Männer mobben.

Wenn man Ultra‘ nach Sexismus fragt werden die häufigsten Reaktionen ein versteinertes Gesicht, ein perplexes »Wie bitte?« und die Aussage man könne das irgendwann, irgendwo mit irgendwievielen klären sein.
In schriftlicher Form findet man diese und ähnliche, positivere wie noch bescheuertere, in einer Diskussion im Stammtischkarikaturforum ultras.ws. Seit Anfang 2010 diskutieren die Maulhelden und ähnliche Kaliber über Frauen in der Ultraszene.
Darauf haben nun die Frauen der Ultra‘ Sankt Pauli reagiert und »in einer flashmobartigen Aktion die männlichen Mitglieder gewaltsam zum Gruppenaustritt« gezwungen.
Der testosterongesteuerte Mob männlicher Ultra‘ findet natürlich auch darauf dem Gegenstand angemessene Reaktionen. Man hofft, dass »sich die girls bei der Kälte nicht den Unterleib verkühlt, wo der doch so wichtig für ihren job ist….«, reagiert angemessen indem man animiert ist jede Frau mit St. Pauli T-Shirt umzuboxen oder ressümiert: »für mich haben frauen nur was beim fußball zu suchen wenn sie erstens gut aussehen und zweitens bei oberkörperfrei show mitmachen!«
Eine Motivation für die Aktion, die intendierte Ironie lassen wir mal beiseite ist natürlich auch schnell gefunden. »Ich glaub eher, die wurden schon lange nicht mehr rangenommen…« Das Leben kann so einfach sein, wenn man das Wesen der Frau erstmal eindeutig identifiziert hat. Sexuell frustierte Schlampen, die mit ihrem Rumgeficke die Gruppen kaputt machen, aber, die Krux an der ganzen Sache, vom Wesen her kreativ sind und somit hin und wieder von Nutzen sein können. Dann fällt zwar hin und wieder mal auf, dass das alles ein wenig brüchig konstruiert ist (Frauen, die Männer verprügeln könnten, Männer, die besser malen können als Frauen…) aber wen interessiert das schon? Die (deutschen) Ultra‘ jedenfalls nicht, im Zweifel bleibt das Stadion die Bastion männlicher Persönlichkeitspflege. Gröhlen, saufen und prügeln.

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7 Anmerkungen zu »Männer mobben.«


  1. 1 amIspecial 29. Januar 2010 um 19:10 Uhr

    im Zweifel bleibt das Stadion die Bastion männlicher Persönlichkeitspflege. Gröhlen, saufen und prügeln.

    naja, usp hat mit der aktion ja gegenteiliges gezeigt. ebenso wie es in hannover auch mal „all gender are beautiful“ zu lesen gab, übrigens.
    und: dürfen „frauen“ nicht auch gröhlen, saufen, prügeln? ich find schon :).

  2. 2 Andi 29. Januar 2010 um 21:36 Uhr

    du kennst ja viele ultras. und noch erstaunlicher: du hast schon ganz arg viele diskussionen über sexismus mit den leutz geführt. wers glaubt, wird selig! deine szenefremdheit zeigt sich schon, wenn du tatsächlich das meistverachtete forum mit szene-bezug, ultras.ws, als quelle hernimmst und dich an dem legastheniker-scheiß, der da abgelassen wird, abarbeitest. in vielen – meist: den ernstzunehmenden – gruppen herrscht konsens darüber, dass es kontraproduktiv ist, da mitzuwirken.
    das ist ungefähr so seriös und zielführend, wie wenn ein journalist wahllos indymedia-kommentare als zitate-quelle seiner artikel benutzt.

    sexismus ist in der ultra-szene ein gravierendes problem; und auch das nur ironisch torpediert, ist es doch zumindest eine witzige und kreative aktion. schade nur, dass sich dann deppen wie du dazu aufgerufen fühlen, ihre vorurteile über fußballfans mal in die welt herauszuposaunen.

    ein testosteron-getriebener, rumgröhlender, gewaltbereiter fußballfan!

  3. 3 ♥Tekknoatze 29. Januar 2010 um 22:48 Uhr

    Andi: 1. Ich bin mir des Stellenwertes, den ultras.ws in der Szene genießt bewusst.
    2. Unabhängig davon wieviele Ultra‘ ich zu meinem Freund_innenkreis zählen würde oder mit wievielen ich mich persönlich auseinadergesetzt habe halte ich den einführenden Satz für objektiv richtig.
    Dass es nämlich Vorurteile sind kannst oder willst du mir ja nicht beweisen, stattdessen pflichtest du mir bei, dass Sexismus ein gravierendes Problem ist. Nun ist doch die Frage wo der Unterschied ist wenn Trollz bei ultras.ws Sexismus äußern oder der mehr oder minder offen von »ernstzunehmenden« Gruppen in der Kurve geäußert wird? Na eben, keiner. ultras.ws mag von der Szene gehasst werden, zurecht, zur Illustration taugts dann aber hin und wieder doch. Dass ich für einen Blogartikel keine wochenlange Vorbereitung mit Interviews und so führe siehst du mir hoffentlich nach. Wenn ich irgendwelche Reaktionen »ernstzunehmender« Gruppen übersehen habe, die den Usern von ultras.ws entgegenstehen alsse ich mich natürlich gerne korrigieren.

    am i special: Natürlich können auch Frauen oder Menschen, die weder Mann noch Frau sein wollen saufen und randalieren. In der Realität wird solchen Menschen der Zugang zum Stadion erschwert und die Stadien so als Bastionen der Männlichkeit gehalten. Da ändern auch einzelne Aktionen wie von den USP oder AGAB Transpa in Hannover (das wohl kaum von überwiegenden Teilen der Fanszene gemalt worden wäre) nichts.

  4. 4 tole 30. Januar 2010 um 2:02 Uhr

    Ultra‘

    :d

  5. 5 amIspecial 02. Februar 2010 um 2:30 Uhr

    dass der zugang zum stadion, erst recht zu ultrà und allem, was damit zu tun hat, erschwert ist, stimmt natürlich. ebenso ändert ein spruchband nichts. aber es ist teil einer dynamik, die etwas ändern will und das auch immer kann. ich verstehe deine wohlbegründeten ressentiments schon irgendwo, aber dass menschen etwas ändern wollen — das kann man ihnen nur selten zum vorwurf machen.

  6. 6 keny 02. Februar 2010 um 11:48 Uhr

    Mich stört an eurer Diskussion die Vermischung von zwei Sachen, die meiner Meinung nach getrennt werden sollten:

    1.) Offene Diskriminierung auf Grund des Geschlechts wie in den von ultras.ws zitierten Stellen, die Frauen das Recht abspricht, Teil einer Ultrá-Gruppe zu sein. In der Ablehnung dieser offenen Diskriminierung sind wir uns hier sicherlich einig, und diese wird ja auch zumindest in den progressiven Gruppen in Deutschland durchgesetzt – dort gibt es für sexistische Sprüche oder Beleidigungen definitiv ’ne Ansage.

    2.) Eine angebliche Diskriminierung durch männlich konnotierte Verhaltensweisen wie „Gröh­len, sau­fen und prü­geln“, die Frauen ausschließe. Mir ist allerdings unklar, wir eine Reaktion darauf aussehen soll: Anpassung von Ultrá an weiblich konnotiertes Verhalten? Da ist es mir doch hundertmal lieber, wenn versucht wird, durch die Vermeidung offener Diskriminierung (siehe 1.)) Frauen den Zugang zu Ultrá-Gruppen zu ermöglichen und sie daran partizipieren zu lassen. Wie amIspecial schon sagte, sollen die Frauen doch auch saufen und gröhlen.

    Für eine laute und zugeknallte Kurve!

  1. 1 « medium – wenn schon n3rd, dann richtig! Pingback am 29. Januar 2010 um 19:17 Uhr
Ein_e verbitterte_r Redakteur_in hat weite Kommentare zu diesem Beitrag untersagt.