Kurzes zur Antifa-Konferenz

Wie allgemein bekannt hat der AK Antifa der Uni Köln am letzten Wochenende einen Kongress im Rahmen der Gegenmobilisierungen zum „Anti-Islamisierungs-Kongress“ der rechtspopulistischen Bürgerinitiative pro Köln veranstaltet.
Diskutiert werden sollte über Islam(ismus)kritik, Rechtspopulismus, antimuslimischen Rassismus sowie Möglichkeiten der Gegenwehr.
1. resultierend aus der Veranstaltung eine Buchempfehlung:
Die Entführung aus demSerail von Georg Klauda, nähere Informationen bei lysis.
Dass die hardcore Antideutschen der Georg Weerth Gesellschaft, die sich vor dem Kongress mit einem Flugblatt äußerten, dem Autor gegen Ende seiner Veranstaltung vorwarfen er hätte gesagt „die Scharia sei eine gute Sache“ soll hier nur als absurde Randnote erwähnt sein.
2. Weiterhin ungenügend fand ich die Besetzung des Podiums zu Rechtspopulismus und spätbürgerlicher Gesellschaft.
Wenn Freerk Huisken vom GegenStandPunkt zwei SozialdemokratInnen gegenübersitzt ist klar, dass Huisken die theoretische Analyse haushochgewinnt. Was fehlte war aber statt zwei VertreterInnen bürgerlicher Gesellschaft en zweiter radikaler Punkt, der neben der theoretischen Abhandlung, die der GSP zu liefern vermag, etwas in Richtung Intervention zu sagen hat. Viel vermeintliche Spannung der Diskussion wurde so vergeudet.
3. Beim letzten Podium am Samstag „What’s the climate?“ zwischen dem …ums Ganze! Bündnis der NEA und einem Vertreter des Antifa KOK, gleichzeitig Vertreter der IL, wurde wieder viel Diskussionspotential auf dem Publikum durch Abhandlungen über die Berliner „Vokülinke“, Witzen über Köln und Diskussionen über Religions- oder Islam(ismus)kritik verschwendet, so dass die verschiedenen Politikansätze zwar weitesgehend vorgestelt worden aber kaum Gegenstand einer Diskussion wurden.
4. Sonntag hab ich nur den Vortrag der phase 2 Leipzig über Islamismus und Integration gehört, beziwhungsweise besser ausgedrückt ein Plädoyer für eine Islamkritik.
Laut dem Referenten sei Islamkritik grundsätzlich kein Rassismus, aber auch die zugegebene Istrumentalisierung von Islamkritik von Seiten rassistischer Kräfte sei keineswegs ein Grund von antimuslimischem Rassismus reden.
Mit einer gewissen (post)modernen Arroganz wurde vorgetragen wie schlimm der Islam doch sei, seien dort doch Homophobie und Frauenfeindlichkeit an der Tagesordnung, folgend dieser Hinstellung vom Islam als böseste aller Religionen und der Abschaffung der, wenn auch fließenden Trennung, von Islam und Islamismus wurde dann auch gefordert, dass es gemäß einer Antifasozialisation nötig sei eine Muslima mit Burka anzusprechen und notfalls als „Demonstrantin“ reaktionärer Ideologie anzugreifen.
Diese Trennung von Islam und Islamismus wurde dann auch dem ums Ganze Bündnis vorgeworfen, es letztlich sogar als Vorstufe des Bundesinnenministeriums bezeichnet.
5. Wenn Vertreter des GSP auf verschiedenen Veranstaltungen immer wieder auf die Unnötigkeit des Antifaschismus auf Grund der momentanen Herrschaft des Kapitalismus proklamieren ist das soweit nichts Neues. Immer wieder Scheiße bleibt aber die dahinter stehende Argumentation, dass von FachistInnen ja keine wirkliche Gefahr ausgehe.
Ist es doch angesichts der realen Bedrohung vieler Menschen durch faschistische Kräfte geradezu Hohn dem Antifaschismus seine, wenn auch nervige, Nötigkeit abzusprechen.
6. All die Veranstaltungen auf die ich hier hingewiesen habe sowie all die anderen, die ich nicht besuchen konnte werden, inklusive Diskussion, auch als Audiomitschnitte veröffentlicht.

♥Tekknoatze

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10 Anmerkungen zu »Kurzes zur Antifa-Konferenz«


  1. 1 Rakete 09. September 2008 um 1:09 Uhr

    Immer wieder Scheiße bleibt aber die dahinter stehende Argumentation, dass von FachistInnen ja keine wirkliche Gefahr ausgehe.

    Worauf beziehst du das konkret? bin dieser argumentation am WE nicht begegnet…

  2. 2 Wendy 09. September 2008 um 2:10 Uhr

    Also hier in Berlin hat der Decker Peter und andere seiner Crew immer wieder draufhingeweisen – Decker sogar zu Anfang seines Vortrags –, dass von Faschos gerade in bestimmten, ostdeutschen Regionen eine nicht zu vernachlässigende Gefahr für Leib und Leben ausgeht. Diese ist aber nun wirklich nicht mit dem zu vergleichen, was die demokratische Herrschaft alles an Gewalt, Toten und Elend produziert. Das muss in aller Deutlichkeit gesagt werden, weil da in der Beurteilung immer krasse Ungleichgewichte bestehen.

  3. 3 MPunkt 09. September 2008 um 7:09 Uhr

    Du solltest vielleicht mal Selbstschutz und Antifa trennen. Selbstschutz ist selbstverständlich sinnvoll, aber er ist eben kein politisches Programm, sondern nur die Bedingung, eins verfolgen zu können. Antifa macht sich hingegen die Verteidigung der Demokratie gegen den Faschismus zum politischen Programm. Und da kann man, s. Wendy, schon mal drauf hinweisen, dass Ausländeranzündei und Dorflinke verprügeln echt nur blutige Fußnoten zu dem sind, was die demokratische Herrschaft mit Ausländerpolitik und Terrorbekämpfung in In- und Ausland und sonstigen Imperialismus an Bedrohung hinbekommt. Die vor den paar Nazihanseln schützen zu wollen, ist gleich doppelt lächerlich. Zum einen (und das ist das Argument) weil aus der Gegnerschaft zu den Neonazis nie und nimmer eine Parteinahme für die Demokratie folgt. Und zum anderen (das ist nur praktisch draufgesattelt), weil deren Machtübernahme nun wirklich nicht ansteht.

  4. 4 ♥Tekknoatze 09. September 2008 um 21:34 Uhr

    Rakete: z.B. von einem offensichtlichen Anhänger des GSP auf der Vorstellung vom uG Aufruf, dessen Beitrag mit der Anmerkung endete, dass man am 19./20. zu Hause bleiben solle.

    Wendy: Ich hab Decker noch nie reden hören. Aber so wie er sagt hört könnte man es auch so

    Das so banale wie gar nicht revolutionäre Ziel des Antifaschismus ist also stets, zu verhindern, dass dem zweckrationalen Mordsgeschäft des Kapitalismus im nationalen, kulturellen oder religiösen Wahn noch weitere Massaker hinzugefügt werden – und die daraus resultierenden Leichenberge die Perspektive auf Emanzipation ganz versperren. […] Antifaschismus, als die Verteidigung bürgerlicher Mindeststandards, ist damit unter dem Niveau der vernünftigen Gesellschaftskritik.

    ausdrücken.

    MPunkt: Gegen FaschistInnen nicht vorgehen zu wollen, weil ihre Machtübernahme gerade nicht bevorsteht ist doch nicht anderes als eine Verhamlosung faschistischer Kräfte, genauso nebenbei wie den Faschismus, bzw. die Aktionen der FaschistInnen, als „blutige Fußnote“ der bürgerlichen Gesellschaft zu bennenen. Ist dann der Kommunismus nur die emanzipative Fußnote der bürgerlichen Gesellschaft?
    Dass Antifaschismus nichts revolutionäres ist, ist mir durchaus bewusst. Aber gerade weil praktischer Antifaschismus die Grundlage der eigentlichen radikalen Kritik retten kann (nicht muss) hast du bei freiezeiten ja durchaus schon eingesehen. Und darum geht es miir. Nicht Antifa als Selbstzweck sondern, wie oben im uG Aufruf ja gesagt, Antifa als Sicherung der Grundlage einer emanzipativen Kritik.

    ♥Tekknoatze

  5. 5 Wendy 10. September 2008 um 4:11 Uhr

    Oder mensch sagt weniger schwurberlig, dass ein paar prügelnde und ab und an totschlagende Nazis dem, was die Demokratie an Toten und Verletzten produziert, nicht das Wasser reichen können…

    ♥Tekknoatze, du musst dich vor Faschos retten? Steht denn schon die SS bei dir vor der Tür? lol. Die Faschos sind doch grad noch marginalisierter als die Linke, also wovor hast du Angst?

  6. 6 MPunkt 10. September 2008 um 6:58 Uhr

    Ich sage ja nicht, dass man nicht gegen Faschos vorgehen soll, wenn/ falls sie gerade eine akute Bedrohung für einen darstellen, sondern dass es Quatsch ist, die demokratische Herrschaft gegen die zu verteidigen. Und ich sage auch bei freiezeiten nirgends, dass diese irgendwie als Bedingung emanzipativer Kritik beschützt werden müsse. Zwar ist nicht von Nazis plattgemacht zu werden, eine Bedingung für alles weitere – das trifft aber genauso auf die demokratische Herrschaft zu, welche da aktuell weitaus mehr an Bedrohung auf die Beine stellt, als ein paar alberne Nazihanseln (selbst hier im Osten). Wenn man ernsthaft an Selbstschutz interessiert wäre, statt an einem voll kritischen Fantum zur Demokratie, stünde also erst recht eine Gegnerschaft gegen die an.

  7. 7 Tom Fancy 10. September 2008 um 12:47 Uhr

    Immer wieder schön, wenn Menschen von ihrer Logik in ihrem Handeln und Denken so überzeugt sind und dabei eigentlich doch nur träumen.

  8. 8 rockstar 10. September 2008 um 14:35 Uhr
  9. 9 ♥Tekknoatze 11. September 2008 um 16:13 Uhr

    Wendy: Nein, tatsächlich steht die SS bei mir nicht vor der Tür, ebenso wenig wie die heutigen Nazis mich zu Hause besuchen. Was aber nichts daran ändert, dass auch ein total marginalisierter Nazikader mich (oder andere) auf der Straße erkennen kann, wie gesagt wie viele Stimmen die NPD dann hat ist sowohl ihm als auch mir dann relativ egal.

    MPunkt: Hmm ja versteh ich ja alles soweit und 90% geh ich mit dir d‘accord. Und über die restlichen 10% zu streiten find ich weitgehend sinnlos, vor Allem weil ich weiterhin die uG Linie vertreten werde und du/ihr die GSP Linie, was ja irgendwie auch gut so ist, aber die Diskussion obsolet macht.

    rockstar: Ich kann mir schon vorstellen, was er sagen wird, aber ich hörs mir die Tage mal an.

    ♥Tekknoatze

  1. 1 MPunkt Trackback am 09. September 2008 um 20:53 Uhr
Ein_e verbitterte_r Redakteur_in hat weite Kommentare zu diesem Beitrag untersagt.