Für eine Neubestimmung des Klassenbegriffes

Wenn heute noch von „Class War“ oder „Klasse gegen Klasse“ gesprochen wird, heißt das im Normalfall vor Allem eines: Die Fordernden haben einiges am heutigen Zustand der Klassengesellschaft nicht verstanden und hippeln immer noch auf einem Trip der revolutionsmachenden Arbeiter_innenklasse rum.
Fakt ist doch aber, das haben Vergangenheit und Gegenwart bewiesen und tun es tatgtäglich, dass der klare Gegensatz der Klassen aufgehoben. Da wo früher mehr oder weniger starre Linien verliefen kann heutzutage beinahe jede_r, vorausgesetzt ihr_sein Wille zur Verwertung ist ausgeprägt genug, die Klassengrenzen überwinden, ebenso bewiesen ist, dass die Arbeiter_innenklasse ihre damalige Rolle als revolutionäres Subjekt ziemlich vergeigt hat.
Daraus folgt dann auch als heutiges Beispiel, dass die_der durchschnittliche Arbeiter_in eher der BILD verfallen ist als den Marx Engels Werken und sich lieber Fußball auf einer Großbildleinwand anzugucken, dabei klammheimlich oder öffentlich besoffen ihre_seine Lieblingsnation abzufeiern, als das Programm zugunsten kritischer Theorie zu wechseln.
Man könnte sagen der Klasse geht es verdammt miserabel und das Virus „Revolution“ in der bürgerlichen Gesellschaft gut bekämpft wurde.
Tatsächlich aber kann keine Revolution zu machen sein, die nicht die (überwältigende) Mehrheit der Weltbevölkerung zu Subjekten dieser Revolution macht.
Noch ein Aspekt, der den Begriff der Arbeiter_innenklasse unmöglich macht als Begrifflichkeit emantipativer Bestrebungen ist, dass in diesem Begriff doch die tatsächlich elende Situation in der kapitalistischen Gesellschaft nicht zum Disput stellt, sondern sie vielmehr mit einer positiven Identität füllt.
Um den Klassenbegriff heutzutage also noch begrauchen zu können, als Ausweg aus der Scheiße nicht weiter rein in sie, muss der Inhalt dieser Klasse neu bestimmt werden.
Diese Klasse haben dann jene zu sein, die mit Kapital, Nation und Kultur brechen wollen, das ist die Klasse, die tatsächlich die Revolution machen kann, insofern man sie machen kann und keine unkontrollierbare Eigendynamik entsteht. Diese Klasse können aber tatsächlich alle Menschen bilden, prinzipiell vom Chef eines multinationalen Unternehmens bis zum prekarisiertesten Individuum der kapitalistischen Elendsgesellschaft. Bei dem einen steht es wahrscheinlich, dass es aus der Unnötigkeit sich mit solchen Themen zu beschäftigen, das einzelne Interesse ist ja gesichert wozu dann noch Gedanken über Konkurrenz machen, bei dem Anderen schlicht aus mangelndem Zugang zu den nötigen Informationen, niemand hat die Struktur des Kapitalismus in einer Nacht und noch dazu ohne Hilfe verstanden, oder auch aus mangelnder Zeit für solche Unternehmen, ist doch allerlei Mühe nötig sein eigenes Interesse zu wahren und überhaupt den nächsten Tag zu erleben.
Mit dieser neubestimmten Form von Klasse lässt sich dann auch wieder emanzipativ arbeiten. Eben weil nicht materielle Situation, sondern der Wille zur Veränderung die Zugehörigkeit bestimmen. Und diese Klasse der Klassengegner_innen kann dann auch als sowas wie ein revolutionäres Subjekt verstanden werden, oder besser als Zusammenschluß revolutionärer Subjekte.

Für die revolutionäre Klasse,
nie wieder Arbeiter_innenklasse.

♥Tekknoatze

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18 Anmerkungen zu »Für eine Neubestimmung des Klassenbegriffes«


  1. 1 bigmouth 25. September 2008 um 20:54 Uhr

    kann heutzutage beinahe jede_r, vorausgesetzt ihr_sein Wille zur Verwertung ist ausgeprägt genug, die Klassengrenzen überwinden

    so ein bodenloser schwachsinn

  2. 2 Justus 25. September 2008 um 22:07 Uhr

    „Da wo früher mehr oder weniger starre Linien verliefen kann heutzutage beinahe jede_r, vorausgesetzt ihr_sein Wille zur Verwertung ist ausgeprägt genug, die Klassengrenzen überwinden“

    Das ist wirklich sehr sehr arm – ne pseudo-antideutsche Variante von „Jeder ist seines Glückes Schmied“? BITTE les Dir Studien zur sozialen Mobilität durch, die ist speziell in Deutschland seit Anfang der 80er ständig am Sinken, und heutzutage so gut wie nur noch nach unten möglich. Mir tuts einfach weh, wenn ich so einen gedankenlos hingerotzen Dreck lesen muss.

  3. 3 ♥Tekknoatze 26. September 2008 um 2:13 Uhr

    Ist nicht tatsächlic innerhalb der kapitalistischen Konkurrenz jede_r Schmied des eigenen Erfolges? Der eigenen Vermarktung innerhalb der Prinzipien der Verwertung?
    Nur soviel. Wollte ja auch nur sagen, dass es prinzipiell möglich die Klassengrenzen zu überwinden. Das es in der Wirklichkeit nicht passiert ist richtig.
    Wenn dir das schon wehtut, Justus, dann musst du wohl regelmäßig im Krankenhaus liegen.

    bigmouth: Mensch kann Kritik auch durchaus ordentlich formulieren.

    ♥Tekknoatze

  4. 4 saltzundessick 26. September 2008 um 9:29 Uhr

    hast du vll. ‚klasse gegen klasse‘ als konzept nicht verstanden?

  5. 5 bigmouth 26. September 2008 um 13:06 Uhr

    Lies‘ mal Bourdieu dazu, wer überhaupt noch oben kommen kann! ausserdem: es gibt oben halt begrenzt viele stellen, da können halt nur 20% der leute hin. und die, die dort sind, tun natürlich alles, dass ihre blagen da auch bleiben!

    Wollte ja auch nur sagen, dass es prinzipiell möglich die Klassengrenzen zu überwinden. Das es in der Wirklichkeit nicht passiert ist richtig.

    warum dann diese tolle erkenntnis, die auch marx schon formulierte (3. band)?

  6. 6 besserscheitern 26. September 2008 um 14:16 Uhr

    Wenn du sch0on die Kritische Theorie ranzerrst, dann les sie doch bitte auch selbst. Der Artikel greift ja zunächst einen zutreffenden Aspekt heraus, aber schon die Rate an Rechtschreibfehlern scheint zu beweisen, dass er schnell aus der Hüfte geschoßen wurde.

    Mit der Feststellung, dass das Klassenbewusstsein im Schwinden begriffen bzw. bildlich gesprochen nur noch mit der Lupe zu finden ist, kann glaube ich jeder Mitgehen aber das geht ja wie von den anderen angemerkt wurde nicht mit der Aufhebung der Schweinerein des Schweinesystems einher.

  7. 7 Justus 26. September 2008 um 16:11 Uhr

    Das Wettbewerbs- und „Leistungs“-Gelalle ist doch nur die Ideologie, die die Leute davon abhalten soll, dagegen aufzubegehren, dass sie in ihre Stellung in der Gesellschaft hineingeboren sind! So soll sich die Mehrheit

    a) schuldig fühlen, weil ihre Armut davon zeugt, dass sie nicht genügend „geleistet“ hat, sich nicht genügend angestrengt hat
    b) auf keinen Fall identifizieren mit Leuten, denen es noch schlechter geht als ihr selbst. Die muss man hassen für ihre Faulheit und Leistungsverweigerung
    c) mit den Chefs identifizieren – die leisten am meisten, und schon morgen könnte man selbst einer von denen sein, wenn man sich nur mehr anstrengt.

    Aber reich wird man halt nicht durch Arbeit, sondern dadurch, dass man Leute arbeiten läßt.
    Diese dämliche Leistungsideologie soll doch nur vermitteln, dass jeder genau das kriegt, was er verdient, und desahlb Ungleichheit, Hunger und Armut gerecht sind.

  8. 8 anti 26. September 2008 um 16:18 Uhr

    ihr liegt alle falsch. der klassenbegriff an sich ist obsolet. zeig mir mal einer, wie mehrwert angeeignet wird oder erklärt mir warum der kapitalist nicht produktiv arbeitet.
    @ bigmouth, kannst eigentlich gleich überall pimmelwichserarschloch drunterscbreiben, dann musste dein überhebliches narrengepöbel nicht immer am artikel orientieren. das hat doch keinen zweck.

  9. 9 phex 26. September 2008 um 16:23 Uhr

    dass die Klassengrenzen so einfach überschritten werden können ist wirklich falsch.
    Dass die ArbeiterInnenklasse kein revolutionäres Subjekt ist und auch nicht in klassischer vorstellung werden wird (ob sie es mal war ist ja noch eine andere Frage) bleibt dadurch aber unberührt.

    es erschliesst sich mir allerding nicht, wieso, nur um den Begriff der Klasse zu retten, einfach alle CommunistInnen/AnarchistInnen (darauf läufts ja in etwa hinaus) unter den Begriff Klasse subsumiert werden sollen.

  10. 10 ♥Tekknoatze 26. September 2008 um 17:28 Uhr

    besserscheitern: Ich hab gesagt, dass schwindendes Klassenbewusstsein mit der Aufhebung des Schweinesystems einhergehen? Ist mir so nicht bewusst.
    Die Neubestimmung einer revolutionären Klasse sagt erstmal nichts über die Dekonstruktion der bestehenden Verhältnisse aus.
    Und eben diese bestehenden Verhältnisse tragen als Prinzip die Arbeiter_innenklasse sowie die Kapitalist_innenklasse in sich.
    Was ich sage ist, dass wenn mensch schon Klasse als Begrifflichkeit einer Gruppe von Subjekten sieht, die soziale Kämpfe führen, diese Klasse nicht anhand ökonomischer Stellung zu definieren ist sondern anhand der Begehren.
    „nie wieder Arbeiter_innenklasse“ war auch durchaus darauf bezogen die Klassengesellschaft endlich an den Nagel zu hängen.

    Wenn du sagst, dass der Tet schnell dahingeschrieben wurde dann hast du damit tatsächich Recht, das war eine These, die ich mir im Laufe des Nachmittags überlegt hatte und zur Diskussion stellen wollte, was ja auch geklappt hat, dass diese Diskussion dann immer wieder in persönliches Beleidigen umschlagen muss ist hier auf Blogsport wohl ein Nebeneffekt, gegen den mensch kaum etwas tun kann.

    bigmouth: ja werd ich mal lesen.

  11. 11 schnick 26. September 2008 um 18:45 Uhr

    @Tekknoatze: Hast Du jetzt die Multitude neu erfunden? ;)

  12. 12 ♥Tekknoatze 26. September 2008 um 18:51 Uhr

    Wenn du es so sehen willst. Übrigens ohne Negri auch nur angerührt zu haben. Peace.

    ♥Tekknoatze

  13. 13 schnick 26. September 2008 um 20:11 Uhr

    „ihr liegt alle falsch. der klassenbegriff an sich ist obsolet. zeig mir mal einer, wie mehrwert angeeignet“

    indem man leuten weniger zahlt, als das produkt ihrer arbeit wert ist?

    „oder erklärt mir warum der kapitalist nicht produktiv arbeitet“

    wenn einer per definition kapitalist ist, arbeitet er halt nicht selbst, sondern investiert und läßt arbeiten. dass diese rolle nicht die einzige ist, die ein realexistierender mensch so spielt, spricht ja nicht gegen das konzept, sondern nur gegen personalisierung

    kann es sein dass du kapitalist mit manager gleichsetzt?

  14. 14 lyziswelt 04. Oktober 2008 um 20:53 Uhr

    -

  15. 15 lyziswelt 04. Oktober 2008 um 20:58 Uhr

    -

  16. 16 ♥Tekknoatze 04. Oktober 2008 um 22:27 Uhr

    lol. „leck mich am arsch“ (schleimkeim).

  1. 1 Blogsport-Trottel I | Das geprüfte Argument Pingback am 26. September 2008 um 8:11 Uhr
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