Die Kritik der Kirchen?

Für Deutschland ist die Kritik der Religion im wesentlichen beendigt, und die Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik.

Die profane Existenz des Irrtums ist kompromittiert, nachdem seine himmlische oratio pro aris et focis |Gebet für Altar und Haushalt| widerlegt ist. Der Mensch, der in der phantastischen Wirklichkeit des Himmels, wo er einen Übermenschen suchte, nur den Widerschein seiner selbst gefunden hat, wird nicht mehr geneigt sein, nur den Schein seiner selbst, nur den Unmenschen zu finden, wo er seine Wirklichkeit sucht und suchen muß.

Karl Marx, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung

Bei der autonomen Antifa [F] sieht das schon anders aus. In einem Redebeitrag äußern sich die wackeren Antifaschist_innen1 zur Säkularisierung.
Viel revolutionäres scheint der Frankfurter Verein zu diesem Gegenstand nicht beitragen zu wollen. Um eine Kritik des Opiums für das Volk geht es schon lange nicht mehr man begnügt sich damit festzuhalten, dass »Religionsfreiheit [..] daher zu aller erst gleiche Rechte für alle« heißt. Damit aber nicht genug, für die Antifa »als Linke« heißt das vor allem sich »maßgeblich für das Recht auf Freiheit von der Religion für alle einsetzen.« Denn »Religion ist Privatsache und das soll sie auch wieder werden.«
Die Hauptsache so scheint es sei endlich das Paradies vom Jenseits auf die Erde zu holen und »Kirchen zu Trinkhallen, Moscheen zu Tanzschuppen« umzudesignen, »langfristig« natürlich. Wenn dann auch die letzte Moschee ein Berghainabklatsch und die letzte Kirche ein gut laufendes Oktoberfestzelt ist, herrscht endlich der Geist von Sherry statt Sharia und alle sind glücklich. Nur das mit den gesellschaftlichen Grundlagen von denen am Anfang geredet wurde, das hat immer noch niemand verstanden, in diesem Paradies voller säkularer Staaten, die, ganz ohne dass ihr Herrschafspersonal dazu auf die Bibel schwört, das vermeintliche Paradies Tag für Tag durch Lohnarbeit, Bullenknüppel und Drogengesetze zur Hölle machen. Da nutzt dann auch der beste Moscheeklub und die tollste Kirchenkneipe nichts, selbst die in Synagogen geparkten Cocktailbars können das Frankfurter Paradies nur im zynischen Rausch zum Paradies machen.

  1. Antifa ist bei denen nämlich alles oder auch der »Kampf gegen die gesellschaftlichen Grundlagen aus denen heraus Menschen die Bereitschaft entwickeln, reaktionäre Denk- und Verhaltensmuster anzunehmen.« Dabei wusste auch ums Ganze schonmal, dass der Gesellschaft »als Ganzes antifaschistisch eben nicht beizukommen ist.« [zurück]
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3 Anmerkungen zu »Die Kritik der Kirchen?«


  1. 1 aber auch dat 18. März 2009 um 19:46 Uhr

    Die [f] macht aber auch sowas: http://www.autonome-antifa.com/cms/?p=76 also kaum ein unterschied zu dem was du willst…dort ging es uch um Klassenkampf gegen Kapitalismus und die ganze scheiß etc.:

    „Die radikale Linke und die Religion“
    Datum: 18.11.2008
    Kategorien: Sonstiges

    Teil der Veranstaltungsreihe „Die antifaschistische Linke im Spannungsverhältnis von Religion und Politik“

    In den Zeiten des sogenannten „Postfordismus“ scheint es seit Längerem eine breite gesellschaftliche Bewegung der Wiederentdeckung des Religiösen zugeben. Freie Kirchen in Deutschland oder evangelikale Gemeinschaften in den USA werden mit zunehmender gesellschaftlicher Rationalisierung nicht schwächer, im Gegenteil: der Zugewinn an Mitgliedern steigt mit dem ansteigenden gesellschaftlichen Konfliktpotential. Nach altem Muster mutet Religion und alles was dazu gehört also immer noch als ein Mittel der Krisenlösung an.

    Innerhalb der radikalen Linken ist die Beziehung zu/m Religiösen und dessen Bedeutung auch für Mobilisierungen überhaupt nicht so klar, wie die alte Standpunktbestimmung „Religion ist Opium für das Volk“ zu erst scheint.

    Deshalb wollen wir verschiedene grundsätzlich theoretische Standpunkte zu diesem Themenschwerpunkt aus der Linken hören, um diese mit- und gegeneinander zu diskutieren.

    Ausgehend davon wollen wir mit der Frage nach dem „reaktionären Kern“ oder „fortschrittlichen Potential“ des Religiösen das grundsätzliche Verhältnis der Linken zur Religion hinterfragen. Auch im Hinblick auf die Möglich- und Notwendigkeit einer linksdradikalen Praxis, die – wie sich anlässlich des rechtspopulistischen Kongresses von FPÖ und Co. in Köln im vergangenen September oder anlässlich der Probelmatik des Islamismus zeigt – zunehmend auch wieder mit reaktionären Bewegungen konfrontiert ist, die sich religiös legitimieren.

    Es diskutieren am 11.12.2008 um 20:00 Uhr im Studierendenhaus Campus Bockenheim:
    Silvia Mazzini (Berlin/Ernst-Bloch-Assoziation)
    Doris Zeilinger (Nürnberg/Ernst-Bloch-Assoziation)
    Ingo Elbe (Bochum/Rote Ruhr Uni)
    Slave Cubela (Frankfurt/Express Reaktion)

  2. 2 ♥Tekknoatze 19. März 2009 um 16:34 Uhr

    Das ist mir durchaus bewusst. Der Text ist eben ein meilenweiter Rückfall hinter theoretische Erkenntnis. Erinnert mich eher an das Vorgehen der IL oder AA/BO. Revolutionärer Antifaschismus in Reinform.

  1. 1 Human Traffic ☭ gegen die deutsche Langeweile Trackback am 25. März 2009 um 13:42 Uhr
Ein_e verbitterte_r Redakteur_in hat weite Kommentare zu diesem Beitrag untersagt.