Nachrichten aus Griechenland haben, Blogger_innen (mich eingeschloßen), nicht Bloger_innen, Antifa-Gruppen, Krawalltourist_innen, nun eigentlich den Meisten, allerhand Spaß gemacht. Gezündelt wurde, Advent mit einer riesigen Kerze mitten in der Stadt begangen und dabei in gemütlicher Weihnachtsatmosphäre »Oh Tannenbaum« gesungen.
Nachdem Griechenland in den letzten Tagen dann auch die Medien von Springer bis junge Welt beschäftigte, ebbte die Welle der Begeisterung heute ab, Pendlerpauschale, das Urteil gegen den »Kofferbomber«, der sich nebenbei ganz stilecht mit gestrecktem Mittelfinger aus dem Prozessaal verabschiedet, und die Wirtschaftskrise sowieso sind wieder in aller Munde.
Der Spaß, bloß zynisch werden, für die griechischen Aktivist_innen, die den Staat zeitweise an die Grenze seiner Gewalt brachten, wird aber jetzt erst beginnen. Die griechische Regierung muss jetzt Handlungsfähigkeit beweisen, will sie nicht schneller weg vom Fenster sein als ihrerzeit die Popstars-Looser Nu Pagadi. Die griechische Regierung wird auch handeln. »Wir müssen die Menschenrechte achten und den Chaoten das Handwerk legen. Das ist nicht so leicht.« so der griechische Innenminister Prokopis Pavlopoulos.
Leitzitat für den Kurs der Regierung gegen die unliebsamen Störer_innen wird das werden, auch Kostas Karamanlis, seines Zeichens Ministerpräsident will »die Chaoten isolieren und verurteilen. Das ist unsere Pflicht«.
Exarchia und die gesamte linksradikale Szene Griechenlands wird eine riesige Repressionswelle bevorstehen. »Keine Gnade« so Karamanlis will man den Randalierer_innen entgegen bringen, keine Gnade will Karamangis nebenbei auch für den Mörder in Polizeiuniform gelten lassen, alle gemeinsam gegen Werteverfall und für die Demokratie, für den Rechtsstaat, denn das der Vorfall an diesem gekratzt habe wurde schon Sonntag in den ersten Reaktionen deutlich.
Alle gemeinsam muss man nicht zweimal sagen, auch der Chef der sozialistischen Partei Griechenlands, immerhin Mitveranstalterin der andauernden Proteste und Mahnveranstaltungen, Giorgos Papandreou wendet sich gegen die »häßlichen Bilder«, bemängelt, dass das »Land nicht über eine Regierung [verfügt], die den Bürger schützen kann« und erkennt »Wir alle müssen uns gegen die Gewalt wenden, egal wo sie herstammt.«
Das Kern des Problems und den Grund für die seit Jahren andauernden immer wieder aufschwellenden Unruhen in Griechenland, die systemische Gewalt steht da natürlich nicht zur Debatte, wozu denn auch, die Bürger_innen gehören ja schließlich geschützt.
Man kann also davon ausgehen, die Revolution ist ausgeblieben, das es weitergehen wird, auch nächsten Monat wird »der blinde Hass auf [den] Kapitalismus« (Spiegel Online) noch bestehen, gar nicht so blind sein und sich wieder regelmäßig an Banken, Polizist_innen und multinationalen Unternehmen manifestieren. Griechische Zustände halt, Zustände, die auch im Normalvollzug die absolute Katastrophe sein mögen, Zustände aber immerhin an denen die Gewalt nicht nur vom Staate ausgeht sonder, hin und wieder, auch auf diesen gezielt ist.
Ein Ende der Gewalt, ein Ende der griechischen Zustände wird es sobald nicht geben, denn Repression und Vergeltung seitens des sich beleidgt fühlenden Staates haben noch nie Reformen gebracht.
Eine Perspektive jenseits des Staates, das sollte die Linke auch erkennen, hat sich aus den Protestens aber auch nicht ergeben. Sozialer Kampf vielleicht, aber letzlich nur eine für die bessere Verteilung des Reichtums, für Reformen nicht für die Revolution. Vielleicht aber sozialer Kampf, der ein paar hundert Leuten klar gemacht hat, dass mit Staat und Gewalt keine Freude zu haben ist, es letzlich nur eine Frage der Zeit ist bis wieder ein Mensch tot auf dem Boden liegt. Dann wird aber kein Aufschrei durch die Massen gehen, denn der nächste Mensch, der vom System ermordet wird ist höchstwahrscheinlich ein_e Verhungerte_r oder Erfrorene_r, keine_r, der öffentlichtskeitswirksam mit einer Kugel aus einer Polizeipistole auf der Straße liegen bleiben wird.
♥Tekknoatze
Edit: »Gänsehaut.« (Keta Minelli)
gefunden bei toasty
was ich mich dabei immer frage, wieso diese ganze gleichmacherei der eu (
) nicht auch konsequent auf die polizeitaktiken angewand wird, sprich die nordeuropäer fleißig mit gummi umher ballern und die südeuropäer knallhart auf vollkontakt mit dem mob gehen.
nicht, dass ich das fordern würde.
Vielleicht, weil es hier einfach nicht nötig mit Gummigeschoßen auf Demonstrant_innen zu schießen? ich meine das bayerische BFE und die 23. schaffen es auch ohne Schußwaffen der Linken den Arsch gehörig auf Grundeis gehen zu lassen.
Wiederum wäre in Griechenland das Vollkontaktboxen mit dem Mob schon wieder eine andere Herausforderung. Ich hab da gestern so ’nen taz-Artikel verlinkt, da hat nen Grieche bzgl. der Bullentaktik beim G8 gesagt »Sowas würden die sich bei uns nicht trauen.«
♥Tekknoatze