Der vorbildliche deutsche Gewerkschafter.

Der SPIEGEL hat in Ausgabe 30/2009 zur ultimativen Lobhudelei auf den Vorsitzenden der IG Metall und freiberuflichen Antikommunisten Berthold Huber angesetzt und führt damit die Reihe der gar gräßlichen Artikel fort.
Huber, so weiß die_der SPIEGEL Leser_in danach, ist gefragt bei den Mächtigen, ob nun Putin, Merkel oder Ackermann. Und das so scheint ist auch seine größe Qualität. Der Gewerkschaftsboss, der seine Karriere in den K-Grüppchen begann und 1978 den ersten Vorsitz übernahm, damals im Betriebsrat von Kässbohrer, hat sich gemausert. Vom »linken Radikalen zum liberalen Reformer«1 der aufpassen muss, »dass ihn nicht ausgerechnet die Gegenseite deshalb zu sehr schätzen lernt«.
Die hat dafür allerlei Gründe. Huber ist quasi der Vorzeigekandidat der dem kapitalistischen Wirtschaften verpflichteten Gewerkschaften. 1978 mag ihm die IG Metall noch »zu zahm und kooperativ« verhandelt haben, 2009 hat Huber dieses zahme und kooperative auf ein neues Level gepusht. Die Weisheit Gut ist was der Wirtschaft nutzt hat auch Huber verinnerlicht. Bei jeder Gelegenheit wettert er gegen Ideologien, oder Denkweisen, die er als solche ausgemacht hat (»Im Osten habe ich gesehen, wie der real existierende Sozialismus die Menschen entmündigt hat, wie Ideologien funktionierende Strukturen zerstören können.«) und ist sich durchaus bewusst, dass ein zu hart geführter Arbeitskampf den Unternehmen glatt schaden könnte. Das geht aber wiederum gar nicht klar und deswegen »verteufelt« er die Leiharbeit nicht »sondern will sie nur domestizieren«, »lässt Abweichungen vom Tarifvertrag zu, wenn es die Lage des Unternehmens erforderlich macht« und »in Zeiten der Krise«, da ist ja sowieso alles anders, sind auch befristete Verträge nicht mehr so ernst zu nehmen und können gerne nur für kürzere Zeit verlängert werden. Soviel Einsatz für die nationale Ökonomie will natürlich nicht umsonst sein, und neben dem SPIEGEL finden dann auch Ackermann (»kompetenter, sachlicher und vertrauenswürdiger Gesprächspartner«) und der Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser (»pragmatisch und in der Regel konstruktiv«) nur lobende Worte für Huber. Der setzt sich aber auch bei jeder sich bietenden Gelegenheiten für die vermeintliche Gegenseite, die schon lange in runde Tische aufgelöst ist, für die Kapitalist_innenklasse ein. Seinem Einsatz ist folglich auch zu verdanken, dass Peter Löscher und Udo Ungeheuer (was für ein Name!) und einige andere aus der Sparte der »Realkapitalisten« (Huber) auf dem ersten Krisengipfel in der Waschmaschine dem Kanzleramt dabei sein konnten. Warum? Er hat halt keine Lust auf »die immer gleichen dogmatischen und ideologiebehafteten Diskussionen.« Und so ist es Hubers Verdienst, dass die Bürger_innen, die ein altes Auto hatten die Abwrackprämie erhalten. Ein vorbildlicher Gewerkschafter im Dienste für Wirtschaft und Nation.

  1. Alle Zitate aus »Heavy Metal« in Spiegel 30/2009 vom 20.07.2009 Seiten 72-73 [zurück]
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1 Anmerkung zu »Der vorbildliche deutsche Gewerkschafter.«


  1. 1 Oompa Loompa 29. Juli 2009 um 18:54 Uhr
Ein_e verbitterte_r Redakteur_in hat weite Kommentare zu diesem Beitrag untersagt.