Demokratische Meinungsbildung, du alte Scheiße!

Es ist Wahlkampf, das sollten mittlerweile eigentlich alle mitbekommen haben, und weil die armen kleinen Deutschen schon vier Jahre nicht gefragt wurden, wer auf Bundesebene im Parlament sitzen darf wird es auch allerhöchste Zeit dafür.
Analyst_innen des Wahlkampfs sind sich einhehlig einig, dass das dieses Jahr aber irgendwie nicht so klappt. Schuld haben die Parteien, die sich irgendwie auf nichts festlegen wollen außer gewählt zu werden, und natürlich, dass es mit Deutschland vorangeht. In den Punkten sind sich die Konkurrent_innen aber sowas von einig, dass eigentlich schon alles gesagt scheint. Die CDU sagt das mit Wir über Deutschlandfahne, die SPD hat einen anpackenden Steinmeier gefunden, der dem hart arbeitenden Mann in der Fabrik nur an den Arm packen muss um seine Arbeit zu respektieren.
Über Inhalte muss man so ganz bewusst nicht streiten, sind ja keine da. Fast schon erfrischend wirkt da Hape Kerkeling, der seine Kunstfigur Horst Schlämmer all die demokratischen Leerplätze überzeichnen lässt, und sie so ohne irgendwas auf die Bürger_innen loslässt, dabei denen zu verklickern, dass er jetzt Bundeskanzler werden möchte. Und er hätte keine schlechten Chancen, 18 Prozent des Staatsvolkes würden ihm seine Stimme geben, das reicht um eigentlich alle Parteien zu überflügeln, bis auf die CDU vielleicht. Schlämmers Film ist aber gleichzeitig noch was anderes, dank Gästen, die ihre bodenlose Selbstverachtung wohl schon immer mal im Kino sehen wollten, wird er auch er zum Zeugnis dafür was es mit Wahlen in der Demokratie auf sich hat. Es geht nicht darum irgendwas zu diskutieren, sondern nur um die bessere Verwaltung des demokratischen Staates. Es geht um Label, sozial, liberal, korrupt, national usw. und die am dämlichsten grinsende Fratze auf den Wahlplakaten in der Republik (zugegeben manchmal auch um Brüste oder Ärsche). Wer es schafft sein Label möglichst hegemonial zu besetzen und den kleinen Schäfchen, die wählen gehen mit »Authenzität«, »Ehrlickeit« und auch immer einem guten Stück »Volksnähe«, so die beste demokratische Show bietet der gewinnt.
Für große Parteien und kleine (SPD, FDP etc.), die ins Parlament einziehen möchten stellt sich das halbwegs einfach dar. Die haben ihre_n Merkel, Steinmeier, Westerwelle und die sind woweit auch bekannt, lustig wird das Ganze aber erst so richtig bei den kleinsten Parteien (Piraten, MLPD, NPD usw.), die sind nämlich auf dem Marsch durch die Institutionen, vielleicht ins demokratische Mittelfeld. Und eine Entwicklung, die sich beim Politik machen immer entdecken lässt werden auch diese Parteien hinter sich bringen (demokratischen Erfolg vorausgesetzt, für wen sich niemand interessiert der wird seine Staatsidealismen behalten dürfen): Mit hehren Zielen antreten um wenige Jahre nach Einzug in die Parlamente Bomben auf Jugoslawien zu werfen. Na gut, Die.Linke oder die Piraten werden keine Bomben auf Jugoslawien werfen, schließlich ist da gerade kein Quasi-Hitler zu haben, aber die Richtig ist klar, angetreten als Partei der kleinen Leute, werden sie ggf. dem demokratischen Zirkus fügen müssen, dieser Zirkus mit Koalitionen, Regierungserklärungen, Finanzplänen und all den anderen Hindernissen auf dem Weg zum Erfolg, nur wenn man dann erfolgreich ist sind die ersten Fundamentalist_innen schon wieder bitter enttäuscht. Sind doch all die hehren Ziele enttäuscht wurden, stehen doch immer noch Atomkraftwerke in Deutschland, und auch Linke Ministerpräsidenten werden am Problem der Ausbeutung nichts ändern und Deutschlands Freiheit wird wohl noch ein wenig weiter am Hindukusch verteidigt.
Um sich als Akteur_in dieser Meinungsbildungs zu überweisen braucht man schon »die Würde und Selbstachtung eines… Politikers« (Wendy), um sich bei diesem Verfahren als Wähler_in anzuschließen die Standhaftigkeit und den Durchblick eines aufrechten Citoyens. Zum Glück ist bald wieder Ruhe und die Poltiker_innen machen weiter im Namen des Volkes, das Volk wird sich das alles gefallen lassen, schließlich hat man sie ja legitimiert und wenn dann doch mal jemand über die Stränge schlägt (zum Beispiel mit einem Dienstwagen in den Urlaub fährt) kann man sich sicher sein, dass Posten rollen werden und der ganze Skandal mit mindestens 3 Titelseiten beim Sprachrohr des Volkes, der BILD-Zeitung dem BILD-Magazin für Trivia und andere Langweiligkeiten aufgeklärt wird. Sie läuft die Demokratie, unerbittlich. Und alle machen sie mit.

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4 Anmerkungen zu »Demokratische Meinungsbildung, du alte Scheiße!«


  1. 1 ♥Tekknoatze 08. September 2009 um 16:44 Uhr

    Ergänzung:
    Ein Fehler auf den ich gerade aufmerksam gemacht wurde ist, dass es natürlich verschiedene Ausführungen in den Inhalten und verschiedene Gewichtungen nach welcher Maxime der Staat in den Markt einzugreifen oder es zu lassen hat.
    Auch z.B. in Fragen wie Gleichberechtigung, Lohnforderungen unterscheiden sich die Wettbewerber um den Posten von el cheffe durchaus, worauf ich hinauswollte ist aber, dass diese einen bestimmten Grundsatz alle verinnerlicht haben: Die Konkurrenz innerhalb dieses Staates, und so nähern sich die unterschiedlichen Positionen auch immer wieder an und bilden Koalitionen. Für den Wahlkampf sind diese Inhalte aber auch eher zweitrangig, es geht vor allem um den Personenkult um die Kandidat_innen und weniger um die Inhalte, die dort vertreten werden, die müssen ja eh auf Parolenlänge zusammengekürzt werden, um für Bürger Otto Normal auch noch konsumierbar und verständlich zu bleiben.

  2. 2 Wendy 08. September 2009 um 17:10 Uhr

    Das trifft es meiner Meing nach ganz gut.

  3. 3 Wendy 09. September 2009 um 11:21 Uhr

    Leider hast du das Zitat aus dem Zusammenhang gerissen. Wir hatten uns ja darüber unterhalten, was es für eine Selbstverachtung braucht, um sich für ein paar Stimmen mehr mit Schlämmer-Horst abzugeben und wie sich Vertreter mehrerer Parteien um ihn geschart haben.

  4. 4 lampe 10. September 2009 um 21:40 Uhr

    du hast recht, der personenklt entscheidet. das problem ist ja nur , dass es keine g.schröder´s mehr gibt. westerwelle die selbstgerechte hackfresse, die betroffenen moralapostel von den grünen, der völlig erschöpfte, überforderte und sich nach rente sehnende steinmeier, der verlogene & rassistische lafontaine… da ist nichts zu machen, die sind alle nicht dass was mich unterhält, abends um viertel nach acht im ersten. ich will entweder schröder oder schmitt zurück, das waren wenigstens noch richtige macker!

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