Archiv für April 2009

Regierung mit Humor.

Sowas hätts unter Bush nicht gegeben, die Air Force macht Publicity und lässt die Air Force One über New York flattern um ein paar Fotos zu knipsen, ein Kampfjet hintendran. Die New Yorker_innen, 9/11 noch im Gedächtnis, denken sich Flugzeug und Finanzdistrikt und laufen raus. Ende: Air Force One heil gelandet, New Yorker_innen empört:

Was tun die nächsten Tage?

Eine subjektive Übersicht was man sich in Hannover am, vor und nach dem 1. Mai angucken sollte.

30.04.

Dieses Jahr findet am ersten Mai wieder einmal ein Nazi-Aufmarsch statt, dieses mal in Hannover.

Ebenso selbstverständlich wird es ein buntes Programm an Gegenaktivitäten geben: Vom »Fest der Demokratie« über die »große Umzingelung« bis hin zur direkten Aktion gegen den Aufmarsch reicht die Spannweite der Möglichkeiten die Nazigegner_innen rund um den ersten Mai zur Verfügung stehen. Doch der positive Bezug auf die demokratische Herrschaft und ihrem gemäßigten Nationalismus ist bei einem Teil der Gegenaktionen überdeutlich und wird diese vermutlich nach außen hin prägen. Eine deutliche Sprache spricht dabei auch das pluralistische wie unkritischen Über-Motto der Gegenaktivitäten »bunt statt braun«.

Unbeantwortet bleiben die Fragen, welche Grundlage der Nationalismus eigentlich hat, was die Freund_innen des guten Deutschlands dazu bringt gegen die Nazis auf die Straße zu gehen und was das überhaupt für eine Gesellschaftsordnung von Staat und Kapital ist, die da gegen die Nazis verteidigt werden soll.

Um Antworten auf diese Fragen zu finden veranstalten wir am Vorabend des Spektakels, dem 30.04., eine Podiumsdiskussion.

Referieren werden die Gruppe Theorie.Organisation.Praxis aus Berlin zum Thema Supergedenkjahr 2009 (60 Jahre BRD, 20 Jahre Mauerfall) und Kulturnationalismus, Freerk Huisken über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Demokraten und Faschisten, Bernard Schmid zu der Frage was für einen Staat eigentlich Nazis anstreben sowie Justin Monday über nationalistische Ideologie im allgemeinen und in Krisenzeiten im speziellen. Moderieren wird Sebastian Winter vom Institut für Soziologie und Sozialpsychologie der Leibniz Universität Hannover.

30.04.2009 | 19 Uhr | Hörsaal E001 der Leibniz Universität Hannover im Hauptgebäude (Welfengarten 1)

Wie kommt man da eigentlich hin? So:


Zum Feiern läd die Faust:

BÄM in den Mai!
Der Klub. Die Special Edition auf zwei Floors
ORT: 60er-Jahre-Halle und Mephisto
EINLASS / BEGINN: 23:00 Uhr
EINTRITT: 5,- Euro

Nach der grandiosen Super-BÄM!-Weekend-Edition vom Januar folgt nun zum zweiten Mal das ganz große BÄM! bei BÄM in den Mai! Auf zwei Floors steht wieder ein großes BÄM!-Allstar-DJ-Team bereit, Euch mit feinster Musik umzuhauen. Den Groove in der 60er-Jahre Halle bestimmt Dan Hammond, der das Beste aus Indietronic & New Wave zusammengepackt hat. Der Mephisto-Floor hingegen wird von Yippie.de präsentiert und wartet mit den elektronischen Sounds der Filtertÿpen und ihrer Freunde auf Euch. Doch auch die anderen bewährten BÄM!-DJs werden ein paar Songs zum Besten geben. Freut Euch drauf und BÄMt gut rein. Also BÄM! Und dann Vollgas.

BÄM! ist keine Abkürzung, es klingt einfach nur gut.
BÄM! wird präsentiert von Stadtkind und Spandau Projekt.

Sonst noch: Die AAH und der AStA der Uni Hannover laden zum Vorabendkonzert, präsentiert werden: Juri Gagrin, Rogue Steady Orchestra und Bridge and Tunnel. Stattfinden wird das ab 19 Uhr am Uni Sportplatz (Am Moritzwinkel). In der Innenstadt wird ab 20.30 Uhr eine Demonstration unter dem Motto »Wir nehmen uns, was uns sowieso gehört« stattfinden. Getroffen wird sich am Steintor, eingeladen sind aber nur »alle FrauenLesbenTrans«.

01.05

Morgens ab 9 Uhr kann vor dem Haubtbahnhof das Tanzbein geschwungen werden. Stressfucktor, deine symphatische Partyreihe aus dem Tanzkeller des Abschaums, präsentiert:


Hat human traffic auch schon gewusst.
Für die Verpflegung muss man sich wohl auf den DGB verlassen, der am Klagesmarkt eine große Party mit viel Volk machen wird. Passenderweise hat der Hannoveraner Polizeipräsident Uwe Binias (s. Bild) auch angekündigt die Veranstaltung zu besuchen, nachdem er sich im Rathaus heute seinen persönlichen »bunt statt braun« Button abgeholt hat.
Abends kann man dann wieder in die Faust gehen um sich bei Treibgut die Rübe massieren zu lassen. Dit wird ne Sause in der 60er Jahre Halle und dem Mephisto werden: Christian Burkhardt, Mario Aureo, Flo D!, Itschie sowie die die Residents von den Filtertÿpen versprechen Unterhaltung galore.

02.05.

Zum Entspannen läd das Stumpf ab 16 Uhr ein, Grillen, Flohmarkt, Pank und Cocktails bis spät in die Nacht. Die Freund_innen elektronischer Tanzmusik werden im Indiego Glocksee auf ihre Kosten kommen, da heißt es mal wieder »Der Trick ist zu tanzen«.

Mit Hassmaske und ohne Yuppies- damals war noch alles besser.

»Wann gibts mal wieder richtig Riot?« singts. Damals als Yuppies noch nicht in die Kieze dieser Welt einmarschiert sind und die Linke erkannt hatte, dass man die Geister, die man rief doch nicht kontrollieren kann. Damals als die Bullen noch nicht vorkontrollierten und die Mollis im ideelen Duchschnitt viel öfter vorkamen. Kurz: die Bewegungslinke hat gemerkt, dass ihr Konzept der Kiezbespaßung nicht mehr so richtig aufgeht. Also wird erinnert wie das alles begann, um mit den Worten des Duisburger 1. Mai- Aktionsbündnis zu sprechen »seit 1886 antifaschistisch und international«, Haymarket Riot heißt das Schlagwort, so beginnt denn auch das Video gefolgt durch die Abgründe der 1. Mai Plakate, den eigenen Heuschreckentick natürlich nicht auslassend. Und mit dem »Hier geht was« zieht man klar immer noch die bewegendste Bewegung und damit die kommt wird den Rest des Videos Riotporn zu schlechtem Antifa-Schlager-Cover geliefert.


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Dem Niveau des Entertainments im Mobilisierungsvideo folgt dann auch die Niveau des Kritiks im Machwerk von Aufruf. Zusammen mit der ARAB wird gefordert »burn, capitalism, burn«. Was denn dieser Kapitalismus eigentlich ist, weiß man nach der Lektüre leider auch nicht. Einzig bleibt hängen Kapitalismus heißt Krieg1 und Krise. Jetzt wo alle Welt jammert, wie schlimm die Krise sei, muss es wohl reichen, den Leuten zu sagen, dass die Krise immanenter Bestandteil des kapitalistischen Systems sei um das kapitalistische System als Ganzes zu blamieren. Das was ALB und ARAB da darlegen ist die Realität und den Leuten, die den Aufruf lesen wohl durchaus bewusst. Die idealistische Welt der Deutschen scheint gescheitert, da muss nur die richtige Alternative heranrauschen und »Werdet Kommunist_innen!« skandieren und die Leute werden sich bewusst darüber, dass diese mißliche Lage abgeschafft gehört, dass den »Lügen unserer PolitikerInnen« kein Glauben zu schenken ist. Schöne heile Welt.
Eine Auseinandersetzung mit den Gegenständen, die da angeprangert werden wird bewusst vermieden. Die ideologischen Programme der Herrschenden, die BKA-Gesetz, Antiterrorgesetze, Sozialkürzungen etc. vorsehen, werden mit dem idealistischen Hammer geschlagen, dass es nur so kracht, aber außer der Schlechtigkeit dieser Gesetze, der angeblichen Verlogenheit der Politiker_innen und der Forderung nach »Freiheit« kommt keine Analyse dieser Programme bei rum. Was denn die Politiker_innen dazu treibt die innere Sicherheit zu verteidigen bleibt im Dunklen, auch warum nicht nur die Antifa nach Freiheit strebt, sondern die persönliche Freiheit in den bürgerlichen Staaten nach ganz weit oben gehalten wird, und wo sich diese Freiheit denn von der der Antifa unterscheidet bleibt unbeantwortet.
Wirklich skurril wird es wenn die Nazis nicht aus dem Spiel ausgelassen werden können (das ultimative »menschenverachtende« Böse darf aber nu auch nicht fehlen), als Schärfung des Verständnis verfolgen die Politiker_innen folglich ein Programm des Standort-Nationalismus, während die Nazis einfach nur Nationalismus propagieren. Die Nazis verfolgen dabei nebenbei noch das Klischee der reinen Brutalität gegen alles »Andere«. Ideologische Programme, der Rechten werden dabei nicht ernst genommen. Als hätte NPD und Konsorten etwas gegen das »Andere« wenn es nur da wäre wo es hingehört. »Alles Lüge« scheint immer noch das einzige was der ALB zu den Bemühungen der Rechten im sozialen Bereich einfällt2. Müßig zu sagen, dass weder das Standort-nationalistische Konzept »unserer PolitikerInnen« noch das normalo-nationalistische Programm der Nazis analysiert werden, wozu auch wenn beide lügen.
Mehr als Bürger_innen mit Hassmaske bleibt auch bei der erneuten Mobilisierung nicht von der ALB über. Bürger_innen, die ihr eigenes Ideal hegen und pflegen und hoffen, dass das eines Tages mal was wird mit ihrem Segensreich des Kommunismus, oder Kapitalismus ohne Konsum, oder so. Rote Antifa Duisburg und ihre Konsorten sagen es so: »Eine radikale Veränderung aller bestehenden Verhältnisse auf der Welt, die den Menschen über den Profit stellt und Solidarität als Fundament einer Gesellschaft als Ziel hat, ist unsere Perspektive.« Ja wenn die Leute denn wenigstens gut wegkommen würden wenn sie sich schon für den Profit der Unternehmen ausbeuten lassen. Und wenn es dann mal kriselt stehen wir alle z’samme, im Kölner Karneval, der Sozialpartnerschaft oder in der Schlange beim Supermarkt. burn, idealism, burn.

♥Tekknoatze

  1. Dass Kapitalismus und ein bürgerlicher Staat auch ohne Militär ganz gut funktionieren würden hat die, bei anderen Gelegenheiten in die Würden eines Bündnispartners erhobene, DFG-VK oppulent in ihrer Broschüre »Bundeswehr abschaffen! Alternativen zum Militär« dargelegt, inklusive »Existenzieller Probleme, die die Menschheit lösen muss«. [zurück]
  2. Ansätze einer tiefergehenden Analyse des Verhältnis von Nazis zu sozialer Frage liefert die Broschüre »Nationaler Sozialismus- Antikapitalismus von völkischen Freaks« von TOP Berlin, die in 2. Auflage erschienen ist. [zurück]

Ohne Worte II


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Singen für die Freiheit.

Alex Alvaro kennt niemand. Das könnte daran liegen, dass er bei der FDP ist oder das er bei der FDP den prestigeträchtige Posten des Spitzenkandidaten für das Europaparlament inne hat. Die Jungen Liberalen, liebevoll JuLis genannt, sind gerne mal hipp und vorne dabei. Vermutlich deswegen reihen sie sich jetzt in die illustre Reihe von Jägermeister, Stefan Raab, Detlef Soost, Sido, Dieter Bohlen etc. ein und veranstalten einen Songcontest. Denn, »es ist Zeit geworden, Europa endlich mal so richtig zu rocken!«


Warum beschwert sich eigentlich niemand darüber, dass Curse da mitsingt? Dessen Text wurde ja schon früher vom »Webmaster der FDP-BW« hochgelobt. Also denunziert ihre Freiheit und schickt eure Einsendungen ein, leider nur noch bis zum 29. April.

♥Tekknoatze

Live

Am 14.05.2009 spielen Das Bierbeben im Mephisto in Hannover.

Geschichte wird gemacht.

Die Göttinger Blogger entdecken gerade Atzenhausen für sich. Vergessen tun sie Hermann, den ersten von und zu Atzen:

Beim Aushub einer Baugrube neben der Kirche in Atzenhausen wurde 1979 ein Grubenhaus gefunden das vor etwa 900 Jahren abgebrarnnt ist. Das bedeutet, das Atzenhausen um das Jahr 900 schon besiedelt war. Allerdings wird urkundlich erst im Jahr 1359 ein Hermann von Atzenhauseen benannt. Hermann diente mehreren Erzbischöfen von Mainz und muß etwa 60 Jahre alt sein im Zeitpunkt seiner Erwähnung. Das bedeutet, daß Atzenhausen älter ist, als die älteste erhaltene Urkunde nachweist.

Stop motion with wolf and pig.

Eine Stop-Motion Photographie nochmal abfotografiert und auf dem Computer die fotografierten Photos animiert, großartig:


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cutted- pasted Sonntag abend (IX)

Remi Gaillard, seines Zeichens Multitalent, hat wieder zugeschlagen. Pac-Man wird diesmal in einen Supermarkt oder eine Kneipe verlegt:

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Die Blockadeübung von Avanti! gestern war sonderlich unspektakulär. Das Verbot eines Übens der Blockade wurde soweit eingehalten, allerdings setzte man sich noch auf den Bürgersteig um symbolisch die Verbote der Polizei oder so zu blockieren. Das bewegte immerhin die anwesenden Polizist_innen dazu sich aus ihren Wagen zu begeben. Sehr sportlich das Ganze, Treppensteigen ist wohl nichts für die. Im Gegensatz zu den Großmäulern von Nasen aber anwesend, dank Fußball sogar in erkläglicher Menge.
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police medic

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Zur Unterhaltung kann ich noch 2 Comics aus dem Bereich der Endzeit anbieten. In Gone with the Blastwave sind drei Fraktionen (Rot, Geld und Blau- nicht sehr kreativ) in einer Stadt eingesperrt, in der eine Atombombe das angestellt hat was sie am Besten kann- Zerstören. Die in der Stadt eingeschloßenen versuchen nun rauszukommen.
gone with the blastwave strip 2

In Post-Nuke Comic geht es auch um Überleben nach der Bombe. Das ganze ist in s/w gehalten und kommt generell sehr nett daher.
post-nuke comic banner

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Classic: Hitler Starfish von 1964:

Teil 2

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Dank dem Autor von Post-Nuke Comic bin ich auf diese Seite gestoßen. Wir kehren damit nochmal kurz in die potenteille Endzeit zurück. Wer will kann sich da die Zerstöungsradien verschiedener Atombomben angucken. Um Hannover weitgehend auszulöschen würde die nach Stalin benannte Joe-4 ausreichen.

♥Tekknoatze

havin‘ fun teh russian way.


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Überzeugungen im Härtetest.

»Jedenfalls muss klar sein, dass jeder, egal aus welchem Motiv das getragen wird, dass jeder der sich dann an dieser Fahne vergeht eine auf’s Maul kriegen muss. So einfach ist das.«

Hermann L. Gremliza

israel nazis

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Die Genialogen der radikalen Rechten haben nebenbei nonpd neu aufgelegt, nur jetzt geht es gegen Parteien, die als kommunistisch erkannt wurden. Auf der Seite antikommunismus.info kann man sich jetzt durchlesen was die Nazis für ein Problem mit diesen Parteien haben.
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Und noch kurz, die Bullen haben angekündigt, das von Avanti und dem Rest der Bürgers vorbereitete Blockadetraining am Samstag, in dem man lernen kann korrekt auf der Straße zu sitzen, zu verhindern.

Daher werde die Polizei auch das für Sonnabend angemeldete öffentliche „Aktionstraining“ unterbinden. Der Veranstalter habe von der Polizei entsprechende Auflagen erteilt bekommen. Das angemeldete „Antifaschistische Straßentheater“ könne stattfinden, Blockadeübungen werde die Polizei aber nicht zulassen. / sw

Der Vermutung, dass durch solch ein Training Gewaltbereitschaft ansteigen würde wage ich mal zu wiedersprechen. Aber vielleicht steigt die Gewaltbereitschaft ja wenn man von einer Hundertschaft Bullen abgetragen wird. Wer sich das Spektakel mit Staatsmachtbeteiligung angucken will sollte ab 17 Uhr am ZOB in Hannover erscheinen, wer da tatsächlich mitmachen will kann das von 11-16 Uhr in der Kunsthalle auf dem Gelände der Faust tun.
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Und last bot not least, die gestrige Räumung des besetzten Haus in Erfurt wurde in vielen Städten nicht unkommentiert hingenommen. In Weimar brannten 40 Mülltonnen und in Schweden haben Aktivist_innen eine Bullenwache besucht. Eine Übersicht findet sich beim Genossen schildkröte.

Deutschland in die Fresse boxen.

Heute Morgen haben die Bullen das besetzte Haus in Erfurt geräumt. Wiedereinmal wurde dadurch der praktische Beweis gebracht, dass für den demokratischen Staat andere Meinungen so lange tolerierbar sind wie sie sich auf einem demokratischen legalen Boden bewegen. Nun gilt es:

Samy, du läufst ja immer noch.

Dis wo ich herkomm, alter Hut. Samys Stellungsnahme ebenso, aber immer noch von einer derartigen Trollheit, dass nichts zu sagen an die Gefahr der Volksverdummung grenzt.

Sonst wird einem als Rapper immer vorgeworfen, wie wenig Inhalte heutzutage in der Musik transportiert werden und sobald mal einer was aussagt, muss er gleich ins Kreuzfeuer genommen werden und jedes Wort wird auf die Goldwaage gelegt.

Ungerecht. Da hat man »immerhin« schonmal Inhalt in einen Text gepackt und ist ob dieser Glanzleistung, mal ehrlich Samy Hip Hop mit Inhalt haben deine Kolleginen früher auch schon mal besser hingekriegt, mächtig Stolz. Und dann kommen die Kritiker, schultern die Waffe der Kritik und ballern einen da wo du herkommst. Über die Kritik die geübt wurde muss man nicht mal mehr was sagen. Um die Kritik zurückzuweisen reicht schon der Verweis auf die Goldwaagen, die die Kritiker_innen angeblich ausgegraben haben. Wenigstens in einem Punkt behält er recht: Samys Inhaltsschwere ist nur mit einer Goldwaage zu fassen- und genau da fängt mitunter das Problem an.

Es gibt also doch keinen Zusammenhang zwischen Adolf und Nationalstolz wie ich behauptet habe.
Schade.
Tut mir leid, falsch recherchiert.

Zumindest einmal scheinen dir die Argumente für deine These ja schon vor Gebrauch abhanden gekommen sein. Die These ist in ihrer Abstraktheit eben erstmal nicht endgültig zu wiederlegen. Aber anstatt konkreter zu werden gibt man sich auf inhaltlicher Ebene mit eingesteckten Dissen wohl zufrieden und hat »falsch recherchiert.«

Ich bin kein politischer Aktivist. Ich bin Musiker und Dichter und manchmal lenken die Worte den Inhalt und nicht andersrum.

Dieter Nuhr wagte sich schon vor Jahren in das Gebiet der Dummbeutelforschung und hat treffend festgestellt: »Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten.« Dürfte dieser Spruch auch mittlerweile zur Binsenweisheit verkommen sein hat er Samy anscheinend nicht erreicht. Nur weil nämlich die öffentliche Meinung meint, dass Deutschrap keinen Inhalt mehr hat muss nicht Messias Deluxe vom Altar herabsteigen und uns versuchen die Wahrheit zu erzählen. Falls du, Samy, in nächster Zeit doch noch vor hast die Rolle des »politischen Aktivisten« einzunehmen, und dich nicht von der folgenden Kritik überzeugen lassen willst, begrüßt dich der linke Bewegungszirkus bestimmt mit offenen Armen. Die schreiben auch Gedichte, machen Musik (sogar for real so mit Trommeln) und lassen gerne den Inhalt davon bestimmen, womit vermeintlich die Leute von ihrer Position weggezogen werden können, ergo was ihnen im Moment grad gefällt.

Genauso war mir klar, dass der Fakt, dass Hitler ein Österreicher war, für uns als Deutsche nichts besser macht, aber ich fand es
humorvoll und irgendwie auch passend „deutsch“, so ein Problem jemand anders in die Schuhe zu schieben.

Weißt du, du musst deine Platten verkaufen, ich sag das jetzt zum zehnten Mal und sowieso, aber bitte lass es in Zukunft sein. Deine populistischen Platitüden sind nämlich nichts anderes als was ich früher schon sagte. Für die nationale Mobilmachung zu gebrauchen. Das was du »euch Deutschen« erzählen willst hat nicht den Hauch von Gesellschaftskritik, die du vermutlich sogar noch meintest zu formulieren, sondern diente im Gegenteil immer nur dazu diese Gesellschaft in ihren, zur Zeit gerade angesagten Formen, deinen schönen Idealen entgegenzustellen. Das du erkennst, was du da für Scheiße fabrizierst will ich dir aberkennen. Könnte doch die Erkenntnis, dass es schon etwas typisch deutsches ist die Kritik von sozialen Problemen auf andere Gruppen zu projizieren, den Kapitalismus auf die Juden (heute vornehm Heuschrecken oder Finanzkapital), die Homophbie auf den Islam, Anlass zu der Erkenntnis sein, dass dieser »Exportschlager Leitkultur« und die vorgenommene Projektion nicht haltbar sind, betrachtet man ein wenig mehr als die schnöde Oberfläche. Schon ziemlich lustig das Ganze.

Merkwürdig finde ich, dass der Schreiberling sich ja scheinbar persönlich von mir angegriffen fühlt, obwohl bisher nicht mal
Österreicher negativ auf dieses Statement reagiert haben.

Denn wenn die Ösis nicht sauer sind, dass der Hitler einer von ihnen ist, hat das demokratische Votum entschieden, ist die Kritik abgetan?

Um eine komplette Generation, die mit ihrem Land mehr Schlechtes als Gutes verbindet.

Dass du einer kompletten Generation ihre positive Identität wieder einverleiben möchtest ist ja schon uncool. Wenn wir mal ehrlich sind und uns dieses Land und all die anderen Länder anguckt hat diese ganze Generation, wie die Generation davor und die danach auch nicht den kleinsten Grund mit »ihrem« Land allzu glücklich zu sein. Auftrag des bürgerlichen Staates ist nämlich keineswegs dein Ideal von Friede, Freude und von Eierkuchen, am besten ohne Nazis dafür aber mit ganz viel Deutschland, sondern die Organisation kapitalistischen Wettbewerbs. Dieser kapitalistische Wettbewerb hat, wie bei emsiger Recherche der Name vielleicht schon ergibt, ein Ziel: den Profit. Den Kapitalist_innen ist zum Erreichen dieses Profits im Grunde noch jede Methode recht, das noch nichtmal weil diese »gierigen Chefs« als Kind in den Kessel Raffgier gefallen sind, sondern weil sie im Falle eines unprofitablen Abschluss alles verlieren. Der Staat mischt sich dabei als Ordnungsmacht ein, er garantiert, dass die Produktion überhaupt zivilisiert laufen kann und das was allgemein als »Barbarei« oder »rückschrittlich« empfunden wird nicht passiert. Nämlich, dass die Leute mit Waffen den Leuten mit weniger Waffen ihr Hab und Gut nehmen und die Leute ohne Waffen, und ohne Hab und Gut, mal wieder richtig feudal zum Arbeiten bringen.
Dank all dieser tollen Staaten, die mit jeweils festgelegten Grenzen jeweils einen gewissen Teil der Welt unter ihrer Knute halten, haben wir also immer die »Freiheit« zu arbeiten, für einige ist diese Form der Arbeit gar so ein Ideal, dass es gar ein Recht auf Arbeit gäbe. Und diese Arbeit für die der Staat noch allen aufrührerischen Bewegungen die Finger wundkloppt dient genau einem Zweck: der Vermehrung des Profits des Kapitalisten mit dem wir gerade einen Arbeitsvertrag abgeschloßen haben. Wenn man nun die staatlich garantierten Freiheiten unter dem Licht betrachtet, dass sie einem selber aber überhaupt nichts nutzen sollte das Ideal, der guten weil wertschaffenden Arbeit zu verblassen beginnen. Als verdinglichte Wesen stehen, sitzen oder liegen wir an unserem Arbeitsplatz, nicht weil wir wollen sondern weil uns sonst ein Leben als armer rechtloser Pauper bliebe, für den Fall, dass uns überhaupt ein Leben bleibt. Neben dem Broterwerb, und dem oft auch nur knapp, haben wir nur eine Menge Zeit damit verschwendet Waren herzustellen, die uns aber gar nichts bringen und von anderen auch nur konsumiert werden können wenn diese vorher ihre Arbeitskraft zu verkaufen, sich also Tag für Tag schädigen. Ein Staat, der da nicht mit Tonfas sondern mit Sozialleistungen (auch wenn sich auch nicht ausschließen muss) die Bürger_innen bei Stange hält mag zwar erstmal symphatischer dreingucken macht aber am Ende dasselbe. Die Leute haben also allen Grund kräftig sauer zu sein auf den Staat.

Ich glaube nicht, dass ich die Lösung für alle Probleme habe, aber ich wollte einfach mal wieder Leute über etwas Anderes reden hören als wer mit wem Beef hat.

Beim nächsten Mal gehst du dann bitte in Café an der Alster und verschonst die Öffentlichkeit mit deinem Gesülze, einverstanden?

Ob wir es wollen oder nicht, ernst nehmen oder nicht, aber dieses Land ist die gemeinsame Basis von uns allen und unseren Kindern, die später alles das ernten werden, was wir jetzt säen.

Und das viel zu viele genau das wollen ist das Problem. Die begreifen eben nicht, was dieses Land, »die gemeinsame Basis von uns allen«, nämlich überhaupt nicht als gemeinsame Basis taugt. Mit den Idealen von Freiheit und Gleichheit im bürgerlichen Staat ist es nicht weit her. Wenn man eine Freiheit ohne Zwang, den Zusammenschluß der tatsächlich freien Menschen meint, dann entpuppen sich die staatlichen Reglementierungsversuche schnell als falsche Freiheit und falsche Gleichheit.

Ich weiß noch nicht, wie sehr ich diesem Land in seinem Entwicklungsprozess helfen kann, aber ob jemand mit einem „Hitler
blog“ jetzt der Richtige ist, um mich zu kritisieren und diesem Land zu helfen, weiß ich auch nicht.

Ich hoffe, dass du mal einsiehst, dass du diesem Land gar nicht helfen solltest. Andernfalls halte ich es mit deiner Eröffnung: »Was soll man da noch sagen???«

♥Tekknoatze