Zum Hören: Kritik – wie geht das?

Kritik scheint ein schwieriges Geschäft zu sein.
Einerseits fehlt es nicht an kritischen Stellungnahmen. Rundfunk und Fernsehen, »Spiegel« und
»Bild«, die freie Wissenschaft und die konkurrierenden Parteien machen es sich und ihrem Publikum
geradezu zur Pflicht, kritisch zu sein. Man stört sich nicht daran, dass eine solche Pflicht
Kritik zu einer Haltung erklärt, die immer und überall angebracht und berechtigt ist – als ob es
nicht ein wenig davon abhinge, was einer vor sich hat, wenn er Einwände vorbringt. Kritik wird
zu einer subjektiven Einstellung, die man sich zulegt oder nicht, zu einer Art Voreingenommenheit
zurückgenommen, die sich gar nicht mehr aus der Kritikwürdigkeit des Gegenstands begründet,
auf den sich der kritische Geist richtet.
Andererseits ist mit der Allgegenwart kritischer Einstellungen die begründete Ablehnung einer
Sache – jenes theoretische Handwerk, das den Namen ›Kritik‹ verdient – so gut wie ausgestorben.
An ihre Stelle tritt der Brauch, Gott und die Welt mit Verbesserungsvorschlägen zu überschütten.
Rechte, linke und ganz normale Bürger üben sich in der Disziplin der konstruktiven
Kritik
, ganz als ob es logisch und zwingend wäre, dass aus Einwänden niemals die Ablehnung
des Kritisierten, sondern stets dessen Vervollkommnung zu folgen hat. An allem, woran kritisch
denkende Zeitgenossen Anstoß nehmen, wollen sie hilfreich mitwirken – wirklich an allem!
Die Medien kritisieren das Ungeschick unserer Kriegsminister beim Führen asymmetrischer
Kriege, oder die Unfähigkeit der Sozialpolitiker, die Lage der Armen zu verbessern, auch wenn
die das gar nicht versuchen. Professoren, Journalisten, Gewerkschafter, Oppositionelle beteiligen
sich in kritischer Solidarität an den »Problemen« des Staatshaushalts und der Krisenbewältigung
- um ausgerechnet beim Wetter, wo es nichts zu kritisieren gibt, hemmungslos kritisch zu werden.
Im demokratischen Zeitalter kritisieren die Menschen immerzu. Aber sie wissen nicht, wie es
geht. Wir wollen darlegen, was sie verkehrt machen, so dass ihre Kritik regelmäßig entgleist und
immer wieder bei der Bekräftigung des Kritisierten landet.

Vortrag mit Peter Decker vom 26. November 2009.
Ganz oder in Teilen runterladbar bei argudiss

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3 Anmerkungen zu »Zum Hören: Kritik – wie geht das?«


  1. 1 Kowalski 07. Dezember 2009 um 1:05 Uhr

    Die technische Qualität des Mitschnitts lässt streckenweise leider doch zu wünschen übrig. :-(

    Btw: Zum Bildungsstreik 2009

    - Durch den Bologna-Prozess will der Staat den Dienst der Hochschulen an der Standortkonkurrenz steigern.
    - Der Bildungsstreik bestätigt den Politiker_innen, dass ihre Reform Effizienzmängel aufweist.
    - Studierende als Testpersonal der Politik: Soll es das gewesen sein, was der studentische Widerstand erreichen will?

    Die Antinationale Initiative und der AStA der Uni Hannover laden zur Diskussion mit Freerk Huisken.
    Die Veranstaltung findet am 15.12.2009 um 19.30 Uhr in der Uni Hannover statt. Einen Raum geben wir nächste Woche bekannt.

  2. 2 Neoprene 09. Dezember 2009 um 16:11 Uhr

    Es ist nun eine technisch überarbeitete Fassung (06.12.09) verfügbar!
    Technisch überarbeitete Fassung (06.12.09)
    (Hinweis: Wer Probleme mit der richtigen Reihenfolge der Stücke im mp3-Player hat, der soll den ersten Teil umbenennen von kritik_nbg_n_1109.mp3 in kritik_nbg_n_1109_00.mp3)

    http://doku.argudiss.de/#301

    (Hinweis: Wer Probleme mit der richtigen Reihenfolge der Stücke im mp3-Player hat, der soll den ersten Teil umbenennen von kritik_nbg_n_1109.mp3 in kritik_nbg_n_1109_00.mp3)

    http://doku.argudiss.de/#301

  3. 3 lyziswelt 14. Dezember 2009 um 7:42 Uhr

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