Man kann das Ressentiment in den Augen der Menschen sehen:
Archiv für November 2009
Wo gerade so fleißig die Bildung bestreikt verbessert werden will passt es ganz gut wenn ich kritische Stimmen zu Wort melden und fragen was die Bildung eigentlich so mit den Menschen macht und wozu sie erzogen werden. Dies hat der AK »Hitzefrei bei jedem Wetter« der redical [M] getan und das Flugbuch »Deutschlands wichtigste Ressource- Wie Kinder in einem menschenverachtenden System erzogen werden.« veröffentlicht.
Wo wir gerade beim Thema Musik sind: Vampire Weekend haben sich auch mal wieder an ein Video gemacht. Was soll man sagen? Es ist super, was nicht so das Wunder ist, haben Vampire Weekend doch schon immer großartige Videos produziert. Angucken, Cousins:
Wow. Wunderschönes Video, da braucht auch kein Kanye auf den Blog stürmen, definitiv einer der Höhepunkte 2009 was Musikvideos angeht. Und die Musik ist auch super. 10.000 Herzen:
via und vielen Dank an boooooom.com
Der Ring christlich demokratischer Studenten (RCDS) hat ein Problem. Dieses Problem nennt sich Bildungsstreik und grassiert gerade in deutschen und österreichischen Hochschulen.
Aber kein Ding, da verfasst man mal eben eine Pressemitteilung oder auch zwei und macht deutslich, dass man das alles ganz doof findet. Theoretisch. Der RCDS schreibt eine Pressemitteilung und man weiß hinterher eben nicht mehr was sie jetzt alles ganz doof finden.
Keine konkreten Verbesserungsvorschläge haben die Streikenden wenn man Gottfried Ludewig, seines Zeichens Bundesvorsitzender des Karnevalvereins, glauben schenken mag. Nachdem er selber Änderungsvorschläge aufgezählt hat. Dabei fordern sich die Streikenden doch noch zu Tode, als Beispiel taugt diese Aufzählung, die heute in Hannover beschloßen wurde.
Aber wenn man RCDS-Vorsitzender ist kann man klar noch mehr Weisheiten in die Welt posaunen. Und so hieß es am 13. November:
Abgesehen davon scheinen die Protestierer sich ohnehin nicht mit den aktuellen Inhalten beschäftigt zu haben. Denn viele der nun in den Streiks und Demonstrationen erhobenen Forderungen werden durch die Koalitionsvereinbarung zwischen CDU/CSU und FDP obsolet
Schade nur, dass diese Forderungen »schlicht von vorgestern sind.« Oder nur die, die CDU/CSU und FDP nicht umgesetzt haben? Man könnte sagen »das ist für angehende Akademiker doch ein bisschen wenig«. Aber ich hege ja keinen Studierendenidealismus und halte es eher mit: Das war von einem Christdemokraten durchaus zu erwarten.
1. Ein Kongress zur Revolucion in Frankfurt am Main
2. Eine Veranstaltung zum Grundgesetz
Zum 60. Geburtstags des Grundgesetzes sind objektive Bilanzen von Kosten und Nutzen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung Mangelware. Die Veranstaltung will diese Lücke schließen, indem sie die Leistungen eines politischen Gemeinwesens prüft, das Freiheit, Gleichheit, Eigentum, Demokratie, Menschenwürde und Sozialstaat auf seine Fahnen geschrieben hat. Die Antworten auf die Frage nach dem Gebrauchswert der staatlichen Ordnung fallen freilich ein wenig anders aus als in den üblichen Festtagsreden.
Die Antworten liefert Dr. Albert Krölls, der für dieses mit Ressentiments nur so überschüttetem politischen Vierteljahrmagazin schreibt. Das findet schon heute statt, und zwar um 19.30 Uhr im Raum F128 des Hauptgebäudes der Leibniz Uni Hannover.
Wer vorher nichts zu tun hat, die kann schon um 15.00 Uhr in den Audimax kommen (das ist dieser häßliche Kasten, der am Schloß dranhängt), da wird nämlich dann über den Bildungsstreik pleniert und zum Schluß sauber und demokratisch abgestimmt ob man den Audimax nicht besetzen sollte.
Da scheinen Argumente fast nebensächlich, wer aber trotzdem was sagen möchte, was sich nicht auf die Empörung darüber beschränkt, dass die da oben uns unsere Bildung klauen, die findet z.B. mit diesem Flugblatt einen Anfang.
Ihr wollt euch auf dorfis Kommunismus vorbereiten? Einige sachdienliche Hinweise:
Also in meinem Kommunismus wird es auf jeden Fall keine, Buffallos, Docs mit Glöckchen, Bundeswehrparkas, Kinnpiercings, Stringtangas, Leggins mit Schneeleopardenfellaufdruck, Baumfellerhemden, Schlüsselbünder mit Flaschenöffner die man sich durch einen Karabinerhaken an eine der vorderen Gürtelschlaufen seiner Hose befestigt, T-Shirts mit „audiolith“ Shriftzug, Lederbändchen mit Muschel das als Kette um den Hals getragen wird… Tennissocken.
Festgehalten hat er das bei lampe. Zum (Nicht-)Umgang mit Menschen, die sich nicht dran halten äußert er sich bei sich.
Solche Fragen kann nur der stellen, der noch immer nicht begriffen hat, wie unglaublich verliebt ein Realpolitiker in die Realität ist. Allein die Tatsache, dass ejne Sache wirklich exitiert, versetzt ihn in einen solchen Enthusiasmus, dass er sich gar nicht mehr fragen kann ob das Existierenden für oder gegen ihn ist. Da ferner die Realitäten, die am nächsten sind, sich am stärksten fühlbar machen, rechnet ein realistisch denkender Mensch nur mit dem, was direkt vor seiner Nasenspitze liegt.
Chamberlain, der im Gefolge seiner realistischsten Politik, die die neuere Geschichte kennt, die ferne Tschechoslowakei opferte, die Franzosen, die sich realistisch darüber mokierten, »für Danzig oder Prag zu sterben«, haben bewiesen, dass die Realpolitik unmittelbar in Abenteuer- und Spielerpolitik übergeht, wenn man sie nur konsequent genug betreibt. Was heute in London als höchste politische Weisheit gilt, kann morgen in Jerusalem sich als höchst gefährliches Spiel herausstellen, als Spiel mit jener Vorsehung, an die Realpolitiker noch nicht einmal zu glauben pflegen. Fast 600.000 Menschen, die man urbi et orbi als den Kern der jüdischen Nation vorstellt, unbewaffnet zu lassen, ohne die Möglichkeit ihren Boden zu verteidigen, ihnen noch nicht einmal die Chance des Kampfes zu geben – das mag in London in der Nähe des Colonial Office sehr realistisch aussehen; überall sonst und zuerst in Palästina sieht es nach Selbstmord, nach Vernichtung der eigenen Realität aus.
Aber der Realpolitiker hat nicht nur oft die Realitäten gegen sich. Er muss mit einer unmittelbar noch unangenehmeren Sache rechnen: Die gewöhnlichen Menschen verstehen ihn nicht. Sie verstehen z.B. nicht seine Abneigung, »große Worte« zu gebrauchen, vor allem dann nicht wenn die das Gefühl haben in gefährlichen Zeiten zu leben. Jene Menschen, welche wir Juden »Volksmenschen« nennen, sind solche Narren, dass sie es sich nicht abgewöhnen können, hinter bestimmten Worten Ideen zu vermuten. Ideen wiederum haben die dem Realpolitiker höchst verdächtige Eigenschaft, dass sie den Menschen dazu bringen können, die Realität zu verändern. Und woran sollte sich ein Realpolitiker eigentlich noch halten können, wenn das möglich wäre, wenn der »feste Boden der Tatsachen« ihm unter den Füßen zu beben begänne?
Hannah Ahrendt, Die »sogenannte Jüdische Armee«, in Hannah Ahrendt- Vor Antisemitismus ist man nur noch auf dem Monde sicher, Piper 2004
Ich finde, dass Arendt hier eine weitgehend richtige Kritik einerseits der Realität und der Auswirkungen auf Menschen generell und andererseits des Treibens der Realpolitiker_innen gelingt. Allerdings, so scheint es mir, scheint sie vor allem zu stören, dass die Realpolitik des britischen Colonial Office den jüdischen Interessen in Palästina nicht gerecht wird, was ein falscher Schluss wäre, denn die Kritik der Realpolitik hätte sich erledigt sobald sich die Realität des Colonial Office an die der jüdischen Siedler_innen in Palästina angepasst hätte.