Mit Hassmaske und ohne Yuppies- damals war noch alles besser.

»Wann gibts mal wieder richtig Riot?« singts. Damals als Yuppies noch nicht in die Kieze dieser Welt einmarschiert sind und die Linke erkannt hatte, dass man die Geister, die man rief doch nicht kontrollieren kann. Damals als die Bullen noch nicht vorkontrollierten und die Mollis im ideelen Duchschnitt viel öfter vorkamen. Kurz: die Bewegungslinke hat gemerkt, dass ihr Konzept der Kiezbespaßung nicht mehr so richtig aufgeht. Also wird erinnert wie das alles begann, um mit den Worten des Duisburger 1. Mai- Aktionsbündnis zu sprechen »seit 1886 antifaschistisch und international«, Haymarket Riot heißt das Schlagwort, so beginnt denn auch das Video gefolgt durch die Abgründe der 1. Mai Plakate, den eigenen Heuschreckentick natürlich nicht auslassend. Und mit dem »Hier geht was« zieht man klar immer noch die bewegendste Bewegung und damit die kommt wird den Rest des Videos Riotporn zu schlechtem Antifa-Schlager-Cover geliefert.


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Dem Niveau des Entertainments im Mobilisierungsvideo folgt dann auch die Niveau des Kritiks im Machwerk von Aufruf. Zusammen mit der ARAB wird gefordert »burn, capitalism, burn«. Was denn dieser Kapitalismus eigentlich ist, weiß man nach der Lektüre leider auch nicht. Einzig bleibt hängen Kapitalismus heißt Krieg1 und Krise. Jetzt wo alle Welt jammert, wie schlimm die Krise sei, muss es wohl reichen, den Leuten zu sagen, dass die Krise immanenter Bestandteil des kapitalistischen Systems sei um das kapitalistische System als Ganzes zu blamieren. Das was ALB und ARAB da darlegen ist die Realität und den Leuten, die den Aufruf lesen wohl durchaus bewusst. Die idealistische Welt der Deutschen scheint gescheitert, da muss nur die richtige Alternative heranrauschen und »Werdet Kommunist_innen!« skandieren und die Leute werden sich bewusst darüber, dass diese mißliche Lage abgeschafft gehört, dass den »Lügen unserer PolitikerInnen« kein Glauben zu schenken ist. Schöne heile Welt.
Eine Auseinandersetzung mit den Gegenständen, die da angeprangert werden wird bewusst vermieden. Die ideologischen Programme der Herrschenden, die BKA-Gesetz, Antiterrorgesetze, Sozialkürzungen etc. vorsehen, werden mit dem idealistischen Hammer geschlagen, dass es nur so kracht, aber außer der Schlechtigkeit dieser Gesetze, der angeblichen Verlogenheit der Politiker_innen und der Forderung nach »Freiheit« kommt keine Analyse dieser Programme bei rum. Was denn die Politiker_innen dazu treibt die innere Sicherheit zu verteidigen bleibt im Dunklen, auch warum nicht nur die Antifa nach Freiheit strebt, sondern die persönliche Freiheit in den bürgerlichen Staaten nach ganz weit oben gehalten wird, und wo sich diese Freiheit denn von der der Antifa unterscheidet bleibt unbeantwortet.
Wirklich skurril wird es wenn die Nazis nicht aus dem Spiel ausgelassen werden können (das ultimative »menschenverachtende« Böse darf aber nu auch nicht fehlen), als Schärfung des Verständnis verfolgen die Politiker_innen folglich ein Programm des Standort-Nationalismus, während die Nazis einfach nur Nationalismus propagieren. Die Nazis verfolgen dabei nebenbei noch das Klischee der reinen Brutalität gegen alles »Andere«. Ideologische Programme, der Rechten werden dabei nicht ernst genommen. Als hätte NPD und Konsorten etwas gegen das »Andere« wenn es nur da wäre wo es hingehört. »Alles Lüge« scheint immer noch das einzige was der ALB zu den Bemühungen der Rechten im sozialen Bereich einfällt2. Müßig zu sagen, dass weder das Standort-nationalistische Konzept »unserer PolitikerInnen« noch das normalo-nationalistische Programm der Nazis analysiert werden, wozu auch wenn beide lügen.
Mehr als Bürger_innen mit Hassmaske bleibt auch bei der erneuten Mobilisierung nicht von der ALB über. Bürger_innen, die ihr eigenes Ideal hegen und pflegen und hoffen, dass das eines Tages mal was wird mit ihrem Segensreich des Kommunismus, oder Kapitalismus ohne Konsum, oder so. Rote Antifa Duisburg und ihre Konsorten sagen es so: »Eine radikale Veränderung aller bestehenden Verhältnisse auf der Welt, die den Menschen über den Profit stellt und Solidarität als Fundament einer Gesellschaft als Ziel hat, ist unsere Perspektive.« Ja wenn die Leute denn wenigstens gut wegkommen würden wenn sie sich schon für den Profit der Unternehmen ausbeuten lassen. Und wenn es dann mal kriselt stehen wir alle z’samme, im Kölner Karneval, der Sozialpartnerschaft oder in der Schlange beim Supermarkt. burn, idealism, burn.

♥Tekknoatze

  1. Dass Kapitalismus und ein bürgerlicher Staat auch ohne Militär ganz gut funktionieren würden hat die, bei anderen Gelegenheiten in die Würden eines Bündnispartners erhobene, DFG-VK oppulent in ihrer Broschüre »Bundeswehr abschaffen! Alternativen zum Militär« dargelegt, inklusive »Existenzieller Probleme, die die Menschheit lösen muss«. [zurück]
  2. Ansätze einer tiefergehenden Analyse des Verhältnis von Nazis zu sozialer Frage liefert die Broschüre »Nationaler Sozialismus- Antikapitalismus von völkischen Freaks« von TOP Berlin, die in 2. Auflage erschienen ist. [zurück]
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9 Anmerkungen zu »Mit Hassmaske und ohne Yuppies- damals war noch alles besser.«


  1. 1 ui 27. April 2009 um 11:22 Uhr

    lange nicht mehr soo einen sinnlosen und schlechten artikel gelesen. einfach nur ein krasses beispiel für die verblendeten koks-yuppie-antideutschen. Klassenkampf statt Koks! Massen organisieren statt massenfeindlichen scheiss brüllen!

  2. 2 ♥Tekknoatze 27. April 2009 um 13:56 Uhr

    omg lulz jetzt weiß ich bescheid… =))

  3. 3 phex 27. April 2009 um 22:26 Uhr

    passenderweise beginnt das Mobilisierungsvideo nicht wie du schreibst mit dem Haymarket Riot, sondern mit einer Szene aus dem Film „Sie Leben!“ Dieser ist zwar sehr nett anzusehen, bietet in seinem Inhalt jedoch Anknüfungspunkte für allerlei reaktionäre Verklärungen dieser Gesellschaft. In dem Film wird die Menschheit von Außerirdischen Unterdrückt welche sich durch eine spezielle Maschine als Menschen tarnen und dadruch unentdeckt bleiben. Politiker, Wirtschaft, Bullen – fast alles Aliens.
    Elsässer hätte den Film vllt nicht so oft gucken sollen.

  4. 4 MPunkt 27. April 2009 um 22:52 Uhr

    Christoph Spehrs Werk wurde auch noch verfilmt? :O ;)

  5. 5 Herr Uhu 28. April 2009 um 9:00 Uhr

    Dieser ist zwar sehr nett anzusehen, bietet in seinem Inhalt jedoch Anknüfungspunkte für allerlei reaktionäre Verklärungen dieser Gesellschaft.

    Weil man Außerirdische als Juden missverstehen kann, ne?

    Idiot.

  6. 6 Stressmaker 29. April 2009 um 14:48 Uhr

    »burn, capitalism, burn«…
    Eine klare Meinung. Ein klarer Standpunkt. Keine große Weitsicht. Kein großes Gehirn.
    :-?

  7. 7 momente 30. April 2009 um 10:26 Uhr

    Es ist echt traurig anzusehen, wie schlecht es um die Linke steht. Nicht Kritik, sondern Selbstinszenierung und Spaß ist die Prämisse.
    Mit Idioten wie „ui“ und „uhu“ wirds wohl nie kommunismus geben.

    Wenn „ui“ so auf Massen steht dann hätte er lieber mal 70 Jahre fürher leben sollen. Vieleicht hätte es ihm da besser gefallen als jetzt.

  8. 8 Lastminute 26. September 2009 um 11:32 Uhr

    Derzeit herrscht eher die Meinung vor, dass man nicht genau weiß, wie man weiter machen soll. Kapitalismus wie es ihn gegeben hat, ist keine Lösung – vom Kommunismus wollen wir gar nicht anfangen zu reden. Solang nichts besseres gefunden wird, macht man halt weiter und glättet die Kanten. Doch ändern wird sich nicht viel …

  1. 1 Noch mal erster Mai « meta.blogsport Pingback am 27. April 2009 um 15:49 Uhr
Ein_e verbitterte_r Redakteur_in hat weite Kommentare zu diesem Beitrag untersagt.