Archiv der Kategorie 'Eine Flanke gegen die Gegebenheiten'

Blogpost gegen Hamburger Unzumutbarkeiten.

Es wurde demonstriert, mit Israelfahnen. Was passiert danach? Richtig, der Kotzkübel läuft über:

An alle, die nicht erschienen sind:

Ihr habt gezeigt, wo ihr steht bzw. wo ihr gestanden hättet, nämlich auf der Seite der Antisemiten und Antisemitinnen. Dabei ist egal ob als zuschlagende, anfeuernde bzw. mitgröhlende oder ignorierende Kraft. Wer aus persönlichen Gründen nicht kommen konnte ist natürlich außen vor. Es geht um die Personen, die Zeit gehabt hätten, aber ihren Allerwertesten nicht vom Sofa bekommen haben oder dies auch gar nicht wollten.

Jaja, denn wer schweigt stimmt zu. Haha. Ich muss zugeben: Mein Sofa ist wichtiger als Demos, die B5 und der Rest der Welt. Der immanenten Logik dieses Beitrags folgend ist ja aber »immerhin« die Bahamas jetzt auf der Seite des B5, in lauschiger Gemeinschaft mit dem [a:ka] Göttingen.
Und hate your heimat macht fleißig weiter:

Auch darf nicht vergessen werden: »In der B5 gibt es günstig Bier und die machen ordentliche Vodka-Mischen«. Alles Gründe, welche natürlich für diesen widerlichen Haufen sprechen.

Ja, tatsächlich! Billiges Bier und gute Mischen sind Argumente. Keine politischen, aber Argumente.
Aber die andere Seite kann auch dumm sein, arg dumm. Dann tönt »Zionisten sind Faschisten« und so qualifizierte Sätze wie:

wenn ich sätze wie »Für den Zionismus!« lese…sag mal is bei dir noch alles richtig im kopf? tritt doch gleich der npd bei, die freuen sich über vollpfosten wie dich..bist genau so en national denkender spinner..

Genau, wenn man für Israel zu sagen hat sollte man sich gepflegt zu denen begeben, die zum Glück mit Antisemitismus und Antizionismus gar nichts zu tun haben: Der NPD! Hallelujah!
Gibt aber noch mehr Argumente es bleiben zu lassen was gegen die B5 zu unternehmen:

statt mal ne demo zum dänischen konsulat zu machen wegen 1200 festgenommenen mobilisiert ihr gegenseitig wegen so einem scheiß? die bullen werden sich schlapplachen über euch.

Die Bullen lachen! Ja ist es denn zu fassen? Soll man doch a mal seine Praxis daran ausrichten, dass die Bullen zufrieden gestellt werden. Dummheit dein Name sei Linke.
Sei er wirklich:

Danke das du einmal mehr beweist wie dämlich ihr eigentlich seid. Jeder der nicht mit euch Nationalisten/Faschisten demonstriert ist also ein Antisemit, ist klar, und jeder Mensch der noch nie auf einer Antifa-Demo war hat zuhause ein Bild vom Führer hängen.

Da hat aber jemand von Logik nichts gehört: Antideutsche seien Faschist_innen, die Leute, die aber keine sind auch! Ich glaubs nicht.
Zum Glück trifft man auch auf echte Kenner_innen von Motiven und Zwecken der an der Demo Teilnehmenden:

Schon lange war Hamburg die letzte Bastion der nicht-ensolidarisierten »Rest«-Linken, gerne pauschal als »AntiImps« bezeichnet. Und diese Bastion zu brechen, darum ging es heute – nicht um Israel, nicht um Auschwitz und schon gar nicht um den Film, dessen Verhinderung DAS gefundene Fressen für den (anti-)Deutschen Mob war. Der wie ich finde gelungeneste Text zu den Hintergründen findet sich hier:
http://kommunistischeassoziation.wordpress.com/

Die Leute waren nicht angepisst, weil ihre geplante Filmvorführung verhindert wurde, Nein! In Wahrheit ging es darum die »Bastion« Hamburg im Sturm zu nehmen! Genial.
Neben Antideutschen, oder für solche gehaltene, kriegt jetzt aber auch die FAU Hamburg auf die Schnauze, weil sie doch tatsächlich auf der Demo erschienen sind, dann erkennt man sogar das Ende des Anarcha-Syndikalismus:

Das war der Todesstoß für die anarchosyndikalistische Bewegung. In Zukunft werden alle Gruppierungen, die libertär-offene sind, die Teilnahme der FAU als Argument dafür benutzen, zu einer Nichtzusammenarbeit aufzurufen. Wie dumm ist die Hamburger FAU?? Ich selbst habe mir monatelang überlegt, in die FAU-Berlin einzutreten. Gute Entscheidung, das ich es nicht gemacht habe.

Was die Faschist_innen im spanischen Bürger_innenkrieg nicht schafften und was auch danach nie gelang schafft die FAU an einem Tag. Herrlich. Apropos Spanien, es wird der FAU vorgeworfen, dass sie mal an die CNT denken sollten. Dazu ein, vermeintlicher(?), Beitrag aus Spanien:

Auch die CNT findet diese stalinistische Antiimperialistas und Befreiungsnacionalistas zum Cotzen. Wenn dieses antisemitische Pack in spanischen Staat versucht haette, die Vorfuehrung zu blokkieren, haette sie eine auf die Mutze bekommen. Estalinistas sind Arschlocher – überall!

Schade. Mag die CNT die Hamburger Möchtegern-Grenzsoldat_innen auch nicht.
Man kennt natürlich Jüdinnen_Juden als Argument als gute_r Anti-Antideutsche_r:

Hier das Ganze mal aus sicht jüdischer Menschen über Antisemitismus, Zionismus, Israel, Herzl:

Herrlich, aber ich bin des Lesens müde, deswegen nochmal in Bildform zusammengefasst:


Hamburg, halt’s Maul.

Bildungsstreik die xte.

Die AI hat nicht nur eine Veranstaltung mir Freerk Huisken organisiert sondern heute auch noch einen Text mit dem schönen Titel »Die Bildung klauen lassen« veröffentlicht. Lest mal rein, es lohnt sich.

Zum Hören: Kritik – wie geht das?

Kritik scheint ein schwieriges Geschäft zu sein.
Einerseits fehlt es nicht an kritischen Stellungnahmen. Rundfunk und Fernsehen, »Spiegel« und
»Bild«, die freie Wissenschaft und die konkurrierenden Parteien machen es sich und ihrem Publikum
geradezu zur Pflicht, kritisch zu sein. Man stört sich nicht daran, dass eine solche Pflicht
Kritik zu einer Haltung erklärt, die immer und überall angebracht und berechtigt ist – als ob es
nicht ein wenig davon abhinge, was einer vor sich hat, wenn er Einwände vorbringt. Kritik wird
zu einer subjektiven Einstellung, die man sich zulegt oder nicht, zu einer Art Voreingenommenheit
zurückgenommen, die sich gar nicht mehr aus der Kritikwürdigkeit des Gegenstands begründet,
auf den sich der kritische Geist richtet.
Andererseits ist mit der Allgegenwart kritischer Einstellungen die begründete Ablehnung einer
Sache – jenes theoretische Handwerk, das den Namen ›Kritik‹ verdient – so gut wie ausgestorben.
An ihre Stelle tritt der Brauch, Gott und die Welt mit Verbesserungsvorschlägen zu überschütten.
Rechte, linke und ganz normale Bürger üben sich in der Disziplin der konstruktiven
Kritik
, ganz als ob es logisch und zwingend wäre, dass aus Einwänden niemals die Ablehnung
des Kritisierten, sondern stets dessen Vervollkommnung zu folgen hat. An allem, woran kritisch
denkende Zeitgenossen Anstoß nehmen, wollen sie hilfreich mitwirken – wirklich an allem!
Die Medien kritisieren das Ungeschick unserer Kriegsminister beim Führen asymmetrischer
Kriege, oder die Unfähigkeit der Sozialpolitiker, die Lage der Armen zu verbessern, auch wenn
die das gar nicht versuchen. Professoren, Journalisten, Gewerkschafter, Oppositionelle beteiligen
sich in kritischer Solidarität an den »Problemen« des Staatshaushalts und der Krisenbewältigung
- um ausgerechnet beim Wetter, wo es nichts zu kritisieren gibt, hemmungslos kritisch zu werden.
Im demokratischen Zeitalter kritisieren die Menschen immerzu. Aber sie wissen nicht, wie es
geht. Wir wollen darlegen, was sie verkehrt machen, so dass ihre Kritik regelmäßig entgleist und
immer wieder bei der Bekräftigung des Kritisierten landet.

Vortrag mit Peter Decker vom 26. November 2009.
Ganz oder in Teilen runterladbar bei argudiss

Man braucht keine Argumente wenn man eine freiheitlich-demokratische Grundordnung hat.

Vorbildlich vorgeführt von Report Mainz, die sich, man nennt das in solchen Medien dann wahrscheinlich kritisch, mit »extremistischen« Teilnehmer_innen der Islamkonferenz auseinandersetzen. Argument gegen diese: Sind sind extremistisch. Weil? »Das Grundgesetz nicht Maß aller Dinge ist.«
Und wer sich den Werten dieser Gesellschaft nicht konsequent verschreiben will, die hat natürlich verloren. Nicht weil man was vom Inhalt kritisieren könnte, außer eben sie sind nicht Teil des demokratischen Konsens. Schäuble will mit denen immerhin reden, an anderer Stelle propagierte er ja eher das Zuhören, aber nunja.

Nun gut, wenigstens kann ich beruhigt sein, dass Christina Köhler nicht das Verlangen hat mit mir zu reden.

Terminupdate.

1. Dekonstruieren und wenn ja was?

Das Autonome Feministische Kollektiv an der Uni Hannover veranstaltet am 09. Dezember die letzte Veranstaltung der Reihe Feminism Weeks:

Dekonstruieren? Und wenn ja, was?
Zu einer Kritik an der ‚Kritik der Zweigeschlechtlichkeit‘

Der Vortrag soll zunächst die theoretischen Grundlagen einer dekonstruktivistischen Auffassung von Gender vermitteln und dabei einen Einblick in die Entstehung des Konzepts von Gender und Dekonstruktivismus geben. Aus welchen Theorietraditionen kommen sie? Was meint eigentlich Dekonstruktion und ist es das, was wir meinen, wenn wir ‚gender‘ sagen? Daran anschliessend stellt Tove Soiland die Frage, ob die Fortschrittserzählung – es waren einmal Frauen und dann kam die Dekonstruktion – so haltbar ist und erläutert dabei die theoretischen Gründe für ihre Kritik am Konzept Gender und dessen dekonstruktivistischer Ausrichtung.

Mit Tove Soiland, 09.12.2009, 20 Uhr, Im Moore 21, Raum A416

2. Zum Bildungsstreik 2009

Die Antinationale Initiative kündigt eine Veranstaltung mit Freerk Huisken an:

Zum Bildungsstreik 2009:
* Durch den Bologna-Prozess will der Staat den Dienst der Hochschulen an der Standortkonkurrenz steigern.
* Der Bildungsstreik bestätigt den Politiker_innen, dass ihre Reform Effizienzmängel aufweist.
* Studierende als Testpersonal der Politik: Soll es das gewesen sein, was der studentische Widerstand erreichen will?

Mit Pflichtstoff vollgestopfte Studienzeiten, Leistungsdruck, Prüfungsstress, Selektion, Geldnöte: darüber beschweren sich derzeit Studierende. Und warum ist das alles so?
*
Die Protestierenden haben Antworten: Der Staat reformiere die Hochschulen in einem Sinne, der überhaupt nicht ihren Vorstellungen von Wissenschaft und Ausbildung entspreche. Das mag schon sein. Aber nach welchen Zielen und Maßstäben organisieren und reformieren der Staat und seine Rektoren_innen denn Wissenschaft und Ausbildung stattdessen? Sie werden doch ihre eigenen Ziele und Anliegen damit verfolgen.
*
Die Bildungspolitiker/innen halten ihre Absichten ja gar nicht geheim: »Wachstum« und »Konkurrenzfähigkeit« des »Standorts Deutschland« sollen mit dem Bologna-Prozess durch Forschung und studierte Berufsanwärter_innen vorangebracht werden; und dafür sei vor allem die Ausbildung zu zeitaufwendig, zu teuer, zu ineffektiv. Was ist das eigentlich für ein Programm? Vielleicht ist es zu leichtfertig abgetan, wenn manche Streitschriften zum Bildungsstreik vermerken, das sei der unheilvolle Einfluss der »Verwertungslogik«, der sich jetzt gegen die Bildungsziele im staatlichen Hochschulbereich durchsetze. Was ist, wenn es genau um so etwas auch dem Staat geht, der die »Marktwirtschaft« organisiert und doch nicht zufällig Milliarden in die Rettung des Finanzsystems steckt. Vielleicht trifft die Vorstellung gar nicht zu, dass die »Wirtschaftlobby« die staatliche Bildungspolitik davon ablenkt, was »eigentlich« ihre Aufgabe sei. Vielleicht ist es nur eine Erfindung von Studierenden, die sich viel von der Staatsmacht erwarten und weniger von der Geldmacht halten.
*
Studierende, die gerade die Erfahrung machen, wie unangenehm es ist, als Ressource einer kapitalistischen Nation verplant und sortiert zu werden, klagen bei der Bildungspolitik nichts anderes ein als mehr Berücksichtigung ihrer Konkurrenzinteressen: Mehr Geld für Bildung, für Personal und Räume, für Bücher und Labore, damit sie besser können, was sie sollen, nämlich ihr Studium zu Ende bringen. Diese Kritik an den Bologna-Prinzipien stößt auch auf Zustimmung. Kein Wunder, denn sie greift kaum etwas anderes an, als was der Bildungspolitik inzwischen selbst als »Übertreibung« bei der Durchsetzung ihrer Reform aufstößt. So werden die Protestler als »nützliche Idioten« der jüngst ausgerufenen Reform der Bologna-Reform vereinnahmt. Sollte das alles gewesen sein, was der studentische Widerstand erreichen will?
*
Um Wissenschaft und Bildung als Ressource für Staat und Kapital soll es gehen auf der Diskussionsveranstaltung. Die Vorstellungen der Protestierenden stehen dabei auch auf dem Prüfstand.

Am 15.12.2009 um 19.30 Uhr in Raum B302, der ist im Hauptgebäude.
Die [AI] hat darüber hinaus einige Texte gesammelt, die sich kritisch mit der Protestbewegung und der Rolle von Bildung im Kapitalismus auseinandersetzen.

Hitzefrei jetzt und immer.

Wo gerade so fleißig die Bildung bestreikt verbessert werden will passt es ganz gut wenn ich kritische Stimmen zu Wort melden und fragen was die Bildung eigentlich so mit den Menschen macht und wozu sie erzogen werden. Dies hat der AK »Hitzefrei bei jedem Wetter« der redical [M] getan und das Flugbuch »Deutschlands wichtigste Ressource- Wie Kinder in einem menschenverachtenden System erzogen werden.« veröffentlicht.
hitzefrei bei jedem wetter

Denn sie wissen nicht was sie tun.

Der Ring christlich demokratischer Studenten (RCDS) hat ein Problem. Dieses Problem nennt sich Bildungsstreik und grassiert gerade in deutschen und österreichischen Hochschulen.
Aber kein Ding, da verfasst man mal eben eine Pressemitteilung oder auch zwei und macht deutslich, dass man das alles ganz doof findet. Theoretisch. Der RCDS schreibt eine Pressemitteilung und man weiß hinterher eben nicht mehr was sie jetzt alles ganz doof finden.
Keine konkreten Verbesserungsvorschläge haben die Streikenden wenn man Gottfried Ludewig, seines Zeichens Bundesvorsitzender des Karnevalvereins, glauben schenken mag. Nachdem er selber Änderungsvorschläge aufgezählt hat. Dabei fordern sich die Streikenden doch noch zu Tode, als Beispiel taugt diese Aufzählung, die heute in Hannover beschloßen wurde.
Aber wenn man RCDS-Vorsitzender ist kann man klar noch mehr Weisheiten in die Welt posaunen. Und so hieß es am 13. November:

Abgesehen davon scheinen die Protestierer sich ohnehin nicht mit den aktuellen Inhalten beschäftigt zu haben. Denn viele der nun in den Streiks und Demonstrationen erhobenen Forderungen werden durch die Koalitionsvereinbarung zwischen CDU/CSU und FDP obsolet

Schade nur, dass diese Forderungen »schlicht von vorgestern sind.« Oder nur die, die CDU/CSU und FDP nicht umgesetzt haben? Man könnte sagen »das ist für angehende Akademiker doch ein bisschen wenig«. Aber ich hege ja keinen Studierendenidealismus und halte es eher mit: Das war von einem Christdemokraten durchaus zu erwarten.

Ein wütendes Wort zur rechten Zeit.

konformistische idioten allerdings, die depressiv sind, bringen natürlich auch wieder nur konformistische formen der depressionsbekämpfung (selbstmord, verhaltenstherapie etc.) hervor.

jeder bekommt halt, was er verdient.

Hannah Arendt zur Realpoltik.

Solche Fragen kann nur der stellen, der noch immer nicht begriffen hat, wie unglaublich verliebt ein Realpolitiker in die Realität ist. Allein die Tatsache, dass ejne Sache wirklich exitiert, versetzt ihn in einen solchen Enthusiasmus, dass er sich gar nicht mehr fragen kann ob das Existierenden für oder gegen ihn ist. Da ferner die Realitäten, die am nächsten sind, sich am stärksten fühlbar machen, rechnet ein realistisch denkender Mensch nur mit dem, was direkt vor seiner Nasenspitze liegt.
Chamberlain, der im Gefolge seiner realistischsten Politik, die die neuere Geschichte kennt, die ferne Tschechoslowakei opferte, die Franzosen, die sich realistisch darüber mokierten, »für Danzig oder Prag zu sterben«, haben bewiesen, dass die Realpolitik unmittelbar in Abenteuer- und Spielerpolitik übergeht, wenn man sie nur konsequent genug betreibt. Was heute in London als höchste politische Weisheit gilt, kann morgen in Jerusalem sich als höchst gefährliches Spiel herausstellen, als Spiel mit jener Vorsehung, an die Realpolitiker noch nicht einmal zu glauben pflegen. Fast 600.000 Menschen, die man urbi et orbi als den Kern der jüdischen Nation vorstellt, unbewaffnet zu lassen, ohne die Möglichkeit ihren Boden zu verteidigen, ihnen noch nicht einmal die Chance des Kampfes zu geben – das mag in London in der Nähe des Colonial Office sehr realistisch aussehen; überall sonst und zuerst in Palästina sieht es nach Selbstmord, nach Vernichtung der eigenen Realität aus.
Aber der Realpolitiker hat nicht nur oft die Realitäten gegen sich. Er muss mit einer unmittelbar noch unangenehmeren Sache rechnen: Die gewöhnlichen Menschen verstehen ihn nicht. Sie verstehen z.B. nicht seine Abneigung, »große Worte« zu gebrauchen, vor allem dann nicht wenn die das Gefühl haben in gefährlichen Zeiten zu leben. Jene Menschen, welche wir Juden »Volksmenschen« nennen, sind solche Narren, dass sie es sich nicht abgewöhnen können, hinter bestimmten Worten Ideen zu vermuten. Ideen wiederum haben die dem Realpolitiker höchst verdächtige Eigenschaft, dass sie den Menschen dazu bringen können, die Realität zu verändern. Und woran sollte sich ein Realpolitiker eigentlich noch halten können, wenn das möglich wäre, wenn der »feste Boden der Tatsachen« ihm unter den Füßen zu beben begänne?

Hannah Ahrendt, Die »sogenannte Jüdische Armee«, in Hannah Ahrendt- Vor Antisemitismus ist man nur noch auf dem Monde sicher, Piper 2004

Ich finde, dass Arendt hier eine weitgehend richtige Kritik einerseits der Realität und der Auswirkungen auf Menschen generell und andererseits des Treibens der Realpolitiker_innen gelingt. Allerdings, so scheint es mir, scheint sie vor allem zu stören, dass die Realpolitik des britischen Colonial Office den jüdischen Interessen in Palästina nicht gerecht wird, was ein falscher Schluss wäre, denn die Kritik der Realpolitik hätte sich erledigt sobald sich die Realität des Colonial Office an die der jüdischen Siedler_innen in Palästina angepasst hätte.

Found

Nrrrdz#3 gibts seit gestern, kann man bei ihdl anhören oder runterladen.

Ach wie schön, dass jede_r weiß, …

dass das im Osten alles viel schlimmer war.
Das weiß jetzt auch die Gruppe Sur l‘eau aus irgendeinem malerischen Kaff in Schleswig-Holstein. Die wollen nämlich, obwohl man vom »Primat der Praxis« eigentlich nicht so angetan ist, einen Besuch in die ehemalige DDR wagen um der BRD seine »barbarische Fratze« vorzuhalten. Oder so ähnlich.
Denn obwohl man des Gestus des ewig-kritischen beibehalten muss, man ist ja schließlich antideutsch, muss man gleichzeitig seinen größten Freund als Antideutsche_r »auf der Höhe der Zeit«, die Demokratie, ordentlich affirmieren.
Also riskieren wir einen Blick auf die Glanzleistung:
Irgendwie, so sagt man, könnte der Aufruf auch »Mitte der 90er in der „BAHAMAS“« stehen können, und die einzige Floskel, die anscheinend ausreichend gewürdigt wurde ist, dass die Deutschen schon Antisemit_innen seien. Was denn nun aber der Höhe der Zeit aber gerecht werden könnte, das weiß man auch nicht so genau, behalten die wackeren Freund_innen des Abendlandes nämlich für sich. Vielleicht die Bahamas anno 2009? Gegen Museln für Kirche, Deutschland und Israel?
Was aber vor allem stört ist die »unzureichende Abrechnung mit der DDR«. Die ist nämlich nicht nur Lieblingsfeindbild der Deutschen heutzutage, sondern auch die Sur l‘eua stört sich gewaltig an dem »gruseligerem Deutschland«. Warum? Weil die DDR »viele der Deutschen Lieblingsideologien vereinte«, und das auch noch als Staatsdktrin. Gut, dass es sowas im Westen nicht gab und die BRD sich schon immer von Antisemitismus, Rassismus und so weiter abgegrenzt hat, das hier ja gar keinen Platz findet. Schlimm auch »der ostdeutsche Pöbel«, der gar massiv gegen Asylbewerber_innenheime vorgegangen ist, von der Gruppe Sur l‘eau ganz und gar unbemerkt auch in Lübeck. Oder war das nur die Stasi, die in Westdeutschland Rassist_innen infiltrierte, die dann ein wenig zündelten?
Ganz schlimm an der DDR auch, dass da die Supermärkte überhaupt nicht voll waren und man ein wenig auf sein Auto warten musste. Da lob ich mir doch auch mal die BRD, wo man wenigstens nur ein wenig viel arbeiten muss um sich die Köstlichkeiten des Supermarkts auch leisten zu können, und noch mehr um sich dann auch noch ein Auto zulegen zu können, man muss wenigstens nicht warten und das zahlungskräftige Bedürfnis wird ordentlich befriedigt. Marktwirtschaft ist ’ne tighte Sache, wenn man mit dem geübten Blick der Ideologin die Tatsachen zusammen dreht.
Und sowieso gut, dass es den Osten gibt. Kommt jetzt überraschend? Schon, aber: Weil es die gute BRD gibt, ist es gut, dass es die Ex-DDR Gebite gibt, da »hinterlässt [man] seinen Frust über das selbstverschuldete Elend am Wahltag bei NPD oder Linkspartei« (was für eine Schande, es wäre sehr viel lobsamer wenn die Bewohner_innen, die »wirken wie in einer anderen Zeit lebend« ihr Kreuzchen in der demokratischen Mitte machen würden). In puncto Totalitarismus kriegen die wackeren sur l‘eauler_innen aber eine glatte 1. Und was Goebbels 1931 sagte, könnte die sur l‘eau 2009 ausplaudern: »National Socialism is the German Left!« Die sur l‘eau meint das, Gott sei Dank, ganz kritisch.

Lesen! ohne Elke Heidenreich.

Die sinistra² gönnt sich nur einige kleine Fehler (Ziviliationsbruch z.B.) und schreibt ansonsten treffende Sachen über Deutschland, seine Vergangenheit und die Antifa: »Ich kann die Auschwitzscheiße nicht mehr hören…«
Ich hab zwar ein bißchen das Gefühl sie können zur Demokratie auch weniger sagen, zumindest negatives, aber das war nicht Gegenstand des Textes.

cutted- pasted 24. und 25. 09. 2009

dieStandard.at

»Tendenz steigend«

»WAVE«-Frauenkonferenz in Wien eröffnet: In Europa fehlen 80.000 Plätze in Frauenhäusern – Besonders betroffen von familiärer Gewalt sind Migrantinnen

Strafen für Burkaträgerinnen

»Verstoß gegen Vermummungsgesetz«: Rechtsextremer Bürgermeister heizt Debatte mit rassistischem Beschluss an

Diese Toleranz des Abendlandes ist doch immer wieder schön anzuschauen.

der Westen – Hip-Hop und Politik

Ratet mal welcher Oberdepp aussem Pott vorhat sich ins Parlament einzubringen. Richtig:

Bürgernah und kontrovers: Hiphop-Künstler Marcel Wojnarowicz kandidiert als Parteiloser in Duisburg für den Bundestag.

gulli.com – Blog abgeschaltet – Karriere beendet

Für Lilly Allen ist es aus und vorbei. Keiner hat ihre Botschaft verstanden, dass Filesharing böse ist. Deswegen beendet sie nun nicht nur ihre Blogger-Karriere sondern auch ihre musikalische.

taz.de

»Straßenblocks unter Gas«

In Pittsburgh ist es zu schweren Ausschreitungen zwischen G-20-Gegnern und der Polizei gekommen. Dabei wurden Reizgas und offenbar auch Gummigeschosse gegen die Demonstranten eingesetzt.

Schön selbstentlarvend die Freund_innen der Demokratie unter den Gegendemonstrant_innen: »Ungehorsam ist wichtig für die Demokratie.«

Die Legende von der Langeweile

Der Medien-Vorwurf des inhaltsleeren, öden, entpolitisierten Wahlkampfs ist heuchlerisch: Es ist die Politik, die unter der Art ihrer öffentlichen Präsentation leiden muss – und mit ihr die Wähler. VON PHILIP MANOW

Bisher einer der besten Texte, die ich die letzten Wochen zum Prozedere der demokratischen Wahl gelesen habe.

cracked.com – 7 Vampires Around the World Worse Than The Ones In Twilight

True Blood, Twilight, The Vampire Diaries, Larry King – Vampires are everywhere these days. Actually, they‘ve always been everywhere. It seems like every culture on Earth has some version of the vampire.

Spiegel Online – Häftling betrinkt sich mit Handwaschgel

>a href=“http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,651376,00.html“>http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,651376,00.html

Und for the lulz noch eine Meldung aus den Malediven, bevor wir zur allseits beliebten Kategorie YouTube kommen:

dnews.de – Minister der Malediven tagen unter Wasser

Das Kabinett der Malediven, einer Inselgruppe im Indischen Ozean südwestlich von Indien hat Unterwasser-Sitzungen angekündigt.

Muse: Unbemerkter Rollentausch im TV


via jetzt.de

Das Bierbeben – Mach deinen Fernseher kaputt

Super Lied: