Eine Flanke gegen die Gegebenheiten

Found

Vor einigen Jahren entdeckten die Forscher, die dank MRT und Co. in unsere Gehirne gucken können, dass ein ganz bestimmter Bereich plötzlich überdurchschnittlich groß erscheint, der früher kaum in Erscheinung getreten war: Der Bereich im Gehirn, der für den rechten Daumen zuständig ist. Nun, SMS-Schreiben ist eben ein evolutionär noch relativ neuer Zustand, aber das Gehirn hat sich natürlich sofort angepasst. Die Jugendlichen von heute haben ein sehr großes Rechter-Daumen-Areal in ihrem Hirn, größer als meins und noch viel größer, als das von meiner Omi!

Fleisch und Geschlecht.

Fleisch essen ist blöd, weil man dann als Mann große Brüste kriegt. Sagt zumindest Peta. Peta kennt aber natürlich auch ein geniales Rezept um wieder in seine Rolle als brustloser Typ zurückzukehren: Na klar, Vegetarier werden.
Aber was ist denn überhaupt das Problem? Gynäkomastie heißt es und bezeichnet, auf allgemein gesprochen Männer die Brüste haben, die dem gerade existierenden Bild eines Mannes nicht entsprechen. Illustrieren kann das Peta auch echt gut, lieben wir sie doch alle die Brüste (natürlich bei Frauen (TM)):


»Zwischen 30 und 60 Prozent aller Männer entwickeln dieses unmännliche Erscheinungsbild« im Umkehrschluß haben also nur noch noch 40 bis 70% aller Männer™ keine »frauliche[n] Brüste« entwickelt. Das geht natürlich gar nicht an, Mit Brüsten ist der Mann™ nämlich echt kein Mann™ sondern nur noch ein Klumpen, der recht fräulich wirkt.
Diese Unmännlichkeit kann man nun ganz schnell los werden, so Peta, wenn man seine Ernährung umstellt und Vegetarier wird, die Männlichkeit™ scheint gerettet. Oder auch nicht. Denn Peta hält zurecht fest, dass die Hormone, die bei der Züchtung den Tieren versetzt werden in allen tierischen Produkten enthalten sind. Also auch Milch, Eier etc. Diese Köstlichkeiten darf man ja aber zum Glück (oder in diesem Falle für den_die ordentliche_n Peta-Anhänger_in Pech) als Vegetarier_in noch zu sich nehmen. Die Brüste können als ungestört wachsen. Was ein Scheiß. Wenn man der petaschen Logik folgen möchte und seine Männlichkeit™ erhalten möchte empfiehlt dein Magazin für Ernährungsberatung daher: cut out the crap, go vegan (cut out the crap ist ein super Wortpsiel mit dem englischen veg[etatri]an). Alle Leute, die die Risiken einer einer unmännlichen™ Figut nicht so fürchten können aber gerne einfach mal gepflegt über die Dummheiten von Peta lachen.

via

ARGE, du Arsch.

Die Agentur für sozial gerechte Ausbeutung hat sich in den Sinn gesetzt, dass ich mich mal wieder bei ihnen melden soll. Ich weiß zwar nicht wieso, das gilt es noch herauszufinden, aber brave Staatsbürgerin, die ich nunmal bin, da beißt die Maus keinen Faden ab, werde ich das natürlich tun.
Andernfalls kriege ich wieder einen Brief indem sie mir irgendwelche Leistungen kürzen wollen, die ich sowieso nicht erhalte und ich bin dafür verantwortlich, dass irgendwo der Urwald abgeholzt wird, Kinder sterben und Thailand von einem Monsun getroffen wird. Seit Tokio Hotels musikalischer Umsetzung dieses Thema wissen wir alle, wie gräßlich das sein kann und deswegen kann ich das auch niemanden zumuten. Von toten Bäumen und abgeholzten Kindern mal ganz zu schweigen.
Als ich mir die Nummer raussuchte (von meiner ersten Odysse, die geneigte Leserin erinnert sich vielleicht noch, habe ich zwar einen Zettel, irgendwo, vorbildliche Studentin, die ich aber bin ist der irgendwo in einem Stapel verschollen) stolperte ich aber über eine kleine Zeile unter der Telefonnummer dort heißt es: »Festnetzpreis 3,9 ct/min«.
Jetzt mal ehrlich, liebe Agentur, der einzige Sinn und Zweck deiner Existenz, deine Lebensberechtigung, dein Herz und deine Nieren, sind die Armen dieser Gesellschaft, die die Konkurrenz in die Reservearmee verfrachtet hat, der Bodensatz quasi. Du sollst denen dann helfen, dass was früher mal Armut genannt wurde so zu verwalten, dass das noch sozial gerecht zugeht, und auch diese armen Pauper vom Meckern abgehalten werden.
Nun willst du denen auch noch ihr Geld abknöpfen, wenn die sich bei dir melden wollen? 4 cent pro Minute? Bei der durchschnittlichen Dauer eines Telefonates mit deinen unterqualifizierten Wahrsagern, und das auch mehrmals pro Monat wenns schlecht läuft (und dass es allzugut läuft behaupten auch nur Sozialpolitiker_innen) gehen da schon mal einige Tagessätze drauf. Und nun, gibs zu: Das alles machst du nur um die Hürden für eine Kontaktaufnahme so hoch zu legen, von der sozialen Stigmatisierung ganz abgesehen, dass sich die Leute lieber einen Job suchen als in deinen versifften Gängen zu landen. Hab ich recht, oder hab ich recht?
Ziemlich clever allerdings.
Für die Leute, die trotz aller Widrigkeiten zum Amt müssen, und in Berlin wohnen, gibt es dieses Angebot von Keine/r muss allein zum Amt: Morgen zwischen 9-13 Uhr am Jobcenter Mitte. Daumen hoch dafür.
Ich werd da jetzt mal anrufen, vielleicht wollen sie mir ja nur viel Glück bei meiner weiteren Karriere wünschen.

Demokratische Meinungsbildung, du alte Scheiße!

Es ist Wahlkampf, das sollten mittlerweile eigentlich alle mitbekommen haben, und weil die armen kleinen Deutschen schon vier Jahre nicht gefragt wurden, wer auf Bundesebene im Parlament sitzen darf wird es auch allerhöchste Zeit dafür.
Analyst_innen des Wahlkampfs sind sich einhehlig einig, dass das dieses Jahr aber irgendwie nicht so klappt. Schuld haben die Parteien, die sich irgendwie auf nichts festlegen wollen außer gewählt zu werden, und natürlich, dass es mit Deutschland vorangeht. In den Punkten sind sich die Konkurrent_innen aber sowas von einig, dass eigentlich schon alles gesagt scheint. Die CDU sagt das mit Wir über Deutschlandfahne, die SPD hat einen anpackenden Steinmeier gefunden, der dem hart arbeitenden Mann in der Fabrik nur an den Arm packen muss um seine Arbeit zu respektieren.
Über Inhalte muss man so ganz bewusst nicht streiten, sind ja keine da. Fast schon erfrischend wirkt da Hape Kerkeling, der seine Kunstfigur Horst Schlämmer all die demokratischen Leerplätze überzeichnen lässt, und sie so ohne irgendwas auf die Bürger_innen loslässt, dabei denen zu verklickern, dass er jetzt Bundeskanzler werden möchte. Und er hätte keine schlechten Chancen, 18 Prozent des Staatsvolkes würden ihm seine Stimme geben, das reicht um eigentlich alle Parteien zu überflügeln, bis auf die CDU vielleicht. Schlämmers Film ist aber gleichzeitig noch was anderes, dank Gästen, die ihre bodenlose Selbstverachtung wohl schon immer mal im Kino sehen wollten, wird er auch er zum Zeugnis dafür was es mit Wahlen in der Demokratie auf sich hat. Es geht nicht darum irgendwas zu diskutieren, sondern nur um die bessere Verwaltung des demokratischen Staates. Es geht um Label, sozial, liberal, korrupt, national usw. und die am dämlichsten grinsende Fratze auf den Wahlplakaten in der Republik (zugegeben manchmal auch um Brüste oder Ärsche). Wer es schafft sein Label möglichst hegemonial zu besetzen und den kleinen Schäfchen, die wählen gehen mit »Authenzität«, »Ehrlickeit« und auch immer einem guten Stück »Volksnähe«, so die beste demokratische Show bietet der gewinnt.
Für große Parteien und kleine (SPD, FDP etc.), die ins Parlament einziehen möchten stellt sich das halbwegs einfach dar. Die haben ihre_n Merkel, Steinmeier, Westerwelle und die sind woweit auch bekannt, lustig wird das Ganze aber erst so richtig bei den kleinsten Parteien (Piraten, MLPD, NPD usw.), die sind nämlich auf dem Marsch durch die Institutionen, vielleicht ins demokratische Mittelfeld. Und eine Entwicklung, die sich beim Politik machen immer entdecken lässt werden auch diese Parteien hinter sich bringen (demokratischen Erfolg vorausgesetzt, für wen sich niemand interessiert der wird seine Staatsidealismen behalten dürfen): Mit hehren Zielen antreten um wenige Jahre nach Einzug in die Parlamente Bomben auf Jugoslawien zu werfen. Na gut, Die.Linke oder die Piraten werden keine Bomben auf Jugoslawien werfen, schließlich ist da gerade kein Quasi-Hitler zu haben, aber die Richtig ist klar, angetreten als Partei der kleinen Leute, werden sie ggf. dem demokratischen Zirkus fügen müssen, dieser Zirkus mit Koalitionen, Regierungserklärungen, Finanzplänen und all den anderen Hindernissen auf dem Weg zum Erfolg, nur wenn man dann erfolgreich ist sind die ersten Fundamentalist_innen schon wieder bitter enttäuscht. Sind doch all die hehren Ziele enttäuscht wurden, stehen doch immer noch Atomkraftwerke in Deutschland, und auch Linke Ministerpräsidenten werden am Problem der Ausbeutung nichts ändern und Deutschlands Freiheit wird wohl noch ein wenig weiter am Hindukusch verteidigt.
Um sich als Akteur_in dieser Meinungsbildungs zu überweisen braucht man schon »die Würde und Selbstachtung eines… Politikers« (Wendy), um sich bei diesem Verfahren als Wähler_in anzuschließen die Standhaftigkeit und den Durchblick eines aufrechten Citoyens. Zum Glück ist bald wieder Ruhe und die Poltiker_innen machen weiter im Namen des Volkes, das Volk wird sich das alles gefallen lassen, schließlich hat man sie ja legitimiert und wenn dann doch mal jemand über die Stränge schlägt (zum Beispiel mit einem Dienstwagen in den Urlaub fährt) kann man sich sicher sein, dass Posten rollen werden und der ganze Skandal mit mindestens 3 Titelseiten beim Sprachrohr des Volkes, der BILD-Zeitung dem BILD-Magazin für Trivia und andere Langweiligkeiten aufgeklärt wird. Sie läuft die Demokratie, unerbittlich. Und alle machen sie mit.

Große demokratische Worthülsen II

»Ich wurde nicht als Kanzlerin geboren«

Angela Merkel im CDU-Spot zur Wahl. Was aber, glaubt man Angie, nicht daran liegt, dass man Kanzler_in 1. durch eine Wahl wird nachdem man sich 2. dazu entschieden hat, sondern daran, dass die Wende erst nach ihrer Geburt zustande kam. Folglich werden also Tag für Tag ganz viele Kanzler_innen geboren. Denen nun zu erklären, dass sie aber trotzdem nicht gewählt werden, das ist eine Aufgabe, die ich Angela sehr gerne selber überlasse.

Found

tenpounds Replik auf AKA:

So geht’s ja nun nicht, liebe „Mitglieder_innen“ von Analdüse, Kniefick & Axiom! Lachen könnt ihr nicht, von Realpolitik habt ihr keine Ahnung, und mit der deutschen Sprache steht ihr auf dem Kriegsfuß. Macht doch mal Satire, also das, „daß vor allem Spaß haben will“, denn Spaß, den könnt ihr gebrauchen, echt jetzt, „keine Ausrede, sondern irgend was anderes“, nämlich: ein guter Rat.

Fußnotenunsinn.

derivat hat mir bei meta.copyriot Beispiel Eins schon vorweggenommen, weil die Linke aber mehr als ein Buch geschrieben hat finden sich auch mehr Beispiele für Unsinn in Fußnoten. Neben ums Ganze und ihrer Grundsatzbroschüre Teil 1 werden noch Michael Heinrich mit seiner Fußnote zum Geschlecht in Kritik der politischen Ökonomie – Eine Einführung sowie Peter Decker und Konrad Hecker mit ihrer Fußnote in Das Proletariat behandelt.


1. ums Ganze; Staat, Weltmarkt und die Herrschaft der falschen Freiheit

Dieser Text verwendet bei Gattungsbegriffen das grammatische Maskulin. Wir sind uns der Diskussion um die sprachliche Repräsentation anderer geschlechtlicher Identitäten bewusst, vertreten dazu aber keine einheitliche Position.

Es reicht ja auch sich irgendeines Problems bewusst zu sein, das gibt man dann noch an ist stolz drauf und die Sache hat sich gegessen, oder wie derivat sagte: … und finden das auch nicht so wichtig und benutzen deswegen halt weiter die hegemonialen heteronormativen Kategorien.


2. Peter Decker und Konrad Hecker; Das Proletariat

Um das vorab klarzustellen: Wir glauben nicht, dass den Frauen im Kapitalismus ausgerechnet das »/sie« hinter jedem männlichen Personalpronomen und das »/in« hinter jeder Endung auf »-er« zu ihrem Glück fehlt, und sparen uns deswegen diese sprachliche Albernheit.

Während ums Ganze sich »immerhin« eines Problems bei der sprachlichen Repräsentation bewusst zu sein scheint dringt der Hauptwiderspruch, der so nicht mehr genannt wird, bei diesem Werk wieder ganz in den Vordergrund. »Albern« sei es sich um die Probleme durch eine männlich hegemonierte Sprache zu sorgen. Und warum? Weil frau damit nicht das Glück im Kapitalismus erreiche. Ja, prima. Da haben sie sogar recht. Vor allem weil das mit dem Glück in einem System, dass auf der Ausbeutung der Arbeitskraft beruht sowieso immer so eine Sache ist, der zwar überzeugte bürgerliche Individuen nachgeiern, die aber spätestens bei der nächsten Entlassung sich wieder als Wunschtraum rausstellt. Deswegen fehlt das »den Frauen« auch keineswegs zu ihrem Glück im Kapitalismus, nur geht das auch am Gegenstand vorbei.


3. Michael Heinrich – Kritik der politischen Ökonome – Eine Einführung

Eine Anmerkung zu geschlechtsspezifischen Schreibweisen: Es ist mir bewusst, dass die deutsche
Sprache Frauen ignoriert, indem die männlichen Formen zugleich geschlechtsübergreifend benutzt
werden. Als Reaktion wurde das große »I« eingeführt. Dessen konsequente Anwendung würde gerade
beim vorliegenden Thema aber zu einer neuen Ignoranz führen: während es bei »ArbeiterInnen« seine
Berechtigung hat, verdeckt es bei »KapitalistInnen« oder »PolitikerInnen«, dass Frauen nur recht selten
Kapitalistinnen oder Politikerinnen sind. Ich habe deshalb auf das große »I« verzichtet, spreche aber
häufig von »Arbeitern und Arbeiterinnen« etc.

Als einziger ist sich Heinrich des Problems offenkundig bewusst und nimmt dies auch ernst ohne es doof abzutun. Meiner Meinung nach geht aber auch diese Form der Lösung an einer vernünftigen Lösung vorbei. Es ist zwar offenkundig richtig, dass Frauen gegenüber Männern im Bereich der Herrschaftspositionen in Wirtschaft und Politik unterrepräsentiert sind, aber gerade denen, die trotzdem in diesen Positionen arbeiten wird das Weglassen nicht gerecht. Denn durch die alleinige Rede von Kapitalisten wird dann doch mehr verschleiert als erklärt. Desweiteren bleibt Heinrich auch beim Binnen-I stehen und somit in der zweigeschlechtlichen Matrix verfangen. Ziel des Unterstriches ist ja aber gerade diese Formen aufzubrechen und Menschen, die sich nicht in der Matrix verorten wollen, die sich nicht als Mann oder Frau sehen einen Raum zu geben.

Aber es geht auch anders. Deswegen hier noch 3 Gegenbeispiele:


Bini Adamczak


Bini geht in ihren Texten quasi auf Gegenposition und verwendet konsequent die weibliche Form. So entstehen zwar allerlei utopische Formen zum Beispiel Ritterinnen etc. das Problem der männlich hegemonierten Sprache wird aber radikal zur Schau gestellt, eben dadurch, dass die die eigentlich immer abräumen konsequent links liegen gelassen werden.

Georg Klauda; Die Vetreibung aus dem Serail


Klauda verwendet in seinem Buch den Unterstrich und schreibt dazu:

Ich benutze den Unterstrich zur Erzeugung eines geschlechtsneutralen Plurals. Im Unterschied zum großen I verweist der Unterstrich darauf, dass die Kategorien »männlich« und »weiblich« eine sprachliche Leerstelle hinterlassen, da sich nicht alle Menschen in diesem binären System eindeutig verorten können. Vgl. s_he »Performing the Gap«


Fast Forward Hannover


Und schlußendlich FFH, die zum Thema in ihren Texten schreiben:

Wir verwenden in unseren Texten, wenn es um Geschlechtlichkeit geht, den Unterstrich, wie z.B. bei »Scheisspolizist_innen«, um die herrschende Zweigeschlechtlichkeit der deutschen Sprache aufzubrechen. So eröffnet der Unterstrich einen Raum für alle, die sich nicht den beiden Polen hegemonialer Geschlechtlichkeit unterordnen wollen. siehe dazu: A.G. Gender-Killer

Found

Neben nem Haufen Falschen, denn Wählen ist und bleibt verkehrt sagt Dietmar Dath folgendes:

Blödsinn. Das wirklich Populäre ist ja viel weniger dumm als der langweilige Kleister, den sich ein paar BWL-Deppen, Wahlkampfblogger und Absolventen von Medienakademien oder Journalistenschulen ausdenken. Der ganze Wahlkampfdreck stammt von Idioten mit Abitur. Dagegen ist jeder Porno-Rapper aus dem Plattenbauviertel Shakespeare.

Found

Auch wenn viele Antifas inzwischen betont theoretisch daherkommen, ändert sich an dem Fokus auf die Nazis wenig. Das Wenige, was an Theorie konsumiert und dann, meist als vulgär-adornitisches Pamphlet, als eigene Textproduktion der Szene bei den regelmäßigen Events zugänglich gemacht wird, ist eine Fassade um der bröckeligen alten selbstzweckbehafteten Praxis einen schicken neuen Anstrich zu geben. Die Theorie ist nicht Grund der Praxis sondern verkommt zu einer Entschuldigung für eine zombiehafte politische Bewegung die nichts im Sinn hat, als ein bisschen Werbung für sich zu machen und selbst an dieser Aufgabe kläglich scheitert.

Der Vollständigkeit halber die »ihr habt zwar Recht seid aber dumme Deutsche«-Antwort der Antifa Wiesbaden.

Der vorbildliche deutsche Gewerkschafter.

Der SPIEGEL hat in Ausgabe 30/2009 zur ultimativen Lobhudelei auf den Vorsitzenden der IG Metall und freiberuflichen Antikommunisten Berthold Huber angesetzt und führt damit die Reihe der gar gräßlichen Artikel fort.
Huber, so weiß die_der SPIEGEL Leser_in danach, ist gefragt bei den Mächtigen, ob nun Putin, Merkel oder Ackermann. Und das so scheint ist auch seine größe Qualität. Der Gewerkschaftsboss, der seine Karriere in den K-Grüppchen begann und 1978 den ersten Vorsitz übernahm, damals im Betriebsrat von Kässbohrer, hat sich gemausert. Vom »linken Radikalen zum liberalen Reformer«1 der aufpassen muss, »dass ihn nicht ausgerechnet die Gegenseite deshalb zu sehr schätzen lernt«.
Die hat dafür allerlei Gründe. Huber ist quasi der Vorzeigekandidat der dem kapitalistischen Wirtschaften verpflichteten Gewerkschaften. 1978 mag ihm die IG Metall noch »zu zahm und kooperativ« verhandelt haben, 2009 hat Huber dieses zahme und kooperative auf ein neues Level gepusht. Die Weisheit Gut ist was der Wirtschaft nutzt hat auch Huber verinnerlicht. Bei jeder Gelegenheit wettert er gegen Ideologien, oder Denkweisen, die er als solche ausgemacht hat (»Im Osten habe ich gesehen, wie der real existierende Sozialismus die Menschen entmündigt hat, wie Ideologien funktionierende Strukturen zerstören können.«) und ist sich durchaus bewusst, dass ein zu hart geführter Arbeitskampf den Unternehmen glatt schaden könnte. Das geht aber wiederum gar nicht klar und deswegen »verteufelt« er die Leiharbeit nicht »sondern will sie nur domestizieren«, »lässt Abweichungen vom Tarifvertrag zu, wenn es die Lage des Unternehmens erforderlich macht« und »in Zeiten der Krise«, da ist ja sowieso alles anders, sind auch befristete Verträge nicht mehr so ernst zu nehmen und können gerne nur für kürzere Zeit verlängert werden. Soviel Einsatz für die nationale Ökonomie will natürlich nicht umsonst sein, und neben dem SPIEGEL finden dann auch Ackermann (»kompetenter, sachlicher und vertrauenswürdiger Gesprächspartner«) und der Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser (»pragmatisch und in der Regel konstruktiv«) nur lobende Worte für Huber. Der setzt sich aber auch bei jeder sich bietenden Gelegenheiten für die vermeintliche Gegenseite, die schon lange in runde Tische aufgelöst ist, für die Kapitalist_innenklasse ein. Seinem Einsatz ist folglich auch zu verdanken, dass Peter Löscher und Udo Ungeheuer (was für ein Name!) und einige andere aus der Sparte der »Realkapitalisten« (Huber) auf dem ersten Krisengipfel in der Waschmaschine dem Kanzleramt dabei sein konnten. Warum? Er hat halt keine Lust auf »die immer gleichen dogmatischen und ideologiebehafteten Diskussionen.« Und so ist es Hubers Verdienst, dass die Bürger_innen, die ein altes Auto hatten die Abwrackprämie erhalten. Ein vorbildlicher Gewerkschafter im Dienste für Wirtschaft und Nation.

  1. Alle Zitate aus »Heavy Metal« in Spiegel 30/2009 vom 20.07.2009 Seiten 72-73 [zurück]

28 Theses on classless society

communism hat die Thesen zur klassenlosen Gesellschaft der Freundinnen und Freunde ebenjener zu Ende übersetzt. Die komplette Reihe: 1-4, 5-8, 9-12, 13-15, 16-19, 20-22, 23-25 und 26-28.

Living on Fast Forward.

Nein, gemeint sind nicht die Ubersymphat_innen aus Hannover. Aber Hannover, das verleitet mich mal kurz zu einer Randbemerkung ehe ich zum eigentlichen Thema komme. Kurz nachdem Heimische Gefilde seine Premiere feierte fuhr ich mit meinem Fahrrad durch die endlichen Weiten dieser Stadt. Auf einer Plakatwand strahlte mir riesig das entgegen:

hannover heißt zuhause

Alle Schritte führen nach Mitte postuliert da ein Dummreim, gepaart mit der selten schlauen Aussage »Hannover heißt zuhause.« Das war natürlich nicht gemeint als ich das Heimische Gefilde postulierte. Im Gegenteil: Es sei hiermit dazu aufgerufen sich der Volksfront für ein besseres Hannover zu wiedersetzen. Den Mächtigen, denen da oben, geht nämlich ordentlich der Arsch auf Grundeis wenn »Jahr für Jahr mehr als 2000 Menschen – und zwar meist junge Familien mit Kindern und kinderlose Paare – der Stadt den Rücken [zu kehren]« und somit ein »Teil [von] Hannovers Zukunft« flöten geht. Das Ganze geht so angeblich schon seit 2003, wo sich mir vor allem die Frage stellt ob ich mich in den falschen Ecken rumtreibe oder ob die sicherlich höchst qualifizierte Grafikagentur einfach 6 Jahre zum Designen dieser, offen gesagt, nicht grad prickelnden Plakate gebraucht hat. Vielleicht wurde die Kampagne zwischenzeitlich ja aber auch wieder eingestampft und ich konnte deswegen nichts davon sehen. Offensichtlich scheint aber die »Abstimmung mit den Füßen« weiterhin zu Hannovers Ungunsten auszufallen. Das ganze Pressemitteilungsgedöns aus dem hier zitiert wurde kann sich klar auch durchlesen.

Jetzt aber zurück zum Thema: Musik.
Die Überschrift ist ein Zitat aus einem Lied aus dem Album Kaiku von Kiki. Das Album ist unbedingt empfehlenswert. Live und als DJ kann Kiki nebenbei beim nahenden Melt! bewundert werden.

Kiki- Living on Ffwd (Original Mix)

Unter einem ähnlichen Namen macht Kiko Musik. Das ist ein wenig lebhafter als Kiki und nicht weniger empfehlenswert. Außerdem passt der Titel des nun folgenden Titels grad ziemlich gut:
Kiko- Hacke, Hacke

Jetzt muss nur noch die Frage beantwortet werden was man heute abend so angehen könnte. Momentan sieht das in Hannover aber eher lau aus. Die Bekanntschaft mit der Tonliebe wo es irgendwas mit Minimal geben soll will ich nicht weiter intensivieren, und außerhalb der Innenstadt scheint tote Hose zu sein. Von wegen Hannover heißt zuhause. Sogar in Bielefeld ist es heute spannender als hier.

Found

Er ist arm, das Leben hat keinen Reiz für ihn, fast alle Genüsse sind ihm versagt, die Strafen des Gesetzes haben nichts Fürchterliches mehr für ihn – was soll er sich also in seinen Gelüsten genieren, weshalb soll er den Reichen im Genuß seiner Güter lassen, statt sich selbst einen Teil davon anzueignen? Was für Gründe hat der Proletarier, nicht zu stehlen?

Friedlich Engels, Die Lage der arbeitenden Klasse in England, MEW 2, Seite 343