Fußnotenunsinn.

derivat hat mir bei meta.copyriot Beispiel Eins schon vorweggenommen, weil die Linke aber mehr als ein Buch geschrieben hat finden sich auch mehr Beispiele für Unsinn in Fußnoten. Neben ums Ganze und ihrer Grundsatzbroschüre Teil 1 werden noch Michael Heinrich mit seiner Fußnote zum Geschlecht in Kritik der politischen Ökonomie – Eine Einführung sowie Peter Decker und Konrad Hecker mit ihrer Fußnote in Das Proletariat behandelt.


1. ums Ganze; Staat, Weltmarkt und die Herrschaft der falschen Freiheit

Dieser Text verwendet bei Gattungsbegriffen das grammatische Maskulin. Wir sind uns der Diskussion um die sprachliche Repräsentation anderer geschlechtlicher Identitäten bewusst, vertreten dazu aber keine einheitliche Position.

Es reicht ja auch sich irgendeines Problems bewusst zu sein, das gibt man dann noch an ist stolz drauf und die Sache hat sich gegessen, oder wie derivat sagte: … und finden das auch nicht so wichtig und benutzen deswegen halt weiter die hegemonialen heteronormativen Kategorien.


2. Peter Decker und Konrad Hecker; Das Proletariat

Um das vorab klarzustellen: Wir glauben nicht, dass den Frauen im Kapitalismus ausgerechnet das »/sie« hinter jedem männlichen Personalpronomen und das »/in« hinter jeder Endung auf »-er« zu ihrem Glück fehlt, und sparen uns deswegen diese sprachliche Albernheit.

Während ums Ganze sich »immerhin« eines Problems bei der sprachlichen Repräsentation bewusst zu sein scheint dringt der Hauptwiderspruch, der so nicht mehr genannt wird, bei diesem Werk wieder ganz in den Vordergrund. »Albern« sei es sich um die Probleme durch eine männlich hegemonierte Sprache zu sorgen. Und warum? Weil frau damit nicht das Glück im Kapitalismus erreiche. Ja, prima. Da haben sie sogar recht. Vor allem weil das mit dem Glück in einem System, dass auf der Ausbeutung der Arbeitskraft beruht sowieso immer so eine Sache ist, der zwar überzeugte bürgerliche Individuen nachgeiern, die aber spätestens bei der nächsten Entlassung sich wieder als Wunschtraum rausstellt. Deswegen fehlt das »den Frauen« auch keineswegs zu ihrem Glück im Kapitalismus, nur geht das auch am Gegenstand vorbei.


3. Michael Heinrich – Kritik der politischen Ökonome – Eine Einführung

Eine Anmerkung zu geschlechtsspezifischen Schreibweisen: Es ist mir bewusst, dass die deutsche
Sprache Frauen ignoriert, indem die männlichen Formen zugleich geschlechtsübergreifend benutzt
werden. Als Reaktion wurde das große »I« eingeführt. Dessen konsequente Anwendung würde gerade
beim vorliegenden Thema aber zu einer neuen Ignoranz führen: während es bei »ArbeiterInnen« seine
Berechtigung hat, verdeckt es bei »KapitalistInnen« oder »PolitikerInnen«, dass Frauen nur recht selten
Kapitalistinnen oder Politikerinnen sind. Ich habe deshalb auf das große »I« verzichtet, spreche aber
häufig von »Arbeitern und Arbeiterinnen« etc.

Als einziger ist sich Heinrich des Problems offenkundig bewusst und nimmt dies auch ernst ohne es doof abzutun. Meiner Meinung nach geht aber auch diese Form der Lösung an einer vernünftigen Lösung vorbei. Es ist zwar offenkundig richtig, dass Frauen gegenüber Männern im Bereich der Herrschaftspositionen in Wirtschaft und Politik unterrepräsentiert sind, aber gerade denen, die trotzdem in diesen Positionen arbeiten wird das Weglassen nicht gerecht. Denn durch die alleinige Rede von Kapitalisten wird dann doch mehr verschleiert als erklärt. Desweiteren bleibt Heinrich auch beim Binnen-I stehen und somit in der zweigeschlechtlichen Matrix verfangen. Ziel des Unterstriches ist ja aber gerade diese Formen aufzubrechen und Menschen, die sich nicht in der Matrix verorten wollen, die sich nicht als Mann oder Frau sehen einen Raum zu geben.

Aber es geht auch anders. Deswegen hier noch 3 Gegenbeispiele:


Bini Adamczak


Bini geht in ihren Texten quasi auf Gegenposition und verwendet konsequent die weibliche Form. So entstehen zwar allerlei utopische Formen zum Beispiel Ritterinnen etc. das Problem der männlich hegemonierten Sprache wird aber radikal zur Schau gestellt, eben dadurch, dass die die eigentlich immer abräumen konsequent links liegen gelassen werden.

Georg Klauda; Die Vetreibung aus dem Serail


Klauda verwendet in seinem Buch den Unterstrich und schreibt dazu:

Ich benutze den Unterstrich zur Erzeugung eines geschlechtsneutralen Plurals. Im Unterschied zum großen I verweist der Unterstrich darauf, dass die Kategorien »männlich« und »weiblich« eine sprachliche Leerstelle hinterlassen, da sich nicht alle Menschen in diesem binären System eindeutig verorten können. Vgl. s_he »Performing the Gap«


Fast Forward Hannover


Und schlußendlich FFH, die zum Thema in ihren Texten schreiben:

Wir verwenden in unseren Texten, wenn es um Geschlechtlichkeit geht, den Unterstrich, wie z.B. bei »Scheisspolizist_innen«, um die herrschende Zweigeschlechtlichkeit der deutschen Sprache aufzubrechen. So eröffnet der Unterstrich einen Raum für alle, die sich nicht den beiden Polen hegemonialer Geschlechtlichkeit unterordnen wollen. siehe dazu: A.G. Gender-Killer

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37 Anmerkungen zu »Fußnotenunsinn.«


  1. 1 lahmacun 07. August 2009 um 21:24 Uhr

    am schwächsten finde ich den text von „… ums ganze“. decker/hecker sind wenigstens straight und lavieren nicht rum. kann man dann streiten, aber wenigstens ist keine heuchelei a la „ja, irgendwie … diskussion, noch nicht einheitlich BLA“. denn: wenn man das maskulinum verwendet, hat man ne position bzw. es hat sich eben die entsprechende sichtweise derweilen durchgesetzt. sonst würde man das nicht machen, wa. – heuchelei eben.

  2. 2 ergänzer 08. August 2009 um 11:57 Uhr

    @lahmacun:
    was ist an der fußnote von „ums ganze“ geheuchelt? da bestand offenbar ein dissens in dieser frage, der aber nicht zur verzögerung des erscheinens der broschüre führen sollte und das wird den lesern mitgeteilt. wie und zu welcher seite diese nebensächlichkeit aufgelöst wurde interessiert jetzt auch nur brennend die leute, die solche sprachregelungen wichtiger finden als es „ums ganze“ tut.

  3. 3 MPunkt 08. August 2009 um 13:10 Uhr

    Nur weil sich bürgerliche Individuen das blöde Problem machen, dass sie in der Sprache für ihre Geschlechtlichkeit (als Frau, als Queer, bei Maskulinisten sogar als Mann) nicht genügend Anerkennung bekommen, muss man dieses verkehrte Bedürfnis doch nicht erfüllen. Und es geht doch an der Kritik vorbei, dass, wenn diese bemängelt, dass sich so keine einzige objektive Schädigung beseitigen wird, der Konter lauten soll, dass die Fans einer sprachlichen Repräsentation das auch gar nicht vorhaben*. Na genau DAS spricht doch gegen die!

    btw.: das beliebte Argument, sonst dächten Nicht-Männer, dass sie gar nicht mit gemeint sind, ist auch geheuchelt. Wenn die das ernsthaft dächten, dann würden sie nämlich nicht dafür eintreten, dass auch andere geschlechtliche Formen verwendet werden.

    * Ja, zusätzlich dazu können sie das selbstverständlich vorhaben, aber mit der Sprachveränderung, welche hier ja Thema ist, haben sie das halt nicht.

  4. 4 lahmacun 08. August 2009 um 14:05 Uhr

    noch was:

    esweiteren bleibt Heinrich auch beim Binnen-I stehen und somit in der zweigeschlechtlichen Matrix verfangen. Ziel des Unterstriches ist ja aber gerade diese Formen aufzubrechen und Menschen, die sich nicht in der Matrix verorten wollen, die sich nicht als Mann oder Frau sehen einen Raum zu geben.

    Aber es geht auch anders.

    und dann kommt bini mit einem geschlecht. von daher passt dein text da nicht (überleitung).

    +++

    ich bin übrigens der meinung, das ist auch ne strategische sache. studienergebnisse deuten ja darauf hin, dass es bei der rezeption von texten nen unterschied macht, ob man sich angesprochen fühlt oder nicht (dazu gab’s zB an der uni sbg ein experiment, wo man anschließend abgetestet hat, was den leser/innen im kopf hängen blieb vom inhalt: und da zeigen sich unterschiede). daher würde ich mal sagen: will man frauen erreichen, geht man auf nr. sicher. (politiker/innen haben das ja schon vor jahren gecheckt.) was nicht heißt, dass man sie nicht auch sonst erreichen kann. aber vllt erreicht man sie so noch ein bisschen besser. und wenn man sie so etwas besser erreicht, kann man dann auch erklären, dass sich die großen veränderungen sicherlich nicht durch sprachveränderungen herbeiführen lassen. :)

    und ja, da wurden keineswegs nur feministinnen getestet. viele frauen finden „gendergerechte“ schreibweise blöd – aber das ergebnis bei der rezeption war wohl dasselbe.

    was auch so verwunderlich nicht ist, weil man in dieser gesellschaft ja ständig als mann oder frau angesprochen wird – dass sich das auch so niederschlägt, überrascht wohl nicht. der krampf dringt halt bis ins innerste vor. da muss man auch mal von wegkommen. aber dazu muss man die argumente erst kennen. und dazu muss man ja erstmal erreicht werden.

    ps: ich gestehe aber ein, dass ich auch nicht selten nicht darauf achte. :(

    +++

    um mal ein ähnliches, jedoch extremeres beispiel zu nennen: fängt man einen artikel, der der aufklärung über rassismus dient, mit „neger“ an? – wenn es einem egal ist, wenn „neger“ das flugi gleich mal weglegen, weil sie denken, es wäre wieder mal nationalistischer schrott, vielleicht schon. man verzichtet dann halt drauf, auch „negern“ argumente zukommen zu lassen. das ist strategisch gesehen blödsinnig, man könnte auf die frage der sprache auch später im flugi eingehen, nachdem durch die erläuterungen am anfang klar wurde, dass es sich eben nicht um nationalistischen schrott handelt, aber bitteschön. ist nicht mein problem.

  5. 5 MPunkt 08. August 2009 um 14:45 Uhr

    Das widerspricht sich doch aber, oder? Wenn auch viele Frauen sprachliche Repräsentation albern finden (und sei es nur deshalb, weil ihnen klar ist, dass dieses Eingehen auf ihr Anerkennungsbedürfnis eh nur geheuchelt und an dieser Stelle billig zu haben ist), wieso geht man dann auf Nummer sicher, wenn man auf dieses falsche Bedürfnis Rücksicht nimmt? Selbst wenn mehr hängen bleiben sollte, falls sie den Text lesen, steigert das doch dann allemal die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihn nicht lesen. Was beim als solchen Sortierten Neger dann ja der Grund sein soll, ihn nicht als solchen zu benennen.

  6. 6 lahmacun 08. August 2009 um 16:07 Uhr

    nein, das widerspricht sich nicht*, weil nicht alle stets alles reflektieren. d.h. das ergebnis war, dass viele das albern finden (und selber nicht so schreiben wollen: um das geht es ja, wenn man das ablehnt i.d.r., zumind. meine ich das mit ablehnen), aber auch bei diesen ein einfluss festzustellen ist. ganz offensichtlich wird da ein gefühl angesprochen, dessen man sich so (noch) nicht bewusst ist – und dieses wiederum hat dann einfluss darauf, wie man den inhalt aufnimmt.
    dann ist die frage, wie kommt’s zu diesem gefühl: weil man stets als frau oder mann behandelt wird, mit entsprechenden realen auswirkungen. dessen kann man sich bewusst werden.

    und sei es nur deshalb, weil ihnen klar ist, dass dieses Eingehen auf ihr Anerkennungsbedürfnis eh nur geheuchelt und an dieser Stelle billig zu haben ist

    ich glaube, du hast diese debatte mit nicht-feministinnen oder nicht-kommunist/innen noch nie geführt. da ist das argument doch: ‚all das braucht es nicht, denn alles ist gut so wie es ist, es existiert kein sexismus (mehr).‘ das ist die einstellung, die man bei studentinnen zB oft antrifft – bis sie irgendwann geschlechtsspezifisch aufs maul fallen und verwundert sind. aus solchen erfahrungen heraus entwickelt sich allenfalls ein anerkennungsbedürfnis. da ist also gar nichts „klar“ in sachen „bedürfnis“, wenn das abgelehnt wird; aber viel darüber, dass feministinnen nur keinen abgekriegt haben oder im job versagt, so dass sie das jetzt auf sexismus schieben, den es aber gar nicht gibt, wie man daran sieht, dass es ne bundeskanzlerin gibt. man muss eben nur wollen, und mit geschlecht hat das heute nichts mehr zu tun etc.

    *es wird ja – in bezug auf das rassismus-bsp auch nicht behauptet, es sei das gleiche; mir geht’s hier um strategie.

  7. 7 lahmacun 08. August 2009 um 16:12 Uhr

    steigert das doch dann allemal die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihn nicht lesen

    also: nö, die lesen solche texte schon. sie sagen nur: find ich albern, sehe den sinn nicht. und dann deutet die forschung eben daraufhin, dass es nen einfluss hat, gerade auch, wenn man selber behauptet, es sei doch quatsch, weil eh egal.

    wenn man sowas berücksichtigt (beim flugblatt-erstellen etc), ergibt sich daraus ja noch lange nicht, dass man dann behauptet, mit sprache ließe sich die welt verändern.

  8. 8 lahmacun 08. August 2009 um 16:24 Uhr

    da bestand offenbar ein dissens in dieser frage

    der ja wohl gelöst wurde. kann man dann ja festhalten. schreibt man: ‚es ist unserer meinung nach nebensächlich, daher haben wir uns auf diese variante geeignigt.‘ das ist alles. stattdessen wird so getan, als gäbe es keine einigung. derweilen lässt sich das ergebnis dieser einigung ja auf zig seiten begutachten.

    mir ist ne klare positionierung tausendmal lieber. wenn’s einem dann wichtig ist, kann man streiten – oder auch nicht. mehr steht da nicht in dem kommentar.

  9. 9 ergänzer 08. August 2009 um 16:40 Uhr

    offenbar ist der nicht gelöst, wenn die das extra hinschreiben. dass der text irgendwie erscheinen sollte, ist anscheinend deren vordringliche sorge gewesen. da haben die sich auf eine variante vorläufig(!) geeinigt. ganz ohne arbeiter, proletarier, linken, polizisten und kapitalisten konnten die ihren text ja nicht schreiben. meine güte, häng dich doch nicht an dieser fußnote (zu recht!) auf. ffh scheint ja zB eine ganz andere meinung dazu haben. muss man eben die einzelnen gruppen anschreiben. möglicherweise kommt dabei raus, dass deren einstellungen zum feminismus alle ganz ähnlich sind und die sich nur über die sprachregelung uneins sind. und darüber ein solches projekt platzen zu lassen, wäre wirklich saublöd. es haben sich halt die leute durchgesetzt, mit denen du uneins bist. tja. whatever.

  10. 10 ♥Tekknoatze 08. August 2009 um 16:42 Uhr

    und dann kommt bini mit einem geschlecht. von daher passt dein text da nicht (überleitung).

    Jop, und ich will Binis Variante ja gar nicht anwenden. Nur ist die Schreibweise eine interessante Abwechslung im maskulinen Einheitsbrei. ;)

    muss man dieses verkehrte Bedürfnis doch nicht erfüllen.

    Warum ist dieses Bedfürfnis jetzt verkehrt? Weil bürgerliche Individuen (wer ist das denn eigentlich nicht, oder meinst du dich davon lossagen zu können?) auf den Trichter gekommen sind?

    Und es geht doch an der Kritik vorbei, dass, wenn diese bemängelt, dass sich so keine einzige objektive Schädigung beseitigen wird, der Konter lauten soll, dass die Fans einer sprachlichen Repräsentation das auch gar nicht vorhaben

    Natürlich wird dadurch (_) eine Schädigung beseitigt. Die Schädigung, die nämlich Menschen trifft, die weder als Mann noch als Frau einzuordnen sind oder das auch gar nicht wollen. Ober objektive Schädigungen sind wahrscheinlich nur jene, die durch Staat und Kapital verursacht werden?

  11. 11 lahmacun 08. August 2009 um 17:40 Uhr

    offenbar ist der nicht gelöst, wenn die das extra hinschreiben.

    ich tendiere bei sowas ja eher zur einschätzung, dass man sich damit aus der kritik nehmen will, die ja erwartungsgemäß folgt (sich also vor diskussionen drücken will) – aber vllt verhält es sich auch anders. es ist mir so wichtig auch wieder nicht. das zb:

    muss man eben die einzelnen gruppen anschreiben.

    mach ich sicher nicht.

    Natürlich wird dadurch (_) eine Schädigung beseitigt.

    die frage ist doch: kommt die schädigung vom wort? oder ist das nur der sprachliche widerschein einer schädigung? oder besteht da ein zusammenhang (sprache als teil der reproduktion einer ideologie, die zum aufrechterhalten einer woanders gründenden schädigung beiträgt? etc.). einfach sagen: da ist keine schädigung mehr, ist falsch, denn natürlich wird man noch zwangsoperiert, natürlich lässt der staat immer noch keine geschlechtsneutralen vornamen zu (ausnahme mittlerweile UK) usw.

  12. 12 negative potential 08. August 2009 um 18:18 Uhr

    Mein Vorschlag:

    alle Nomen durch geschlechtsneutrale englische Äquivalenten ersetzen, also z.B. statt „Kapitalisten“ oder „KapitalisInnen“ einfach capitalists, und workers statt „Arbeiter“ oder „ArbeiterInnen“.

    Was Personalpronomen betrifft kann man einfach they und their verwenden, was streng genommen eigentlich grammatikalisch inkorrekt ist, aber trotzdem sehr häufig vorkommt in umgangsprachlichen English.

    Also, man kann Sexismus bekämpfen und gleichzeitig Angelsächsischen Sprachimperialismus Vorschub leisten! <:-p

  13. 13 MPunkt 08. August 2009 um 21:31 Uhr

    1.) Ob ich mich davon lossagen kann, ein bürgerliches Individuum zu sein (ja warum eigentlich nicht, wenn ich den Fehler weiß?), trägt doch überhaupt nix zum Thema bei, sondern macht den Gegenstandswechsel weg von der Kritik und hin zu deren Autor.

    2.) Weil sie den Fehler machen, sich die reale kapitalistische Konkurrenz, der sie ausgesetzt sind (und die sie meistens auch wollen) noch in eine zusätzliche private zu übersetzen, welche einerseits deren Ergebnisse bestätigen und andererseits kompensieren soll. So dass ihnen jedes Ergebnis der kapitalistischen Konkurrenz zum Urteil ausgerechnet über ihre Persönlichkeit und ob dieser die ihr gerechte Anerkennung zuteil wird: der Idealismus des verdienten Erfolges, für den man auch im Privatleben die Bestätigung sucht, ein toller Hecht zu sein und dessen Kehrseite der Medaille als Idealismus des eigentlich verdienten Erfolges, der aber wegen der Ungerechtigkeit der Welt nicht eintritt, weswegen man als Bestätigung dafür gerade in der Privatsphäre die Bestätigung dafür sucht, wie toll man doch sei. Diese blöde Bedürfnis nach Anerkennung wird dann eben auch an solche Sachen wie Sprache herangetragen: bspw. in der Frage, ob man in ihr als Frau, als Queer oder sogar als Mann seine gerechte Anerkennung findet, oder ob ausgerechnet die einem da mal wieder ungerechter Weise versagt wird.

    3.) Welche Schädigung für Queers ist denn mit dem „_innen“ beseitigt? Eben genau die blöde selbst ausgedachte der mangelnden Anerkennung in der mangelnden sprachlichen Repräsentation.

  14. 14 MPunkt 08. August 2009 um 21:38 Uhr

    @ lahma: lasse ich jetzt mal so stehen … so wichtig, als dass ich mich deswegen in Studien einarbeiten würde, ist mir das Thema schlicht nicht. Denn dass die Agitation nicht auf Zustimmung stößt, liegt ohnehin nicht an der Form, sondern am Inhalt. Also solange man das als Formfrage behandelt … was solls, aber das macht TA ja gerade nicht. Sondern der empört sich völlig argumentfrei darüber, dass Leute sich nicht an den linken Moralismus halten, den Leuten ihr falsches Bedürfnis nach Anerkennung durch sprachlich gerechte Repräsentation zu erfüllen, weil man selbst ganz viel von Anerkennung, Repräsentation und Gerechtigkeit hält.

  15. 15 lahmacun 08. August 2009 um 22:45 Uhr

    gerechtigkeit? – ich glaube, so ist das nicht gemeint. was nicht heißt, dass es das nicht auch gibt. ob das hier aber im vordergrund steht?

    mal was ähnliches:

    in den 1970ern gab’s so „emanzipatorische schallplatten“ (‚texte‘) für kinder (gibt’s immer noch, aber nicht mehr so viele). während es bei 08/15-schallplatten für kinder oder kinderbüchern nach wie meist vor so ist, dass die mädels brav sind, recht hilflos, und beschützt werden (statt selber mal aktiv zu werden, sich mal selber zu wehren gegen ne gefahr), kamen da mädchen vor, die waren richtige rabauken, selbstbewusst, manchmal auch rülpsend und furzend (da ging’s drum, dass man mädchen ansonsten körperfeindlichkeit noch ganz anders einpaukt als jungen), die das machten, was sie interessierten. die nicht nur puppen spielten, sondern auch mal auf den baum kletterten, banden bildeten und streiche spielten. die nicht nur brav schauten, was machen die buben, sondern wo auch mal buben schauten, aha. u.s.w.
    wenn man da mit ner kritik an vorgeblichen „gerechtigkeits“-bestrebungen kommt, trifft man mmn zB – nichts.
    da geht’s um was anderes, nämlich um die erkenntnis, dass das, was einem da entgegenkommt als mädchen- und frauenbild sehr viel mit zurichtung zu tun hat; und dann wird ein gegenentwurf präsentiert.

    und ich finde solche platten spitze! :)
    frauen, die meinen, „politik ist was für männer“, gehen nicht auf vorträge, auch nicht auf gute. was ziemlich schade ist. oder sie trauen sich nichts sagen, kochen dafür den politisierenden männern, zu denen sie aufschauen, nen kaffee und servieren kuchen (ums mal zu überspitzen). vielleicht hätten sie aber wichtiges zu sagen, was, worauf ein mann so schnell nicht kommt, weil er eben nicht als frau behandelt wird.

    das scheint mir zumindest der urspung des ganzen zu sein. zumindest in der linken. dass kaffeekochen auf dauer fad ist und man meinungen (zB: nochmal hervorheben, wo einen das als frau besonders trifft) aus so nem kaffeesud auch nicht rauslesen kann. da muss man das maul aufmachen. und auch das will gelernt sein. und da scheinen eben manche der ansicht zu sein, dass vorbilder was nützen. und bei ner schrift heißt das dann: -in.

  16. 16 MPunkt 09. August 2009 um 10:10 Uhr

    Ich sehe da die Analogie zwischen den beiden Beispielen nicht. Bei den Hörspielen geht es doch darum, eine Erziehung nach und mit sexistischen Inhalten, also mit der Zuschreibung, dass Mädchen so und so wären (und Jungs so und so anders) mit role models zu kontern, die zeigen sollen, dass Mädchen auch anders können und dass es also ihre Entscheidung ist, ob sie lieber mit Puppen spielen, oder Banden bilden oder mal das eine und mal das andere machen. Bei der Sprachsache geht es doch hingegen nicht um sexistische Inhalte, sondern um die symbolische Ebene der Repräsentation und der Anerkennung über diese. Weshalb da notwendig der Maßstab der Gerechtigkeit angelegt wird: werde ich denn da als XXX ausreichend, also gerecht, gewürdigt?

  17. 17 bigmouth 09. August 2009 um 11:04 Uhr

    „Denn dass die Agitation nicht auf Zustimmung stößt, liegt ohnehin nicht an der Form, sondern am Inhalt.“

    dass du da ein glaubensbekenntnis hast, wissen wir. es stimmt halt nur nicht

  18. 18 lahmacun 09. August 2009 um 11:42 Uhr

    Bei der Sprachsache geht es doch hingegen nicht um sexistische Inhalte, sondern um die symbolische Ebene der Repräsentation

    wie bei den schallplatten. oder was soll das sonst sein? – es geht beides mal um repräsentationen.

    und genau darum geht es ja auch bei der sprachdebatte (zumind. anfänglich): steht da zB immer neurologe? kommmt das für leserinnen so rüber, als gäbe es nur männer in dem beruf, so dass sie sich das für sich selber nicht so gut vorstellen können? weil es – sprachlich – als als was für männer daherkommt (frech, banden bilden, streiche spielen). wohingegen der beruf friseur/in als was für frauen vorkommt (brav, zuschauen, puppen spielen). so, grob vereinfacht, die argumentation.

    das ist so wie mit den braven mädchen und der frechen göre, die man nur selten antrifft – außer auf coolen schallplatten. und dort soll sie halt aufzeigen, dass mädchen noch ganz viel anderes manchen können.

    zB neurologin werden :)

  19. 19 revolution 09. August 2009 um 15:28 Uhr

    diese fußnote in der umsganze broschüre fand ich auch recht irritierend. denn wenn man da ein problem sieht, ist es irgendwie nicht so ganz schlüssig, warum man sich dann nicht anders verhält. insbesondere würde mich mal interessieren, warum man sich bei fehlendem konsens in dieser frage, dann ausgerechnet auf die männliche normal-schreibweise einigt. man hätte ja auch den unterstrich oder das binnen-I verwenden können und darauf hinweisen, dass das nicht alle gruppen teilen. so sieht das ja fasst wie ne bewußte provokation aus.

  20. 20 ♥Tekknoatze 09. August 2009 um 17:39 Uhr

    Ob ich mich davon lossagen kann, ein bürgerliches Individuum zu sein (ja warum eigentlich nicht, wenn ich den Fehler weiß?), trägt doch überhaupt nix zum Thema bei, sondern macht den Gegenstandswechsel weg von der Kritik und hin zu deren Autor.

    Nur hast du den Übergang ja schon vorher gemacht, denn Gendern der Sprache sei nur das nach Gerechtigkeit lechzende Repräsentationsbedürfnis bürgerlicher Individuen. Was im Umkehrschluß bedeutet: Sobald die bürgerliche Gesellschaft weg ist haben Frauen/Queer/Trans auch kein Interesse mehr dran in der Sprache berücksichtigt zu werden. Schlißlich wurde ihnen der Fehler der bürgerlichen Gesellschaft ja erläutert, sie habens eingesehen und dann hat sich das, oder?

    Weil sie den Fehler machen, sich die reale kapitalistische Konkurrenz, der sie ausgesetzt sind (und die sie meistens auch wollen) noch in eine zusätzliche private zu übersetzen, welche einerseits deren Ergebnisse bestätigen und andererseits kompensieren soll.

    Warum ist das denn ein Fehler politische Mechanismen auch im privatem zu suchen? Gerade sexistische Verhaltensweisen äußern sich doch gerade im Privaten und nicht in der kapitalistischen Ökonomie.

    So dass ihnen jedes Ergebnis der kapitalistischen Konkurrenz zum Urteil ausgerechnet über ihre Persönlichkeit und ob dieser die ihr gerechte Anerkennung zuteil wird: der Idealismus des verdienten Erfolges, für den man auch im Privatleben die Bestätigung sucht, ein toller Hecht zu sein und dessen Kehrseite der Medaille als Idealismus des eigentlich verdienten Erfolges, der aber wegen der Ungerechtigkeit der Welt nicht eintritt, weswegen man als Bestätigung dafür gerade in der Privatsphäre die Bestätigung dafür sucht, wie toll man doch sei.

    Und wenn ich jetzt sprachliche Ungleichheit (und das kann ich sagen ohne mir irgendeinen Idealismus von der bürgerlichen Gleichheit zu machen) kritis, also im hegemonialen Sprachgebrauch werden Frauen durch die Benutzung maskuliner Formen ausgeschloßen, und für Menschen, die sich außerhalb dieser Geschlechterordnung sehen ist gar kein Platz kritisiere, dann mach ich das nur um die Bestätigung zu erheischen wie toll ich doch sei? Das klingt mir ein wenig dünne. Bei so manchem bügerlichem Individuum, welches Fan der Gender-Mainstreaming Sache ist mag das ja hinkommen, nur hast du damit vielleicht einen bürgerlichen Feminismus kritisiert (denen es ja tatsächlich nur um die ungleiche Repräsentation im Oben geht), nur zu einer radikalen Kritik des Geschlechterverhältnis (und ein Ausdruck dessen ist ja gerade der Unterstrich) hast du gar nichts gesagt. Da geht es nämlich gar nicht darum, dass die Frauen gefälligst 50% der Minister_innenposten kriegen und jeder zweite Vorsitz eines Unternehmens von einer Frau geführt wird. Wie Klauda sagt gehtes darum, »dass die Kategorien »männlich« und »weiblich« eine sprachliche Leerstelle hinterlassen, da sich nicht alle Menschen in diesem binären System eindeutig verorten können.«

    Welche Schädigung für Queers ist denn mit dem „_innen“ beseitigt? Eben genau die blöde selbst ausgedachte der mangelnden Anerkennung in der mangelnden sprachlichen Repräsentation.

    Ausgedacht, aber immer noch, wohl vor allem, weil du als männlich sozialisiertes Wesen das nicht objektiv wahrnehmen kannst. Ich glaube kaum, dass der Ausschluß in der Sprache für die Betroffenen keine Schädigung ist.

  21. 21 ♥Tekknoatze 09. August 2009 um 17:43 Uhr

    lahma:

    die frage ist doch: kommt die schädigung vom wort? oder ist das nur der sprachliche widerschein einer schädigung? oder besteht da ein zusammenhang (sprache als teil der reproduktion einer ideologie, die zum aufrechterhalten einer woanders gründenden schädigung beiträgt? etc.). einfach sagen: da ist keine schädigung mehr, ist falsch, denn natürlich wird man noch zwangsoperiert, natürlich lässt der staat immer noch keine geschlechtsneutralen vornamen zu (ausnahme mittlerweile UK) usw.

    Ja, richtig. Klar wird durch das Verändern der Sprache alleine der Sexismus nicht abgeschafft und somit die Schädigungen auch nicht. Aber Sexismus drückt sich ja nicht nur in einer Schädigung aus, und somit ist eine gegenderte Sprache finde ich durchaus eine abgeschaffte Schädigung.

  22. 22 skp 10. August 2009 um 1:29 Uhr

    und somit ist eine gegenderte Sprache finde ich durchaus eine abgeschaffte Schädigung.

    das ist doch aber der fehler. weil du MEINST da wäre eine schädigung abgeschafft hakst du da was ab, wo es nichts abzuhaken gilt. sprache ist die manifestation der gegebenen verhältnisse – wird jetzt durch moralische vorschriften eine andere syntax als die sich gehörige erklärt – so ändert sich genau: gar nichts! eine kosmetische änderung der äußerungen der gesellschaftlichen zuständen ändert diese nicht – im gegenteil, sie verfestigt sie, weil sie diese nicht mehr offen zu tage treten läßt.

    da wird dann nur unreflektiert ein anderes grammatikprogramm abgespult. und die sprachkritiker freuen sich dann noch etwas erreicht zu haben – haben sie aber nicht. die einzigen, die wissen, wofür das da sein soll, die wissen das auch so, weil sie sich für die GRÜNDE der sprachmanifestation interessiert haben. für alle anderen ist das nur eine lästige programmatische schreibweise, die man halt dann macht, weil sie sich moralisch gehört.

  23. 23 Prüfi 10. August 2009 um 2:31 Uhr

    Was ist denn an „Hauptwiderspruch“ / „Nebenwiderspruch“ eigentlich so schlecht? Diese Gesellschaft sortiert eben nicht dem Grunde nach Geschlecht, sondern nach Eigentum bzw. seiner abstrakten Form: Geld. Sonst wäre Frau Scheffler u.a. Unternehmerinnen nicht da, wo sie sind. Die Geschlechterideologie gibt’s tatsächlich gratis oben drauf, sie ist aber nicht Zweck staatlicher Verordnung.

    Wer das festhält, streicht übrigens nicht durch, dass es Härten für Frauen usw. gibt.

  24. 24 crtl 10. August 2009 um 13:41 Uhr

    meiner meinung nach bringt einen eine allzu dogmatische postition hier nicht so richtig weiter. das es im deutschen einen hegemonialen Sprachgebrauch gibt, in dem außer dem maskulin wenig platz für anderes ist, und dass dieses menschen und ihre belange weniger wahrnehmbar macht als andere wird ja wohl niemand ernsthaft infragestellen (auch wenn man daran festhalten möchte, dass die ursachen woanders liegen).
    dass man dem in seiner schriftsprache ausdruck verleihen möche, diesen menschen einen platz in der eigenen sprache zukommen lassen möchte kann man nachvollziehen, auch wenn der sprachgebrauch einer marginalisierten linken wenig an der gesamtgesellschaftlichen realität ändert. diesen anspruch zu haben ginge aber wohl auch „an der sache vorbei“; denn was ein bewusster sprachgebrauch (mit I, _ oder im generischen feminin) macht ist etwas anderes: er schafft aufmerksamkeit, ist quasi ein textlicher stolperstein. gerade in verbindung mit einer erklärenden fussnote (und darum gehts hier ja) macht die verwendung der entsprechenden formen der leserin während des gesamten textes klar, dass es eine – über die sprache hinausgehende, wenn die fussnote gut ist – problematik gibt, die nicht einfach im alltagsallerei unter den tisch fallen muss. zu behaupten, dass wäre sowieso allen klar, ist an sich schon problematisch (bei den meisten leuten, inklusive meiner person, hilft es, sich und sein rede- und schreibverhalten einfach mal selbst anzuschauen, um zu merken, dass die sache mit der hegemonialen position männlicher sprecher kein unfug ist) und vielleicht möchten linke autorinnen ihre texte auch durchaus mal von szenefernen menschen gelesen sehen. aber vielleicht stören die _-striche ja auch grade deswegen so manche leute; weil sie eben stören sollen und gerade debatten um die repräsentation auslösen sollen. …ums ganze ist daran anscheinend nicht so gelegen, aber ich frag mich sowieso, welchen zweck dieses büchlein überhaupt hat, außer ein selbstwahrgenommenes image zu polieren…
    andererseits kann man – wenn man mal was anderes schreibt als flugblätter über arbeiter_innen oder polizist_innen – bei der verwendung von formen wie dem _-strich durchaus repräsentationsprobleme bekommen (oder eben was verschleiern, wenn’s so besser gefällt): schreibt man über männliche oder weibliche individuen oder jeweils homogene gruppen von diesen mit dem unterstrich, so unterstellt man diesen mitunter einer offentheit oder reflektion, die sie vielleicht gar nicht haben: wieviele angehörige der bundeswehr können fühlen sich in kategorien wie männlich oder weiblich wohl nicht aufgehoben? wieviele bei der polizei? auf wieviele kriminelle masterminds in james bond filmen trifft das wohl zu? und auf welche mitglieder von studentischen verbindungen?
    früher oder später stößt man auf das problem der begrenztheit der sprache, erlebtes und erfahrenes adäquat auszudrücken. das problem, dass die worte die wir benutzen, etwas anderes sind, als die dinge die wir beschreiben, bekommt man halt nicht weg. und auch nicht mit einer kompromisslos durchgezogenen sprachregelung wird man dem nicht herrin; im zweifelsfall helfen da nur fussnoten, und die gelegentliche ausnahme von der regel zu gunsten der verständlichkeit.
    persönlich find ich die sache mit dem generischen feminin ja am sympatischsten, weil es weniger nach einer mechanischen lösung aussieht als der _-strich und einfach schöne worte dabei herum kommen.
    wenn es der sprechenden oder scheibenden person aber auf die verteidigung einer wahrheit ankommt, die sie mit den begrenzten mitteln der sprache ausdrücken zu versucht, ohne sich dessen bewusst zu sein, kann man für sowas warscheinlich kein verständnis erwarten.

  25. 25 ♥Tekknoatze 10. August 2009 um 21:13 Uhr

    das ist doch aber der fehler. weil du MEINST da wäre eine schädigung abgeschafft hakst du da was ab, wo es nichts abzuhaken gilt. sprache ist die manifestation der gegebenen verhältnisse – wird jetzt durch moralische vorschriften eine andere syntax als die sich gehörige erklärt – so ändert sich genau: gar nichts!

    Wo habe ich denn bitte behauptet, dass ich mit der Veränderung der Sprache Auseinandersetzungen und Schädigungen um/durch Geschlecht abgehakt habe? Wenn das so rübergekommen ist, ist es gründlich falsch rübergekommen. Nur andersrum, was bringt es Geschlechter(rollen) noch so schön zu kritisieren wenn sich diese in der Sprache immer wieder neu reproduzieren? Ich finde da gehört schon eine Bewusstseinmachung für die Sprache dazu.
    Prüfi: Falsch ist das Gerede von Haupt- und Nebenwiderspruch, weil dieses den Eindruck erweckt, dass durch die Abschaffung des Kap. (im Allgemeinen ja der Hauptwiderspruch) all die Übel dieser Welt gelöst werden. Das ist aber einfach nicht richtig. Nur weil Frauen/Trans/Queer nicht mehr durch Lohnarbeit geschädigt werden haben sich andere Schädigungen noch lange nicht erübrigt, da ist kein Automatismus am Werk. Deswegen kann es ja nicht darum gehen innerhalb der kap. Oec. eine Gleichstellung von Frauen zu erreichen, das wäre tatsächlich dann die Auflösung der Geschlechterfrage als Nebenwiderspruch. Nur ist nichts dadurch gewonnen die Frau als gleichberechtigtes bürgerliches Individuum zu erreichen, denn weder die Einordnung der Menschen in ein bipolares Geschlechterbild noch die zusätzlichen Schädigungen durch den Kap. sind dadurch beseitigt.

  26. 26 skp 10. August 2009 um 22:04 Uhr

    Marx über Proudhon, zu einer anderen Sache, aber mit einer auch hier meiner Meinung nach richtigen Feststellung:

    „Sie[Annenkow – Anmerkung von mir] verstehen jetzt, warum Herr Proudhon der erklärte Feind jeder politischen Bewegung ist. Die Lösung der gegenwärtigen Probleme liegt für ihn nicht in der öffentlichen Aktion, sondern in den dialektischen Kreisbewegungen innerhalb seines Kopfes. Da für ihn die Kategorien die treibenden Kräfte sind, braucht man nicht das praktische Leben zu ändern, um die Kategorien zu ändern. Ganz im Gegenteil: Man muß die Kategorien ändern, und das wird die Änderung der wirklichen Gesellschaft zugrunde haben.
    Von dem Wunsch beseelt, die Widersprüche zu versöhnen, stellt sich Herr Proudhon nicht mal die Frage, ob nicht eigentlich die Grundlage dieser Widersprüche umgewälzt werden muß.“ [Karl Marx, Das Elend Der Philosophie, S.16-17, Berlin, 1952]

    Gegenderte Sprache erreicht als Code sowieso nur die, die ihn auch schon vorher encodieren konnten – also sich über die eigentlichen Gründe bewußt sind. Um zu signalisieren, daß der Autor auch dazu gehört verwendet er den Code – je nach eigener cooler Reflektiertheit. Ganz cool halt mit Unterstrich. Das sagt aber über die Inhalte überhaupt nichts aus und hilft auch nicht bei deren Prüfung.

    Im Gegenteil – wer soviel Wert auch die Sprache legt, daß er nicht erst die Gründe der Manifestation abschaffen will, sondern erstmal lesen will, daß die Sprache – entgegen der Erkenntnis, daß diese nur aufgrund der gesellschaftlichen Bedingungen so ist, wie sie sich nun mal äußert – formgerecht im Widerspruch zu den Verhältnissen anzupassen ist, der geht Gefahr seine Prüfung nicht mehr sorgfältig genug vorzunemhmen – immerhin wäre ja schon erkenntlich durch die Schreibweise einiges abgehakt.

  27. 27 lahmacun 10. August 2009 um 22:16 Uhr

    persönlich find ich die sache mit dem generischen feminin ja am sympatischsten, weil es weniger nach einer mechanischen lösung aussieht als der _-strich und einfach schöne worte dabei herum kommen.

    ich finde ja heinrichs argument überzeugend: sowas verschleiert eher, wie sich die herrschaft geschlechtsspezifisch niederschlägt.

    ps: die österr. ministerien gendern mittlerweile seit ein paar jahren schon alles. die hinterletzte, vor geschlechterideologie nur so triefende verlautbarung ist noch gegendert. ich bin zuversichtlich, dass sie sich auch von nem unterstrich überzeugen lassen – tut ja niemandem weh. to be honest.

  28. 28 MPunkt 11. August 2009 um 9:19 Uhr

    @ lahma: Finde ich jetzt arg konstruiert. Welche Frau kommt denn bitte darauf, etwas nicht werden zu können, weil der Plural auch bei gemischtgeschlechtlichen Gruppen als Maskulinum gebildet wird? So viel Sprachbeherrschung, das zu wissen, muss eh vorhanden sein, um Texte lesen zu können – und wenn diese nicht vorhanden ist, z.B. weil man in der Bildungskonkurrenz frühzeitig aussortiert wurde, nützen dann auch alle „In“s und „_in“s nicht. Dass sie diese Sprachbeherrschung drauf haben, ihre Rede davon, sie würden sich als Frau nicht mit gemeint fühlen, wenn ein grammatikalisch männlicher Plural verwendet wird, also geheuchelt ist, beweise doch gerechtigkeitsfanatische* Sprachänderungsfans, wenn sie bemängeln, dass es doch voll ungerecht wäre, dass ein einziger Mann bei einer Gruppe, die ansonsten nur aus Frauen besteht, reicht, damit das grammatikalische Maskulinum verwendet wird. Wichtiger aber noch: wie Du selbst schreibst hat doch so gut wie jeder den Gedanken drauf, dass man prinzipiell alles werden kann, wenn man sich „nur“ in der Konkurrenz durchsetzt. Dann denkt man sich aber nicht, man könne etwas nicht werden, weil das der eigenen weiblichen Natur widerspräche. Und selbst wenn ne Frau aus einer real vorhandenen Männerdominanz in einem Beruf oder sonstwo den Schluss zieht, dass der für richtige Frauen wie sie dann wohl nix tauge, sondern höchstens für „Mannsweiber“ und/oder „Nerds“, dann ist der verkehrte Schluss damit weder kritisiert** noch wegen Beseitigung seiner Grundlage beseitigt, dass bspw. von „Gehirnchirurg_innen“ geschrieben wird; um die Geschlechterdominanz in typischen Berufen und Studiengängen weiß man doch ganz getrennt davon.

    * Um das jetzt mal zu spezifizieren, statt den sinnlosen Streit zu führen, ob nun wirklich alle Sprachänderungsfans für Gleichheit und Gerechtigkeit antreten; gemeint sind mit der Kritik daran eben diejenigen, die das machen.

    ** Die korrekte Kritik daran lautet doch, dass da ein Fehlschluss davon, dass es so ist, darauf, dass es auch so sein muss und soll, vorgenommen wird; der Realität also schon vor Prüfung der Gründe für sie unterstellt wird, dass sie vernünftig sein und es daher gute Gründe für sie geben müsse.

  29. 29 MPunkt 11. August 2009 um 9:58 Uhr

    @ TA:
    Wie lächerlich ist das denn bitte? Da führe ich den Fehler inhaltlich aus und Du kommst mir immer noch damit, ich würde den Gegenstandswechsel vom Inhalt auf die Person machen und nicht Du? Also nochmal: Die tragen an die kapitalistische Konkurrenz heran, dass die – zumindest eigentlich, ihrem Ideal nach – dafür da wäre, jeden auf die für ihn passende Position zu sortieren. Woraus sie den Folgefehler ziehen, ihre Resultate in dieser (wo man selbst ohnehin immer nur im Vergleich mit anderen vorkommt) in ein Urteil über sich zu verwandeln. Und zwar einerseits darin, dass man seine Erfolge verdient habe, weil man so jemand sei, dem diese zustehen und andererseits darin, die Misserfolge darin umzudeuten, dass man entweder ungerecht behandelt worden, oder dass man zu gut (zu ehrlich, zu nett, zu romantisch, zu tiefschürfend, …) für diese Welt wäre. Diesen Idiotismus übertragen sie auch auf ihr Privatleben und verdoppeln auf diese Weise die kapitalistische Konkurrenz, die sie verkehrt als eine um Anerkennung behandeln, noch in eine private, in welcher Anerkennung der ganze Zweck ist. Entweder in der Form, dass man als der „Siegertyp“ der man ist, auch dort dem entsprechenden Respekt dafür sucht und einfordert, oder in der, dass diese für die erlittenen „Ungerechtigkeiten“ entschädigen soll, wobei diese dann schon als Mittel verwendet werden, um Anerkennung einzufordern, oder auch in der, dass die Abweichung, wegen der wegen der schlechten Einrichtung der Welt der berufliche Erfolg ausbleibe, im Privatleben dafür erst gewürdigt werden soll. (Dieser Fehler ist mit „bürgerlicher Individualismus“ zusammengefasst, weshalb diejenigen, die ihn machen, mit „bürgerliche Individuen“ schlicht korrekt bezeichnet sind.) Einmal mit diesem Fahndungsstandpunkt unterwegs legen die den auch an solche Sachen wie die Sprache an und kommen dabei auf Absonderlichkeiten der Sorte, wie dass man nicht ausreichend gewürdigt werden würde, wenn ein Geschlecht und damit man selbst als Teil desselben keine gerechte sprachliche Repräsentation erführe. Dann sind die leonies dieser Welt eben schwer gekränkt, dass Weiblichkeit und damit auch ihre Weiblichkeit nicht genügend in der deutschen Sprache gewürdigt wird, weil „Mädchen“ glatt grammatikalisch sächlich und nicht weiblich ist.

    btw. 1: Der Fehler ist also nicht, sich auch mit geschlechtlichen Sortierungen und deren geistiger Affirmation im Privatleben zu befassen, sondern das Privatleben zu einer Konkurrenz um Anerkennung zu machen, weil man sich schon die berufliche Konkurrenz verkehrt in eine solche übersetzt und das prima so findet.

    btw. 2: Dann höre mal schön auf damit, Befreiungsnationalisten zu kritisieren. Denn weil Du kein Teil eines „unterdrückten Volkes“ bist, kannst Du ja gar nicht fühlen wie sehr es die schädigt, nicht von Berufsnationalisten aus dem „eigenen Volk“ regiert zu werden. Unsinn? Eben! Von einer Schädigung betroffen zu sein oder nicht sagt schließlich gar nix darüber aus, ob man die richtigen Schlüsse daraus zieht.

    btw. 3: Nein, es geht nicht darum, dass der Fehler, welcher als Schädigung wegen mangelnder Anerkennung in der Sprache präsentiert wird, nach der Revolution schon von selbst verschwinden wird. Sondern die Leute müssen schon massenhaft u.a. dieses blöde Anerkennungsbedürfnis mal bleiben lassen, damit überhaupt jemals eine Revolution auf der Tagesordnung steht. Denn solange sie nur darauf geiern, im Berufs- wie im Privatleben die ihnen angeblich zustehende Würdigung zu erhalten, solange beschweren sie sich höchstens darüber, dass ihnen dabei Unrecht widerfahre, aber befassen sich nie und nimmer damit, was es mit beidem auf sich hat, weshalb sie auch nicht darauf kommen, dass sie im Kapitalismus notwendig geschädigt werden.

  30. 30 MPunkt 11. August 2009 um 10:07 Uhr

    @ bigmouth: Dass die Leute durchaus verstehen, worum es einem geht, merkt man doch an ihren Einwänden: dass Nation und ein positiver Bezug auf sie doch aber was ganz natürliches wären; dass es doch gut ist, dass jeder exklusiv über seine Zahnbürste verfügen kann; dass man Israel doch nicht wie jeden anderen bürgerlichen Staat kritisieren dürfe etc. Unverständlichkeit wäre aber der einzige Punkt, an dem Agitation aus Formfragen scheitern könnte. Der Rest ist schlicht eine Frage des Willens: wenn man sich ernsthaft mit Argumenten befassen will, dann pfeift man doch drauf, ob die in grauen Heften oder knallbunten Broschüren stehen, oder ob dort das Maskulinum, „/in(nen)“ „In(nen)“ oder „_in(nen)“ verwendet wird. Also wird die Form da nur als Ausrede herangezogen, wenn man sich nicht weiter mit den Argumenten befassen will, weil man schon merkt, dass die einem inhaltlich nicht passen, man aber eine (weitere) inhaltliche Auseinandersetzung um diese vermeiden möchte.

  31. 31 lahmacun 11. August 2009 um 11:22 Uhr

    Finde ich jetzt arg konstruiert.

    da steht: das ist der ursprung der debatte. korrekter wäre: einer der ursprünge.

    und das ignorierst du gekonnt:

    dass es doch voll ungerecht wäre

    ja, gibt’s auch. aber der einzige grund isses nicht, und daran ändert sich durch stures behaupten auch nix.

    hier wird zB beides benannt:

    Zentraler Punkt der Kritik war, dass Frauen in der Sprache ignoriert und ausgeschlossen werden. Darüber hinaus wurde bemängelt, dass Frauen und Männer in sehr unterschiedlichen Rollen präsentiert werden. Frauen wurden und werden häufig in Abhängigkeit von Männern und in traditionellen Rollen mit sogenannten weiblichen Eigenschaften und Verhaltensweisen dargestellt. Sie treten deutlich seltener als Handlungsträgerinnen auf und werden mit einer Vielzahl von abwertenden Begriffen bezeichnet.

    dass das thema sprachkritik mit ner revo vom tisch wäre, glaube ich übrigens auch nicht. zudem unterstellst du, alle, die so schreiben bzw. das für gut befinden, wären affirmativ. das ist quatsch.

    bin etwas angenervt davon, dass hier versucht wird, nen umstrittenen gegenstand ins schema zu pressen auf teufel komm raus. als gäbe es nicht unterschiedliche beweggründe, ne menge falsche und dann ein paar halbwegs nachvollziehbare.
    gegen die schallplatte haste ja auch nix. aber: vielleicht ist das aber auch nur was für gerechtigkeitsfanatiker/innen? wer weiß! wahrscheinlich! auf 08/15-platten werden die mädels nicht anerkannt! ungerecht! --> die platten lassen sich sicher auch ins schema pressen, ich bin zuversichtlich.

  32. 32 MPunkt 11. August 2009 um 12:06 Uhr

    Lies noch mal weiter oben nach: ich sage ganz explizit nicht, dass, wer Sprachkritik macht, nicht auch noch andere, inhaltlich richtige, Sachen machen kann. Aber eine Sprachkritik, welche an Sprache das Problem mangelnder Würdigung von Geschlechtern heranträgt, ist eben aus den genannten Gründen ein Fehler.

    ***

    Zentraler Punkt der Kritik war, dass Frauen in der Sprache ignoriert und ausgeschlossen werden. Darüber hinaus wurde bemängelt, dass Frauen und Männer in sehr unterschiedlichen Rollen präsentiert werden. Frauen wurden und werden häufig in Abhängigkeit von Männern und in traditionellen Rollen mit sogenannten weiblichen Eigenschaften und Verhaltensweisen dargestellt. Sie treten deutlich seltener als Handlungsträgerinnen auf und werden mit einer Vielzahl von abwertenden Begriffen bezeichnet.

    Ignoriert und ausgeschlossen“ ist eben das Beklagen über die Ungerechtigkeit, dass Frauen (und Queers) nicht genügend Repräsentation und damit Anerkennung in der Sprache finden, wie es ihnen eigentlich zustünde. Und der Rest hat doch mit Sprachkritik nicht die Bohne zu schaffen. Da geht es nämlich gar nicht um formale Fragen der Sorte, ob auch ja biologisches und grammatikalisches Geschlecht stets übereinstimmen bzw. wie sie zur Übereinstimmung gebracht werden können, sondern dazu, dass Sprache als Mittel verwendet werden kann und verwendet wird, um sexistische Inhalte auszudrücken. Daran ändert aber auch keine Sprachreform was, sondern da muss man die Leute schon gegen ihre sexistischen Urteile agitieren.

    ***

    Und den Unterschied zu den Platten hatte ich Dir auch schon erklärt: bei denen wird der reale Sexismus in der Erziehung (welcher den Fehler der Ideologie über sie schon teilt, nämlich, dass das, was Natur sei, durch Erziehung zum Vorschein gebracht werden müsse … also offensichtlich nicht Natur ist) mit role models gekontert, die als Beispiele zeigen sollen, dass immer brav sein, mit Puppen spielen etc. nicht die Mädchennatur ist, zu der man erzogen werden soll, sondern das eine eigene Entscheidung ist, wie man sich zu welchen Inhalten der Erziehung stellt. Das kann man sich auch in eine Gerechtigkeitsfrage übersetzen („ungerecht, dass Jungs irgendwie angeblich coolere Rollenvorbilder präsentiert bekommen als Mädchen“ und dergleichen), aber da trägt man die Moral als höhere Rechtfertigung an die Sache erst heran. Gerechtigkeitsfanatische Sprachkritiker* hingegen gehen schon mit einer Moral auf ihren Gegenstand los, nämlich, dass ihnen als Angehörige eines Geschlechts Gerechtigkeit in Anerkennungsfragen widerfahren solle, weshalb dieses Geschlecht gerecht berücksichtigt werden müsse … bspw. in der Sprache.

    * Wie gesagt will ich mich nicht darüber streiten, ob es Ausnahmen gibt … wird schon so sein, wenn Du bspw. sagst, dass es Dir nicht um Gerechtigkeit, sondern um Strategie geht, womit eine dann ja schon mal feststünde. Daher kritisiere ich Dich ja auch anders als die Gerechtigkeitsfans (wie bspw. TA oder leonie) – nämlich damit, dass das für Agitationsfragen egal ist, weil die Agitation eh am Inhalt und nicht an der Form scheitert. Nur ändert das doch nix daran, dass Sprachkritik größtenteils Gerechtigkeitsfanatismus in einer Anerkennungsfrage ist, weswegen man den vernünftiger Weise auch als genau den kritisiert – und an den Argumenten gegen den Gerechtigkeitsfanatismus und gegen Anerkenungsfragen ohnehin nicht. Worum Du Dich halt immer ein wenig drückst, wenn Du einfach darauf insistierst, dass es ja auch mal die eine oder andere Ausnahme gibt, statt Dich inhaltlich auf die Kritik zu beziehen. Stimmst Du der denn zu – jetzt mal getrennt davon, ob sie 75%, 90% oder 99,99% der Sprachkritiker zum Gegenstand hat?

  33. 33 MPunkt 11. August 2009 um 12:53 Uhr

    Nachtrag: es gibt selbstverständlich eine richtige Sprachkritik, welche darauf hinweist, dass sprachliche Euphemismen (u.a. als Eingehen auf das Anerkennungsbedürfnis) an den gesellschaftlichen Verhältnissen nix ändern, sondern diese bloß verschleiern. Weswegen man nicht von Arbeitgebern, Arbeitnehmern, Marktwirtschaft, Farbigen/ Schwarzen/ … reden mag, um diese Euphemismen nicht mitzumachen. Das wird dann zu einer strategischen Frage, weil man vor die Entscheidung gestellt ist, ob es wichtiger ist, die Euphemismen als Konsequenz dieser Kritik oder den Gegenstandswechsel in die Sprachkritik als Anpassung an das falsche Bewusstsein der Leute auf einem unwichtigen Feld als Basis für eine inhaltliche Auseinandersetzung zu vermeiden.

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