Archiv der Kategorie 'Geschichten aus dem Redaktionsalltag'

Say farewell to all your Heroes, say farewell to all your Gods.

Die Ankündigung aufzuhören zu bloggen klingt nach dem dritten Mal nur noch halb so schlüßig und wahrscheinlich wird es mir eh niemand mehr glauben. Eigentlich glaube ich es mir selber nicht und noch eigentlicher will ich es mir auch überhaupt nicht glauben.
Manchmal geht es aber nicht um das was man glaubt, es geht auch nicht darum was man will, es geht darum was passiert. Und was passieren wird ist eindeutig, ♥Thekenatze wird nicht mehr bloggen. Ich werde nicht mehr bloggen. Ich kapituliere nicht, ihr erzählt immer noch alle scheiße und den mir bekannten Teil der Wahrheit behalte ich für mich gepachtet. Ich kapituliere nicht vor Arschlöchern wie Lfo D., Genosse E. oder wie die ganzen anderen anonymen Hassprediger_innen heißen, die der Meinung waren sich in den letzten 2 Jahren mit mir anlegen zu müssen. Und glaubt mir, ich vergesse eure Dummheiten nicht.
Ich bin der Meinung aus EinBlog eines der besten Blogs der Welt gemacht zu haben, umso schwerer fiel es mir in der Vergangenheit das hier ruhen zu lassen und um so schwerer wird es mir auch dieses Mal fallen. Aber es hilft nichts, ich habe mich beim Rennen verlaufen und muss nun durchs Gebüsch um den Weg wiederzufinden, EinBlog war und ist dabei vielleicht Katalysator für angestauten Frust, aber weder Taschenlampe noch Gehstock. Und die werd ich jetzt in meinem Reisegepäck suchen müssen.
In den 2 Jahren, in denen ich jetzt hier rumpöbel und quake und hin und wieder herrvorragende Musik poste hab ich ein paar tolle Menschen kennen gelernt. Bei denen möchte ich mich bedanken: Erstmal Maledei, Rhizom und Zeank, Super Team, eine Ehre ihnen Traffic verschafft zu haben. Das geprüfte Argument (R.I.P.), MPunkt (R.I.P.), und all die anderen sympathischen Gestalten, die mir die grauen Bücher und zumindet Fragmente der Argumente da drin näher brachten, rockstar, Wendy, für wohl die beste Hassliebe, dem Malereiminister von der Banausenrepublik für Technik und Zuspruch, im*moment*vorbei, für viel Spaß, Aufkleber und Broschüren. dorfdisco, soft_brain und A.M.P., aftershow für den Erhalt einer gesunden Stalin-Quote bei blogsport, Rosa Rauschen für beste Musik und weil er eh einer der Gutesten ist, saltzundessick, lahmacun und scheckkartenpunk, dem Rest meiner Blogroll, der Handvoll Menschen, die im echten Leben da sind wenn man sie braucht. Und bei dir, liebe_r regelmäßige_r Leser_in, die du vielleicht nie was gesagt hast, aber dem was ich hier machte trotzdem einen gewissen Reiz abgewinnen konntest, und sei es um Feindbildpflege gegen mich zu betreiben.

Ich hör auf wie ich nicht angefangen hab, mit Musik:

Rosa Rauschen – You are on your fucking own

Muff Potter – Auf der Bordsteinkante

Auf das Leben, vielleicht komm ich wieder wenn ich das Gestrüpp verlassen hab,
♥Thekenatze

P.S. Weil ich vergesslich bin muss ich mich noch ganz besonders bei meinem fleißigen Mitbloggerling ♥cmmnsm bedanken.

autunom – antitainment

Dresden III oder Lebende Tote

In einer Linken vor unserer Zeit gab es mal einen Organisierungsversuch, dieser nannte sich Antifaschistische Aktion / Bundeweite Organisation, die AA/BO löste sich 2001 in Reaktion auf eine Vergewaltigung in der Mitgliedsgruppe Antifaschistische Aktion Berlin (AAB) auf, dachten alle. In Wahrheit scheint auch für antifaschistische Organisierungen zu gelten: Totgesagte leben länger. Nach 9 Jahren Pause wieder ein Zeichen:

Linksruck in der CDU stoppen! Sofort!

Bei seiner letzten Sitzung hat sich die einblog-Redaktion bestürzt gezeigt über den massiven Linksruck in der CDU. Wir als Redaktion fordern deshalb: Feindbilder müssen erhalten bleiben! Den Linksruck in der CDU stoppen! Sofort! Deshalb schließen wir uns der »Aktion Linkstrend stoppen« an.

Die Krise beenden!

Antinationale Arbeit und scheiß Repressionskosten finanzieren. Wenn das mal kein vernünftiger Zweck für das Mittel Alkohol ist:

Der »Wer hat die beste Persiflage auf Wertmüllers Namen parat«-Contest. Richtig geil.


Es ist langsam mal an der Zeit dafür. Wenn es um den Justus Nachname Wertmüller, seines Zeichens hauptberuflich Idiot und nebenbei sogenannter Redakteur bei der Hetzpostille Bahamas, geht werden die Geister kreativ. Jede_r hat mindestens eine Verballhornung parat und jede_r hat sich schon mal gefragt: »Wo ist eigentlich das non plus ultra, der Gipfel vor dem tendenziellen Fall der Humorrate?« Nicht mehr, aber auch ganz sicher nicht weniger werden wir jetzt rausfinden. Im »Wer hat die beste Persiflage auf Wertmüllers Namen parat«-Contest. Richtig geil. Gefragt seid ihr und eure Kreativität, die Kreativität eurer Freund_innen, die Kreativität von allem. Die_der Sieger_in werden in 2 Wochen gekürt. Natürlich wiederum von euch. Kein guter Boulevardjournalismus ohne die fleißigen Helfer_innen, die lesen, konsumieren, mitgestalten.

P.S. Entdinglichung fragt was Elsässer in 5 Jahren macht. Auch ne gute Fragestellung.

Sie machen weiter.

Alle guten Dinge sind hoffentlich nich nur 3. Heute hat sich nämlich, das begrüßenswert schnelle Tempo beibehaltend, Polizist Nummer 3 selber angeschoßen. Dein Magazin gegen Streifenhörnchen sagt: Weiter so.

Das Bundesverfassungsgericht, die Menschenwürde und Hartz IV.

Die Bluthunde des sich sozialistisch oder wahrhaft demokratisch schimpfenden Kapitalismus, aggregiert in der Stümperpartei die LINKE und ihrem Umfeld, fletschen sich die Zähne ob der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts Hartz IV als »nicht verfassungskonform« zu verurteilen. Noch nichtmal das. Im Grunde genommen hat das Bundesverfassungsgericht eins beschloßen: heiße Luft. Aber davon eine solche Menge, dass der anhaltende Sauerstoffmangel den sich sozial generierenden Politikhoschis das Gehirn vollkommen ausgeschaltet zu haben scheint. Nicht Hartz IV ist verfassungswidrig, die Berechnung, aber das auch nur teilweise oder so, nichtsdestsoweniger: Hartz IV verfassungswidrig, yay! ist die Devise des Tages, man ergeht sich in Träumereien über das supidupi Sozialwunderland, das Deutschland vielleicht irgendwann mal sein könnte, wenn noch so ca. 80 Millionen Geißböcke die LINKE wählen würden. Die Frage was das eigentlich bedeutet als Hartz IV Empfänger_in gebrandmarkt zu sein und unter den Auswirkungen der fehlenden Arbeit, hin und wieder auch Armut genannt, zu leiden stellt sich niemand. Immerhin! Höchstrichterlich verfügt kriegt man in manchen Fällen, weil der Staat sich mal wieder um die Sicherung eines menschenwürdigen Existenzminimums scheren muss, ein wenig mehr Geld. Wenn schon keinen Zugang zu den Fleischtöpfen, denn schon menschenwürdig dahin vegetieren, irgendwo zwischen Depressionen und sozialen Ausgrenzungsmechanismen. Immerhin! Keine 359 Euro Hartz IV mehr, vielleicht sogar 450€! Der ganz radikale Flügel könnte sich mit ganzen 500€ in Stellung bringen und der Farce Sozialstaat, die eben nie mehr als der verzweifelte Versuch die Reservearmeen der Kapitalist_innen wenn schon nicht in Lohn dann immerhin! in Toast zu halten ist, einen Hauch von Debatte verleihen. Bei Anne Will könnte sich ein_e Betroffene_r auf dem Sofa niederlassen und in betroffenen aber bloß nicht zu wütenden Worten ihrer Bestürzung Ausdruck verleihen und die Hoffnung, dass es jetzt besser werden könnte, vielleicht, unter Umständen, wenn alles gut geht, muss ja auch realistisch und finanzierbar sein, wie einen schwachen Glanz am Horizont 2011 aufgehen sehen.
The show must go on. Ich hasse euch dafür.

P.S. Zur Armut sei dieses Fragment bei nachtwach herzlichst empfohlen.

Lesen! Ohne Elke Heidenreich II

»Das Gerücht über die Muslime« ist en vogue wie eh und je wenn Deutsche und solche, die es werden wollen mal wieder einen vom Leder ziehen und in hunderten Schattenboxkämpfen ein nicht näher definierbares, scheinbar aber schon ewig so bestehendes, Konstrukt namens »Islam« zu ihrem Gegner erklären und in allen Gewichtsklassen anfangen loszuboxen, dass einer schwindelig wird. Umso besser tut es eine kritische Befassung mit Islam und Islamismus zu lesen, die sich nicht mit aller Leidenschaft dem Ressentiment hingibt. Das tut zum Beispiel Aziz Al-Azmeh in seinem Artikel »Der Islamismus und die Araber« in der KP-Broschüre »Islamismus – Kulturphänomen oder Krisenlösung« getan:

Es versteht sich von selbst, dass die gerade umrissene Position Teil einer, wie man es genannt hat, »kulturellen Entwicklungshilfe« ist; denn unter den widrigen Verhältnissen, wie sie die langwierigen sozialen und ökonomischen Krisen darstellen, von
denen der arabische Raum – in Einklang mit seiner »südlichen« Identität – heimgesucht wird, gilt der Liberalismus als Bedingung der Möglichkeit für ein System von haltbaren politischen Vereinbarungen, die »entweder weltweit Geltung haben oder … durch handgreifliche Aktionen verteidigt werden müssen«. Die Resonanz, die das bei Fukuyama und seinen Kreisen findet, ist keineswegs zufällig; sie sind in derselben historischen Situation der gegenwärtigen einpoligen Ausrichtung internationaler Beziehungen. Die Neigung zum Islamismus und die Parteinahme für ihn während der letzten Jahre im Westen ist eine Form von politischer Intervention seitens einer vom Erdöl bestimmten islamischen Ordnung (»Petro-Islam«), die nach dem Ende des Kalten Krieges auf ihre Verwirklichung dringt; der Kalte Krieg wurde in der arabischen Welt in Form eines Diskurses geführt, der im Namen islamistischer Authentizität das Feindbild »importierter Ideologien« entwarf, womit ursprünglich der Sozialismus in allen seinen Spielarten, insbesondere in seiner nasseristischen Ausprägung, gemeint war und heute der Liberalismus.
Der islamistische Revanchismus in der arabischen Welt ist keine »Rückkehr« zu einem urtümlichen Utopia, auch wenn er sich selbst auf diese Weise präsentiert. Wie sein Pendant in der westlichen Literatur besteht er in einem Diskurs über Authentizität, dessen erkenntnistheoretisches Hauptinstrument darin besteht, Differenz wahrzunehmen und zu registrieren; die Sakralisierung des Politischen in diesem Diskurs wird nicht als Maskierung, sondern als Offenlegung betrachtet. Das ist der Grund, warum es zum Beispiel Kepel rundherum ablehnt, die politische Ausdrucksform des Islamismus als etwas Ideologisches ins Auge zu fassen: ihm gilt der Islamismus weder als Verschleierung noch als Abschirmung, sondern als Offenbarung. Demselben Geist entspricht die ablehnende Haltung, mit der islamistische politische Organisationen auf Parteipolitik reagieren: Halb im Ernst und halb aus Berechnung haben sie schon immer behauptet, über den Parteien zu stehen und das authentische Zentrum des jeweiligen Gemeinwesens zur göttlichen Wahrheit und als Wiederherstellung seines Naturells und Lebensprinzips, als Bestätigung seines eigensten Seins interpretiert.
Der Begriff Islam tritt uns als eine außerordentlich vielgestaltige Kategorie entgegen. Unter anderem dient er dazu, unterschiedslos eine Geschichte zu benennen, eine Religion zu bezeichnen, eine Gemeinschaft ins Ghetto zu sperren, eine »Kultur« zu umschreiben, ein abstoßendes exotisches Phänomen zu erklären und ein ganzes politisches Programm zu definieren. Ich beabsichtige hier nicht, diese Kategorie in den hervorstechenden Formen zu sezieren, die sie in den Faltungen der sozialen Phantasie an deren verschiedenen diskursiven Orten annimmt; sie entfaltet sich dort im Rahmen eines polarisierten Systems binärer Klassifizierungen, für die der »Westen« die normative Metasprache liefert, aus der dann auf negativem Weg die Merkmale gewonnen werden, die zusammen den Charakter des »Islam« konstituieren: Fanatismus, irrationales Traditionsbewusstsein, mangelnder Zeitsinn und die vielen dazugehörigen stellvertretenden Ausdrücke, von denen jeder geläufige Bilder mit sich führt: Volksmassen, den Schleier, Gebetshaltungen und so weiter. Wohl hingegen habe ich in den folgenden Abschnitten vor, die Geschichte der Islamkategorie in Erinnerung zu rufen und die universalistischen Konvergenzen herauszuarbeiten, die der politische Diskurs des islamistischen Abkapselungsstrebens preisgibt. Der Diskurs des politischen Islamismus hat viele Gemeinsamkeiten mit der Vorstellung vom Islam, wie sie der erwähnten sozialen Phantasie des »Westens« geläufig ist; wir werden sehen, dass dies der Fall ist, weil die beiden kategorialen Formulierungen auf gemeinsame theoretische und kategoriale Entstehungsbedingungen zurückgehen.
Dreh- und Angelpunkt des politischen Islamismus ist sein Eintreten für eine politische Ordnung, die möglich machen soll, was als »Anwendung der Scharia« bezeichnet wird. Alternativ dazu ließe sich auch das Eintreten für diese politische Ordnung – nennen wir sie den islamischen Staat – in Begriffen beschreiben, die an der Schnittstelle zwischen eschatologischer Vollendung, einer Heilsgeschichte und Verwirklichung einer Utopie angesiedelt sind.

Aziz Al-Azmeh – Der Islamismus und die Araber in KP-Berlin (Hrsg.) – Islamismus Kulturphänomen oder Krisenlösung; Seite 12f.

Die ganze, sehr empfehlenswerte, Broschüre kann man unter folgendem Link speichern: PDF

Kurz verlinkt 2010-02-03

Stefan Niggemeier – Die Methode Diekmann | gruppe kapitalismus begreifen – Haltet die Betriebsräte in Ehren! | Jezebel – »What was the worst part?« How to measure a sex scandal | tous et rien – Tod in der Zelle – Wer klärt den Fall Oury Jalloh auf (WDR-Doku) | sixtus – Zwei-Minuten-Crash-Kurs: So macht man Zwei-Minuten-Fernsehbeiträge

Ein fliegender Stein, ist ein fliegender Stein, ist Faschismus.

In Greifswald wurde letztes Jahr ein Burschihaus scheinbar kreativ entwertet (kein Grund sich zu schämen, ich wusste es bis vor 20 Minuten auch nicht). Linke Chaot*innen aus ganz Norddeutschland sind dort wohl zu einem Happening angereist, welches darin gipfelte, einige Glasscheiben zu Bruch zu bringen und »Barrieren aus Bierkästen« zu errichten. Soweit so unspektakulär.
Die dazugehörige Diskussion in einem scheinbar mit dem AStA der Uni Greifswald verbandelten Blog bringt allerdings einige Perlen politischer Verwirrtheit zu Tage.
Hein Blöd z.B. (treffender Name) teilt uns mit, dass wir bei dem ganzen nochmal so richtig Glück gehabt haben:

Ein Lob an alle, die sich von Gewalt distanzieren. Man stelle sich nur vor, es wären Kinder bei der Veranstaltung gewesen und ein Stein hätte ein Kind erschlagen.

Nur gut, dass diesmal keine Tiere von diesen Krawalltouristen (männlich & weiblich) gefährdet wurden.
Der Justus-Wertmüller-Sonderpreis in der Kategorie »Wie bringe ich an unpassender Stelle den Holocaust ins Spiel« geht allerdings an Benjamin E. L.. Gratulation an dieser Stelle.

Vielleicht bin ich durch meine Herkunft und die Tatsache dass meine Familie während der Shoa getötet oder vertrieben wurde sehr sensibel, aber für mich stellen sich die Züge dieses Hassverbrechens wie die, die man aus der Zeit der frühen 30er Jahre kennt, dar. Eine Gruppe von Menschen kommt geplant zusammen, stachelt sich ein wenig auf (früher mit Trommeln und Märschen, heute mit Punkrock) und geht dann los um,wie würde es zu Zeitendes Nationalsozialismus heissen, den »Volkszorn« zu entladen.
Die Tat ist ein geplanter, politisch motivierter Gewaltexess wie er im dritten Reich vorgekommen ist.

Kurz verlinkt 2010-02-02

just – Neues vom Fall Citygroove | The Curvature – Reproductive Coercion ist Sexual Violence | Alex Feuerherdt – Gottes Rottweiler | Verbrochenes – »In deinem Alter war Hitler schon Aquarellzeichner« | associazione delle talpe; Rosa Luxemburg Initiative Bremen (Hrsg.) – Staatsfragen -Einführungen in die materialistische Staatskritik | Manfred Freiling (GegenStandpunkt) – Demokratische Meinungsbildung – wie geht das? Eine Woche BILD und SPIEGEL im Januar 2010

U.N.

Beim Schauen von »Die Bombe«, dieser 3-teiligen Megamöchtegerninvestigativdoku, drängte sich folgender Eindruck auf: