Stauffenberg- das wahre Heldenbastelset

Gestern lief im ZDF der erste Teil von »Stauffenberg- die wahre Geschichte«, Stauffenbergs Leben und Wirken nachgezeichnet, nebenbei umso näher der Held der Heldentat kommt umso länger werden die einzelnen Eskapaden aus seinem Leben, so sieht man z.B. Stauffenberg kurz nach dem Hinzufügen seiner Verletzung in Afrika gefühlte 20 Minuten mit den Kindern (einfach nur lieb) durch den Garten tollen. Währenddessen erfährt man dann wie tapfer und aufrecht Claus gewesen sei. Referenzen nebenbei Zeitzeugen, die dem Urteil der Geschichte irgendwie bis jetzt davon gekommen sind.
Wenn man sich mal so die erste Stunde angeguckt hat merkt man vor allem eines: Stauffenberg hat schon nicht so coole Sachen gemacht, zum Beispiel mit seinem Bruder Stefan George verehrt oder die Bevölkerung in Polen als Pöbel bezeichnet, der sich vor allem unter der Knute wohlfühle, das ist aber alles nicht politisch gemeint gewesen. Weiß irgendeinsoein voll seriöser Stauffenberg Biograph dessen Namen ich mir beim besten Willen nicht merken konnte. Die Bemerkungen sind in einer Reihe über Bemerkungen zur Natur gefallen und Stauffenberg habe lediglich die Bevölkerung beschrieben. Wertfrei!
Der »überzeugte Offizier« (in dem Punkt sind sich auch alle einig beim ZDF) war ja kein Nazi, nein er hat Hitler nach seiner Machtergreifung sogar mal als »Kerl« bezeichnet, und das könne ja nur negativ konnotiert sein.
Highlight für mich in den ganzen Film: Stauffenberg (damals noch mit zwei Augen ausgestattet) kommt bei einem Vorgesetzten rein, setzt sich hin und versucht ihn zu überreden beim Widerstand mitzumachen. Das funktioniert ungefähr so: Stauffenberg »Nun mach schon.« Vorgesetzter: »Nein.« Stauffenberg: »Aber irendjemand muss doch was tun.« Vorgesetzter: »Wenn du nicht Ruhe gibst lass ich dich festnehmen.« Stauffenberg steht auf und verlässt den Raum. Der Sprecher kommentiert »Stauffenberg hat seine Pflicht getan.« scheitert aber am preußichen Offiziersgestus, Feldmarschälle rebellieren nicht und so.
Irgendwann setzt Stauffenberg sich dann auch noch mit seinem Bruder zusammen und schreiben, »ganz im Geiste Stefan Georges«, ein Manifest. Da reden sie dann auch wieder von Deutschland, das zu alter Macht und Stärke kommen solle, sind also die echten Vorbilder für das was Guido Knopp »Patriotismus, der nach seinen Wurzeln sucht« nennt.
Nächsten Dienstag wird Guido Knopp wieder die Wahrheit enthüllen, das Attentat und das Ende Stauffenbergs für Kriegstrümmern mit Kugel im Kopf verbleiben noch auszufüllen, das auf eine Stunde gestreckt, da muss schon jede Menge Wahrheit zum Einsatz kommen, bestimmt auch heulende Zeitzeugen, für die der Stauffenberg ja ein ganz großer war.

Und jetzt zur Werbung:
Die Berliner Gruppe »never going home« hat eine Broschüre unter dem Titel »Fragwürdige Traditionslinien« herausgebracht, die sich mit Stauffenberg und dem heutigen Gedenken an ihn beschäftigt. Das feine Ding kann hier runtergeladen werden. Viel Spaß damit.

♥Tekknoatze

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10 Anmerkungen zu »Stauffenberg- das wahre Heldenbastelset«


  1. 1 kuchen 14. Januar 2009 um 23:36 Uhr

    Ich wollte auch immer irgendwann in einem späteren Lebensabschnitt mal eine Augenklappe tragen, aber spätestens seit ich Tom Cruise dummdödelig damit auf dem Stauffenberg-Filmplakat gesehen hab, ist mir voll die Lust dazu vergangen. Dabei wollt ich doch so gern Pirat werden. :(

  2. 2 ♥Tekknoatze 14. Januar 2009 um 23:57 Uhr

    Hollywood is killing our dreams :(

  3. 3 frau m. 15. Januar 2009 um 1:19 Uhr

    die kinder (einfach nur lieb)…) großes kino, großer link :-)

  4. 4 ♥Tekknoatze 15. Januar 2009 um 1:52 Uhr

    Freut mich, werte Genossin.

  5. 5 im*moment*vorbei 15. Januar 2009 um 3:39 Uhr

    du darfst doch den tollen trailer nicht vergessen :d :
    http://operationwalkueretrailer.wordpress.com/

  6. 6 kaputt 15. Januar 2009 um 16:51 Uhr

    „nein er hat Hitler nach seiner Machtergreifung sogar mal als »Kerl« bezeichnet, und das könne ja nur negativ konnotiert sein.“
    So ein Prachtkerl :D

  7. 7 eule70 15. Januar 2009 um 23:54 Uhr

    Ich frage mich oft: was wäre aus Deutschland geworden, wenn diese Gruppe traditionalistischer Offiziere, deren Denken in einem längst überwundenen obrigkeitlichen, ständischen, militaristischen Staatsverständnis wurzelte, nach dem Krieg den neuen Staat gestaltet hätte? Nicht auszudenken!

  8. 8 ♥Tekknoatze 16. Januar 2009 um 8:15 Uhr

    Das kann doch aus der heutigen Warte reichlich egal sein, was denn dann gekommen wäre. Kann man doch auch gar nicht beantworten und ist für eine Kritik des deutschen Gedenkdiskurses überhaupt nicht nötig.

  1. 1 Mit den Augen einer alten Eule Trackback am 15. Januar 2009 um 23:48 Uhr
  2. 2 Wäh wäh… « Kaffee, Kuchen…Kommunismus! Pingback am 26. Januar 2009 um 13:03 Uhr
Ein_e verbitterte_r Redakteur_in hat weite Kommentare zu diesem Beitrag untersagt.