Sehr richtig III

Was die Darbietung der „Klassentheorie“ von Marx außer eben der Erklärung, warum es heute so zugeht, wie es zugeht, sonst noch soll, ist sehr einfach. Wer bemerkt, wie korrekt da die soziale Marktwirtschaft auch im Modell Deutschland dargestellt wird, hat mit einem Mal einen kleinen Leitfaden an der Hand, und zwar für sein Interesse. Es ist nämlich kein Kunststück, von den „sozialen Unarten“, die einen in der Tarifrunde, beim Mietzins, in Sachen „Umwelt“, bei den Arbeitslosen, bei den Abzügen auf dem Lohnstreifen oder im Studium das Vertrauen auf Gott und die Gerechtigkeit verleiden, rückwärts auf ihren Grund zu schließen. Also zu wissen, wogegen man anzutreten hat, wenn man wirklich „etwas ändern“ will. Wenn man das „Ändern“ nicht als Phrase versteht, die sich Wende-Politiker wie der ADAC und Steuerreformer gleichermaßen zu eigen machen und nur meinen, daß alles genauso noch besser funktionieren könnte. Wenn man also nicht nur Anlässe für Unzufriedenheit akkumulieren will.

Im übrigen fängt Kritik nicht damit an, daß sie an sich die kritische Frage stellt, ob sie weitergeht, praktisch und konstruktiv ist. Sie beginnt damit, daß man sich Rechenschaft ablegt darüber, woher all das kommt, was man als Belästigung und Schaden wahrnimmt. Wer auf das bißchen Ursachenforschung verzichtet, vertut sich womöglich im Engagement, sucht sich Ort, Zeit und Adressat wie Gegner seiner Bemühungen verkehrt aus. Dann vergeht seine Jugend, und er war in Mutlangen und Wackersdorf zelten, hat seine Zeit im Frauenbuchladen verplempert und Grüne gewählt, während die Klassengesellschaft funktioniert, daß es kracht.

MSZ, 1986 Ausgabe 11, DIE KLASSEN (II) – Kleine Zwischenbemerkung, nochmals die Leugnung der Klassen betreffend

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