Politische Verwirrungen Part 57 aka SDAJ Nummer 2 Ausgabe 2

Das war erst der Anfang.
Das es Zeit ist zu Kämpfen wissen wir ja schon seit der Einleitung, dieses Mal kämpfen sie für das Recht auf Ausbildung und Studium.
Ausbildung und Studium so lernen wir ist ein Grundrecht, ungefähr so wie es Grundrecht ist demokratischen Trotteln wie euch voll eine in die Fresse zu zimmern, also gar nicht. Leider.
Wenn ihr es micht glaubt: im Grundgesetz Artikel Schulrechte. Und Artikel 8 Versammlungsfreiheit, in Artikel 7 steht viel über Privatschulen, nebenbei und in Artikel 8 etwas von friedlich, ohne Waffen versammeln, hätte so schön sein können.
Naja klar ist »es fehlen jedes Jahr hunderttausende AusbilDungsplätze und es werden jedes Jahr mehr.« Wer schuld ist ist ja nicht so die schwierige Frage, Zukunftskiller ick hör dir trapsen. Natürlich »vor allem in großen Konzernen wie Siemens, Allianz, Henkel, Bayer oder VW.«
Im Grunde aber sind die kleineren Betriebe nicht besser, denn wenn diese mal ausbilden »[bist] du als Azubi im Kleinebetrieb oft nur billige Arbeitskraft und der Willkür deines Chefs direkt ausgesetzt.« Und sonst so? »Aber auch in Großbetrieben greifen die Zukunftskiller die Qualität unserer AusbilDung an.« Puh, ich dachte schon die fetten Kapitalist_innen sind mal nicht schud.
Dann ganz lange nichts Neues, Staat und Kapital Hand in Hand, klar beibt wer schuld ist.
Um die AusbilDungsmisere zu belämpfen hat die SDAJ aber natürlich die derbsten Ratschläge zur Hand, warum die nicht auf Sachverständigenräten sitzen ist mir mehr und mehr ein Wunder. Das Ganze ist übrigens in der Form eines Gesetzes geregelt, nein soll in der Form eines Gesetzes geregelt werden.
»JedeR Jugendliche hat ein Recht (hoho, und nach der Revolution gleich zwei Rechte) auf einen betrieblichen AusbilDungsplatz m Berufsfeld seiner Wahl (Auszubildende als Bademeister_in: 0, Auszubildende als Manager_in Zukunftskiller_in: 50.000). eine Vergürung, die ein elternunabhängiges und menschenwürdiges Leben ermöglicht und eine unbefristete Übernahme im erlernten Beruf.«
Das sieht dann so aus, dass 60.000 Fachidiot_innen in der Firma ihrer Ausbildung rumhängen einen 2 Stunden-Tag knechten und die ausbildende Firma nach 2 Monaten wegen zu hoher Lohnkosten pleite ist, Idealismus ist schon was feines.
»Bei der AusbilDungsplatzvergabe gibt es keine Diskriminierung,« Und diese keine Diskriminierung ist wohlgemerkt gesetzlich festgeschrieben. »dafür eine Quote für Frauen, MigrantInnen und Behinderte!«´Genau, weil wo die Quote herhalten muss ist das ein untrügliches Zeichen für keine Diskriminierung.
Und zu schlechter Letzt: »Keine Verschlechterungen!« Ähm ja genau, weil status quo reicht, wenn es denn besser werden könnte.
Next: Studieren. Aus dem Studieren macht sich so mach eine_r schon einen ziemlichen Spaß, das sind dann die reichen Kinder auf den Privatunis, die ungestört vom Pöbel ihren Hobbys wie Lacrosse, Polo und Geld verbrennen nachgehen, während Arbeiter_innenkinder auf Unis fast nicht mehr zu sehen sind. Und die, die doch studieren und das nicht auf einer von den Eltern bezahlten Privatuni, die müssen sich mit Nebenjobs über Wasser halten. Das krasse, findet die SDAJ, an der ganzen Sache ist aber: »Nebenbei wirst du in solchen Billig-Jobs mächtig ausgebeutet
Arbeit im Kapitalismus hat natürlich nichts mit Ausbeutung der Arbeitskraft zu tun, wenn das so wäre wäre das Recht auf Arbeit zu erkämpfen ja voll schwachsinnig, danke SDAJ: alles was ich dachte über Arbeit zu wissen ist falsch.
»Die Zukunftskiller heben die Zugangsbeschränkungen Durch den Numerus Clausus (NC) an […]«
Der Numerus Clausus ist nämlich keinesfalls eine Zugangsbeschränkung zum Studium falls zu viele Leute ein Fach studieren wollen, sondern der böse Wille der Zukunftskiller.
Übrigens benutzt die SDAJ in ihrem ganzen Text einmal das Wort kapitalistisch und das, tschingrassabum, jetzt: »Der unter dem Schlagwort der »Hochschulautonomie« forcierte Wettbewerb der Hochschulen untereinander um Gelder aus der Wirtschaft verstärkt die allgemeine Ausbreitung kapitalistischer Konkurrenzverhältnisse.«
Ach was, der Kapitalismus breitet sich im Kapitalismus noch weiter aus. Und ich dachte Kaptalismus ist Kapitalismus ist Konkurrenz ist total. Denkste, noch ist nicht alles kapitalistisch und wenn wir SDAJ wählen dann kommt die RAD/D mit fetter Schützenhilfe an und die beiden schaffen den Kapitalismus ab ohne Geld, Wert und Tausch auch nur anzufassen.
»Wir haben ein Recht auf Studium!«, ja ne ist klar, das mit dem Recht und so muss man euch ja nicht erläutern auf eurem Weg zum Sozialismus. Und wieder fordere ich ein Recht auf Saalschlachten mit der SDAJ!
Um das Recht dann aber durchzusetzen haben sie wieder ein paar Forderungen aufgestellt. Wenn die Forderung nach einem guten Kapitalismus vielleicht schon arge Züge eines Oxymorons aufwies dann wird es jetzt erst richtig gut:
1. »Zulassung aller Bachelor AbsolventInnen zum Masterstudium!«
2. »Weg mit Bachelor- und Masterabschlüssen!«
Ha, da seid ihr baff, wa? Übrigens auch gefordert: » Keine Zulassungsbeschränkungen- Weg mit dem NC!« Ich freu mich schon auf Hörsääle für 100 Student_innen, die mit 500 restlos überfüllt sind. So manches macht halt schon irgendwie Sinn.

Das war es mit Teil 2, Teil 3 wird sich dann mit dem Recht auf Arbeit und dem tollen Teil Was tun? beschäftigen. Wenn ich mich dazu noch motivieren kann, mittlerweile ist mir das Amusement bei der Beschäftigung mit der SDAJ gründlich verflogen.

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2 Anmerkungen zu »Politische Verwirrungen Part 57 aka SDAJ Nummer 2 Ausgabe 2«


  1. 1 Tapete 16. Dezember 2008 um 15:49 Uhr

    Schön geschimpft, aber meinst du wirklich, dass „für die alle ist doch garkein Platz hier“ ein linkes Argument gegen die Abschaffung des NCs ist?

  2. 2 ♥Tekknoatze 16. Dezember 2008 um 18:48 Uhr

    Nö, ich hab aber auch nicht gegen den NC argumentiert, nur der Idealismus der SDAJ ist da halt vollkommen bescheuert, wer Bildung für alle ohne Selektion haben will, der sollte schon auf den Trichter kommen, dass Selektion in einer Klassengesellschaft immanent ist.

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