Archiv für Dezember 2009

Das ist keine Räumung einer Sitzblockade, das ist… unbeschreiblich.

Ein Video von extrabladet aus Kopenhagen, das Bullen im Einsatz gegen Sitzblockaden zeigt. Bevor ihr es anmacht möchte ich euch darauf hinweisen, dass ein neun minütiger Gewaltexzess gezeigt wird. In Jurist_innen-Deutsch würde man das wohl mehrfache gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung nennen- nur haben die Einsatzkräfte Glück, dass sie es eben sind, die auf Seiten des Staates stehen, die Konsequenzen werden wohl, wie beinahe immer, gering sein, wenn es denn überhaupt welche gibt. Ich hab 3 Etappen gebraucht um es zu gucken (wohlgemerkt ohne Ton), vorenthalten will ich es aber auch nicht:

via medium
Eine Entscheidung hat dieses Video für mich persönlich nochmal bekräftigt: Wenn du die Bullen schon nicht abschaffen kannst setze dich wenigstens niemals vor sie hin. Mehr und hilfloser kann man sich ihnen nicht ausliefern.

Mollis und Steine.

Das Unwort des Jahres 2009.

Liebste Blogleser_innen, werte Freund_innen und auch ihr Feinde,
das Jahr 2009 neigt sich dem Ende zu und allzubald werden wir wieder (fast) alle selig betrunken unterm Weihnachtsbaum liegen um wenn der Kater auskuriert ist gute Vorsätze fürs nächste Jahr zu finden, die man eh nicht einhält.
Viel leichter ist es doch nochmal festzuhalten, was eine_n 2009 so richtig gestört hat. Hamburg? Schweinegrippe? Klima? Bundeswehr?
Was auch immer euch gestört hat, postet es in die Kommentare, dafür habt ihr eine Woche Zeit, nach dieser Woche werde ich eine Umfrage mit allen Einsendungen starten, dann wird abgestimmt und zum Schluß steht es fest: Das Unwort des Jahres 2009.

Viel Spaß,
♥Tekknoatze

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Irans Oppositionelle haben einen neuen Helden: den vor einer Woche verhafteten Majid Tavakoli. Der 22-Jährige wurde in den staatlichen Medien zwangsverschleiert gezeigt. Die Regimegegner machen sich die doppelte Aufladung des Fotos zunutze und unterstützen Tavakoli mit einer sehr eigenwilligen Kampagne.

Liebes Justizministerium NRW,

ich kann verstehen, dass du willst, dass deine Mitarbeiter_innen arbeiten. Die Justiz kann es sich schließlich nicht erlauben zu schlafen, zu surfen oder zu essen. Die Zeit muss für etwas sinnvolleres benutzt werden, Vorratsdatenspeicherung zum Beispiel. Um das stringent umzusetzen und die Mitarbeiter_innen endlich wieder zu mehr Produktivität zu verleiten hast du nun das Internetangebot des WDR sperren lassen. Weil: das beite Angebot lenke vom Arbeiten ab. Und wir wissen: das geht nicht.
Aber, liebes Justizministerium, willst du nicht zugeben, dass, wenn auch nur ein klitzekleinstes bißchen, es doch damit zu tun hatte das Mitarbeiter_innen es gewagt haben Kritik an deiner Chefin zu üben? Wahrscheinlich nicht.
Macht aber nichts, denn jetzt kannst du dir sicher sein, dass es wieder in geregelten Bahnen läuft, bleiben deinen Mitarbeiter_innen doch nur noch die Gelben Seiten oder meinestadt.de. Die Drogen nimmst du ihnen jetzt ja auch noch weg, das find ich beruhigend. Ich hätte noch ein paar Vorschläge: Handys, Bücher, Stifte (kann man mit malen!), Papier (kann man drauf malen!). Und bitte nicht vergessen Minesweeper und Solitär zu sperren, wenn nicht schon getan.

Solidarisch,
♥Tekknoatze

P.S. Zur Unterbindung kritischer Stimmen könnte es auch nützlich sein eventuell vorhandene Internetzugänge zu Hause abzuschalten, nur so als Idee.

Wer mir helfen möchte…

kann sich durch die Musikkategorie klicken, ich lösche aus Platzmangel gerade alle .mp3 Dateien vom Blogsport-Server, deswegen kann es sein das alte Posts nicht mehr laufen. Wenn euch was auffällt sagt Bescheid, dann lad ichs an anderer Stelle wieder hoch.

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»Das Studierendenparlament der Humboldt-Universität zu Berlin spricht sich hiermit gegen jegliches Feiern, respektive feierliches Begehen, von durch 10 oder 25 teilbaren oder eindeutig in Primzahlen zerlegbaren Jahres-Jubiläen an der Hochschule aus.[…] Sollte sich die Arbeit in der Kommission in einer Formel zur Berechnung der Daten von Jubiläumsfeiern niederschlagen, so ist darauf zu achten, dass der Hubble-Parameter Eingang findet.«

Blogpost gegen Hamburger Unzumutbarkeiten.

Es wurde demonstriert, mit Israelfahnen. Was passiert danach? Richtig, der Kotzkübel läuft über:

An alle, die nicht erschienen sind:

Ihr habt gezeigt, wo ihr steht bzw. wo ihr gestanden hättet, nämlich auf der Seite der Antisemiten und Antisemitinnen. Dabei ist egal ob als zuschlagende, anfeuernde bzw. mitgröhlende oder ignorierende Kraft. Wer aus persönlichen Gründen nicht kommen konnte ist natürlich außen vor. Es geht um die Personen, die Zeit gehabt hätten, aber ihren Allerwertesten nicht vom Sofa bekommen haben oder dies auch gar nicht wollten.

Jaja, denn wer schweigt stimmt zu. Haha. Ich muss zugeben: Mein Sofa ist wichtiger als Demos, die B5 und der Rest der Welt. Der immanenten Logik dieses Beitrags folgend ist ja aber »immerhin« die Bahamas jetzt auf der Seite des B5, in lauschiger Gemeinschaft mit dem [a:ka] Göttingen.
Und hate your heimat macht fleißig weiter:

Auch darf nicht vergessen werden: »In der B5 gibt es günstig Bier und die machen ordentliche Vodka-Mischen«. Alles Gründe, welche natürlich für diesen widerlichen Haufen sprechen.

Ja, tatsächlich! Billiges Bier und gute Mischen sind Argumente. Keine politischen, aber Argumente.
Aber die andere Seite kann auch dumm sein, arg dumm. Dann tönt »Zionisten sind Faschisten« und so qualifizierte Sätze wie:

wenn ich sätze wie »Für den Zionismus!« lese…sag mal is bei dir noch alles richtig im kopf? tritt doch gleich der npd bei, die freuen sich über vollpfosten wie dich..bist genau so en national denkender spinner..

Genau, wenn man für Israel zu sagen hat sollte man sich gepflegt zu denen begeben, die zum Glück mit Antisemitismus und Antizionismus gar nichts zu tun haben: Der NPD! Hallelujah!
Gibt aber noch mehr Argumente es bleiben zu lassen was gegen die B5 zu unternehmen:

statt mal ne demo zum dänischen konsulat zu machen wegen 1200 festgenommenen mobilisiert ihr gegenseitig wegen so einem scheiß? die bullen werden sich schlapplachen über euch.

Die Bullen lachen! Ja ist es denn zu fassen? Soll man doch a mal seine Praxis daran ausrichten, dass die Bullen zufrieden gestellt werden. Dummheit dein Name sei Linke.
Sei er wirklich:

Danke das du einmal mehr beweist wie dämlich ihr eigentlich seid. Jeder der nicht mit euch Nationalisten/Faschisten demonstriert ist also ein Antisemit, ist klar, und jeder Mensch der noch nie auf einer Antifa-Demo war hat zuhause ein Bild vom Führer hängen.

Da hat aber jemand von Logik nichts gehört: Antideutsche seien Faschist_innen, die Leute, die aber keine sind auch! Ich glaubs nicht.
Zum Glück trifft man auch auf echte Kenner_innen von Motiven und Zwecken der an der Demo Teilnehmenden:

Schon lange war Hamburg die letzte Bastion der nicht-ensolidarisierten »Rest«-Linken, gerne pauschal als »AntiImps« bezeichnet. Und diese Bastion zu brechen, darum ging es heute – nicht um Israel, nicht um Auschwitz und schon gar nicht um den Film, dessen Verhinderung DAS gefundene Fressen für den (anti-)Deutschen Mob war. Der wie ich finde gelungeneste Text zu den Hintergründen findet sich hier:
http://kommunistischeassoziation.wordpress.com/

Die Leute waren nicht angepisst, weil ihre geplante Filmvorführung verhindert wurde, Nein! In Wahrheit ging es darum die »Bastion« Hamburg im Sturm zu nehmen! Genial.
Neben Antideutschen, oder für solche gehaltene, kriegt jetzt aber auch die FAU Hamburg auf die Schnauze, weil sie doch tatsächlich auf der Demo erschienen sind, dann erkennt man sogar das Ende des Anarcha-Syndikalismus:

Das war der Todesstoß für die anarchosyndikalistische Bewegung. In Zukunft werden alle Gruppierungen, die libertär-offene sind, die Teilnahme der FAU als Argument dafür benutzen, zu einer Nichtzusammenarbeit aufzurufen. Wie dumm ist die Hamburger FAU?? Ich selbst habe mir monatelang überlegt, in die FAU-Berlin einzutreten. Gute Entscheidung, das ich es nicht gemacht habe.

Was die Faschist_innen im spanischen Bürger_innenkrieg nicht schafften und was auch danach nie gelang schafft die FAU an einem Tag. Herrlich. Apropos Spanien, es wird der FAU vorgeworfen, dass sie mal an die CNT denken sollten. Dazu ein, vermeintlicher(?), Beitrag aus Spanien:

Auch die CNT findet diese stalinistische Antiimperialistas und Befreiungsnacionalistas zum Cotzen. Wenn dieses antisemitische Pack in spanischen Staat versucht haette, die Vorfuehrung zu blokkieren, haette sie eine auf die Mutze bekommen. Estalinistas sind Arschlocher – überall!

Schade. Mag die CNT die Hamburger Möchtegern-Grenzsoldat_innen auch nicht.
Man kennt natürlich Jüdinnen_Juden als Argument als gute_r Anti-Antideutsche_r:

Hier das Ganze mal aus sicht jüdischer Menschen über Antisemitismus, Zionismus, Israel, Herzl:

Herrlich, aber ich bin des Lesens müde, deswegen nochmal in Bildform zusammengefasst:


Hamburg, halt’s Maul.

1312

Wie kann man einen Feiertag wie heute besser begehen als mit guter Musik? Achtung, Ska:

Santeria & the Porn Horns – Police Recruiting Song

Damit die Menschen, die keinen Ska mögen, auch auf ihre Kosten kommen, ein Evergreen des Bullen blöd findens:
Fischmob – Polizei Osterei

Merkbefreit.

Es gibt da so ein Original, wie sie in jeder linken Bewegung von Zeit zu Zeit mal auftauchen und meistens viel zu lange bleiben. Das Original um das es mir geht heißt Ferhat Ataman, Freund des Capslock und seiner Sonnenbrille. Der hat schon vor ca. 2 Wochen Hausverbot in der Hannoveraner Besetzung gekriegt, u.a. weil er ein Sicherheitsrisiko darstellt und wegen eines sexistischen Übergriffs. Jetzt ist er anscheinend in Berlin aufgekreuzt.
Er, der »revolutionär von Geburt an« sei und nicht wie die »Pest dieser Gesellschaft« »erst seit Gestern«1 glaubt sich dabei immer noch in revolutionärer Mission. Das beste 9 Sekunden Video, welches ich seit sehr sehr langer Zeit gesehen habe:

BILDUNGSSTREIK

B I L D U N G S S T R E I K | MySpace Video

Übrigens: Da weitermachen wo er aufgehört hat kann er sehr gut, dem Vize-Präsidenten der HU Berlin soll er Prügel angedroht haben, in Hannover tat er das auch schon gerne.

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nrrrdz#4.

Bildungsstreik die xte.

Die AI hat nicht nur eine Veranstaltung mir Freerk Huisken organisiert sondern heute auch noch einen Text mit dem schönen Titel »Die Bildung klauen lassen« veröffentlicht. Lest mal rein, es lohnt sich.

Zum Hören: Kritik – wie geht das?

Kritik scheint ein schwieriges Geschäft zu sein.
Einerseits fehlt es nicht an kritischen Stellungnahmen. Rundfunk und Fernsehen, »Spiegel« und
»Bild«, die freie Wissenschaft und die konkurrierenden Parteien machen es sich und ihrem Publikum
geradezu zur Pflicht, kritisch zu sein. Man stört sich nicht daran, dass eine solche Pflicht
Kritik zu einer Haltung erklärt, die immer und überall angebracht und berechtigt ist – als ob es
nicht ein wenig davon abhinge, was einer vor sich hat, wenn er Einwände vorbringt. Kritik wird
zu einer subjektiven Einstellung, die man sich zulegt oder nicht, zu einer Art Voreingenommenheit
zurückgenommen, die sich gar nicht mehr aus der Kritikwürdigkeit des Gegenstands begründet,
auf den sich der kritische Geist richtet.
Andererseits ist mit der Allgegenwart kritischer Einstellungen die begründete Ablehnung einer
Sache – jenes theoretische Handwerk, das den Namen ›Kritik‹ verdient – so gut wie ausgestorben.
An ihre Stelle tritt der Brauch, Gott und die Welt mit Verbesserungsvorschlägen zu überschütten.
Rechte, linke und ganz normale Bürger üben sich in der Disziplin der konstruktiven
Kritik
, ganz als ob es logisch und zwingend wäre, dass aus Einwänden niemals die Ablehnung
des Kritisierten, sondern stets dessen Vervollkommnung zu folgen hat. An allem, woran kritisch
denkende Zeitgenossen Anstoß nehmen, wollen sie hilfreich mitwirken – wirklich an allem!
Die Medien kritisieren das Ungeschick unserer Kriegsminister beim Führen asymmetrischer
Kriege, oder die Unfähigkeit der Sozialpolitiker, die Lage der Armen zu verbessern, auch wenn
die das gar nicht versuchen. Professoren, Journalisten, Gewerkschafter, Oppositionelle beteiligen
sich in kritischer Solidarität an den »Problemen« des Staatshaushalts und der Krisenbewältigung
- um ausgerechnet beim Wetter, wo es nichts zu kritisieren gibt, hemmungslos kritisch zu werden.
Im demokratischen Zeitalter kritisieren die Menschen immerzu. Aber sie wissen nicht, wie es
geht. Wir wollen darlegen, was sie verkehrt machen, so dass ihre Kritik regelmäßig entgleist und
immer wieder bei der Bekräftigung des Kritisierten landet.

Vortrag mit Peter Decker vom 26. November 2009.
Ganz oder in Teilen runterladbar bei argudiss

Man braucht keine Argumente wenn man eine freiheitlich-demokratische Grundordnung hat.

Vorbildlich vorgeführt von Report Mainz, die sich, man nennt das in solchen Medien dann wahrscheinlich kritisch, mit »extremistischen« Teilnehmer_innen der Islamkonferenz auseinandersetzen. Argument gegen diese: Sind sind extremistisch. Weil? »Das Grundgesetz nicht Maß aller Dinge ist.«
Und wer sich den Werten dieser Gesellschaft nicht konsequent verschreiben will, die hat natürlich verloren. Nicht weil man was vom Inhalt kritisieren könnte, außer eben sie sind nicht Teil des demokratischen Konsens. Schäuble will mit denen immerhin reden, an anderer Stelle propagierte er ja eher das Zuhören, aber nunja.

Nun gut, wenigstens kann ich beruhigt sein, dass Christina Köhler nicht das Verlangen hat mit mir zu reden.