterhaltsmittel unter die Finger reißen um wenigstens sich selbst das Verhungern zu ersparen.

Nach der Ursache, warum Haiti schon vor dem Erdbeben so kaputt war, dass es nun komplett danieder liegt fragt hier niemand. Die Antwort wäre für Politik und Bevölkerung aber auch keineswegs erfreulich, sind es eben ihre Länder, die seit einigen hundert Jahren hauptberuflich westliche Werte noch in den entlegensten Winkel des Globus prügeln und dabei so ganz nebenbei große Teile der Welt unter ihre Knute gebracht haben. Dank dieses weltweiten durchgesetzten Herrschaftsanspruch war der Reichtum der westlichen Welt überhaupt erst zu haben, Rohstoffe, versklavtes Menschenmaterial und nicht zuletzt die Möglichkeit, die Entwicklung zum eigenen Vorteil auf einem Niveau verwalteten Elends zu halten, haben die Bedingungen für den Reichtum geschaffen und Länder wie Haiti dauerhaft zurückgeworfen.
Umso zynischer erscheint die Rolle der barmherzigen Samariter_innen, in die sich USA und EU werfen. Ein Vorgehen, dass bei anderen durchaus scharf kritisiert wird. So zum Beispiel bei Jean-Claude Duvalier dem ehemaligen Diktators Haitis, der einen Teil des bei seiner Flucht 1986 aus Haiti mitgenommen Vermögens spenden wollte. Problem bei der Sache: Schweizer Richter weigerten sich das Geld dem »Schreckensherrscher« auszuhändigen und »verhinderten so die Farce«, denn Schreckensherrschaft ist nur in Ordnung wenn sie staatlicherseits ausgeübt wird.
Für die Haitianer_innen wird es ein böses Aufwachen sein, wenn sie sich von dem Schock der Zerstöung erholt haben. Zigtausende US- und andere Soldaten werden Ordnung herstellen. Eine Ordnung, die schon bisher zu nichts als Hunger und Elend geführt hat. Für das schöne Gefühl, in Zukunft im rechtssicheren Raum zu verhungern. Deutsche Philosoph_innen machen sich währenddessen lieber Gedanken über den Sinn des Unglücks. Die WELT findet ihn darin den Leidenden zu helfen. Die WELT findet aber auch »Gott weiß es« ist eine an Weisheit nicht zu überbietende Antwort.

Zum Weiterlesen:
Gegenstandpunkt Marburg – Ein erneutes »demokratisches Experiment« für Haiti
Gruppe Kapitalismus begreifen – Haiti herrschen und helfen
Telepolis – Die Elite Haitis blieb vom Erdbeben verschont
Feminists For Choice – Haiti’s Earthquake Could Disproportionally Impact Women

Da war doch noch was?

He added that »the singular and deeply disturbing drama of the Shoah represents the most extreme point on the path of hatred that begins when man forgets his Creator and places himself at the centre of the universe“«

So Papst Benedikt der XVI. anlässlich seines ersten Besuchs der römischen Synagoge. Wichtig ist, dass der Hass erst beginnt wenn der Mensch vergisst an den Schöpfer zu denken, denn mit den richtigen Gedanken an Gott aber nicht die Welt im Kopf ging die Menschheitsgeschichte immer ganz friedlich von statten, sieht man mal von Hexenverbrennungen, Inquisition, Kreuzzügen, Missionierungen und so weiter ab. Aber das waren sicherlich keine Schritte auf dem »Pfad des Hasses« sondern barmherzige Akte der Liebe gegen Frauen, Musel und andere Ungläubige. Amen.
Quelle: Times Online

Saublöde Antifas.

Dresden is calling. Am 13.02. will die deutsche Opfergemeinde wieder rumopfern, die Antifas dieser Republik werden sich aufmachen wenigstens ein paar von den Opfern zu sagen wie opferig sie sind, während sie mit den anderen rumopfernden Deutschen versuchen Dresden sauber zu halten. Es ist der Anlass für den Barden linker Scheußlichkeiten Holger »ich brech dir die Knochen« Burner ein Werk zu verfassen, was wohl in gewissen Kreisen als Lied gelten mag, nach herkömmlicher Definition aber wohl eher einen Anlass für Lachkrämpfe darstellt:

Auf »Pseudoaktionen« und »symbolische Aktionen« hat der »wirklich praktisch denkende« Horst keinen Bock, denn er kommt um zu blockieren, »denn [sein] Arsch auf der Straße heißt ›no pasaran‹«. Und schon soll man es »Dresden oder Stalingrad 2.0« nennen. Man darf gespannt sein wie Holger Burner mit seinem ›no pasaran‹-Arsch auf der Straße 60.000 Deutsche umbringt, mehr als hunderttausend in Gefangenschaft nimmt, 54 deutsche Panzer zerstört und ganz nebenbei noch die Stadt in Schutt und Asche legt.

Skandal: Unternehmen geht Gewinn vor Mitleid.

Letzte Woche hat Media Markt Sachen verschenkt, jeder zenhte Einkauf war umsonst, so die Werbung. Um diese 10% zu ermitteln sollte also gelost werden. Die Kund_innen von Media Markt hat das natürlich gefreut wie nichts, da haben die doch mal die Chance gesehen das Unternehmen so richtig auszutricksen. So auch Familie Weyer, die sind also flugs mit ihrem »ich bin doch nicht blöd«-Brett vor dem Schädel losgerannt in Richtung Media Markt und haben dort eingekauft, also alles was man gerne mal zurückerstattet kriegen würde. Die geniale Denke: entweder wir werden ausgelost oder wir gehen von der Kasse zum Infotisch und geben das alles wieder zurück. Aber dann: Media Markt will nicht. Statt Bargeld gibts Wertgutscheine. Da steht da natürlich fest: Betrug. Media Markt habe ja prinzipiell zugesagt, dass man beim Umtauschen Geld zurückbekomme. Oder um es mit den Worten von Familie Weyer zu sagen:

Die Weyers sitzen auf Kartons mit Waren im Wert von über 2000 Euro und sind der Meinung, dass sie »arglistig getäuscht« wurden. »Ich behaupte, dass die Aktion bewusst so geplant war«, ärgert sich der Rentner. Und seine Tochter, als Betriebswirtschaftsstudentin an der Uni Essen in Finanzangelegenheiten durchaus bewandert, moniert: »Die haben die Geiz-ist-geil-Mentalität ihrer Kunden ausgenutzt.«

Schamlos ausgenutzt, und das mit vollem Bewusstsein. Das Leben kann schon echt hart sein vor allem an Tagen an denen man teifschürfende Fakten bemerkt wie dieses: Kapitalistische Untenehmen sind immer noch keine Samariter für die gebeulteten Arbeiter_innenseelen unterm Smog der Zeche Zollverein. Familie Weyer will jetzt gegen die bösen hinterlistigen Kapitalist_innen klagen um nicht auf den Produkten sitzen zu bleiben, die man für gekauft dann eben doch nicht haben will. Eine Anwältin hätten sie vielleicht früher fragen sollen, die kann jetzt auch nicht mehr helfen. Aber aus Fehlern lernt man ja bekanntlich, wenn man schon nicht im Studium der Wirtschaft der Betriebe erfährt, dass der Gewinn das höchste der Gefühle ist und bleibt.

Quelle: Der Westen – Kunden fühlen sich von Media Markt »arglistig getäuscht«

a minus a ist nichts.

Da interviewt die Jungle World Jesse Daniels, die zu Rassismus im Internet forscht, und fragt wie das denn nun ist mit dem Rassismus und dem Internet und die stellt folgende ziemlich treffende These auf:

Es gibt einfach viele Menschen, die solche Ansichten haben. Aber aufgrund eines gesellschaftlichen Wandels in den letzten 30 Jahren waren die Menschen angehalten, diese Ansichten in der öffentlichen Kommunikation zu verbergen. Das Internet erlaubt ihnen jetzt, all dies mitzuteilen. Die Anonymität und die Distanz, die das Internet erzeugt, macht es den Leuten einfach, Dinge zu äußern, die sie in Gesprächen mit anwesenden Menschen nie sagen würden.

Dann wird ein bißchen über Barbarei im Internet geredet und wie schade das ja sei, dass es da keinen »zivilisierten demokratischen Diskurs« gäbe. Eine sozialkritische Fragerunde später äußert Jesse Daniels dann ihre Lösung gegen die Barbarei im Internet:

Was wäre denn notwendig, um politische Kommunikation im Internet ein Stück weit zu zivilisieren?

Ich denke, dass man darüber sprechen muss, welche Richtlinien es braucht, um im Internet einen zivilisierten demokratischen Diskurs führen zu können. Da geht es um bestimmte sprachliche Ausdrücke, um Moderationsregeln etwa, aber es geht auch darum, dass man sich auch im Internet unter echten Namen äußern sollte. Die Anonymität führt nun mal dazu, dass im Internet so viele verletzende Dinge ausgesprochen werden. Wäre die Online-Identität mit der Offline-Identität verknüpft, wäre das nicht so, weil man sich dann Sorgen um seine Reputation machen müsste. Das wäre ein wichtiger Faktor für die Zivilisierung von kontroversen Debatten im Internet.

Unter echten Namen im Netz zu kommunizieren, heißt aber auch, jede Menge privater Daten preiszugeben.

Richtig, das ist ein großes Problem. Trotzdem denke ich, dass man die Online- und die Offline-Reputation miteinander verknüpfen sollte. Zum Beispiel wären rassistische Kommentare auf Youtube oder anderswo viel unwahrscheinlicher, wenn die Kommentatoren ihren echten Namen darunter setzen müssten. Es ist eben nicht nur positiv, wenn sich Menschen durch Anonymität von sozialen Erwartungen befreien.

Richtig, gegen den Rassismus etc. den die Leute da im Internet äußern hilft natürlich mit dem offensichtlich nicht funktionierenden Mechanismus der sozialen Stigmatisierung vorzugehen. Davon lernen die dann nämlich wieder das, was sie »aufgrund des gesellschaftlichen Wandels« schon mal gelernt haben, Ressentiment haben und Schnauze halten. Nur halt verdoppelt auf die virtuelle Ebene. Eine Kritik am Rassismus kann da doch scheißegal sein, hauptsache die Leute halten sich an den von den »sozialen Erwartungen« geforderten Antirassismus. Im Freund_innenkreis kann da natürlich beliebig weiter gehtzt werden. Dann eben auch im virtuellen. Aber lasst das bloß nicht die Moralapostel der Jungle World und ihre ach so kritischen Freund_innen hören, die wären nocht enttäuscht.

Das nennt man dann vermutlich Abschreckung…

Da wird ein 18-jähriger für 8 Jahre in den Knast gesteckt, für Sprayen. Ich bin sprachlos:

Der Staat nimmt uns die Gewerkschaft weg.

Am 11.12.2009 wurde der FAU Berlin verboten sich als Gewerkschaft zu bezeichnen und Tätigkeiten einer Gewerkschaft auszuführen. Grund hierfür sind die langen Auseinandersetzungen, der in der FAU organisierten Arbeitnehmer_innen des Kino Babylon in Berlin1.
Das hat offensichtlich nicht nur die Betreiber_innen des Kinos oder die Staat, die das Babylon mitfinanziert, gestört, auch die Gewerkschaft ver.di, die im Bereich der Dienstleistungen eigentlich tätig ist, schaltete sich ein und wollte das Schalten und Walten der FAU im Betrieb übernehmen. Nun ist die FAU, sicherlich auch wütend keine Frage, aber vor Allem erstmal mächtig enttäuscht. Da wird eine Einstweilige Verfügung gegen sie erlassen und sie werden nicht mal gefragt! Das Problem ist nur: Das ist bei einer Einstweiligen Verfügung überhaupt nicht vorgesehen. Denn »eine einstweilige Verfügung wird – anders als ein Urteil – nicht von Amts wegen an die gegnerische Partei zugestellt, sondern muss vom Antragsteller selbst mittels eines Gerichtsvollziehers innerhalb eines Monats nach Erlass zugestellt werden, um vollstreckbar zu sein«, wenn dann die Einstweilige Verfügung erlassen worden ist kann »kann der Antragsgegner mittels Widerspruchs erreichen, dass das Gericht über die einstweilige Maßnahme mündlich verhandelt und durch Urteil entscheidet.« Eine Möglichkeit, dass die FAU Berlin Anmerkungen zu der Einstweiligen Verfügung noch im ersten Entscheidungsprozess zu Gehör bringen könnte wäre gewesen auf Verdacht in sämtlichen in Frage kommenden Gerichten Schreiben zu deponieren. Nach Meinung von syndikalismus.tk aber zeigt diese Art der vorläufigenRechtssprechung deutlich »welch geistes Kind« diese Justiz sei. Das scheint so offensichtlich zu sein, dass man es nicht noch weiter ausführen muss und der flapsige Hinweis, dass das Gericht dem Babylon Vorstand ja in allen Punkten, vorläufig und ohne intensive Prüfung, recht gegeben hat reicht. Tut er nicht, jedenfalls nicht für die die nicht ohnehin eurer Fahne hinterherlaufen, und selbst für die ziehe ich das jetzt mal in Zweifel. Also, wessen geistes Kind denn nun? Kind des Großkapitals? Kind aller Kapitalist_innen? Kind des demokratischen Staates?
Wie auch immer, die Syndikalist_innen geben sich schwer getroffen und machen ihrer Enttäuschung in allerlei Stellungnahmen und einer heute stattfindenden Demonstration in Berlin Luft. Leider scheint die FAU darüber vollkommen vergessen zu haben, als was sie sich immer geben, als Feinde des Staates. Stattdessen kann man nicht oft genug und an so vielen Stellen wie möglich betonen, dass dieser Staat ihnen doch hart mitgespielt hat und dass das so doch nicht gehe. So heißt es »die FAU Berlin hatte von Anfang an darauf verwiesen, dass es in diesem Arbeitskampf – so ein klein er sein mag – um mehr als nur bessere Arbeitsverhältnisse, sondern auch um die Gewerkschaftsfreiheit in Deutschland an sich geht.«2 Sie wollten also nicht nur den Angestellten zu ein wenig mehr Kohle in der Tasche verhelfen, nein, sie haben auch noch einen Mißstand in Deutschland ausgemacht, den der fehlenden Gewerkschaftsfreiheit. Zumindest wird dieser beklat, mit der Begründung es gäbe in Deutschland seit 1933 keine kämpferische Gewerkschaftskultur mehr. Das mag so richtig sein. Im darauf folgenden Abgleich des DGB mit dem Ideal einer Gewerkschaft, wie FAU und Konsorten ihn hegen wird man aber auch nicht unbedingt wirklich schlauer, so heißt es dort: »Selbstorganisation und Dezentralität sind als Eigenschaften von Gewerkschaften in Deutschland aufgrund dieses Gewerkschaftssystems rechtlich nicht gedeckt und gewollt.« Sollten sie aber sein. Nur warum sollte der Staat, der sich nunmal dem möglichst reibungslosen Funktionieren des Ladens verschrieben hat jetzt die Rechtssprechung dahin gehend ändern, dass sich auch Leute, die eben nichts von sozialer Befriedung halten und sich in der Tradition des Klassenkampfes stehen sehen auf einmal erlauben sich mehr als unbedingt nötig einzumischen? Dabei wäre die Aufnahme einer neuen Gewerkschaft in das Tarifkuddelmuddel nicht mal so unbedingt das Problem, solange man sich an Recht und Gesetz hält kriegt man auch kein Problem mit der Justiz, egal ob Manager, Bäcker_in, Arbeitslose_r oder Gewerkschaft.
Eben das hat die FAU nun aber nicht unbedingt. Beim Staat ist das nicht unbedingt immer stimmig wie man eben nicht gegen dieses Recht verstoßen solle, was sich an einem Beispiel der Rechtsvorschriften für Gewerkschaften ganz klar rauslesen lässt. da wird nämlich festgehalten, dass man als Gewerkschaft »eine bestimmte Größe haben [muss], um die Interessen ihrer Mitglieder nötigerweise auch wirksam mit Kampfmitteln verfolgen zu können«3. Da wird dann gefragt wie man das denn schaffen solle Arbeiter_innen zu organisieren wenn man das denn gar nicht dürfe? In einem Karnevalverein, einer Kirche, einem Ruderclub oder was auch immer, das scheint da relativ egal zu sein. Hauptsache ist man kommt nicht auf die Idee sich Gewerkschaft zu nennen.
Bei der Empörung darüber geraten die Verfasser_innen der oben zitierten Stellungnahme aber erst richtig in Fahrt: »Skandalös« sei das Urteil, das eben kein Urteil ist, und es hänge damit zusammen, dass »es in Deutschland keinen geschützten Gewerkschaftsbegriff gibt und die Mächtigen anscheinend beliebig über die Gewerkschafstrechtsprechung entscheiden können«. Was natürlich Humbug ist, es haben sich nicht irgendwelche diffusen Herrschenden hingesetzt und entschieden, dass das Gewerkschaftsrecht jetzt so aussehe, damit der werte Idealismus der FAU vom bürgerlichen Staat und dem Umgang mit seinen, selbst proklamierten, Gegner_innen ein wenig geprüft wird. Viel mehr stehen diese Vorschriften fest, und das schon seit etwas längerer Zeit, sowohl die gesetzlichen Vorschriften für Gewerkschaften, als auch der juristische Vorgang bei einer einstweiligen Verfügung. Das kann man zur Kenntnis nehmen, muss man aber natürlich nicht. Nur wenn man es nicht tut sollte man sich nicht wundern wenn bei all der Empörung nichts übrigbleibt als das Scheitern an seinen eigenen Idealen wie der Staat mit einem umzugehen habe, was freilich nichts mit der Realität zu tun hat.
Die FAU erinnert dabei an ein trotziges Kind im Modus der Wiederholung. »Und immer und immer wieder knallt der Kopf gegen eine Wand, und immer und immer wieder, um zu gucken ob man es noch kann.« (Muff Potter, Los, Stop, Schade)

  1. Für weitere Informationen siehe prekba.blogsport.de/ [zurück]
  2. Aus einer Stellungnahme, die auf dem Blog der Antifaschistischen Befreiungsfront Arnsberger Umland veröffentlicht wurde. Da ist leider nicht ersichtlich von wem sie eigentlich verfasst wurde. Alle weiteren Zitate, wenn nicht anders gekennzeichnet, aus diesem Text.[zurück]
  3. rechtslexikon-online.de[zurück]

Liebes Justizministerium NRW,

ich kann verstehen, dass du willst, dass deine Mitarbeiter_innen arbeiten. Die Justiz kann es sich schließlich nicht erlauben zu schlafen, zu surfen oder zu essen. Die Zeit muss für etwas sinnvolleres benutzt werden, Vorratsdatenspeicherung zum Beispiel. Um das stringent umzusetzen und die Mitarbeiter_innen endlich wieder zu mehr Produktivität zu verleiten hast du nun das Internetangebot des WDR sperren lassen. Weil: das beite Angebot lenke vom Arbeiten ab. Und wir wissen: das geht nicht.
Aber, liebes Justizministerium, willst du nicht zugeben, dass, wenn auch nur ein klitzekleinstes bißchen, es doch damit zu tun hatte das Mitarbeiter_innen es gewagt haben Kritik an deiner Chefin zu üben? Wahrscheinlich nicht.
Macht aber nichts, denn jetzt kannst du dir sicher sein, dass es wieder in geregelten Bahnen läuft, bleiben deinen Mitarbeiter_innen doch nur noch die Gelben Seiten oder meinestadt.de. Die Drogen nimmst du ihnen jetzt ja auch noch weg, das find ich beruhigend. Ich hätte noch ein paar Vorschläge: Handys, Bücher, Stifte (kann man mit malen!), Papier (kann man drauf malen!). Und bitte nicht vergessen Minesweeper und Solitär zu sperren, wenn nicht schon getan.

Solidarisch,
♥Tekknoatze

P.S. Zur Unterbindung kritischer Stimmen könnte es auch nützlich sein eventuell vorhandene Internetzugänge zu Hause abzuschalten, nur so als Idee.

Blogpost gegen Hamburger Unzumutbarkeiten.

Es wurde demonstriert, mit Israelfahnen. Was passiert danach? Richtig, der Kotzkübel läuft über:

An alle, die nicht erschienen sind:

Ihr habt gezeigt, wo ihr steht bzw. wo ihr gestanden hättet, nämlich auf der Seite der Antisemiten und Antisemitinnen. Dabei ist egal ob als zuschlagende, anfeuernde bzw. mitgröhlende oder ignorierende Kraft. Wer aus persönlichen Gründen nicht kommen konnte ist natürlich außen vor. Es geht um die Personen, die Zeit gehabt hätten, aber ihren Allerwertesten nicht vom Sofa bekommen haben oder dies auch gar nicht wollten.

Jaja, denn wer schweigt stimmt zu. Haha. Ich muss zugeben: Mein Sofa ist wichtiger als Demos, die B5 und der Rest der Welt. Der immanenten Logik dieses Beitrags folgend ist ja aber »immerhin« die Bahamas jetzt auf der Seite des B5, in lauschiger Gemeinschaft mit dem [a:ka] Göttingen.
Und hate your heimat macht fleißig weiter:

Auch darf nicht vergessen werden: »In der B5 gibt es günstig Bier und die machen ordentliche Vodka-Mischen«. Alles Gründe, welche natürlich für diesen widerlichen Haufen sprechen.

Ja, tatsächlich! Billiges Bier und gute Mischen sind Argumente. Keine politischen, aber Argumente.
Aber die andere Seite kann auch dumm sein, arg dumm. Dann tönt »Zionisten sind Faschisten« und so qualifizierte Sätze wie:

wenn ich sätze wie »Für den Zionismus!« lese…sag mal is bei dir noch alles richtig im kopf? tritt doch gleich der npd bei, die freuen sich über vollpfosten wie dich..bist genau so en national denkender spinner..

Genau, wenn man für Israel zu sagen hat sollte man sich gepflegt zu denen begeben, die zum Glück mit Antisemitismus und Antizionismus gar nichts zu tun haben: Der NPD! Hallelujah!
Gibt aber noch mehr Argumente es bleiben zu lassen was gegen die B5 zu unternehmen:

statt mal ne demo zum dänischen konsulat zu machen wegen 1200 festgenommenen mobilisiert ihr gegenseitig wegen so einem scheiß? die bullen werden sich schlapplachen über euch.

Die Bullen lachen! Ja ist es denn zu fassen? Soll man doch a mal seine Praxis daran ausrichten, dass die Bullen zufrieden gestellt werden. Dummheit dein Name sei Linke.
Sei er wirklich:

Danke das du einmal mehr beweist wie dämlich ihr eigentlich seid. Jeder der nicht mit euch Nationalisten/Faschisten demonstriert ist also ein Antisemit, ist klar, und jeder Mensch der noch nie auf einer Antifa-Demo war hat zuhause ein Bild vom Führer hängen.

Da hat aber jemand von Logik nichts gehört: Antideutsche seien Faschist_innen, die Leute, die aber keine sind auch! Ich glaubs nicht.
Zum Glück trifft man auch auf echte Kenner_innen von Motiven und Zwecken der an der Demo Teilnehmenden:

Schon lange war Hamburg die letzte Bastion der nicht-ensolidarisierten »Rest«-Linken, gerne pauschal als »AntiImps« bezeichnet. Und diese Bastion zu brechen, darum ging es heute – nicht um Israel, nicht um Auschwitz und schon gar nicht um den Film, dessen Verhinderung DAS gefundene Fressen für den (anti-)Deutschen Mob war. Der wie ich finde gelungeneste Text zu den Hintergründen findet sich hier:
http://kommunistischeassoziation.wordpress.com/

Die Leute waren nicht angepisst, weil ihre geplante Filmvorführung verhindert wurde, Nein! In Wahrheit ging es darum die »Bastion« Hamburg im Sturm zu nehmen! Genial.
Neben Antideutschen, oder für solche gehaltene, kriegt jetzt aber auch die FAU Hamburg auf die Schnauze, weil sie doch tatsächlich auf der Demo erschienen sind, dann erkennt man sogar das Ende des Anarcha-Syndikalismus:

Das war der Todesstoß für die anarchosyndikalistische Bewegung. In Zukunft werden alle Gruppierungen, die libertär-offene sind, die Teilnahme der FAU als Argument dafür benutzen, zu einer Nichtzusammenarbeit aufzurufen. Wie dumm ist die Hamburger FAU?? Ich selbst habe mir monatelang überlegt, in die FAU-Berlin einzutreten. Gute Entscheidung, das ich es nicht gemacht habe.

Was die Faschist_innen im spanischen Bürger_innenkrieg nicht schafften und was auch danach nie gelang schafft die FAU an einem Tag. Herrlich. Apropos Spanien, es wird der FAU vorgeworfen, dass sie mal an die CNT denken sollten. Dazu ein, vermeintlicher(?), Beitrag aus Spanien:

Auch die CNT findet diese stalinistische Antiimperialistas und Befreiungsnacionalistas zum Cotzen. Wenn dieses antisemitische Pack in spanischen Staat versucht haette, die Vorfuehrung zu blokkieren, haette sie eine auf die Mutze bekommen. Estalinistas sind Arschlocher – überall!

Schade. Mag die CNT die Hamburger Möchtegern-Grenzsoldat_innen auch nicht.
Man kennt natürlich Jüdinnen_Juden als Argument als gute_r Anti-Antideutsche_r:

Hier das Ganze mal aus sicht jüdischer Menschen über Antisemitismus, Zionismus, Israel, Herzl:

Herrlich, aber ich bin des Lesens müde, deswegen nochmal in Bildform zusammengefasst:


Hamburg, halt’s Maul.

Man braucht keine Argumente wenn man eine freiheitlich-demokratische Grundordnung hat.

Vorbildlich vorgeführt von Report Mainz, die sich, man nennt das in solchen Medien dann wahrscheinlich kritisch, mit »extremistischen« Teilnehmer_innen der Islamkonferenz auseinandersetzen. Argument gegen diese: Sind sind extremistisch. Weil? »Das Grundgesetz nicht Maß aller Dinge ist.«
Und wer sich den Werten dieser Gesellschaft nicht konsequent verschreiben will, die hat natürlich verloren. Nicht weil man was vom Inhalt kritisieren könnte, außer eben sie sind nicht Teil des demokratischen Konsens. Schäuble will mit denen immerhin reden, an anderer Stelle propagierte er ja eher das Zuhören, aber nunja.

Nun gut, wenigstens kann ich beruhigt sein, dass Christina Köhler nicht das Verlangen hat mit mir zu reden.

Denn sie wissen nicht was sie tun.

Der Ring christlich demokratischer Studenten (RCDS) hat ein Problem. Dieses Problem nennt sich Bildungsstreik und grassiert gerade in deutschen und österreichischen Hochschulen.
Aber kein Ding, da verfasst man mal eben eine Pressemitteilung oder auch zwei und macht deutslich, dass man das alles ganz doof findet. Theoretisch. Der RCDS schreibt eine Pressemitteilung und man weiß hinterher eben nicht mehr was sie jetzt alles ganz doof finden.
Keine konkreten Verbesserungsvorschläge haben die Streikenden wenn man Gottfried Ludewig, seines Zeichens Bundesvorsitzender des Karnevalvereins, glauben schenken mag. Nachdem er selber Änderungsvorschläge aufgezählt hat. Dabei fordern sich die Streikenden doch noch zu Tode, als Beispiel taugt diese Aufzählung, die heute in Hannover beschloßen wurde.
Aber wenn man RCDS-Vorsitzender ist kann man klar noch mehr Weisheiten in die Welt posaunen. Und so hieß es am 13. November:

Abgesehen davon scheinen die Protestierer sich ohnehin nicht mit den aktuellen Inhalten beschäftigt zu haben. Denn viele der nun in den Streiks und Demonstrationen erhobenen Forderungen werden durch die Koalitionsvereinbarung zwischen CDU/CSU und FDP obsolet

Schade nur, dass diese Forderungen »schlicht von vorgestern sind.« Oder nur die, die CDU/CSU und FDP nicht umgesetzt haben? Man könnte sagen »das ist für angehende Akademiker doch ein bisschen wenig«. Aber ich hege ja keinen Studierendenidealismus und halte es eher mit: Das war von einem Christdemokraten durchaus zu erwarten.

Feindpresse II

Immer mehr der ›anti‹-faschistischen Szene zuzurechnende Intellektuelle erkennen die staatlichen repressiven Maßnahmen gegen nationalgesinnte Jugendlich und verwerfen sie als undemokratisch oder kontraproduktiv. Freerk Huisken beispielsweise, Hochschullehrer an der Universität Bremen, ist das »nicht gerade zimperliche Vorgehen des Staates gegen Rechtsextreme« aufgefallen. Er schrieb auf der Umchlagrückseite seines lesenwerten Buches:

»Plötzlich soll es sich bei den Glatzen nicht mehr um ›orientierungslose‹ Opfer von ›Individualisierungsprozessen‹ und ›sozialen Schieflagen‹ handeln, sondern um ›politische Überzeugungstäter‹. Integration ist out. Desintegration, Achtung und Einsperren rechter Jugendlicher ist in.«

Die gewaltsame Unterdrückung jeglicher prodeutscehr Agitation ist in der Bundesrepublik Deutschland längt Doktrin. In diesem Grundsatz vereinigen sich ›anti‹-faschistische Gewalttäter mit opportunistischen Politikern aller Schattierungen.

Autorenkollektiv gegen Totalitarismus, Antifa heißt Gewalt, Seite 10, Grabert Verlag 2002

Feindpresse I

Ein »Autorenkollektiv gegen Totalitarismus« machte sich 2002 an die Aufgabe nachzuweisen, dass Antifa Gewalt heißt und das in Buchform. Darin steht zwar kein Argument (sieht man von den zitierten Passagen diverser linker Gruppen ab), aber dafür jede Menge Empörung und noch viel mehr Anführungszeichen. Die Grundthese zusammengefasst: Antifa = gewaltätig + doof = nur ›Anti‹fa. Weil die das aber auf ganze 240 Seiten ausgedehnt haben werd ich in loser Folge unter ›Feindpresse‹ Fragmente verwursten.

Gerade die innerhalb des ›anti‹-faschistischen Umfeldes agierenden Autonomen verbindet weniger ein ideologisches Konzept als vielmehr purer Hass: Hass gegen den Staat und seine Gesellschaft. Ihrer ›militanten‹ Auffassung von ›Politik‹ zufolge muss das gesamte System beseitigt werden, der »Scheißstaat«, was dahingehend kumuliert, »für jeden Staat Feuer und Flamme« zu sein. Widerstand gegen das ganze »Dreckssystem« könne sich nur in »militanten Angriffen« ausdrücken. Folglich halten die Autonomen, aber auch viele andere ›Anti‹-Faschisten – ob sie sich nun selbst als ›Antirassisten‹ oder ›Antiimperialisten‹ oder sonstwie bezeichnen, ist unbedeutend – Gewalt für unerläßlich. Diese wird oftmals als »befreiende Gewalt« des Staates und der Gesellschaft gerechtfertigt.

Autorenkollektiv gegen Totalitarismus, Antifa heißt Gewalt, Grabert Verlag 2002, Seite 47