Archiv der Kategorie 'Baby Melancholie'

autunom – antitainment

Das Bundesverfassungsgericht, die Menschenwürde und Hartz IV.

Die Bluthunde des sich sozialistisch oder wahrhaft demokratisch schimpfenden Kapitalismus, aggregiert in der Stümperpartei die LINKE und ihrem Umfeld, fletschen sich die Zähne ob der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts Hartz IV als »nicht verfassungskonform« zu verurteilen. Noch nichtmal das. Im Grunde genommen hat das Bundesverfassungsgericht eins beschloßen: heiße Luft. Aber davon eine solche Menge, dass der anhaltende Sauerstoffmangel den sich sozial generierenden Politikhoschis das Gehirn vollkommen ausgeschaltet zu haben scheint. Nicht Hartz IV ist verfassungswidrig, die Berechnung, aber das auch nur teilweise oder so, nichtsdestsoweniger: Hartz IV verfassungswidrig, yay! ist die Devise des Tages, man ergeht sich in Träumereien über das supidupi Sozialwunderland, das Deutschland vielleicht irgendwann mal sein könnte, wenn noch so ca. 80 Millionen Geißböcke die LINKE wählen würden. Die Frage was das eigentlich bedeutet als Hartz IV Empfänger_in gebrandmarkt zu sein und unter den Auswirkungen der fehlenden Arbeit, hin und wieder auch Armut genannt, zu leiden stellt sich niemand. Immerhin! Höchstrichterlich verfügt kriegt man in manchen Fällen, weil der Staat sich mal wieder um die Sicherung eines menschenwürdigen Existenzminimums scheren muss, ein wenig mehr Geld. Wenn schon keinen Zugang zu den Fleischtöpfen, denn schon menschenwürdig dahin vegetieren, irgendwo zwischen Depressionen und sozialen Ausgrenzungsmechanismen. Immerhin! Keine 359 Euro Hartz IV mehr, vielleicht sogar 450€! Der ganz radikale Flügel könnte sich mit ganzen 500€ in Stellung bringen und der Farce Sozialstaat, die eben nie mehr als der verzweifelte Versuch die Reservearmeen der Kapitalist_innen wenn schon nicht in Lohn dann immerhin! in Toast zu halten ist, einen Hauch von Debatte verleihen. Bei Anne Will könnte sich ein_e Betroffene_r auf dem Sofa niederlassen und in betroffenen aber bloß nicht zu wütenden Worten ihrer Bestürzung Ausdruck verleihen und die Hoffnung, dass es jetzt besser werden könnte, vielleicht, unter Umständen, wenn alles gut geht, muss ja auch realistisch und finanzierbar sein, wie einen schwachen Glanz am Horizont 2011 aufgehen sehen.
The show must go on. Ich hasse euch dafür.

P.S. Zur Armut sei dieses Fragment bei nachtwach herzlichst empfohlen.

»Die objektive Verzweiflung durch den Hurra-Optimismus der unmittelbaren Aktion überschreien«

Rural Alberta Advantage – In the Summertime

Mumford & Sons – Winter Winds

Fett! Ich mag es sehr. Es ist gut Freund_innen mit vorzüglichem Musikgeschmack zu haben.

Nada Surf – Always Love

Beat it.

Wer dachte der Polizei fallen ab jetzt nur noch Tränengasgranaten ein um der polizeilichen Formierung des Inneren gerecht zu werden, die irrte. Die Hamburger Polizei hat, aus den Taschen nun bis aufs Bitterste erboster Stadtbürger_innen, sich einen neuen Wasserwerfer zugelegt.


State of the art hat der Art Wasserwerfer, der ein wenig verbogen aussieht mit dieser form einen von der MoPo sogenannten Sinn: »Da es keine geraden Flächen gibt, können Molotowcocktails nicht mehr auf dem Dach liegen bleiben.« Da heutzutage der Molotowcocktail, Kosename Molli, in übermäßig riesigen, möchte sagen gigantischen, Mengen in zeitgenössichen Protestansammlungen Verwendung findet, macht es durchaus Sinn sich eine Form auszudenken, auf der ein bei Aufprall zerplatzender Feuerkörper nicht landen kann. Ich vermute eher Faulheit der Besatzung, die nicht so Bock drauf hat im Herbst Laub vom Dach zu fegen. Aber, nicht verzagen, »WAWE 10000«, von mir liebevoll kubistischer Unfall genannt, kann noch mehr: Wasserwände bilden, nützlich um die Dienstkarren ohne Umweg zur Reinigung zu putzen, oder auch eine Wasserglocke, laut MoPo zum »Auflösen von Sitzblockaden«, wie diese Glocke funktioniert und wie zur Hölle damit eine Blockade aufgelöst wird muss ich vermutlich visuell erfahren. Wo wir gerade bei der visuellen Erfahrung sind, die von zwei grünen Schlachtschiffen aufbrausend in ihrem von Destruktion gespickten Wege, werde ich wohl missen müssen. Vielleicht auch besser so, die Zukunft verlangt wohl danach 10.000 Liter Wasser mit 3.200 Litern pro Minute in Luft aufgehen zu lassen und den Fortschritt kann man nicht aufhalten, mit einer Revolution als Notbremse vielleicht, aber die ist wohl noch einiges mehr als 10.000 Liter Wasser von uns entfernt. Aber wenigstens kommt alles wieder runter, das sollte man nie vergessen. Ob Blätter, Steine oder Molotow-Cocktails in Plastikflaschen, sie kommen alle wieder runter. Beruhigender »›Gute-Nacht‹ Gedanke«, oder?

Charlotte Gainsbourg – Heaven Can Wait

Wow. Wunderschönes Video, da braucht auch kein Kanye auf den Blog stürmen, definitiv einer der Höhepunkte 2009 was Musikvideos angeht. Und die Musik ist auch super. 10.000 Herzen:

via und vielen Dank an boooooom.com

Ein wütendes Wort zur rechten Zeit.

konformistische idioten allerdings, die depressiv sind, bringen natürlich auch wieder nur konformistische formen der depressionsbekämpfung (selbstmord, verhaltenstherapie etc.) hervor.

jeder bekommt halt, was er verdient.

Schade.

Eigentlich sollte am 1. November in der Nähe des Hauptbahnhofs eine Bombe entschärft werden. Nur irgendwie scheint die geortete Bombe, die »Hannover ins Herz trifft« (Bild) auf einmal verschwunden zu sein. Jedenfalls wurde die Entschärfung abgesagt und meine kühne Hoffnung allierte Zerstörungskraft am Objekt Bahnhof quasi als Zeitzeug_in mitzuerleben zerstört.

Musik gegen Kater.

Ruhig angehen. Ganz ruhig.

Uffie – Pop the Glock (Mirwais Pop Remix)

Editors – An End Has A Start (Jacknife Lee Remix)

The Smittens – Half My Heartbeats

I‘m so in love.

Mit nichts reelem, aber dafür mit dem neuen Video von Grizzly Bear, aus Brooklyn, zu dem Lied, welches den wunderbaren Titel While You Wait for the Others trägt.

Grizzly Bear – While You Wait for the Others from Grandchildren on Vimeo.

via

Grizzly Bear – While You Wait for the Others
Director – Sean Pecknold
DP – Michael Ragen
AD – Tristan Seniuk
Illustrations – Toby Liebowitz
Animators – Sean Pecknold & Britta Johnson
Producer – Joy Saez
4 faced mask – Jack Strain
Record label – Warp
Special thanks – Robin, Lisa, Greg, and Aja Pecknold,
Jennifer Popochock, Toby Liebowitz
Center Valley Animal Shelter

Diesen Staat zerstören.

Während ich diese Zeilen schreibe passiert auf der Welt einiges, was einer Berichterstattung bedarf und dem kritischen Blick deutscher Blogger_innen erst recht. Um das soll es mir aber nicht gehen, das Elend gibt es überall und dass es zurückgeschlagen wird darum kümmern sich Tocotronic. Ich könnte mich also um die Sonnenseite kümmern, und das noch nichtmal metaphorisch, denn pünktlich zum Event des zweiten Halbjahres hier in Hannover, nein nicht die CDU-Wahlkampfveranstaltung gestern, der Naziaufmarsch morgen hat die sich blicken lassen und meine Illusionen eines nahenden Herbstes, der die Endorphin gesteuerten Hackfressen endlich wieder in ihre Wohnungen treibt und ihnen noch dazu das Endorphin entzieht, zerstört. Das ist schade, aber nur ein bißchen. Beruhigt kann ich ohnehin sein, die Jahreszeiten in ihrem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf, das ist wahr, das schwör ich. Und gegen ein wenig Sonne kann man auch nichts haben. Wenn nur mein Magen nicht so zerstört wäre. Aber zurück zum Naziaufmarsch. Da wird die Volksfront für ein besseres Deutschland (und bevor sich wieder irgendsoein_e Linke_r über meinen Titulierungen beschwert: Damit meine ich nicht die Antifa-Gruppen, die auf einer Antifa-Demo einen Antifa-Block bilden. Das wiederum finde ich aber sehr erheiternd.) sich wieder einmal zeigen und ihre Fahnen gegen Nazis schwingen, ein bißchen Nazis raus krakehlen, die Frage nach dem Wohin nicht beantworten (können wollen) und sich bei Bratwurst und Bier den Tag vertreiben. Letzteres find ich eigentlich lobenswert, aber ich erwähnte es: Mein Magen.
Was wollte ich nochmal sagen? Ach nichts. Aber weiterschreiben kann ich trotzdem. Das ist das schöne am Internet, man kann nichts sagen und trotzdem auf Veröffentlichen klicken. Danach interessiert es niemanden und vergessen wird es auch nicht. Wenn das nichtmal genial ist.
Aber zurück zu der großen Bude der Lokalpolitik: Gehen wir das chronologisch an: Als ich mich gestern auf den Weg durch Hannover machte um Popstars zu gucken kreuzte mein Weg die Innenstaft und dort das Steintor, wie es das Schicksal so will (ich bin mir sicher, dass es das Schicksal war, weil das es normalerweise nicht gut mit mir meint) hatte sich die CDU samt Kanzlerin zu einer kleinen Party eingefunden. Auf dem Weg dorthin begenete ich Menschen mit attac-Fahnen, dort hatte sich dann alles mögliche und noch viel mehr versammelt. Neben zwei Hundertschaften Bullen, die einfach überall standen und einen grimmig anguckten, war der Rest von Deutschland auch da. Ökos mit Plakaten für die Anti-Atom-Demo in Berlin letzte Woche (die, die voll riesig war und so ein mega-mächtiges Zeichen für die Gutmenschlichkeit gesetzt hat), Piraten, die ihre Fahnen geschickt im Publikum platziert hatten, Nazis, die von den Bullen am Rand gehalten wurde, Linke, die Nazis gucken wollten. Pünktlich zu meinem Erscheinen, und als letzter Beweis, dass es das Schicksal auf mich abgesehen hat, bedankte sich der Moderator bei irgendeinem Zuckertyp (nicht die Zeitung) mit den Worten »Niedersachsen ist ein Zuckerland« und leitete über zu der Verabschiedung: »Und jetzt möchte ich euch bitten, wie es bei CDU-Veranstltungen üblich ist nach vorne zu kommen und die deutsche Nationalhymne zu singen.« Umgehend setzt die Musik ein, eine Bewegung nach vorne war nicht zu erkennen (ich vermute ja, dass einfach keine CDU-Wähler unter den »7000 Menschen« [Moderator] waren) und mitsingen tat auch niemand. Wenn doch wurde es von den Boxen überschallt. Wenigstens etwas. Den Gipfel des Abschaums erreichte die Partei von Angie als gleichnamiges Lied von den Rolling Stones gespielt wurde. »Ich bin mir sicher, dass Mick Jagger sich dabei was gedacht hatte.« Ich auch, aber nicht das was ihr draus machtet.
Als Jan Delay (guter Sprung, oder?) noch ein wenig klarer im Kopf war und sich das mit der Nation nicht ganz so zu Herzen nahm, also die Zeit in der er gute Musik machte, da htte er ein Elektro-Projekt namens La Boom und dieses hatte ein Lied, das nennt sich Burn Engholm, und das rettete mir gestern abend auch das Leben. »Das ist ein Angriff gegen den Staat, gegen die Demokratie in Form der Stadt-Guerilla.«

La Boom- Burn Engholm

Und dann sind wir auch bei heute und morgen, denn es heißt gegen die Nation und ihre Fans, also vor allem gegen die ganz rechts. Aber irgendwo muss man ja anfangen, sagt die Bewegung und da ist es viel einfacher einfach gegen die zu sein, gegen die sowieso alle was haben (Um unterstellenden Kommentaren vorzubeugen²: Ja, ich habe den Aufruf gelesen, Nein er hat micht nicht davon überzeugt, dass ihr ein allzu großes Problem mit der bürgerlichen Gesellschaft habt). Um nochmal auf das Demo-Konzept zurückzukommen, das versteh ich nämlich immer noch nicht. Es gibt Samstag eine antifaschistische Demo, im Antifa-Jargon DGB-Demo genannt, und auf dieser Antifa-Demo gibt es einen Antifa-Block für Antifas. Ok. Macht irgendwie Sinn wenn man Antifa ist, aber warum macht man am Abend vorher noch eine Antifa-Demo!? Da sind doch nur Bullen da, man trifft ein paar Demokrat_innen. Muss man vielleicht ja aber auch nicht verstehen. Ich werde auf jeden Fall gleich tanzen gehen. Das ist nämlich viel sinnvoller. Und dann zur Vorabenddemo gehen, einen nützlichen Zweck muss es ja haben, dass ich sämtliche Stufe 7 Beleidigungen aus dem Pott auswendig gelernt habe.
Sonntag wird dann hier übrigens gegen Boehringer demonstriert, weil die Schweine töten, die Schalker. Was für ein Wochenende. Zum Abschluß aber noch ein wenig Musik:

Wie geil das ist, ein Musik-Video wo an nem Bus rumgewerkelt wird. Extraklasse.